Steffen Schleiermacher (* 3. Mai 1960 in Halle (Saale)) ist ein deutscher Komponist, Pianist und Dirigent. Als Pianist spielte er zahlreiche CDs zur Musik des 20. und frühen 21. Jahrhunderts ein.
Steffen Schleiermacher entstammt einer Lehrerfamilie und ist ein Nachfahre des evangelischen Theologen Friedrich Schleiermacher. Er wuchs mit einem älteren Bruder in Halle/Saale auf, sein Neffe ist der Jazzmusiker Johannes Schleiermacher (* 1984). Steffen Schleiermacher erhielt mit sechs Jahren seinen ersten Klavierunterricht, außerdem wurde er in Gehörbildung und Musiktheorie unterwiesen, zeitweise an der städtischen Musikschule. Nach eigenen Angaben hat er „ca. 10 Klavierlehrer verschlissen“. Von 1968 bis 1978 sang er im Stadtsingechor zu Halle unter der Leitung von Dorothea Köhler. Nach dem Abitur 1978 wollte er ursprünglich Architektur studieren, wurde allerdings „nicht genommen“. Anstatt sich für die Alternative Maschinenbau zu entscheiden, bewarb er sich erfolgreich um einen Studienplatz an der Musikhochschule im benachbarten Leipzig.
Ab 1980 studierte er in der Tanzabteilung der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig Klavier bei Gerhard Erber, der ihn entscheidend förderte. So machte ihn Erber auch mit der Neuen Musik von Karlheinz Stockhausen, Charles Ives und John Cage vertraut. Bei seinem Examen spielte er später Werke von Pierre Boulez, Luciano Berio, Karlheinz Stockhausen und Friedrich Goldmann. Darüber hinaus nahm Schleiermacher 1982 ein Kompositionsstudium bei Siegfried Thiele und 1983 bei Friedrich Schenker auf. Im Alter von zweiundzwanzig Jahren komponierte er seine ersten Stücke. Ab 1983 nahm er zudem Dirigierunterricht bei Günter Blumhagen, weil, wie er selbst ausführte, die Aufführung seiner Stücke schleppend voranging. Von 1984 bis 1988 leitete er das auf zeitgenössische Musik spezialisierte Hochschulensemble Gruppe Junge Musik, das vier Jahre zuvor durch den Komponisten Bernd Franke gegründet worden war. Von 1985 bis 1988 arbeitete Schleiermacher als Assistent für Tonsatz, Gehörbildung und Neue Musik an der Leipziger Musikhochschule. Mitte der 1980er Jahre wurde er mit ersten internationalen Interpretenpreisen ausgezeichnet, 1986 nahm er an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt teil. Während seiner Assistenzzeit 1986/87 erhielt er für ein Jahr die Gelegenheit als Meisterschüler für Komposition bei Friedrich Goldmann an der Akademie der Künste in Berlin (Ost) zu studieren. 1989/90 absolvierte er als Stipendiat des Deutschen Musikrates ein Zusatzstudium für Klavier bei Aloys Kontarsky an der Hochschule für Musik Köln.
Seit 1988 leitete er die ursprünglich durch seinen Lehrer Friedrich Schenker betreute Konzertreihe Das neue Werk (ab 1990 musica nova) am Gewandhaus in Leipzig. 1989 gründete er u. a. mit dem Leipziger Streichquartett das Ensemble Avantgarde. 1990 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Forums Zeitgenössischer Musik Leipzig. Ab 1991 verantwortete er das Januarfestival für Neue Musik, das zunächst am Museum der bildenden Künste Leipzig und später an der Schaubühne Lindenfels stattfand. Aus finanziellen und organisatorischen Gründen übernahm im Jahre 2000 der Mitteldeutsche Rundfunk das Festival. Es wurde in den Sommer verlegt und zum MDR-Musiksommer gehörig als zeitgenössische Reihe KlangRausch fortgeführt. Schleiermacher leitete die Reihe bis 2010.
Ab 1989 führten ihn Konzert- und Vortragsreisen in viele Länder Europas, Amerikas und des Fernen Ostens. Er gab Konzerte u. a. mit dem Gewandhausorchester, dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, den Münchner Philharmonikern, dem Orchestre de la Suisse Romande und weiteren Orchestern u. a. unter Vladimir Ashkenazy, Ingo Metzmacher, Fabio Luisi und Wladimir Jurowski. Rund 60 CD-Aufnahmen erschienen bei verschiedenen Labels (Hathut, WERGO, Musikproduktion Dabringhaus & Grimm), darunter von 1996 bis 2003 die Ersteinspielung des gesamten Klavierwerks von John Cage. Von 1999 bis 2003 folgte die Einspielung des gesamten Klavierwerks von Erik Satie. Intensiv widmete er sich auch der Wiener Schule und deren Umfeld. Weiterhin trug er zur Wiederentdeckung von Josef Matthias Hauer, Leo Spies und Dane Rudhyar und anderen bei.
Schleiermacher schuf zahlreiche Auftragswerke: Gewandhauskapellmeister Kurt Masur verhalf ihm 1986 zum kompositorischen Durchbruch, als er mit dem Solisten Karl Mehlig und dem Leipziger Gewandhausorchester seine Musik für Pauken und Orchester (1984/85) uraufführte. Später setzte sich Riccardo Chailly am Gewandhaus für Schleiermachers Musik ein, so brachte er 2006 GegenBild (2006), 2009 Das Leuchten der singenden Kristalle (2008) und 2011 Bann. Bewegung – mit Beethovens Erster (2010) zur Uraufführung. In seinem Antrittskonzert 2018 als Gewandhauskapellmeister dirigierte Andris Nelsons erstmals das Auftragswerk Relief für Orchester (2017). Auch in Dresden konnte Schleiermacher Fuß fassen: Der junge Komponist wurde in den 1980er Jahren durch die Spezialabteilung für zeitgenössische Musik des VEB Edition Peters gefördert. Unmittelbar nach Gründung des Dresdner Zentrums für zeitgenössische Musik 1986 erhielt er einen Auftrag für das Kammerorchesterwerk Kreon – Hommage à Varèse (1987), das 1987 durch das musica-viva-ensemble dresden unter Hans-Peter Richter zur Uraufführung gebracht wurde. Die Dresdner Philharmonie bestellte das Orchesterwerk Puls, Farbe, Schatten (1994; UA mit Kurt Masur 1995). Als Schleiermachers Hauptwerk gilt die Kammeroper Kokain (2004; Auftragswerk der Oper Bonn) nach der expressionistischen Novelle von Walter Rheiner.
Schleiermacher war Mitglied der Konstituierenden Sitzung der Freien Akademie der Künste zu Leipzig, der er seitdem angehörte. 1998 wurde er ordentliches Mitglied der Klasse Musik der Sächsischen Akademie der Künste. Im Mai 2018 wurde Schleiermacher als neues Mitglied in die Sektion Musik der Berliner Akademie der Künste gewählt. Schleiermacher ist Vorsitzender der Jury des Hanns-Eisler-Stipendiums der Stadt Leipzig.
An sich (2009) – for baritone with woodblock (one performer). Text by Paul Fleming.
Balance – four small pieces – for György Kurtág (2008) – for piano.
Bildbeschreibung – 2. Annäherung an Heiner Müller (2000) – for piano.
Frage! an August Stramm (2005) – for contrabass flute, version for bass flute.
Herakles – 1. Annäherung an Heiner Müller (2000) – for piano.
Klanglandschaften im Klavier – 12 Stücke für junge Pianisten (2000) – for piano.
klavier und klaviere (1997) – for piano and tape.
Langenbogener Ouvertüre – mit G.F.H. (2003) – for organ.
Merseburger Ouvertüre – mit F.L. (2004) – for organ.
Nadie nos ha visto (to Goya) (2008) – for guitar.
Philoktet – 3. Annäherung an Heiner Müller (2003) – for piano.