Steven George Gerrard MBE [ˈdʒɛʀɑːd] (* 30. Mai 1980 in Whiston, Knowsley) ist ein ehemaliger englischer Fußballspieler und heutiger Fußballtrainer. Meist im zentralen Mittelfeld eingesetzt, spielte er seit seiner Kindheit insgesamt 26 Jahre für den FC Liverpool. Er war von 2003 bis 2015 Mannschaftskapitän der Reds. Zum 1. Juli 2015 verließ Gerrard den Verein und spielte bis zum 15. November 2016 in der Major League Soccer für die LA Galaxy. Von 2023 bis Januar 2025 war er Cheftrainer von al-Ettifaq in Saudi-Arabien.
Seine größten Erfolge auf internationaler Ebene waren der Gewinn des UEFA-Pokals 2001 und der Champions League 2005 sowie in den heimischen Wettbewerben des FA-Cups (2001, 2006) und des Ligapokals (2001, 2003, 2012). Zudem bestritt Gerrard als A-Nationalspieler (2000–2014) drei Europameisterschaften (2000, 2004, 2012) und drei Weltmeisterschaften (2006, 2010, 2014). Seine besonderen Stärken lagen neben seiner Passsicherheit und Zweikampfstärke in der herausragenden Schusstechnik, wodurch ihm auch zahlreiche Treffer aus größerer Entfernung gelangen.
Von Januar 2017 bis zum Sommer 2018 war er Jugendtrainer beim FC Liverpool. Danach war Gerrard bis November 2021 Cheftrainer des schottischen Klubs Glasgow Rangers. Von November 2021 bis Oktober 2022 war er der Cheftrainer von Aston Villa. Zuletzt trainierte er die Mannschaft von al-Ettifaq in Saudi-Arabien.
Steven Gerrard kam Ende Mai 1980 im Whiston Hospital in Knowsley im Metropolitan County Merseyside, rund zehn Kilometer östlich vom Liverpooler Stadtzentrum entfernt, zur Welt. Als Zweitgeborener nach seinem Bruder Paul wuchs er in einem wohlbehüteten, bescheidenen und vor allem fußballaffinen Umfeld auf. Der Vater lebte dem Junior seine große Leidenschaft für den FC Liverpool vor und unterstützte folglich stets dessen frühe Schritte auf den Sportfeldern. Die Schulzeit empfand der junge Steven als lästige Pflicht. Er verhielt sich in den Klassenräumen zumeist schüchtern, die Leistungen waren durchschnittlich und der Fokus lag auf den Rasenflächen neben den Gebäuden der St. Michael’s School, die er zunächst besuchte. Für die Wahl der weiterführenden Cardinal Heenan Catholic High School war neben konfessionellen Gründen auch wichtig, dass diese Gerrards fußballerische Talente unterstützte. Ein wichtiger Vorteil war zudem, dass er nun für Liverpool-Jugendauswahlmannschaften antreten durfte, die häufiger von Talentsichtern begutachtet wurden.
Gerrards Verbindung zum FC Liverpool war da jedoch bereits gefestigt. Ab dem Alter von acht Jahren war er Teil der Jugendarbeit bei den „Reds“, die von dem ehemaligen Spieler Steve Heighway geleitet wurde. Eingefädelt hatte den Kontakt ein Mitarbeiter Heighways, der gut befreundet war mit dem Trainer des Freizeitteams Whiston Juniors, für die Gerrard zu diesem Zeitpunkt wiederum spielte (und dies auch weiter tat). Zu den frühen Weggefährten zählten spätere Nationalspieler wie Jason Koumas und Michael Owen. Vor allem im Zusammenspiel mit Owen zeigte sich schon in U-12-Spielen des FC Liverpool die hohe Qualität dieses Jahrgangs. Weitere Bestätigung schien zu folgen, als Gerrard neben Owen sowie Stephen Wright und Neil Murphy im Alter von 14 Jahren eine Einladung zum Vorspielen für ein zweijähriges Stipendium an der damaligen nationalen Fußballakademie in Lilleshall bekam. Trotz guter Eindrücke lehnten ihn die Vertreter dort aber im Gegensatz zu Owen ab – die große Enttäuschung darüber wirkte bei Gerrard noch lange nach, zumal die Gründe primär darin zu liegen schienen, dass er zu diesem Zeitpunkt für sein Alter recht klein war. Vonseiten renommierter Klubs hingegen brachte man ihm größere Wertschätzung bei und neben konkreten Angeboten von Manchester City, dem FC Everton und Tottenham Hotspur zeigte sich auch Manchester United an einer Verpflichtung interessiert. Zu einem Wechsel kam es jedoch nicht und Gerrard erhielt nach Ablauf der U-16-Saison einen zweijährigen Ausbildungsvertrag („YTS“). Weitere „Belohnung“ für ihn war im Mai 1996 die Nominierung in den Kader für das Endspiel des FA Youth Cups, bei dem er den 4:1-Sieg gegen West Ham United (mit Frank Lampard und Rio Ferdinand) von der Ersatzbank aus beobachtete.
Die Ausbildung im YTS-Programm sah zunächst vor, dass die Übungseinheiten an der Universität Liverpool absolviert werden sollten und erst später trainierten die Talente im Leistungszentrum in Melwood Seite an Seite mit den Spielern aus der ersten Mannschaft. Zu einer besonderen Bezugsperson entwickelte sich für Gerrard dort Jamie Redknapp, vor allem deswegen, weil dieser in etwa dieselbe Position spielte. Eine reibungslose Entwicklung hin zum Profikader fand jedoch nicht statt. Dies lag primär daran, dass Gerrard in seiner Wachstumsphase häufig mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Der Verein wollte erst einmal von einem Profivertrag absehen; aber nach intensiven Gesprächen mit Gerrards Vater einigten sich die Parteien auf einen Dreijahresvertrag, dotiert mit wöchentlich 700 Pfund im ersten Jahr, danach 800 und zuletzt 900 Pfund. Die Fortschritte folgten nun in immer kürzeren Intervallen und durch gute Leistungen zu Beginn der Saison 1998/99 in der U-19-Auswahl des Klubs kam er der Profimannschaft schnell näher. Großen Anteil daran hatte der neue französische Trainer Gérard Houllier, der im Sommer 1998 zum FC Liverpool gestoßen war und das Team bis Anfang November zusammen mit Roy Evans betreute. Houllier beförderte Gerrard in den Kader der ersten Mannschaft und wies den Neuling an, seine Ernährung umzustellen und sich vermehrt über Kraftübungen für den Profifußball vorzubereiten. Dass sich Houllier im Nachgang als Gerrards wahrer Entdecker bezeichnete und gar äußerte, den Schützling vor der Reservemannschaft „gerettet“ zu haben, kritisierte Gerrard in seiner Autobiografie von 2006; und er stellte klar, dass neben der Arbeit in der Jugendakademie vielmehr Evans für seine Entwicklung zum Profifußballer gerühmt werden müsse, auch der Vertrag bereits vor Houlliers Verpflichtung unterzeichnet worden sei und er als Kapitän der englischen U-18-Auswahl kaum unbeachtet bleiben konnte.
Kurz nachdem er beim UEFA-Pokal-Auswärtsspiel in der dritten Runde gegen Celta Vigo (1:3) auf der Ersatzbank Platz genommen hatte, bestritt Gerrard am 29. November 1998 sein erstes Premier-League-Spiel für Liverpool, als er gegen die Blackburn Rovers (2:0) kurz vor Schluss für Vegard Heggem auf der Rechtsverteidigerposition eingewechselt wurde. Kurz darauf stand der Neuling im Auswärtsspiel bei Tottenham Hotspur erstmals in der Startelf und musste im rechten Mittelfeld im 3-5-2-System gegen niemand geringeren als den späteren Fußballer des Jahres in England David Ginola antreten. Gerrard bezeichnete das Duell gegen den Franzosen, der mit Houllier zu allem Überfluss seit der verpassten WM-Qualifikation 1994 mit Frankreich noch eine private Rechnung offen hatte, als „Albtraum“, wurde von diesem mehrfach überlaufen, musste zahlreiche Flanken zulassen und wurde dennoch nicht mit einer Auswechslung „erlöst“. Trotz dieser Ernüchterung vertraute ihm Houllier auch weiterhin und im Rückspiel gegen Celta Vigo (0:1) zeigte Gerrard erstmals auf der gewohnten zentralen Position seine Stärken. Nach der nahezu bedeutungslosen und mit wenig Druck behafteten Partie – neben der Hinspielniederlage fehlten Liverpool zahlreiche Leistungsträger – wurde Gerrard die Ehrung zum besten Spieler („Man of the Match“) zuteil. Am Ende der Saison 1998/99 hatte Gerrard insgesamt zwölf Premier-League-Spiele absolviert, wenngleich er nur in vier Partien von Beginn an dabei gewesen war. Sein erstes Tor für Liverpool erzielte er am 5. Dezember 1999 gegen Sheffield Wednesday zu Beginn einer Saison 1999/2000, in der Gerrard der sportliche Durchbruch bis in die englische A-Nationalmannschaft hinein gelang. Neben seinen flexiblen Auftritten, bei denen er auch auf den beiden Außenverteidigerpositionen und im rechten Mittelfeld aushalf, waren speziell die Leistungen im zentralen Mittelfeld auffällig, mit denen er sogar Mannschaftskapitän Jamie Redknapp große Konkurrenz machte – dessen Zeichen im folgenden Jahr wiederum verletzungsbedingt auf Abschied standen. Mit seiner Fähigkeit, sich aus der eigenen Hälfte die Bälle zu erobern und anschließend entweder mit schnellen Antritten oder mittels sicheren Passspiels Offensivaktionen einzuleiten sowie seiner „Verbissenheit“ im Zweikampf erinnerte er stilistisch an den ehemaligen Liverpooler „Europapokalhelden“ Graeme Souness.