Die Suhrkamp Verlag GmbH ist ein 1950 von Peter Suhrkamp gegründeter deutscher Verlag mit Sitz in Berlin. Sein Ursprung geht auf den Teil des S. Fischer Verlags zurück, der in den 1930er Jahren „arisiert“ wurde. Heute umfasst das Unternehmen eine Verlagsgruppe, zu der – neben Suhrkamp – der Insel Verlag, der Deutsche Klassiker Verlag, der Jüdische Verlag, der Verlag der Weltreligionen und der hauseigene Theaterverlag gehören.
In den Jahren 2015 bis 2024 hatte das Verlagshaus zwischen 110 und 130 Mitarbeitern, der Jahresumsatz lag in diesem Zeitraum zwischen 32,2 und 37,8 Millionen Euro. 2024 lag der Suhrkamp Verlag in der Rangliste der umsatzstärksten Publikumsverlage in Deutschland (Belletristik und Sachbuch) auf Platz 19. Das Programm enthält neben deutscher und internationaler Belletristik auch ein großes Segment wissenschaftlicher Titel.
Peter Suhrkamp begann seine verlegerische Laufbahn 1933 im S. Fischer Verlag, wo er zunächst als Redaktionsleiter der Neuen Rundschau arbeitete. Bald wurde er Vorstandsmitglied.
Die Zensur in der Zeit des Nationalsozialismus gefährdete den S. Fischer Verlag, zu dessen Autoren auch viele regimekritische und jüdische Schriftsteller zählten, in seiner Existenz. Daher schloss Gottfried Bermann Fischer 1935 mit dem Propagandaministerium ein Abkommen, gemäß dem er mit den dem Regime nicht genehmen Publikationen nach Wien ging, während Suhrkamp den „arisierten“ anderen Teil des Verlages mit den Autoren, die in Deutschland weiterhin erscheinen durften – darunter auch nationalsozialistisch orientierte Autoren – als Geschäftsführer und Gesellschafter übernahm. Als Geldgeber für diesen Zweig engagierten sich Philipp Reemtsma, Christoph Rathjen und Clemens Abs.
In den folgenden acht Jahren leitete Suhrkamp den Verlag S. Fischer. 1942 wurde der Verlag auf Druck der Machthaber in Suhrkamp Verlag vorm. S. Fischer umbenannt, kurz darauf der Name des jüdischen Gründers ganz entfernt. Suhrkamp wurde im Frühjahr 1944 von der Gestapo verhaftet und kam ins Gefängnis. Nach Einstellung des Verfahrens wurde er zur „Schutzhaft“ ins Konzentrationslager Sachsenhausen verbracht. Zwei Wochen darauf wurde Suhrkamp im Februar 1945 – zwischenzeitlich schwer erkrankt – entlassen. Verschiedene Persönlichkeiten, darunter Gerhart Hauptmann, Hans Carossa sowie – laut Suhrkamps eigener Auskunft – Arno Breker hatten sich für seine Freilassung eingesetzt.
Am 8. Oktober 1945 erhielt Suhrkamp als erster deutscher Verleger von den britischen Militärbehörden die Verlagslizenz zur Weiterführung des Suhrkamp-Verlags. Es folgten Auseinandersetzungen mit den Erben von S. Fischer über die Rückgabe des Verlages an die Erben. Gottfried Bermann Fischer erhob in seiner Autobiographie schwerwiegende Vorwürfe gegenüber Suhrkamp. Entgegen den eindeutigen vertraglichen Regelungen wollte Suhrkamp den Verlag behalten.
Hermann Hesse bestärkte Suhrkamp darin, einen neuen, eigenen Verlag zu gründen. Zwischen Gottfried Bermann Fischer und Peter Suhrkamp kam es schließlich zu einer außergerichtlichen Einigung: Suhrkamp durfte in einem eigenen Verlag diejenigen der während des Krieges von ihm betreuten Autoren behalten, die sich entschlossen, ihm die Rechte an ihren Werken zu geben. Von den 48 Autoren, deren Werke er während des Nationalsozialismus herausgegeben hatte, entschieden sich 33 Autoren für eine Zusammenarbeit mit Suhrkamp. Darunter fanden sich – neben Hesse – Autoren wie Rudolf Alexander Schröder, T. S. Eliot, George Bernard Shaw und Hermann Kasack. Hesse vermittelte auch den Kontakt zur Schweizer Unternehmer-Familie Reinhart, die als Geldgeber den Aufbau eines eigenen Verlages ermöglichte und dafür einen Anteil von 50 Prozent am Verlag erhielt. Peter Suhrkamp gründete am 1. Juli 1950 in Frankfurt am Main den Verlag. Bereits ein Jahr später wurde die erste Reihe des Hauses ins Leben gerufen, die Bibliothek Suhrkamp, in der bis heute Klassiker der Moderne erscheinen.
1952 trat Siegfried Unseld in den Verlag ein, der mittlerweile rund einhundert lieferbare Titel und sechs Mitarbeiter zählte. 1957 wurde er persönlich haftender Gesellschafter, und als Peter Suhrkamp 1959 starb, trat Unseld seine Nachfolge an. Unseld war seit 1942 Mitglied der NSDAP gewesen. Bis 2025 war Unselds Parteimitgliedschaft öffentlich nicht bekannt.
Der Verlag publizierte von Beginn an deutschsprachige und internationale Literatur des 20. Jahrhunderts sowie geisteswissenschaftliche Texte, die theoretisch und ästhetisch die conditio humana repräsentierten. Dabei ging es Suhrkamp immer darum, den Autor an sich und nicht die einzelnen Bücher zu fördern. Außerdem war (und ist) die Entdeckung neuer und junger Autoren sowie deren Durchsetzung bei Lesern und Kritikern eines der vorrangigen Ziele des Unternehmens. Der Erfolg dieses Vorhabens zeigte sich in den zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen für die von Suhrkamp geförderten Schriftsteller.
Siegfried Unseld erweiterte den Verlag zur Verlagsgruppe Suhrkamp, die nach weiteren Umbauten als Holding rechtlich unabhängig von der Geschäftsführung der einzelnen Verlage existiert. Der Theaterverlag war ihm ein besonderes Anliegen, da er als Dramaturg mit der Bühne vertraut war und eine Vorliebe für das Genre hegte. Für ihn war klar, dass die Qualität einer Aufführung von der textlichen Vorlage abhing, und seither werden nationale wie internationale Bühnenautoren hier veröffentlicht. Der Schwerpunkt auf Theatertexten begann 1959 mit der Reihe Spectaculum, in der erstmals im deutschsprachigen Raum moderne Theaterstücke für das Lesepublikum veröffentlicht wurden. Die Leitung des Theaterverlages hatte von 1959 bis 1969 Karlheinz Braun, danach folgte unter anderem Rudolf Rach von 1971 bis 1976 und erneut von 1981 bis 1986.
Der Insel Verlag wurde 1960, nachdem er im selben Jahr von Wiesbaden nach Frankfurt am Main übergesiedelt war, von Suhrkamp übernommen. 1961 erschienen erstmals Textausgaben moderner Filme, 1962 Opern und 1963 Hörspiele. 1962 trat Hans Magnus Enzensberger in den Verlag ein und gab eine Reihe mit zweisprachiger Lyrik heraus.
1963 erschienen die ersten 20 Titel der edition suhrkamp mit Umschlägen in Regenbogenfarben. Der erste Titel war Leben des Galilei von Bertolt Brecht. Im selben Jahr kaufte der Verlag einen juristischen Fachverlag, der ab 1964 als Nomos Verlag auftrat. Ab 1965 gab Suhrkamp die Zeitschrift Kursbuch mit vier Ausgaben im Jahr heraus, die von Hans Magnus Enzensberger und Karl Markus Michel geleitet wurde. Die Zeitschrift wechselte 1970 zum Verlag Klaus Wagenbach. 1966 erweiterte der Verlag sein geistes- und sozialwissenschaftliches Programm: Die Reihe Theorie wurde verantwortet von den überwiegend jungen Denkern Hans Blumenberg, Jürgen Habermas, Dieter Henrich und Jacob Taubes.
1969 zog der Verlag in ein für ihn gebautes Bürohaus in der Frankfurter Lindenstraße. Die im selben Jahr gegründete Sachbuchreihe suhrkamp wissen wurde schon 1971 wieder eingestellt. Mehr Erfolg hatte der Verlag mit der 1971 begonnenen Reihe suhrkamp taschenbuch, deren erster Titel Samuel Becketts Warten auf Godot in einer dreisprachigen Ausgabe war. Die belletristischen Taschenbücher wurden 1973 um die suhrkamp taschenbücher wissenschaft erweitert.
1978 übertrug Siegfried Unseld 20 Prozent seines 50-Prozent-Anteils auf seinen Sohn Joachim Unseld, der als Leiter von Verkauf und Vertrieb in den Verlag eintrat. 1979 wurden alle Taschenbuch-Reihen einschließlich der des Insel Verlags in den suhrkamp taschenbuch verlag ausgelagert.
1981 gründete Suhrkamp den Deutschen Klassiker Verlag als gemeinsames Projekt von Suhrkamp und Insel. 1984 wurde die Peter-Suhrkamp-Stiftung gegründet; sie bietet Autoren an, als Nachlassverwalter und Rechteinhaber aufzutreten. Die ersten von ihr vertretenen Autoren waren Uwe Johnson und Wolfgang Koeppen. 1988 wurde Joachim Unseld gleichberechtigter Verleger und übernahm die Verantwortung für die edition suhrkamp, die suhrkamp taschenbücher und die jüngere deutsche Literatur. Nach einem Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn verließ Joachim Unseld 1990 den Verlag.