An diesem Tag

Suffragetten

Mitglied der britischen Women’s Social and Political Union (WSPU), die für das Frauenwahlrecht kämpfte

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Suffragetten sind Aktivistinnen von Frauenorganisationen, die Anfang des 20. Jahrhunderts unter dem Slogan „Votes for Women“ (engl. f. Wahlstimmen für Frauen) für das allgemeine Frauenwahlrecht im Vereinigten Königreich eintraten. Der Begriff bezieht sich insbesondere auf die Mitglieder der 1903 von Emmeline Pankhurst gegründeten britischen Women's Social and Political Union (WSPU), einer Organisation, die auch zu direkten Aktionen wie zivilem Ungehorsam, passivem Widerstand, Störung offizieller Veranstaltungen und Hungerstreiks griff.

Die Bewegung entstand aus dem langjährigen Kampf der Suffragistinnen (von englisch/französisch suffrage „Wahlrecht“), die sich seit den 1860er Jahren legal, aber erfolglos für das Frauenwahlrecht einsetzten, beispielsweise Organisationen wie die National Union of Women’s Suffrage Societies.

Auch in den Vereinigten Staaten und Australien waren Suffragetten und Suffragistinnen aktiv.

In der Verfassung der Vereinigten Staaten findet sich der Ausdruck suffrage in der Bedeutung „Recht zu wählen“: “No state shall be deprived of its equal suffrage in the Senate.”

1906 prägte ein Reporter der Daily Mail für die WSPU den Begriff Suffragette, abgeleitet von dem bis dahin verwendeten Suffragist (jede Person, die sich für das Wahlrecht einsetzt), um die Wahlrechts-Aktivistinnen herabzusetzen. Die britische Presse verwendete Suffragette ursprünglich, um die Wahlrechts-Aktivistinnen abzuwerten, sie wurde von diesen jedoch erfolgreich für sich als Selbstbezeichnung vereinnahmt und sie übernahmen ihn sogar als Titel für die von der WSPU herausgegebene Zeitung.

Die Suffragistinnen entwickelten sich in Großbritannien aus Gegnerinnen der Contagious Diseases Acts, der Gesetze von 1864 bis 1869 über die Zwangsuntersuchungen von Prostituierten zur Verhütung von Geschlechtskrankheiten. Ihr Engagement führte 1883 dazu, dass die Rechtserlasse außer Kraft gesetzt und 1886 endgültig aufgehoben wurden. Die Forderung nach dem Frauenwahlrecht blieb jedoch erfolglos, so dass sich die Vertreterinnen des Frauenstimmrechts neu organisierten und neue Methoden des politischen Protests entwickelten.

Im Jahr 1903 gründete Emmeline Pankhurst in Großbritannien die Women’s Social and Political Union, eine bürgerliche Frauenbewegung, die in den folgenden Jahren durch öffentliche Proteste, politische Demonstrationen und Hungerstreiks auf sich aufmerksam machte. Ihre Tochter Christabel Pankhurst war eine der führenden Suffragetten im Kampf um das Frauenwahlrecht in Großbritannien. Am 9. Februar 1907 versammelten sich rund 3000 Suffragetten und demonstrierten friedlich für das Wahlrecht für Frauen.

Das Theatergenre des Suffragetten-Theaters thematisierte in der Zeit von 1907 bis 1914 die Forderung nach einem Frauenstimmrecht und deckte die Doppelstandards auf, mit denen die Frauen jeden Tag kämpfen mussten.

1908 ketteten sich Frauen mehrfach nahe öffentlicher Institutionen wie auf der Galerie des House of Commons oder nahe der 10 Downing Street fest, um durch die aufwändige Entfernung möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Nachdem 1910 eine Gesetzesinitiative gescheitert war, die zum Ziel hatte, die Rechte der Frauen auszuweiten, wurden auch Schaufenster von Kaufhäusern eingeworfen, große Landsitze angezündet und Bombenanschläge auf öffentliche Gebäude verübt, darunter auf Westminster Abbey. Am 18. November 1910, auch als schwarzer Freitag bezeichnet, wurden vor dem britischen Unterhaus demonstrierende Frauen durch die Polizei gewaltsam daran gehindert zum Eingang vorzudringen und 115 von ihnen verhaftet. Auch die englische Komponistin Ethel Smyth war eine Zeit lang aktive Suffragette. 1910 schrieb sie für die Londoner Demonstrationen den March of the women (Text: Cicely Mary Hamilton), der als Hymne der Suffragettenbewegung wesentliches Element des Zusammenhalts der demonstrierenden Frauen war und im Januar 1911 zum ersten Mal auf der Pall Mall erklang. Ein Teil der Memoiren Ethel Smyths ist ein wichtiger Augenzeugenbericht jener Zeit. Der Dirigent Thomas Beecham, der die Frauen sehr unterstützte, berichtet in seinen Memoiren ebenfalls davon sowie auch der Maler Moritz Coschell, der eine Zeichnung mit dem Titel „Emmeline Pankhurst und ihre Tochter Christabel im Gefängnis“ für die Berliner Illustrirte Zeitung 1913 beisteuerte. Ein weiterer Freund und Förderer der Emanzipationsbestrebungen war der Schriftsteller George Bernard Shaw. Am 1. März 1912 zerstörten 150 Suffragetten, mit Hämmern und Steinen bewaffnet, 270 Fenster im Einkaufsviertel des Londoner Westend. Dies führte zur Festnahme von 220 Frauen.

Zum Epsom Derby 1913 stürzte sich Emily Davison aus Protest vor das Pferd Georgs V. und starb wenige Tage später. Im gleichen und dem darauffolgenden Jahr verübten Suffragetten mehrere Attacken mit Messern und Beilen auf Gemälde in Londoner Ausstellungen, was zu einer temporären Schließung aller Museen im Stadtgebiet und Hausverboten für Frauen mit langen Mänteln oder Taschen führte.

Der Erste Weltkrieg führte zu einer vorübergehenden Unterbrechung der Wahlrechtskampagne in Großbritannien und viele Suffragetten unterstützten patriotisch ihr Land. Evelina Haverfield gründete das Women's Emergency Corps, aus dem später die Women's Volunteer Reserve hervorging. Mona Chalmers Watson gründete den Women’s Army Auxiliary Corps (WAAC). Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, 1918, erhielten Frauen ab 30 Jahren, die im Besitz von Grundeigentum waren, das Wahlrecht.

Durch den kriegsbedingten Arbeitskräftemangel kam es sowohl in Großbritannien als auch in den USA zu einer stärkeren Verankerung der Frauen in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, was letztlich auch zur allgemeinen Akzeptanz des Frauenwahlrechts führte.

Alice Paul und Lucy Burns führten in den Vereinigten Staaten eine Serie von Protesten gegen den als „Kaiser Wilson“ titulierten US-Präsidenten Woodrow Wilson an. Zahlreiche Mitglieder der im Juni 1916 von Alice Paul gegründeten National Woman’s Party (NWP) waren in den Jahren 1917 bis 1919 unter fragwürdigen Bedingungen inhaftiert, wodurch es zu Hungerstreiks und Zwangsernährungen kam. Das Frauenwahlrecht wurde in den USA in den Jahren 1919 und 1920 (19. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten) verankert.

In Großbritannien erreichten die Suffragetten ihre Ziele ab dem 2. Juli 1928.

Parallel dazu engagierte sich Kate Sheppard für das Frauenwahlrecht in Neuseeland, das dort 1893 weltweit erstmals eingeführt wurde.

Die Frauen in Südaustralien erhielten das aktive und passive Wahlrecht sowie das Wahlrecht für Aboriginal Frauen und Männer, nachdem Königin Victoria dem Gesetz zugestimmt hatte und der Constitution Amendment (Adult Suffrage) Act 1894 am 20. März 1895 verkündet und am 21. März 1895 in der South Australian Government Gazette veröffentlicht wurde.

Auch in anderen Ländern wurde das Frauenwahlrecht durchgesetzt: 1906 Finnland allgemein, 1913 Norwegen allgemein, 1915 Dänemark allgemein, 1917 Niederlande passiv (1919 aktiv), 1917 Russland allgemein, 1918 Österreich allgemein, 1918 Deutschland allgemein, 1918 Polen allgemein.

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