An diesem Tag

Sybille Schmitz

Deutsche Schauspielerin

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Sybille Maria Christine Schmitz verehelichte Petersson (* 2. Dezember 1909 in Düren; † 13. April 1955 in München) war eine deutsche Schauspielerin.

Sybille Schmitz wuchs in einem gutbürgerlichen Umfeld auf. Ihre Großmutter besaß eine Konditorei in Düren, ihr Vater Joseph war Konditormeister, Mutter Anna, geborene Dahmen, stammte aus der Familie eines Matratzenfabrikanten. Nach dem Besuch des Katholischen Lyzeums in Düren wurde Schmitz 1920 in die Internatsklosterschule in Lohr am Main geschickt, in der zuvor auch ihre Mutter war. Dort war Schmitz in der Theatergruppe aktiv und wurde gern mit Hosenrollen bedacht. Nach drei Jahren verließ sie Lohr und besuchte auf Wunsch des Vaters mit 14 Jahren eine Handelsschule in Köln.

Auf Fürsprache der Schauspielerin Louise Dumont wurde sie anschließend in die Ausbildungsklasse des Kölner Schauspielhauses aufgenommen. Als sie zwei Monate später erste kleine Rollen spielen durfte, gab es Ärger mit neidischen Mitschülern. Nach drei Monaten verließ Schmitz die Ausbildung.

Mit einem Empfehlungsschreiben Louise Dumonts an den Schauspielagenten Otto Merten und 100 Mark Reisekasse machte sich Sybille Schmitz als 17-Jährige nach Berlin auf, um ihre Karriere als Schauspielerin zu starten. Sie nahm privaten Schauspielunterricht bei Eugen Herbert Kuchenbuch. Merten verschaffte ihr einen Termin zu einem Vorsprechen am Deutschen Theater, das von dem Schauspieler und Intendanten Max Reinhardt geführt wurde. Dass sie keine abgeschlossene Schauspielerausbildung vorweisen konnte, störte nicht: Sie erhielt erste kleinere Rollen und im Jahr 1927 einen Dreijahresvertrag als Ensemblemitglied des Theaters mit einer Monatsgage von 250 Reichsmark.

1928 stand sie für den SPD-Werbefilm Freie Fahrt unter der Regie von Ernő Metzner erstmals vor einer Filmkamera.

Nach einem Engagement im Hessischen Landestheater und weiteren Filmrollen zählte Schmitz in den 1930er Jahren zu den bekanntesten Charakterdarstellerinnen des deutschen Films. Den Übergang vom Stumm- zum Tonfilm meisterte sie ohne Schwierigkeiten. Sie überzeugte in Hauptrollen neben beliebten Darstellern wie Hans Albers, Willy Birgel, Gustav Fröhlich oder Heinz Rühmann. Zu sehen war sie unter anderem in Polizeibericht Überfall (1928), Vampyr – Der Traum des Allan Gray (1932), Fährmann Maria (1936), Tanz auf dem Vulkan (1938) und Titanic (1943).

Die Schauspielerin bemühte sich, ihr Privatleben unter Verschluss zu halten. Trotzdem wurde ihre Bisexualität bekannt. Von 1940 bis 1945 war sie mit dem Drehbuchautor Harald G. Petersson verheiratet. Das Ehepaar zog sich zeitweise ins Salzburger Land nach Krimml zurück.

Trotz Publikumserfolgen hatte Sybille Schmitz es während der Zeit des Dritten Reichs nicht leicht. In der Filmbranche hatte sich herumgesprochen, dass Propagandaminister Goebbels, der alle Besetzungslisten kontrollierte, Sybille Schmitz nicht schätzte. Sie entsprach nicht seinem Ideal einer nordischen Frau. Regisseure, die sie beschäftigen wollten, erhielten den deutlichen Hinweis, dass Goebbels eine andere Besetzung der Rolle bevorzugte. Gustaf Gründgens etwa benötigte einige Überzeugungskraft, damit Schmitz im Film Tanz auf dem Vulkan eine Hauptrolle an seiner Seite spielen durfte. Im Tagebuch von Goebbels von 1937 findet sich die Notiz: Sybille Schmitz kommt mit Steuersorgen. Ich geige ihr die Meinung. Sie hat keine Disziplin, weder im Leben noch im Arbeiten. Auf der Gehaltsliste der UFA blieb sie bis 1945.

Nach Kriegsende verfügten die alliierten Militärbehörden Berufsverbote für viele Mitwirkende an nationalsozialistischen Propagandafilmen, so auch für Sybille Schmitz.

Als sie nach einiger Zeit wieder spielen durfte, erhielt sie nicht mehr viele Rollenangebote. Zu denen, die sie beschäftigten, gehörten Erich Pommer und Gyula Trebitsch. Aber die Pausen zwischen den Dreharbeiten wurden immer länger. Zunehmend litt Sybille Schmitz an Depressionen und Alkoholsucht.

1953 erlitt sie eine Gesichtsneuralgie, und eine Ärztin verschrieb ihr gegen die Schmerzen ein Morphiumpräparat, von dem sie zunehmend abhängig wurde. Die Schauspielerin vernachlässigte sich äußerlich. Schauspielerin Olga Tschechowa, Inhaberin eines Kosmetiksalons, bot ihr eine kostenlose Schönheits-Behandlung an. Schmitz lehnte ab mit den Worten: Danke, dass du mir helfen wolltest. Aber mir ist nicht mehr zu helfen. Nach mehreren Klinikaufenthalten und misslungenen Suizid-Versuchen tötete sie sich 1955 mit einer Überdosis Schlaftabletten. In ihrem Abschiedsbrief schrieb sie: „Ich habe so versucht, wieder Anschluss zu finden, aber man kann mich nicht mehr brauchen.“ Tausende kamen zu ihrer Beerdigung, darunter viele prominente Kollegen wie Winnie Markus, Erich Pommer und Olga Tschechowa. Ihr Urnengrab befand sich auf dem Münchner Ostfriedhof und wurde 2023 aufgelassen. Inzwischen gibt es einen Gedenkstein an der Grabstelle 58-9-3.

Ein Prozess gegen ihre Münchner Ärztin, die ihr jahrelang ein Übermaß an Medikamenten verschrieben hatte, machte Einzelheiten der menschlichen Tragödie deutlich. Die Ärztin hatte die Schauspielerin als Untermieterin in ihre Wohnung in der Karl-Theodor-Straße 15 aufgenommen und ihr Unmengen von Morphiumpräparaten zum Hundertfachen des legalen Preises verkauft. In Finanznöten hatte Sybille Schmitz Schmuck, Pelze und Teppiche ins Pfandhaus gebracht. Die Ärztin wurde zu vier Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Rainer Werner Fassbinder nahm die letzten Lebensjahre von Sybille Schmitz 1982 als Inspiration für seinen Film Die Sehnsucht der Veronika Voss. Rosel Zech spielte die Hauptrolle.

Anlässlich ihres 100. Geburtstages im Jahr 2009 widmete ihr das Haus der Stadt in ihrer Geburtsstadt Düren eine Ausstellung.

1929: Tagebuch einer Verlorenen

Friedemann Beyer: Schöner als der Tod. Das Leben der Sybille Schmitz. 2. verbesserte Auflage. belleville, München 1998, ISBN 3-923646-72-0.

Corinna Müller: Sybille Schmitz – Schauspielerin. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 1, 1984.

Brigitte Tast, Hans-Jürgen Tast: Dem Licht, dem Schatten so nah. Aus dem Leben der Sybille Schmitz. (= Kulleraugen – Visuelle Kommunikation, Nr. 46.) Schellerten 2015, ISBN 978-3-88842-046-7.

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