An diesem Tag

Sturmabteilung

Paramilitärische Kampforganisation der NSDAP (1921–1945)

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Die Sturmabteilung (SA) war die paramilitärische Kampforganisation der NSDAP während der Weimarer Republik und spielte als Ordnertruppe eine entscheidende Rolle beim Aufstieg der Nationalsozialisten, indem sie deren Versammlungen vor Gruppen politischer Gegner mit Gewalt abschirmte oder gegnerische Veranstaltungen behinderte. Aufgrund ihrer Uniformierung mit braunen Hemden ab 1924 wurde die Truppe auch „Braunhemden“ genannt. Im Vorfeld der Machtergreifung 1933 widmete sich die Organisation, neben der Propaganda, intensiv dem Straßenkampf und Überfällen auf Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden. Dabei wurden Konflikte mit der Staatsmacht sorgfältig vermieden.

In der Anfangsphase des NS-Staats setzte Hermann Göring, als Reichskommissar für das preußische Innenministerium Dienstherr der preußischen Polizei, die SA als „Hilfspolizei“ ein. Nachdem Mitte 1934 SS-Einheiten die Führungsspitze der SA beim sogenannten Röhm-Putsch ermordet hatten, verlor sie in der restlichen Zeit des Nationalsozialismus stark an Bedeutung.

Nach der bedingungslosen Kapitulation 1945 wurde sie, wie die NSDAP und SS, mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 verboten und aufgelöst.

Die Geschichte der SA lässt sich in drei historische Etappen unterteilen: Die Frühphase von 1920/21 bis 1923, danach den Aufstieg zur Massenorganisation und ab 1934 als Organisation im NS-Staat.

Anfänge der Organisation und Namenswandel

Die erste Ordnertruppe wurde im Januar 1920 als Saalschutz (kurz S.S.) zunehmend in „Saalschlachten“ eingesetzt; sie bestand vor allem aus Angehörigen verschiedener Freikorps sowie einigen Angehörigen der bayerischen Reichswehr. Die Gruppe wurde zunächst als Turn- und Sportabteilung im November 1920 gegründet, und am 5. Oktober 1921 umbenannt in Sturmabteilung (SA).

Als im Januar 1920 die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) erste Massenveranstaltungen abhielt, wurde schnell die Notwendigkeit eines eigenen Ordnungsdienstes klar, wie er auch bei anderen Parteien üblich war. Am 12. November 1920 gründete der Uhrmacher Emil Maurice, dessen jüdische Herkunft Adolf Hitler damals unbekannt war, eine „Turn- und Sportabteilung“ der Partei. Dieses Datum wurde eher willkürlich gewählt, denn der tatsächliche Aufbau der SA begann bereits 1919 und verlief zeitgleich zur politischen Formierung der DAP/NSDAP. Nachdem Hitler im Juli 1921 diktatorische Machtbefugnisse in seiner Partei erhalten hatte, entwickelte sich der Ordnungsdienst zur Parteitruppe, die seinem Machterhalt diente.

Aus diesem Saalschutz entwickelte sich über mehrere Schritte die spätere Sturmabteilung (kurz S.A.) als reine Schlägertruppe für provozierte Zusammenstöße mit linksgerichteten Parteien (vor allem der KPD), die vielfach zu brutalen Straßenkämpfen führten.

Hitler stellte eine neue Schutztruppe der Parteiführung namens Sturm-Staffel auf, deren Abkürzung auch wieder SS lautete und die aus wenigen in der NSDAP verbliebenen Freikorps-Angehörigen bestand. Diese Sturm-Staffel übernahm die Funktion der parteiinternen Ordnertruppe. Aus besonders aggressiven Angehörigen dieser Sturm-Staffel formierte Hitler 1923 seine persönliche Leibwache, den Stoßtrupp Adolf Hitler.

Nach einer besonders brutal geführten Saalschlacht zwischen Nationalsozialisten und Angehörigen der KPD wurden die Angehörigen dieser Sturm-Staffel und das noch namenlose Gros der uniformierten Freikorps- und Schlägertruppen (mit Ausnahme des Stoßtrupps Adolf Hitler) am 4. November 1921 von Hitler offiziell in Sturmabteilung umbenannt. Der neue Name bezog sich auf eine im Ersten Weltkrieg zur Überwindung des Stellungskriegs von Willy Rohr entwickelte militärische Kampftaktik. Die damals in vermutlich 21 Gruppen unterteilte und etwa 300 Mann starke SA war zu diesem Zeitpunkt nicht nur in München, sondern auch in Freising, Landshut und Bad Tölz mit eigenen Einheiten vertreten.

Die SA wurde dreimal verboten – am 23. November 1923, am 13. April 1932 und am 10. Oktober 1945 – und wurde zweimal wieder legalisiert: am 16. Februar 1925 und am 14. Juni 1932. Als Folge des Hitler-Ludendorff-Putsches wurden die NSDAP und ihre Organisationen verboten. Zur Umgehung dieses Verbots wurde die SA von April 1924 bis Februar 1925 als Frontbann bezeichnet.

Nach der Machtübernahme im Januar 1933 waren nur noch die Kurzbezeichnungen (Akronyme) „SA“ und „SS“ in Gebrauch. In einem abgestuften Prozess, der sich bis 1935 hinzog, wurde die SA durch Übernahme und Eingliederung der Mitglieder anderer Wehrverbände und Kampfbünde, Veteranen- und Studentenorganisationen im Zuge der Gleichschaltung stark vermehrt. Der Stahlhelm war die größte Einzelorganisation, die auf diesem Wege der SA einverleibt wurde, die vor 1933 selbst nur halb so viele Mitglieder wie dieser von Franz Seldte geführte nationalistische Wehrverband gehabt hatte. Vor allem infolge des abgestuften Vorgehens in mehreren Schüben gelang die Eingliederung von bis zu einer Million Stahlhelm-Mitgliedern jedoch, ohne den Charakter der SA wesentlich zu verändern. SA und SS bestanden bis zur Ausschaltung der SA-Führung Mitte 1934 als nominell separate Organisationen.

Ursprung in Wehrverbänden bis Verbot der SA 1923–1925

Die Turn- und Sportabteilung wurde zu einem Auffangbecken für frühere Angehörige der im Juni 1921 aufgelösten Einwohnerwehren und des vormaligen Freikorps Oberland. Den Aufbau des parteieigenen Ordnungsdienstes übernahm der mit der Reichswehr und den Freikorps vernetzte Ernst Röhm. Als Mitglied der NSDAP und aktiver Hauptmann und Generalstabsoffizier beim Infanterieführer der VII. bayerischen Reichswehrdivision war er das Verbindungsglied zwischen den rechten Wehrverbänden und der Reichswehr. Aus ehemaligen Angehörigen der Minenwerfer-Kompanie 19 der vormaligen Bayerischen Armee bildete er den ersten Saalschutz der Partei. Als Kommandanten dienten ehemalige Mitglieder der im April 1920 aufgelösten Marine-Brigade Ehrhardt. Am 3. August 1921 wurde zunächst Hermann Ehrhardt von Röhm als Führer eingesetzt; dieser delegierte die Aufgabe jedoch am 8. August an den Leutnant Hans Ulrich Klintzsch. Klintzsch wurde Anfang September 1921 im Zusammenhang mit dem Mord an Matthias Erzberger verhaftet. Bis zu Klintzschs Freilassung Anfang 1922 übernahm nochmals Emil Maurice die Führung. Als so genannter Wehrverband diente die SA der Einschüchterung politischer Gegner; sie wurde auch von der bayerischen Regierung in Mobilmachungspläne einbezogen. Die militärische Ausbildung erfolgte durch die 7. (Bayerische) Division der Reichswehr (insbesondere durch das Pionierbataillon 7 und das Infanterie-Regiment 19).

Die Münchener SA umfasste 1923 rund 1150 Mann und verfügte über Artilleriehundertschaften und Kavalleriezüge. Ihre Kommandanten legten sich militärische Bezeichnungen wie Gewehr- oder Geschützführer zu. Das Jahr 1923 war von, teils mit Gewalt verbundenen, Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Gruppierungen geprägt (Deutscher Oktober). Auf Betreiben Röhms entstand im Februar 1923 die „Arbeitsgemeinschaft der vaterländischen Verbände“. In ihr fanden sich jetzt die SA, die „Vereinigten Vaterländischen Verbände Münchens“, die „Reichsflagge“, der „Bund Oberland“ und der Gau Niederbayern des Bundes Bayern und Reich zusammen. Am 1. Mai 1923 versuchte die Arbeitsgemeinschaft, die Maiumzüge von SPD und Gewerkschaften in München zu verhindern und zog einige tausend Mann, darunter 1300 Mitglieder der SA, bewaffnet auf dem Oberwiesenfeld zusammen. Sie beugte sich aber kampflos dem Gegenaufmarsch von Polizei und Reichswehr und gab die Waffen zurück, die sie sich gegen das Verbot der Reichswehr aus Armeedepots beschafft hatte. Röhm, den die bayerische Reichswehrführung unter Otto von Lossow dafür verantwortlich machte, wurde von seinem bisherigen Posten bei der Reichswehr entfernt und nach einem Urlaub von München nach Grafenwöhr abkommandiert.

Am 9. November 1923 beteiligten sich auch die rund 2000 Mitglieder der SA unter ihrem militärischen Führer Hermann Göring am Hitler-Ludendorff-Putsch. Bei diesem Putschversuch wurden 16 NSDAP-Mitglieder (darunter fünf Stoßtrupp-Männer) von der bayerischen Landespolizei und dem Militär erschossen; die Partei hatte damit ihre ersten „Blutzeugen“. Göring floh nach Innsbruck.

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