Straßburg (amtlich französisch [stʁasbuʁ], im Straßburger Dialekt Strossburi [ˈʃdɾoːsburi]) ist eine Stadt im Elsass, einer Landschaft im Osten Frankreichs nahe der Grenze zur Region Baden in Deutschland. Die Stadt ist Hauptort des Départements Bas-Rhin, das seit Januar 2021 auch Mitglied der Europäischen Gebietskörperschaft Elsass ist, und Sitz des Regionalrats und des Regionspräfekten der Region Grand Est. Die Präfektur verwaltet auch das Arrondissement Strasbourg, das aus 33 Gemeinden besteht.
Mit 293.771 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) in der Kernstadt und 790.000 Einwohnern in der Aire urbaine auf französischem Boden ist Straßburg mit Abstand die größte Stadt im Grand Est.
Straßburg ist Sitz zahlreicher europäischer Einrichtungen, unter anderem Europarat, Europaparlament, Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, Europäischer Bürgerbeauftragter und Eurokorps. Aufgrund dessen versteht sich die Stadt als „Hauptstadt Europas“.
Teile der Innenstadt, die mittelalterliche Altstadt auf der Grande-Île und die Neustadt sind unter dem Titel Straßburg: von der Grande-Île zur Neustadt, eine europäische Stadtszenerie UNESCO-Weltkulturerbe.
Die römische, aus einer keltischen Siedlung entstandene Vorgängersiedlung hieß Argentorate, zu gallisch Argento-, wahrscheinlich ein Flussname, und -rate ‚Befestigung‘. Mittellateinische Namensformen wie Argentoratum und Argentina finden sich noch bis ins 16./17. Jahrhundert (Frans Hogenberg, Matthäus Merian, Hartmann Schedel).
Der erstmals im Jahr 589 bezeugte Name Straßburg setzt sich aus althochdeutsch strāʒa ‚Heeresstraße‘ und althochdeutsch burg ‚befestigte Stadt‘ zusammen und bedeutet damit ‚befestigter Ort an der Heeresstraße aus Innergallien‘. Frühe Nennungen finden sich bei Gregor von Tours als ad Argentoratensem urbem quam nunc Strateburgum vocant (589) und Stradeburgum (590), bei Nithard als Strazburg (842) sowie auf merowingischen Münzen als Stradiburg und Stradeburgo. Eine angebliche Nennung schon um 400: [civitas Argentoratensium] id est Strateburgum ist wohl ein Zusatz aus der Zeit um 600.
Die Stadt liegt am Fluss Ill, der sich im Stadtgebiet verzweigt, auf einer Höhe von 139 bis 141 m über dem Meeresspiegel. Auf der von beiden Illarmen umflossenen Grande Île (Große Insel) liegt die historische Altstadt. Die östlichen Stadtteile mit dem Hafen grenzen an den Rhein. Am gegenüberliegenden östlichen Rheinufer liegt auf deutscher Seite die Stadt Kehl. Beide Städte sind durch die Europabrücke für den Straßenverkehr sowie eine Eisenbahn- und eine Fußgängerbrücke verbunden. Seit dem 29. April 2017 besteht auch eine Straßenbahnverbindung zwischen Straßburg und Kehl: Die Linie D der Straßenbahn Straßburg verbindet das Kehler Rathaus mit dem Zentrum Straßburgs und überquert dabei den Rhein über die Beatus-Rhenanus-Brücke. Straßburg ist der Endpunkt des Rhein-Marne-Kanals.
Straßburg ist in folgende 14 Stadtteile (Quartiers) gegliedert:
Das Straßburger Becken weist eine mehr oder weniger ständige Besiedlung seit circa 1300 v. Chr. auf. In Straßburg befand sich bereits eine gallische Siedlung.
Der römische Feldherr Drusus gründete Straßburg im Jahre 12 v. Chr. als militärischen Außenposten namens Argentoratum in der späteren Provinz Germania superior. Unter Trajan und nach dem Brand im Jahr 97 hatte Argentoratum seine größte Ausdehnung und stärkste Befestigung erreicht.
Claudius Ptolemäus trug es in seiner Geographike Hyphegesis zwar in realitätsnahen Nord-Süd-Abständen zu Agrippinensis (Köln, 2,42° südlich, real 2,36°) und Mogontiacum (Mainz, 1,50° südlich, real 1,41°) ein, aber 0,42° nördlich von Breucomagus (Brumath), statt real 0,25° südlich. Und in Straßburgs realen Lagebeziehungen zu Besançon (1,34° nördl., 1,73° östl.), Bregenz (1,09° nördl., 2,00° westl.) und Kehlheim (0,34° südlich, 4,12 westlich) platzierte er Argentovaria (1,33° nördl. 1,83° östl. zu Visontium, 1,33° nördl. 2,14° westl. zu Brigantium, 0,17° südl. 4,17° westl. zu Alcimoennis). Dieses wird allgemein mit der archäologischen Fundstätte Oedenburg Altkirch 0,54° südlich von Straßburg identifiziert, bei Ptolemaios liegt Argentovaria 1,42° südlich von Argentoratum.
Straßburg war wahrscheinlich ab dem 4. Jahrhundert Bischofssitz: 1956 wurden unterhalb der heutigen Église Saint-Étienne Überreste eines Apsidenbaus aus dieser Zeit ausgegraben. Im Jahr 357 fand in der Umgebung die Schlacht von Argentoratum statt. Im 5. Jahrhundert hatten Alamannen, Hunnen und Franken die Stadt erobert.
Im Jahr 842 wurden hier die Straßburger Eide geschworen und – abgesehen von Latein – auch in den Sprachen der jeweiligen Gefolgsleute festgehalten, in Althochdeutsch und Altfranzösisch, wodurch dies das älteste Dokument in einer frühen französischen Sprache darstellt. Die Sprache von Stadt und Region war damals Althochdeutsch.
Mittelalter, freie Reichsstadt, Frühneuzeit
Die Stadt Straßburg gehörte vom Mittelalter bis zu ihrer Kapitulation in der Neuzeit am 30. September 1681 nach Einschließung in Friedenszeiten durch Truppen des Königreichs Frankreich zum Heiligen Römischen Reich.
Die Familie Müllenheim (die vom benachbarten Müllheim im Breisgau nach Straßburg zog) und die Familie Zorn waren im Mittelalter die bedeutendsten Straßburger Patriziergeschlechter, deren Rivalität um die Vormacht in der Reichsstadt (1262 bis 1681) in regelrechten Straßenschlachten ausgetragen wurde. So erhielt das Rathaus z. B. extra zwei Eingänge, einen für die Müllenheim und einen für die Zorn. Auch die beiden Ufer der Ill wurden nach diesen Familien benannt; das eine heißt Quai Müllenheim (Müllenheimstaden), das andere Quai Zorn (Zornstaden). Weitere Familien, die an der Regierung oft beteiligt waren, sind Boecklin de Boecklinsau, die zwischen 1450 und 1737 109 mal den Stettmeister stellten, und die Familie Bock, die zwischen 1357 und 1764 21 mal den Stettmeister stellten.
Unter der Regentschaft dieser Familien entwickelte sich Straßburg zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszentren der Region. Als der Bischof versuchte, die Rechte der Stadt zu beschneiden, kam es zum offenen Krieg mit den Bürgern. Im Jahr 1262 wurde Bischof Walter von Geroldseck in der Schlacht von Hausbergen entscheidend geschlagen und die Stadt erlangte ihre Unabhängigkeit vom Hochstift Straßburg. In der Folge entwickelte sie sich zu einer Freien Reichsstadt (Privileg durch Kaiser Karl IV. 1358. Dies blieb sie bis 1681). Ungefähr zur gleichen Zeit, d. h. zum Ende des 13. Jahrhunderts, lag die Bauverwaltung des Straßburger Münsters nicht mehr in den Händen des Bischofs, wie es bei Kathedralbauten üblich war, sondern in der Verantwortung von Rat und den von der Stadt bestallten Meistern. Sie setzten die Verwaltungsbeamten ein, welche die Kirchenfabrik leiteten, die sich als „Frauenwerk“ erstmals in Quellen der 1220er Jahre findet und die für den Bau und die Vermögensverwaltung des Straßburger Münsters zuständig war. Bei den Verwaltungsbeamten handelte es sich um zwei oder drei Pfleger und einen Schaffner, zu deren Aufgaben beispielsweise die zwei Mal im Jahr stattfindende Rechnungslegung gehörte, bei der die jährlichen Einnahmen und Ausgaben des Frauenwerks verrechnet wurden.
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts entstanden auch in Straßburg Beginenhäuser. In der Hochzeit sollen etwa 60 Häuser, die unter anderem der Armen- und Krankenversorgung dienten, existiert haben. Sie orientierten sich an den Ideen des Eckart von Hocheim, genannt Meister Eckhart, dessen Schüler Johannes Tauler einige der Straßburger Beginenhäuser seelsorgerisch betreute. Im Laufe des 14. Jahrhunderts waren die Beginen wachsenden Repressalien ausgesetzt und wurden als Ketzer verfolgt.