Stanley Marvin Clarke (* 30. Juni 1951 in Philadelphia, Pennsylvania) ist ein US-amerikanischer Bassist sowie dreifacher Grammy-Preisträger aus dem Bereich der Fusion- und Jazzmusik. Im Fusionbereich gilt er als einer der bedeutendsten Bassisten der 1970er- und 1980er-Jahre, neben Jaco Pastorius sowie Marcus Miller. Seit Anfang der 1990er-Jahre trat er vermehrt als Filmkomponist auf.
Nach seinem Studium an der Philadelphia Academy of Music zog Clarke 1971 nach New York City, wo er unter anderem mit Art Blakey, Gil Evans, Joe Farrell, Stan Getz, Dexter Gordon, Joe Henderson, Al Di Meola, Pharoah Sanders und Horace Silver zusammenarbeitete. In dieser Zeit trat er der von Chick Corea geleiteten Fusion-Band Return to Forever bei, die eine der erfolgreichsten Jazzrock-Formationen dieser Zeit wurde. Der Kritiker Achim Hebgen zählte ihn und Airto Moreira 1973 in der Zeitschrift Sounds zu den Musikern, die in den beiden vorangegangenen Jahren am meisten Aufsehen in der Jazzszene erregt und zugleich die meisten Plattenaufnahmen vorzuweisen hatten. Im selben Jahr erschien bei Polydor Clarkes Album Children of Forever, an dem neben Corea der Schlagzeuger Lenny White sowie die Sänger Andy Bey und Dee Dee Bridgewater mitwirkten. Hebgen hob das 16-minütige „Sea Journey“ und „Bass Folk Song“ hervor, Letzteres „mit dem umwerfendsten Baß-Solo seit Jahr und Tag“. Außerdem produzierte er eine Reihe von Soloalben, von denen School Days zusammen mit Jaco Pastorius’ Debütalbum zu den besten Bass-Alben der Jazzrock-Ära gezählt wird.
Das Album School Days, veröffentlicht 1976, war ein großer kommerzieller Erfolg und erreichte Platz 2 der Billboard Jazz Album Charts. Das gleichnamige Stück gilt als Meilenstein des Jazz-Funk, bzw. Jazz-Fusion und hat sich weltweit als Standard und sozusagen als "Hymne" für E-Bassisten etabliert. Auf dieser Schallplatte sind die damals noch wenig bekannten Musiker wie George Duke, Ray Gomez, John McLaughlin, David Sancious, Billy Cobham und Steve Gadd beteiligt.
Im Jahr 1987 gründete Clarke mit der Jazz-Sängerin Deborah Holland und dem ehemaligen The-Police-Schlagzeuger Stewart Copeland die Band Animal Logic. Nach zwei Studio-Alben und einigen Singles gingen die Musiker Ende 1991 wieder getrennte Wege.
2005 gründete Clarke das Acoustic Fusion Supergroup TRIO! mit Béla Fleck und Jean-Luc Ponty. Außerdem beschäftigt er sich als Produzent von Filmmusik. Im Jahr 2011 erhielt Clarke den Grammy für das beste zeitgenössische Jazzalbum (Best Contemporary Jazz Album), The Stanley Clarke Band (2010).
Clarkes Bassspiel ist gekennzeichnet von einer ausgereiften Slaptechnik und außerordentlicher Virtuosität. Die Slaptechnik, deren Erfindung Larry Graham zugeschrieben wird, besteht im kräftigen Anschlagen der Saiten mit der Daumenseite durch Drehung aus dem Handgelenk. Das kombiniert er oft rhythmisch mit Zupfen der höheren Saiten. Clarke trug Anfang der 1970er-Jahre entscheidend zur Entwicklung und Verbreitung dieser Technik im Jazzrock bei. Charakteristisch ist bei seinen Slap-Einlagen auch das Klopfen mit der rechten Hand auf dem Korpus bis hin zur Kopfplatte. Auch gebraucht er ein auf dem Bass unkonventionelles Rasqueado, wie es von der Flamenco-Gitarre bekannt ist. Beim Zupfen benutzt er wahlweise auch drei Finger, was ihm sehr schnelle Figuren erlaubt. Der Kritiker Achim Hebgen schrieb 1973, Clarke verbinde auf seinem Bass „auf bisher nicht gekannte Weise“ melodisches, harmonisches, klangliches, rhythmisches und perkussives Spiel miteinander und ersetze „für sich allein schon eine ganze Rhythmusgruppe“. Als hervorragendstes Merkmal seiner Basslinien nannte er bei aller Raffinesse „ihre melodische Eingängigkeit und Selbstverständlichkeit“.
Clarke ist der erste einflussreiche Musiker, der häufig einen Piccolobass verwendete, einen um eine Oktave höher gestimmten, viersaitigen E-Bass.
Auch wenn er durch sein E-Bass-Spiel bekannt geworden ist, ist sein virtuoses Spiel auf dem Kontrabass, dem Hauptinstrument seiner späteren Laufbahn, schon früh dokumentiert (Moon Germs mit dem Joe Farrell Quartet von 1971).
1988 – If This Bass Could Only Talk
1992 – Passenger 57 (Soundtrack)
1999 – Hot Fun – Best (1974–93, Zounds, alle Titel digital remastert)
Zudem wirkte Clarke, ebenso wie Eddie Gomez und weitere bekannte Jazzmusiker, 1979 beim Album Mingus von Joni Mitchell mit.
1971 – Moon Germs (mit Joe Farrell, Herbie Hancock, Jack DeJohnette)
1971 – Black Unity (mit Pharoah Sanders, Hannibal Marvin Peterson, Cecil McBee und anderen; aufgenommen am 24. November 1971 New York)
1972 – Prelude (mit Eumir Deodato, Billy Cobham, John Tropea)
1972 – Return to Forever (mit Chick Corea, Joe Farrell, Flora Purim, Airto Moreira)
1973 – Stanley Cowel Trio Illusion Suite (Stanley Cowell, Stanley Clarke, Jimmy Hops)
1973 – Deodato 2 (mit Eumir Deodato, Billy Cobham, John Tropea)