Susanne von Paczensky (Geburtsname Czapski) (* 22. Januar 1923 in Augsburg; † 15. Mai 2010 in Hamburg) war eine deutsche Journalistin, Autorin und engagierte Vertreterin der Frauenbewegung.
Susanne von Paczensky wuchs in Berlin zusammen mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Ulrich auf. Ihr Vater, Hans Czapski, war ein hoher preußischer Beamter mit sozialdemokratischer Tradition, ihre Mutter, Veronika Erdmann-Czapski, eine bekannte Lyrikerin. Obwohl getaufter Protestant, wurde der Vater in der Zeit des Nationalsozialismus zum Juden und Susanne zum „Mischling“ erklärt.
Auf der Schule im Berliner Nobelviertel Dahlem, die auch von Kindern einflussreicher Nazis besucht wurde, wurde Susanne Czapski als „Judensau“ beschimpft und vom Lehrer in „Rassenkunde“ als Musterbeispiel eines „Mischlings“ vorgeführt. Obwohl sie unter ihrer Außenseiterrolle litt, war sie stets ein aufgewecktes und selbstbewusstes Kind.
Nach dem Abitur 1941 begann sie ein Jurastudium in Freiburg, welches sie abbrechen musste, als ans Licht kam, dass sie ihren Ariernachweis gefälscht hatte, um zum Studium zugelassen zu werden.
Karrierestart und die Nürnberger Prozesse
Bald darauf startete ihre journalistische Karriere. Zunächst als Dolmetscherin für die US-amerikanische Besatzungsmacht tätig, machte sie ein befreundeter Amerikaner auf die von amerikanischen Besatzungsoffizieren gegründete Nachrichtenagentur DENA (Deutsch-Amerikanische Nachrichtenagentur, später DANA), den Vorläufer der dpa, in Bad Nauheim aufmerksam.
Am 1. Oktober 1945 fing Susanne von Paczensky bei der DENA eine Ausbildung zur Nachrichtenredakteurin an. Nach nur drei Monaten Lehrzeit wurde die einzige Frau in der etwa zehnköpfigen Redaktion ausgewählt, um vom Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher zu berichten. Susanne von Paczensky, die zu diesem Zeitpunkt noch keinerlei journalistische Erfahrung hatte, war, neben Erika Mann und Ursula von Kardorff, eine der wenigen Frauen, die dort zugelassen waren.
Von der politischen Reporterin zur Feuilletonistin
In den Jahren 1947 bis 1949 war sie Redakteurin der von der britischen Besatzungsmacht gegründeten Tageszeitung Die Welt in Hamburg. Sie heiratete den Journalisten Gert von Paczensky, der kurz darauf ebenfalls als politischer Redakteur bei der Welt anfing. Susanne von Paczensky war nun gezwungen, ins Feuilleton der Zeitung zu wechseln, da es für Ehepartner nicht erlaubt war, im selben Ressort zu arbeiten.
Im Jahr 1949 ging das Ehepaar schließlich gemeinsam nach London. Dort bekam nur ihr Mann den Job als politischer Auslandskorrespondent für die Welt, obwohl Susanne von Paczensky durch ihre Berichterstattung aus Nürnberg ein hohes journalistisches Ansehen genoss. Lediglich für das „Vermischte“ durfte sie hin und wieder Artikel einreichen. Susanne von Paczensky begann daher, sich verstärkt im Privaten politisch zu engagieren.
Im Jahr 1951 wurde das Ehepaar Paczensky von der Welt nach Paris versetzt. Sie zählten zu den ersten deutschen Auslandskorrespondenten, die in Frankreich zugelassen waren.
Im Jahr 1956 wurde Sohn Alexander geboren. Ein Jahr später folgte Susanne von Paczensky ihrem Mann zurück nach Hamburg, welcher dort den Posten des Ressortchefs „Außenpolitik“ annahm. Dort kam 1958 Tochter Carola auf die Welt.
Während ihr Mann Panorama-Chef und Chef von Radio Bremen wurde, schrieb sie als freie Journalistin für den Rundfunk und mehrere Zeitschriften, wie Deutsches Panorama, Kölner Stadtanzeiger, Brigitte und Constanze.
In den späten 1960er Jahren konnte sich Susanne von Paczensky wieder intensiver mit ihrer Arbeit auseinandersetzen, Interviews und Recherchen durchführen. Im Jahre 1969 wurde ihre Ehe mit Gert von Paczensky geschieden. Die Trennung nutzte Susanne von Paczensky für einen Neuanfang. Im Alter von fast 50 begann sie ein Soziologiestudium an der Universität Hamburg.
Neuer Aufwind in den 1970er Jahren
Die westdeutsche Studentenbewegung entstand, und die Frauenbewegung blühte auf. Ihr frauenpolitisches Engagement begann. Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen gründete sie die Hamburger Gruppe F.R.A.U sowie später die Fraueninitiative 6. Oktober, die sich für eine aktive Gleichstellungspolitik einsetzten. Sie schrieb über Reformen im Strafvollzug, über den Prozess „EMMA“ gegen „STERN“ und die Pille und entwickelte sich somit zu einer wichtigen Vertreterin der Frauenbewegung. Insbesondere den Kampf gegen das Abtreibungsverbot machte sie sich von nun an zur Lebensaufgabe.
Der § 218 war auch ein zentrales Thema ihrer Buchreihe „Frauen aktuell“, die sie in den Jahren 1977 bis 1983 im Rowohlt-Verlag herausgab. Jedes Jahr erschienen sechs Bände als rororo-Taschenbücher zu Themen wie Gewalt in der Ehe, Frauen im Parlament, Türkinnen in der BRD, Väter als Täter, Mütterfeindlichkeit, Frauen als Komplizinnen.
Als Susanne von Paczensky älter wurde, wehrte sie sich in ihren Schriften nicht nur gegen die Herablassung und Bevormundung, mit der die Jüngeren ihr entgegentraten, sondern scheute sich auch nicht davor, die Begleiterscheinungen des Alterns zu thematisieren. Dabei empfand sie das Altern nicht als negativ. Im Gegenteil – während für sie der 40. Geburtstag noch „der schwärzeste Tag [ihres] Lebens“ war, begegnete sie dem Alter später mit Zuversicht und Neugier: „Fünfzig wurde ich bereits mit gutem Mut und sechzig mit Begeisterung“.