An diesem Tag

Susi Weigel

Österreichische Kinderbuchgrafikerin

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Susi Weigel (* 29. Jänner 1914 in Proßnitz, Österreich-Ungarn; † 21. Dezember 1990 in Bludenz) war eine tschechisch-österreichische Illustratorin von Kinderbüchern, Graphikerin und Trickfilmzeichnerin. Bekannt sind besonders die zusammen mit Mira Lobe entstandenen Kinderbücher, etwa „Das kleine Ich-bin-ich“ (1972).

Susi Weigel war die jüngste Tochter des Proßnitzer Likör- und Rum-Fabrikanten Johann Weigel (1867–1949) und der Wiener Restaurateurstochter Gisela Weigel (geborene Hauswirth) (1875–1953). 1915, 1½ Jahre nach Susi Weigels Geburt, übersiedelten ihre Eltern, die seit ihrer (im Mai 1900 in Wien geschlossenen) Ehe in Proßnitz lebten, nach Wien, wo sie die vom Architekten Max Fabiani umgebaute Villa Hohe Warte 29 gekauft hatten. Susi Weigel studierte von 1929/30 bis 1934 an der Wiener Wiener Kunstgewerbeschule bei Franz Cizek, Albert Paris Gütersloh, Josef Hoffmann, Reinhold Klaus, Rudolf von Larisch, Wilhelm Müller-Hofmann und Viktor Schufinsky und anschließend, 1934/35, ein Semester bei Karl Sterrer an der Wiener Akademie der bildenden Künste.

An der Kunstgewerbeschule lernte Susi Weigel im Wintersemester 1932/33 den Karikaturisten Willy Spira (1913–1999) kennen, mit dem sie bis 1935 immer wieder zusammengearbeitet hat. Gemeinsam gestalteten die beiden beispielsweise die Dekorationen für die „Mediziner-Redoute“ in den Sofiensälen und veranstalteten in Spiras Atelier in Meidling eine gemeinsame Ausstellung eigener Werke, wovon ein Plakat und eine Ausstellungsbesprechung überliefert sind. Anfang 1935 arbeiteten die beiden mehrere Wochen an einer zehnminütigen Farb-Zeichentrickfilmversion von Georges Bizets Oper „Carmen“, die 1935 als „Konzertfilm“ in die Wiener Kinos kam und als Parodie gedacht war. Spiras Nachlass enthält eine von ihm geschaffene Karikatur, die eine völlig in ihr Malen vertiefte Susi Weigel zeigt.

Im Frühjahr 1935 begann Susi Weigel bei dem vom Architekten Bruno Buzek (1911–1973) durchgeführten Umbau des elterlichen Kaffeehauses in der Porzellangasse mitzuarbeiten. In der Folge würdigten Fachartikel ihre gelungenen Wandmalereien im Kaffeehausbereich und das von ihr und Bruno Buzek „folkloristisch ethnografisch ausgestattete“ Tanzlokal im Souterrain.

Um 1936/1937 übersiedelte Susi Weigel ins nationalsozialistische Berlin, wo sie Bruno Buzek heiratete sowie als angestellte Trickfilmzeichnerin und freie Grafikerin tätig war. Als „Malerin Susi Buzek“ schuf sie beispielsweise 1938 die Wand- und Deckenmalerei in der Bar des Clubhauses des Golfclubs Gütermann in Gutach im Breisgau, die noch erhalten ist.

Nach Kriegsende kehrte Susi Weigel nach Wien zurück und arbeitete für das Kindermagazin „Unsere Zeitung“. Hierbei lernte sie die Kinderbuchautorin Mira Lobe kennen, mit der sie dann jahrzehntelang zusammenarbeitete. Im Herbst 1952 heiratete Susi Weigel erneut und zog zu ihrem Mann nach Langen am Arlberg und später nach Bludenz. Sie illustrierte fortan vor allem Bücher Mira Lobes, von denen zahlreiche mit nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet wurden. Gemeinsam entstanden unter anderem die Kinderbuchklassiker „Das kleine Ich-bin-ich“, „Die Omama im Apfelbaum“, „Bärli Hupf“ und „Das Städtchen Drumherum“. Einzelne Buchideen stammten von ihr.

In den 1960er- und 70er-Jahren gestaltete Susi Weigel als Werbegrafikerin saisonale Schmuckhüllen für jene Milka-Schokolade-Tafeln, die zu Ostern und Weihnachten in den Handel kamen: "Suchard hatte keine Saisonware wie Ostereier oder Weihnachtsmänner im Sortiment […]. Statt dessen wurde die 100g-Tafel als geeignetes Geschenk zu Ostern und Weihnachten beworben. Viele dieser Anzeigen, Werbeaufsteller und Thekendisplays wurden zwischen 1960 und 1977 von Susi Weigel für die Suchard Bludenz gestaltet." Für die 1974 neu auf den Markt gebrachte Kinderschokolade "Junior" gestaltete sie unter anderem die Hülle: "Der Dino auf der Werbung und auch das Packungsbild selbst stammen von Susi Weigel. Eine ganze Comic-Serie um diesen Dino hat sie wohl auch gestaltet. Erst 1978 hat die Zusammenarbeit geendet, als die Lila-Kuh auch in Österreich jede Werbung dominiert hat."

Nach Susi Weigels Tod wurden die von ihr illustrierten Kinderbücher zwar weiter weltweit in hoher Auflage verlegt, sie selbst geriet aber in völlige Vergessenheit, bis sich der Literaturwissenschaftler Andreas Weigel anlässlich ihres 15. Todestages in Bludenz, Vorarlberg und Wien für Ausstellungen sowie Straßenbenennungen engagierte und kontinuierlich auf Susi Weigels von der Forschung vernachlässigtes Leben und Werk hinwies. In der Folge arbeitete die Wiener Literaturwissenschaftlerin Susanne Blumesberger in einem vom Land Vorarlberg geförderten Forschungsprojekt den Nachlass und die Biografie Susi Weigels auf. Im Rahmen einer Germanistik-Dissertation wurde der von Susi Weigel gezeichnete Trickfilm „Peterle’s Abenteuer“ (1941) wiederentdeckt und 2008 von der „Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendliteraturforschung“ im „Filmarchiv Austria“ zur Vorführung gebracht. Im Frühjahr 2010 richtete das Frauenmuseum Hittisau eine Ausstellung über das Leben und Werk Susi Weigels aus, die „die Vorstellungswelt mehrerer Generationen von Kindern geprägt“ habe. Diese erste öffentliche Werkschau erhöhte die Bekanntheit der Illustratorin in Vorarlberg deutlich. 2011 folgte eine Ausstellung ihrer Werke in Bludenz. 2013 benannte die Stadt Bludenz eine Kinderbetreuungsstätte „Susi Weigel Kindergarten“. Im Winter 2014/15 zeigte das Wien Museum die Ausstellung „Ich bin ich – Mira Lobe und Susi Weigel“, die leicht variiert im Winter 2015/16 im vorarlberg museum gezeigt wurde. 2018 erhielt das vorarlberg museum den Nachlass von Susi Weigel bestehend aus rund 1700 Objekten als Schenkung.

Susi Weigels familiär-gesellschaftlicher Hintergrund

Als Tochter von Johann und Gisela Weigel (geborene Hauswirth) war Susi Weigel eine Nichte des 1914 bei der Körting-Katastrophe tödlich verunglückten Hauptmannes Hans Hauswirth (1878–1914). Ein weiterer Onkel war der mit Susi Weigels Tante Anna Hauswirth (1869–1939) verheiratete Architekt Carl Caufal (1861–1929), der unter anderem in Wien das „Hotel Post“ am Fleischmarkt sowie den „Dogenhof“ in der Praterstraße errichtet hat. Ein weiterer Onkel war der (mit Leopoldine Weigel verheiratete) Advokat und Reichsratsabgeordnete Alois Vrtal (1849–1916), der 1914 als Susi Weigels Taufpate fungierte.

Susi Weigels Eltern betrieben seit 1925 das Wiener „Café Industrie“ (Porzellangasse 39), das später von Susi Weigels ältestem Bruder Hans (1902–1978) geführt wurde, der mit der Mary-Wigman-Mitarbeiterin Meta Menz (1906–1990) verheiratet war. Susi Weigels Schwester Martha Weigel (1903–1986) hat in den 1920er-Jahren bei der Wiener Gesangspädagogin Fritzi Lahr-Goldschmid Gesang studiert und ist 1929 unter anderem im Schubert-Saal des Wiener Konzerthauses aufgetreten, bevor Weltwirtschaftskrise und Weltkrieg sie zur Mitarbeit im Familienbetrieb genötigt haben. Susi Weigels Cousine Vera Zahradnik (1908–1991), die seit 1913 Halb- und seit 1915 Vollwaise war, wuchs ab 1915 im gemeinsamen Haushalt in Wien auf. Zahradnik, eine Meisterschülerin von Grete Wiesenthal, ging in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre zu Mary Wigman nach Dresden. Gemeinsam mit Susi Weigels späterer Schwägerin Meta Menz begleitete Zahradnik im Winter 1932/33 Wigman auf ihrer USA-Tournee. Susi Weigel war weiters Schwägerin der Cembalistin Julia Menz (1901–1944) und in erster Ehe mit dem Architekten Bruno Buzek (1911–1973) verheiratet.

Ehrende Straßen- und Gebäudebenennungen

„Susi-Weigel-Kindergarten“ in Bludenz (2013)

„Susi-Weigel-Weg“ in Wien (2019)

„Illustrationspreis der Stadt Wien“ 1961 für „Hannes und sein Bumpam“.

„Illustrationspreis der Stadt Wien“ 1970 für „Das Städtchen Drumherum“.

„Titi im Urwald“ (1958): Österreichischer Kinder- und Jugendbuchpreis.

„Hannes und sein Bumpam“ (1964): „Diploma of Merit“ [= Auszeichnung als „besonders empfehlenswert“] (durch die Jury des Hans Christian Andersen Preises).

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