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Synagoge

Jüdisches Versammlungshaus

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Eine Synagoge (von altgriechisch συναγωγή synagōgē, „Versammlung“) ist ein Gebäude, das der Versammlung, dem gemeinsamen Gottesdienst und oft auch als Lehrhaus einer jüdischen Gemeinde dient. Es dient auch als Ort für soziale und kulturelle Veranstaltungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft. Sie ist die wichtigste Institution im Judentum und hat den gemeinschaftlichen Gottesdienst des Christentums und des Islams maßgeblich beeinflusst.

In welchen Fällen in antiken Schriften συναγωγή (synagōgē) ein Gebäude zur Versammlung und zur Verrichtung religiöser Handlungen bezeichnet, und welcher Art diese waren, ist in der Forschung ebenso umstritten wie die Zeit der Entstehung der ersten Synagogen.

Versammlungsorte in verschiedenen alten Sprachen

Synagoge (von altgriechisch συναγωγή synagōgē, latinisiert synagoga) ist – in unterschiedlicher Schreibweise – die häufigste Bezeichnung für den jüdischen Sakralbau in den modernen Sprachen. Im Neuhebräisch wird er als בֵּית כְּנֶסֶת bet knesset, „Haus der Versammlung“, oder בֵּית תְּפִלָּה bet tefillah, Haus des Gebets, bezeichnet. Im Mittelalter wurde er schola, später italienisch scuola, deutsch Schule genannt, Juden mittel- und osteuropäischer Herkunft verwenden vielfach das jiddische schul, in einigen Dialekten schil. Im Reformjudentum des 19. und frühen 20. Jahrhunderts nannten ihn die deutschsprachigen Juden Tempel, eine Bezeichnung, die in Nordamerika außerhalb der strengen jüdischen Orthodoxie sehr gebräuchlich ist. Sephardische Juden, deren Vorfahren aus Spanien und Portugal stammen, verwenden traditionellerweise das spaniolische esnoga, während etwa im Iran kenisa gebräuchlich ist. Chassidische Juden, die keinen Wert auf prunkvolle Synagogen legen, bezeichnen ihre kleinen Bethäuser als stibl (Stube) oder Klaus (Klause).

Synagōgē (Versammlung) ist eines der griechischen Wörter, mit dem die Septuaginta, die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel, das hebräische עדה edah oder קהל kahal (Versammlung) übersetzt. Gleichbedeutend und besonders für letzteres wird auch die Übersetzung ekklēsia verwendet. Hellenistische, griechisch schreibende Juden der Diaspora gebrauchten meist das Wort προσευχή proseuchē, das in der Septuaginta in der Regel das hebräische תפילה Gebet übersetzt. Daneben sind vereinzelt τόπος topos, Ort, auch mit dem Zusatz heilig, σαββατείον sabbateion, Schabbathaus, διδασκαλείον didaskaleion, Lehrhaus, und andere Ausdrücke belegt.

Die griechische Bezeichnung synagōgē wurde allmählich spezifisch für religiöse Versammlungen, besonders jüdische verwendet. Ab dem 1. Jahrhundert n. Chr. wurde sie in Palästina auf das Gebäude übertragen, in dem die Versammlungen stattfanden und hat sich später auch in der Diaspora durchgesetzt. In der antiken rabbinischen Literatur wird dagegen בית הכנסת bet ha-knesset, Haus der Versammlung, בית התפילה bet ha-tefillah, Haus des Gebets, oder בית המדרש bet ha-midrasch, Haus des Lernens, verwendet. Aramäisch ist כנשתא kenischtah in Inskriptionen belegt.

In der christlichen Tradition wurde die Synagoge (im Mittelalter kirchenlat. synagoga) zum Symbol des Judentums und ihr das ursprünglich nahezu gleichbedeutende Wort Ekklesia (lat. ecclesia) als abgrenzende Bezeichnung für das Christentum gegenübergestellt.

Die Entstehungszeit der Synagoge ist umstritten. Sowohl jüdische Quellen als auch das Neue Testament nennen Mose als ihren Begründer. In der rabbinischen Literatur werden jedoch keine Synagogen genannt, die, selbst der Legende nach, in frühester oder in der Zeit des ersten Jerusalemer Tempels bestanden hätten. Als biblischer Hinweis auf die frühe Existenz von Synagogen wird Jeremia 39,8 angesehen, so etwa vom jüdischen Gelehrten des 11. Jahrhunderts Raschi. In Psalm 74,8, der aus der Makkabäerzeit stammen soll, wird die Zerstörung von Versammlungsstätten beklagt, wofür die Septuaginta das Wort synagōgē verwendet.

Als möglicher Entstehungsort der Institution Synagoge wird bereits seit dem 16. Jahrhundert das babylonische Exil nach der Zerstörung des ersten Tempels vermutet. Bei Ez 11,16 im babylonischen Exil ist die Rede von einem kleinen Heiligtum, das, neben der mehrmaligen Erwähnung der Versammlung der Ältesten vor Ezechiel, als Hinweis auf das Bestehen von Synagogen gedeutet wird. Archäologische und schriftliche Zeugnisse machen die Existenz von Synagogengebäuden zur Zeit des Zweiten Tempels (etwa 500 v. Chr.), sowohl im Land Israel wie auch in der Jüdischen Diaspora jedoch wahrscheinlich.

Für die nachfolgende persische Zeit werden bei Esra und Nehemia Gottesdienste erwähnt, die von einigen Wissenschaftlern als Vorform der Synagoge erachtet werden. Andere schreiben die Entstehung der Synagoge der Sekte der Pharisäer zu, die sie als demokratischere Alternative zum von den Sadduzäern dominierten Tempel im 2. Jahrhundert v. Chr. in Judäa entwickelt haben sollen, was von anderen Forschern jedoch abgelehnt wird. Eine weitere Theorie vermutet den Ursprung der Synagoge in den Versammlungen am Marktplatz oder am bzw. im Stadttor, die in der Bibel erwähnt und durch archäologische Funde gestützt werden.

Die ältesten Zeugnisse, die auf die Existenz von jüdischen Versammlungshäusern hinweisen, stammen aus der hellenistischen Zeit. In Ägypten wurden mehrere griechische Papyri und Inschriften gefunden, die die Bezeichnung proseuchē oder proseuchē tōn Ioudaiōn verwenden und sich auf jüdische Versammlungshäuser beziehen. In einem Brief aus Alexandrou Nesos in Mittelägypten, der auf das Jahr 218 v. Chr. datiert wird, bittet eine nicht-jüdische Frau Ptolemaios IV. um Hilfe bei der Rückgabe eines ihr gestohlenen Umhangs, der vom offenbar jüdischen Dieb in die proseuchē gebracht worden war. Die beiden ältesten Inschriften mit der Bezeichnung proseuchē werden in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. datiert und stammen aus Arsinoë-Krokodilopolis in Mittel- und aus Schedia in Unterägypten. Bei beiden handelt es sich um Widmungsinschriften, in denen die proseuchē König Ptolemaios, hier Ptolemaios III., seiner Gattin und Schwester Königin Berenike sowie ihren Kindern gewidmet wird. Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde einer proseuchē in einem nicht bekannten ägyptischen Ort das Recht der Asylie verliehen, das damals auch einige bedeutende Tempel anderer Religionen erhielten. Welcher Art von Kulthandlungen die proseuchen in Ägypten dienten, ist jedoch nicht bekannt.

Älteste archäologisch belegte Synagogen

Marilyn Joyce Segal Chiat nennt in ihrer Dissertation über die Synagogen im antiken Palästina folgende Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit eine Ruine als Synagoge identifiziert werden kann: Das Gebäude oder Fragmente desselben müssen entweder mit Motiven dekoriert sein, die als jüdische Motive bekannt sind, wie der Toraschrein, die Menora, das Schofar oder Etrog und Lulav, oder es muss durch eine Inschrift bezeugt sein, dass das Gebäude von einer jüdischen Gemeinschaft als Ort für religiöse Versammlungen erbaut und genutzt wurde. Dazu gehört der Einzelfund in Jericho (75 v. Chr.).

Die ältesten bis heute ausgegrabenen Bauten, die als mögliche Synagogen identifiziert werden, stammen aus der griechisch-römischen jüdischen Diaspora. Es handelt sich, wie Archäologen annehmen, um Gebäude, die für einen anderen Zweck – mit einer Ausnahme als Wohnhäuser – errichtet und nachträglich zu Versammlungshäusern umgebaut wurden. Sie weisen keinen besonderen Baustil auf, sondern folgen den örtlichen Traditionen, verfügen im Unterschied zu späteren Synagogen meist über keinen Aufbewahrungsort für die Torarollen und sind noch nicht Richtung Jerusalem ausgerichtet.

Als ältestes Bauwerk gilt die Synagoge auf Delos auf der gleichnamigen griechischen Insel. Die Ruinen werden in die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. datiert, ältere Teile, möglicherweise eines ursprünglichen Privathauses, ins spätere 2. Jahrhundert v. Chr. In den baulichen Überresten fand sich als einziger Schmuck ein kunstvoll gestalteter Marmorsessel, der als „Sitz Moses“ in Frage kommt, wie er in anderen Synagogen gefunden wurde. Die Widmung an den „höchsten Gott“ (theos hypsistos), mit dem allerdings auch Zeus gemeint sein kann, und eine in einem benachbarten Raum gefundene Weihinschrift mit der Bezeichnung „proseuchē“ weisen das Gebäude nach Ansicht von Fachleuten als mögliche Synagoge aus.

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