Stefan Voigt (* 2. Juli 1963 in Schwelm) ist ein deutscher Höhlenforscher, Naturschützer und Unternehmer.
Voigt begann 1980 eine Lehre als Landschaftsgärtner und legte 1989 seine Meisterprüfung im Garten- und Landschaftsbau ab. Seit 1996 hat er das Amt des Landschaftswächters vom Ennepe-Ruhr-Kreis für das Stadtgebiet Ennepetal inne. 1998 machte sich Voigt im Garten- und Landschaftsbau selbstständig. Seit 1999 werden von ihm die Höhlenführer der Kluterthöhle geprüft. 2002 heiratete Stefan Voigt seine Frau Ute, mit der er zwei Kinder hat.
Seit 2009 ist Voigt Mitglied des Landschaftsbeirates bzw. seit Umbenennung des Naturschutzbeirates des Ennepe-Ruhr-Kreises. 2012 wurde er Mitglied im Beirat des Geoparks Ruhrgebiet. Diese Stelle füllt er bis heute aus und vertritt dort die Belange der Karst- und Höhlenforschung.
2011 erhielt Voigt den Deutschen Landschaftspflegepreis. Am 22. Juli 2018 erhielt Stefan Voigt das Bundesverdienstkreuz am Bande für seine jahrzehntelangen Leistungen in der Höhlenforschung und im Naturschutz. Am 12. Mai 2018 erhielt Voigt vom Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher (VdHK) den Dr.-Benno-Wolf-Preis, der besondere Leistungen in der Höhlenforschung würdigt.
Schon in seiner Jugend erkundete er die Höhlen in Ennepetal. 1980 trat Voigt dem Arbeitskreis Kluterthöhle bei. Im gleichen Jahr durchtauchte er mit Harald Gallinnis einen Nasensiphon in der Kluterthöhle und entdeckte dahinter 30 Meter Neuland. 1981 entdeckte Voigt mit der Hagener Holthauser Bachhöhle seine erste Großhöhle. Gleichzeitig gelang hier ein erster Vertrag über eine Höhle und der Verschluss des Objekts. 1983 fand er hinter einem faustgroßen Loch die Heilenbecker Höhle, wodurch vier Kilometer Höhle erforscht werden konnten. Ebenfalls 1983 wurde Voigt Mitglied im Vorstand im Vereinskollektiv des Arbeitskreises Kluterthöhle im Verkehrsverein der Stadt Ennepetal. Im folgenden Jahr wurde der Arbeitskreis Kluterthöhle als eingetragener Verein gegründet, den Voigt ab 1985 als stellvertretender Vorsitzender vertrat; seit 1987 ist er Vereinsvorsitzender.
Gemeinsam mit Matthias Eggermann führte Voigt eine Expedition in den Vorderen Orient durch. Im Winter 1985 bereiste er dabei unter anderem Syrien und erforschte auch dort Höhlen. Nahe der syrischen Stadt Ragga konnte die Cater-Magara-Höhle auf über 3 km Länge erforscht werden. Bei späteren Expeditionen mit den Vereinsmitgliedern wurde die Höhle mit über sieben Kilometer Länge zur längsten Gipshöhle in Vorderasien. Neben der Cater-Magara-Höhle wurden noch vier weitere Großhöhlen entdeckt.
Auch in den nördlichen Kalkalpen fand Voigt mit dem Arbeitskreis Kluterthöhle ein Forschungsgebiet. Im Steinernen Meer rings um den Berg Schneiber forschte er gemeinsam mit seinen Kameraden und entdeckte, erforschte und kartographierte dabei über 15 Kilometer neuer Höhlengänge, darunter sechs Großhöhlen und zwei Bärenhöhlen. Ein weiteres Betätigungsfeld war die Speläogenese, mit der sich Voigt beschäftigte. 1986 ernannte der Rat der Stadt Ennepetal den Arbeitskreis Kluterthöhle e. V. zum Träger öffentlicher Belange.
1986 entdeckte Voigt am Ende der nur 120 Meter langen Simonhöhle bei Warstein zusammen mit Vereinskameraden eine offene Fortsetzung. Dahinter verbargen sich 700 Meter Neuland mit einer großen Tropfsteinhalle. Ein Jahr später begannen die Verhandlungen mit der Stadt Hagen, die den Arbeitskreis Kluterthöhle aus den Höhlen auf dem Stadtgebiet verdrängen wollte. Durch Voigts Einsatz konnte an dieser Stelle ein Vertragswerk ausgearbeitet werden, das heute unter Höhlenforschern als „Ennepetaler Modell“ bekannt ist. Im Rahmen dieses Modells übertrug die Stadt Hagen die Aufgaben der Höhlenforschung und des Höhlenschutzes an den Arbeitskreis Kluterthöhle. Dies war einmalig in Deutschland. In den folgenden Jahren wurde dieses Modell auch von anderen Höhlenforschungsvereinen übernommen. Mit dem ausformulierten Vertragswerk und den Erfahrungen aus den Verhandlungen gelang es Voigt, das Ennepetaler Modell jeweils modifiziert auch mit anderen Städten und Landkreisen abzuschließen.
1990 gelang Voigt und dem Arbeitskreis Kluterthöhle in Hagen die Entdeckung der Martinshöhle. Im gleichen Jahr legte er auch die Fortsetzung in der Timpenhöhle frei und entdeckte über 700 Meter Neuland. Im folgenden Jahr gelang es Voigt, mit der Stadt Engelskirchen einen Vertrag über die Übernahme des Kallenlochs abzuschließen. Die Höhle war über Jahrzehnte mit Müll verfüllt worden. Der Arbeitskreis Kluterthöhle entsorgte über 100 m³ Müll und Unrat aus der Höhle. Im Jahr 1992 entdeckten die Höhlenforscher rund um Voigt in der Wuppertaler Hardthöhle ein 800 Meter langes Labyrinth. 1996 nahm Voigt an der ersten deutschen Kambodscha-Expedition teil. Dabei wurden rund zwölf Kilometer Höhlengänge entdeckt und ein Tempel aus dem 6. Jahrhundert. 1997 konnte nach wenigen Stunden Grabung die über 800 Meter lange Altenberghöhle neuentdeckt werden. 1998 ging Voigt zusammen mit einem rumänischen Verein zum Höhlenforschen in das Banat-Bergland.
Bei der Neubearbeitung des Geologischen Blattes Hohenlimburg übernahm er die Beschreibung der Höhlen auf der westlichen Kartenblatthälfte. 1998 konnte in einem Naturschacht in einer Baugrube in Gummersbach ein Versturz geräumt werden. Voigt und seine Kameraden fanden den richtigen Weg, und auf einen Schlag waren über 600 Meter Neuland und die schönste Tropfsteinhöhle des Bergischen Landes entdeckt: die Rosper Höhle. Im Jahr 2000 gelang es den Höhlenforschern um Voigt, in einer Mulde im Wuppertaler Karst eine Höhle zu entdecken. Nach kurzer Grabung gelangten sie in die 700 Meter lange Himmelfahrtsponorhöhle. Unweit der Himmelfahrtsponorhöhle wurde eine von ihm entdeckte weitere Höhle aufgebrochen.
2008 erforschten Andreas Wolf, Günter Stautz und Stefan Voigt für das Institut für Karst und Höhlenkunde die Al-Kittan-Höhle in Oman. Dabei wurde dokumentiert, vermessen und Neuland erforscht. 2009 wurden bei Baumaßnahmen am Gymnasium der Stadt Ennepetal faustgroße Löcher gefunden. In der Folgezeit erkundete er mit dem Arbeitskreis Kluterthöhle fast 500 Meter Neuland in der Ebbinghauser Höhle und konnte das Objekt trotz der Bebauung retten. 2010 wurde durch den Höhlenverein die 50. Verbandstagung der deutschen Höhlen- und Karstforscher ausgerichtet. Voigts Beziehungen waren dabei wichtig für die Organisation, wie auch für die Vorträge mit einem Schwerpunkt auf den Höhlenschutz. Zusätzlich bewog er die Stadt Ennepetal, sich mit einem Ratsbeschluss für die Höhlen- und Karstforschung einzusetzen.
2011 konnte Voigt durch ein Gutachten über die Linderhauser Mulde in Wuppertal ein geplantes Industriegebiet verhindern. Bei der 2013 erschienenen Geologischen Karte 4911 Gummersbach hat Voigt die Kalklinsen kartiert und mit Volker Wrede das Kapitel über die Verkarstung geschrieben. 2014 war Voigt Mitglied der internationalen Laos-Expedition in die Provinz Xam Neva. Neben Vermessungsarbeiten gab es auch einiges an Neuland zu erkunden. Ein Erdfall im Hang der Bahnstrecke Elberfeld–Dortmund auf Höhe des Hauses Martfeld wurde durch die Höhlenforscher um Voigt untersucht. Gefunden wurde eine 19 Meter lange Höhle, die neben einem CO₂-See auch zahlreiche Mineralien enthält. Aufgrund ihrer Lage erhielt sie den Namen Schwelmer Schlosshöhle.
Das Unternehmen Voigts hat 45 Hektar mit 35 Höhlen, darunter der Steinbruch Rauen (Witten), angekauft. Zwei Grundstücke bekam Voigt für den Naturschutz geschenkt, darunter auch eine starke Karstquelle. Bei Reinigungsarbeiten in der Kluterthöhle fanden die Höhlenforscher um Stefan Voigt ein bisher so nicht bekanntes paläozoisches Korallenriff, eines der besterhaltenen paläozoischen Riffs weltweit. 2015 bis 2017 wurde die Kluterthöhle mit Unterstützung der NRW-Stiftung und Betreiben Voigts komplett saniert. 2017 gelang es Voigt den Schwelmer Tunnel und die angrenzenden Grundstücke zu erwerben.
2019 entwickelte Voigt das Modell des Steinzeitwaldes, in dem wärmeliebende und trockenheitsresistente, heimische Bäume aus der Jungsteinzeit im Zuge des Klimawandels aufgeforstet wurden. In den Jahren nach der Entdeckung plante Voigt, die Höhlen des Klutertberges zum Nationalen Monument zu machen. Er holte viele Gutachten ein, führte Gespräche und stellte nach sorgfältiger Vorbereitung den entsprechenden Antrag zur Ausweisung der Kluterthöhle als Nationales Naturmonument. Mitantragsteller wurden die Stadt Ennepetal und die Kluterthöhle & Freizeit GmbH & Co. KG. Am 2. April 2019 erfolgte die Anerkennung des Kluterthöhlensystems als viertes Nationales Naturmonument. Außerdem gelang es Voigt den westlichen Teil des Nationalen Naturmonumentes mit der Bismarckhöhle und weiteren kleinen Höhlen zu erwerben.