Strand oder Nordstrand (auch Alt-Nordstrand) bezeichnete im Mittelalter und der Frühen Neuzeit einen Küstenabschnitt und eine spätere Insel im nordfriesischen Wattenmeer. Bekanntester Ort Strands war der Handelsort Rungholt. Aus der Küstenlandschaft entstand nach mehreren Sturmfluten im 14. Jahrhundert die kartographisch bekannte Insel Strand. In der Burchardiflut 1634 wurde die Insel schließlich auseinandergerissen. Ihre Reste bildeten die Inseln Nordstrand, Pellworm und die Hallig Nordstrandischmoor.
Die Bewohner der Insel wurden Strandfriesen genannt. In einigen Quellen des 15. Jahrhunderts wurden die Einwohner des Landes Wursten und der Elbmarschen, bisweilen sogar die Ostfriesen und Weserfriesen ebenfalls als Strandfriesen angedeutet.
Vor der ersten großen Mandränke
Vor der Flutkatastrophe in der Mitte des 14. Jahrhunderts war Strand Teil der zum Herzogtum Schleswig gehörigen friesischen Uthlande. Zum ersten Mal erwähnt wird Strand als zum Bistum Schleswig gehörige Propstei in zwei Briefen des Papstes Innozenz III. 1198, der gegenüber dem Propst die schlechten Wege bemängelt. Zur Propstei gehörten auch Föhr, das damals bei Niedrigwasser noch zu Fuß erreichbar war, Amrum und die Halligen. Das Waldemar-Erdbuch von 1231 nennt fünf Harden, die Beltringharde, die Edomsharde, die Pellwormharde und die Wiriksharde sowie die südöstlich liegende Lundenbergharde. Schon damals wurde das fruchtbare Acker- und Weideland von Deichen geschützt und die Moore durch Sielzüge entwässert.
Die kleine Eiszeit im 14. Jahrhundert führte auf Strand zu kalten, nassen Sommern, Missernten und Krankheiten. Zudem stieg der Meeresspiegel und mehrere schwere Sturmfluten überschwemmten das Land und richteten bleibende Schäden an. Besonders die Zweite Marcellusflut oder Grote Mandränke von 1362 traf Strand hart. Vor allem in der Edomsharde wurden zahlreiche Orte, darunter Rungholt, zerstört. Sämtliche bewaldeten Gebiete gingen verloren. Die zuvor nur schmalen und flachen Wattströme zwischen den einzelnen Landstücken wurden tief ausgespült. Der Heverstrom grub sich vom Süden her tief ins Land. Aus den Resten des Landes entstand die Insel (Alt-)Nordstrand. Sie war von einer großen Anzahl Halligen umgeben, im Süden in der Nähe von Rungholt Südfall, Nübel und Nieland, nördlich der Insel entstand eine ganze Kette der unbefestigten kleinen Eilande. Die Lundenbergharde wurde zerschnitten und der größere Teil in den folgenden Jahren durch Eindeichungen mit dem Festland verbunden. In alten Karten wird dieses Gebiet Südstrand genannt. Nur der Hauptort Morsum und zwei kleinere Dörfer blieben bei Nordstrand.
Zwischen erster und zweiter Mandränke
In den folgenden Jahrhunderten wurde Strand immer wieder von Sturmfluten bedroht. Steuerlisten des Bistums und des Königs belegen zum Teil große Landverluste im 15. und 16. Jahrhundert. Insgesamt verzeichnete das Schleswiger Domkapitelregister von 1450 den Verlust von 24 Kirchspielen auf Strand. Zwar gelang die Wiedergewinnung einzelner überfluteter Landstriche sowie die Wiederherstellung eines Seedeichs, und mehrere Kirchspiele konnten wieder aufgebaut werden. So konnte nach 1456 die Trindermarsch, die seit der Marcellusflut eine Insel gewesen war, wieder eingedeicht werden. 1551 wurde die bei der Allerheiligenflut 1436 abgerissene Pellwormharde wieder mit dem Rest von Strand verbunden, wodurch die Insel die hufeisenförmige Gestalt erhielt, die sie auf den Karten des 17. Jahrhunderts hat.
Doch alle Versuche, Strand wieder mit dem Festland zu verbinden oder die Rungholtbucht über die Hallig Südfall hinweg abzudämmen, scheiterten. Stattdessen verbreiterte der Heverstrom den Sund, weshalb immer wieder ganze Dörfer samt Kirchen landeinwärts versetzt werden mussten. Die Halligen blieben ganz unbedeicht, viele gingen in späteren Sturmfluten wieder unter. Zu den folgenschwersten Überschwemmungen im 16. Jahrhundert zählten die Chronisten die Allerheiligenflut 1532, bei der es zu elf Deichbrüchen kam und 1.500 Menschen ertranken.
1350 ist der erste Staller auf Strand bezeugt, ein vom König eingesetzter Statthalter. Von Ingmar, der die Wogemänner bekämpfte, stammte eine der wichtigsten Stallerfamilien ab, deren bekanntester Vertreter im 15. Jahrhundert Laurens Leve aus Morsum war, der durch seine geistlichen Stiftungen noch bis heute in der Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins präsent ist.
1423 schlossen drei Strander Harden, Pellworm-, Beltring- und Wiriksharde, gemeinsam mit den Föhrer Harden, Sylt, der Wieding- und der Bökingharde die Siebenhardenbeliebung.
1528 wurde auf Nordstrand, vermittelt durch einige Strander, die in Wittenberg studiert hatten, die Reformation eingeführt. Der erste evangelische Prediger war 1525 Jürgen Boie an der Alten Kirche von Pellworm. Es wurden mehrere Schulen gegründet, so dass die Strander recht gebildet waren. Um 1600 gab es nur wenige Analphabeten und 14 der etwa 25 Prediger der Insel waren im Land geboren. Die Strander galten aber als stur, streitsüchtig und nur auf das Wohl der eigenen Familie bedacht.
Bei der Landteilung 1544 fiel Nordstrand an Herzog Johann (Hans) von Schleswig-Holstein-Hadersleben. Herzog Hans hielt sich häufig auf der Insel auf, kümmerte sich persönlich um die Verbesserung des Küstenschutzes und gab 1555 der Insel eine eigene Kirchenordnung und 1557 das Spadelandsrecht. Das Nordstrander Landrecht von 1572 übernahm größtenteils die Normen der Siebenhardenbeliebung, schaffte aber die Pflicht zur Blutrache ab. Es blieb bis 1900 bestehen. Nach Herzog Hans’ Tod fiel Nordstrand 1581 seinem Bruder Adolf und damit Schleswig-Holstein-Gottorf zu.
1593 wurden die Harden der Landschaft Nordstrand neu eingeteilt, wobei die Reste der stark geschrumpften Lundenberg- und Wiriksharde den drei verbliebenen Harden einverleibt wurden.
Während des Dreißigjährigen Krieges setzten sich die Strander gegen ihren Herzog Friedrich III. und die Zwangseinquartierung kaiserlicher Truppen zur Wehr. Sie argumentierten mit ihren hohen Kosten für den Küstenschutz, die eine zusätzliche Belastung durch fremde Soldaten nicht zulasse. Obwohl Strand zu Schleswig-Holstein-Gottorf gehörte, huldigten die Strander 1629 bei Gaikebüll dem dänischen König Christian IV. Mit dessen Unterstützung schlugen sie zuerst ein kaiserliches und dann ein herzogliches Heer zurück, wurden jedoch schließlich vom Herzog besiegt. Die Instandhaltung der Deiche litt unter diesen Kämpfen.
Die Insel war um 1600 durch Seedeiche ringsum gesichert und in mehrere Köge geteilt. Matthias Boetius, Pastor der Strander Gemeinde Eversbüll, nannte 1623 die Insel Strand im Gegensatz zu Südstrand, den landfest gemachten Resten der Lundenbergharde, Nor(d)strandia. In seinem kleinen Buch De Cataclysmo Norstandico beschrieb er sie als flach, morastig und baumlos. Als Brennmaterial wurde daher Heidekraut und Torf verwendet. Holz als Baumaterial musste von weither eingeführt werden. Letzteres bedeutete große Schwierigkeiten bei der Beschaffung der für die damals üblichen Stackdeiche notwendigen Holzmengen. Schon damals lag das Land nämlich bis auf wenige erst kurz zuvor eingedeichte Köge wie den Amsinckkoog und das große Moor im Norden der Insel tiefer als der Meeresspiegel bei Flut. Wenn es bei Sturmfluten zu Deichbrüchen kam, hatten diese daher oft zur Folge, dass das Land bis hin zum nächsten Mitteldeich zweimal täglich überschwemmt wurde, ehe eine Reparatur der Deiche gelang. Die Folge waren tiefe Ausschwemmungen und mehrjährige Ernteausfälle.
Trotzdem galt Strand als fruchtbar und wohlhabend. Der Großteil der 8610 Einwohner in 1779 Haushalten war in der Landwirtschaft tätig, entweder als freie Bauern oder als Landarbeiter. Zusätzlich lebten zahlreiche Handwerker auf der Insel, sowie Tagelöhner und Dienstboten, die nicht zur ständigen Einwohnerschaft gerechnet wurden. Boetius’ Zeitgenosse, der Odenbüller Pastor Johannes Petersen (oder Peträus) schwärmte von den reichen Erträgen der gedüngten Moorböden und des fruchtbaren Klei. Außer dem Getreideanbau waren Ochsenmast und Milchwirtschaft wichtige Wirtschaftszweige. Daneben wurde Salz aus Salztorf gewonnen, was zwar den Wohlstand der Einwohner mehrte, jedoch das Land innerhalb der Deiche weiter absinken ließ. Die Erträge wurden von mehreren kleinen Häfen aus exportiert.