Stephen Richard „Steve“ Hackett (* 12. Februar 1950 in London) ist ein britischer Komponist und Musiker.
Besondere Bekanntheit erlangte er als Gitarrist der Progressive-Rock-Gruppe Genesis, mit der er zwischen 1971 und 1977 insgesamt sechs Studioalben veröffentlichte. 1985 war er Mitbegründer der kurzlebigen Supergroup GTR. Des Weiteren hat er zahlreiche Solo-Alben aufgenommen, mit denen er regelmäßig auf Tour geht. Musikalisch bewegt er sich in einem sehr breiten Spektrum, das von Progressive Rock über Blues, Jazz bis zur klassischen Musik reicht. Seine Werke beeinflussten Gitarristen wie Alex Lifeson und Brian May.
Der Asteroid (79485) Stevehackett (1998 FH10) wurde 2026 nach ihm benannt.
Hackett wuchs mit verschiedenen Musikinstrumenten wie der Blockflöte und der Mundharmonika auf (letztere bringt er heute noch gelegentlich zum Einsatz). Mit zwölf Jahren entwickelte er ein Interesse an der Gitarre. Zu Hacketts musikalischen Einflüssen gehörten Klassische Musik (Johann Sebastian Bach) und die Oper (Mario Lanza), die nach eigenen Angaben auch heute noch seine Kompositionen beeinflussen. Als seinen Stil beeinflussend nannte er die Fleetwood-Mac-Gitarristen Danny Kirwan und Peter Green.
Erste Erfahrungen als Berufsmusiker sammelte Hackett bei den Bands Canterbury Glass, Heel Pier und Sarabande. 1970 wirkte er als Studiomusiker am Album The Road der Band Quiet World mit. Bei diesem Projekt spielte auch sein jüngerer Bruder John Hackett Rhythmusgitarre.
Auf der Suche nach einer „richtigen“ Band veröffentlichte Steve Hackett im Dezember 1970 eine Annonce im Melody Maker: Guitarist/Writer seeks receptive musicians, determined to strive beyond existing stagnant music forms (Gitarrist/Songschreiber sucht aufgeschlossene Musiker, die gewillt sind, sich über existierende, stagnierende Musikformen hinwegzusetzen). Die eigenwillige Formulierung erregte die Aufmerksamkeit von Peter Gabriel, dessen Band Genesis einen Ersatz für ihr Gründungsmitglied Anthony Phillips benötigte. Nachdem man sich von den gegenseitigen musikalischen Qualitäten überzeugt hatte, wurde Hackett Ende 1970 Mitglied von Genesis.
Hackett, der wenig Live-Erfahrung hatte, bildete mit seinem introvertierten Auftreten (mit Hornbrille in gebückter Haltung über seiner Gitarre sitzend) einen Kontrast zum Frontmann Gabriel.
Hacketts erstes Album mit Genesis war das im November 1971 veröffentlichte Nursery Cryme. Die Beiträge des Gitarristen bereicherten den Gesamtsound der Band, zum Beispiel bei den Stücken The Musical Box und The Return of the Giant Hogweed, bei denen er sich als Pionier der Tapping-Technik erwies. Sein erster Beitrag als Songschreiber war das in Zusammenarbeit mit Phil Collins entstandene kurze Akustik-Stück For Absent Friends. Das spontan entstandene Schluss-Solo von The Fountain of Salmacis wertete Hackett später als seinen künstlerischen Durchbruch in der Band.
Mit dem Album Foxtrot gelang Genesis 1972 der erste größere kommerzielle Erfolg. Bei dem deutlich keyboard-lastigeren Werk war Hackett in erster Linie für diverse atmosphärische Ausschmückungen verantwortlich. Besonders effektiv waren seine schwelgerischen Klänge am Ende der Suite Supper's Ready, in deren Mittelteil er zudem mit einem rasanten Solo auffiel. Horizons ist das erste und bis heute bekannteste seiner Akustik-Instrumentals. Ferner steuerte er den Text zu Can-Utility and the Coastliners bei.
Beim 1973er Album Selling England by the Pound, das Hackett später als sein Lieblingsalbum mit der Band bezeichnete, rückte die elektrische Gitarre wieder stärker in den Mittelpunkt. Das Instrumentalstück After the Ordeal war zum Großteil eine Komposition Hacketts. Der kleinere Hit I Know What I Like basierte auf einem Hackett-Riff, während das Stück Firth of Fifth dem Gitarristen ein Vorzeige-Solo bot. Er gehörte damals zu den ersten, die die Spieltechniken des Tapping und des Sweep Picking benutzten, deren Einführung oft fälschlicherweise Eddie Van Halen oder Yngwie Malmsteen zugeschrieben wird. Beide Techniken sind im Song Dancing with the Moonlit Knight zu hören.
Beim nachfolgenden Doppelalbum The Lamb Lies Down on Broadway ging Hackett 1974 eher unter, so dass ihm auch in späteren Jahren immer eine gewisse Distanz zu dem Konzeptwerk anzumerken war. Nur wenige Stücke wie Fly on a Windshield, Hairless Heart, The Chamber of 32 Doors, Here Comes the Supernatural Anaesthetist und das Schlusssolo von The Lamia gaben ihm wirklich Gelegenheit, sich einzubringen.
Wohl nicht zuletzt aufgrund dieser geringen Auslastung war Hackett 1975 das erste Genesis-Bandmitglied, das mit Voyage of the Acolyte ein Solo-Album veröffentlichte (UK-Charts: Platz 26). Neben seinen Bandkollegen Phil Collins und Mike Rutherford beteiligten sich auch sein Bruder John (* 1955) und als Gastsängerin Sally Oldfield an den Studioaufnahmen. Die ungewohnten künstlerischen Freiheiten bei den Sessions waren für Hackett eine positive Erfahrung, während er den Bandalltag bei Genesis zunehmend als einschränkend empfand.
Bei A Trick of the Tail (1976) übte sich Hackett aufgrund seines gerade erschienenen Albums noch in Zurückhaltung und steuerte als Hauptbeiträge den Text und die Hälfte der Musik von Entangled sowie Teile von Los Endos und Dance on a Volcano (Instrumentalteil) bei. Bei den Aufnahmen zu Wind & Wuthering (1977) vergrößerte sich seine Frustration. Um sein Songmaterial unterbringen zu können, wollte Hackett ein Viertel des Albums zugestanden bekommen, was von Collins, Rutherford und Tony Banks abgelehnt wurde. Vor allem zwischen ihm und Banks wuchsen seit Gabriels Ausscheiden die Spannungen. Hacketts Komposition Please Don't Touch fand ebenfalls keinen Anklang bei den restlichen Bandmitgliedern; das von ihm mitgeschriebene Inside and Out wurde auf die EP Spot the Pigeon verbannt und Blood on the Rooftops, das Hackett getextet und zusammen mit Collins komponiert hatte, fand bei Live-Auftritten nie Eingang in die Setlist der Band. Nach Beendigung der Wind-&-Wuthering-Tour verkündete Hackett schließlich am 8. Oktober 1977 seinen Abschied von Genesis, eine Woche vor der Veröffentlichung des zweiten Live-Albums der Band, Seconds Out.
1978 erschien Hacketts erstes Album der Nach-Genesis-Zeit, Please Don't Touch!. Das Album ist wie auch Voyage of the Acolyte dem Progressive Rock zuzuordnen und wurde wiederum mit diversen Session-Musikern eingespielt. Für den Gesang hatte er diesmal eine Reihe prominenter Musiker wie Richie Havens, Randy Crawford und Steve Walsh eingeladen. Er sang den Song Carry On up the Vicarage, nutzte dabei allerdings einen verfremdenden Laughing-Gnome-Effekt. Das Album erreichte in den Albumcharts Platz 38 in Großbritannien und Platz 103 in den USA.
Mit Spectral Mornings (1979) und Defector (1980) folgten weitere Progrock-Alben, die in den UK-Charts bis auf Platz 22 bzw. 9 vorstoßen konnten (US-Charts: Platz 138 bzw. 144). 1979 ging Hackett zum ersten Mal als Solokünstler auf Tournee und trat im August auf dem bekannten Reading Festival auf. Bei der Defector-Tour spielte er erstmals seit seinem Genesis-Ausstieg wieder in den USA. Für die beiden Alben und die dazugehörigen Konzerte leistete sich Hackett erstmals eine eigene feste Band, bestehend aus Nick Magnus (Keyboards), Dik Cadbury (Bass), John Shearer (Schlagzeug), Pete Hicks (Leadgesang) und John Hackett (Flöte), die er im Anschluss aus finanziellen Gründen aber wieder auflösen musste.
Die erste große Veränderung seines Musikstils erfolgte 1981 mit dem Album Cured. Obwohl das Album einige der Hackett-typischen progressiven und klassischen Stücke enthielt, zeigte es eine wesentliche Annäherung an die kommerzielle Popmusik. Hackett nahm das Album mit seinem Keyboarder Nick Magnus zusammen auf und spielte Gitarre und Bass, während der Schlagzeugsound vom Drumcomputer kam. Als weiteres Novum übernahm der Gitarrist erstmals für sämtliche Stücke den Leadgesang. Während Cured in den USA keine besonderen Charterfolge vorwies, kam es in Großbritannien bis auf Platz 15. Highly Strung (1982) und Till We Have Faces (1984) waren wieder rockiger orientiert. Auf Highly Strung (UK-Charts: Platz 16) waren erstmals elektronische Soundexperimente bei Hackett zu hören, während sich auf Till We Have Faces der typische Hackett-Sound mit brasilianischen Percussion-Elementen vermischte.