An diesem Tag

Stanislaw Tillich

Deutscher Politiker (CDU), Ministerpräsident a.D. Sachsen

Anúncio

Stanislaw Rudi Tillich, sorbisch (* 10. April 1959 in Neudörfel / Nowa Wjeska bei Kamenz), ist ein deutscher Politiker (CDU) sorbischer Nationalität. Vom 28. Mai 2008 bis zum 12. Dezember 2017 war er der dritte Ministerpräsident des Freistaates Sachsen nach der Deutschen Wiedervereinigung und vom 24. Mai 2008 bis zum 9. Dezember 2017 auch Vorsitzender der sächsischen CDU. Er war zudem vom 1. November 2015 bis 31. Oktober 2016 der 70. Präsident des Bundesrates. Seit 1. September 2019 ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft.

Tillich entstammt einer sorbischen Familie. Sein Vater Rudi Tillich (1929–2007) war evangelisch, seine Mutter ist katholisch. Tillich selbst wurde zu einem den religiösen Traditionen seiner Heimat verbundenen praktizierenden Katholiken erzogen. Sein Vater war Mitglied der SED-Ortsleitung von Panschwitz-Kuckau und hauptamtlicher Funktionär der Domowina, der nationalen sorbischen Organisation. Nach seiner Schulausbildung und dem Abitur an der Sorbischen Oberschule in Bautzen 1977 leistete Stanislaw Tillich von November 1977 bis April 1979 seinen Grundwehrdienst bei den Grenztruppen der DDR. Anschließend studierte er von 1979 bis 1984 an der Technischen Universität Dresden und schloss als Diplomingenieur für Konstruktion und Getriebetechnik ab. 1984 begann er als Konstrukteur in einem Elektronikunternehmen in Kamenz. Vom 1. Oktober 1987 bis zum 24. Mai 1989 war Tillich Angestellter des Rates des Kreises Kamenz. Im Mai 1989 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Rates und war zuständig für den Bereich Handel und Versorgung. Laut Lebenslauf war er von 1989 bis 1995 als selbstständiger Konstruktions- und Werkzeugbauunternehmer tätig.

Stanislaw Tillich ist verheiratet und hat eine Tochter und einen Sohn. Er lebte zunächst in einem Einfamilienhaus in Panschwitz-Kuckau und bewohnt seit April 2015 ein Penthouse auf dem Weißen Hirsch in Dresden.

Im Jahr 1987 trat Tillich aus eigenem Entschluss in die Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU) ein, die in der DDR als Teil des Demokratischen Blockes der Parteien und Massenorganisationen das Machtmonopol der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) stützte.

In Potsdam-Babelsberg nahm er vom 2. Januar bis zum 10. März 1989 an einem Lehrgang der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft – einer der bedeutendsten „Kaderschmieden“ der SED – teil. Im Nachhinein bezeichnete Tillich diesen Lehrgang jedoch als „einen der vielen M-L-Kurse“, der ihn „persönlich nicht innerlich überzeugt“ habe. In einem Fragebogen aus dem Jahr 1999 zu seiner Vergangenheit in der DDR verneinte Tillich Kontakte zur Staatssicherheit. Im November 2008 wurden Vorwürfe gegen ihn laut, seine Biographie und insbesondere seine Rolle im Staatsapparat der DDR geschönt zu haben. Tillich räumte zwei Befragungen durch Stasimitarbeiter ein, die wegen eines beschädigten Siegels an der Tür eines betrieblichen EDV-Raumes und bei der Aufklärung von Versorgungsengpässen erfolgt seien. Nach Angaben der Birthler-Behörde waren in diesem Kontext keine Hinweise auf eine Zusammenarbeit Tillichs mit der Stasi erkennbar. Einer Veröffentlichung des Fragebogens aus dem Jahr 1999, die von der Sächsischen Staatskanzlei zuvor abgelehnt worden war, stimmte Tillich erst 2009 zu. Ab 1988 oder 1989 gehörte Tillich dem Kreisvorstand seiner Partei in Kamenz an.

Am 18. März 1990 wurde Tillich als Abgeordneter der CDU in die Volkskammer gewählt. Dort kümmerte er sich um die Belange der Sorben und um SED-Opfer.

Nach der Auflösung der Volkskammer im Zuge der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 arbeitete er bis 1994 als Beobachter im Europäischen Parlament. Dem 4. Europäischen Parlament (1994–1999) gehörte er als gewählter Abgeordneter für die Bundesrepublik Deutschland an und war stellvertretender Vorsitzender des Haushaltsausschusses und Generalberichterstatter für den Haushalt der Europäischen Union. Von 1992 bis 1999 war er Mitglied des EVP-Vorstandes.

Bei der Wahl am 19. September 2004 kandidierte er im Wahlkreis Bautzen 3 und wurde in den Sächsischen Landtag gewählt. 2009 und 2014 wurde er wiedergewählt.

Nach der Ankündigung Roland Kochs vom 26. Mai 2010, nicht wieder für das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU zu kandidieren, kam Tillich als dessen Nachfolger ins Gespräch. Er wurde im November 2010 in das Präsidium der Bundes-CDU gewählt.

Am 4. Dezember 2012 wurde Tillich erneut in das Präsidium der CDU gewählt.

Im Jahr 1999 berief ihn der damalige Ministerpräsident von Sachsen Kurt Biedenkopf in sein Kabinett, wo er bis 2002 Staatsminister für Bundes- und Europaangelegenheiten war.

Im Kabinett des 2002 zum Ministerpräsidenten gewählten Georg Milbradt arbeitete Tillich zunächst bis 2004 als Staatsminister und Chef der Staatskanzlei und seit 2004 als Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft. In dieser Zeit war er insbesondere zuständig für den Ausbau des Hochwasserschutzes der Elbe nach dem Hochwasser im August 2002.

2007 wurde er Sächsischer Staatsminister der Finanzen und Nachfolger des wegen der Krise der sächsischen Landesbank zurückgetretenen Horst Metz. Tillich führte die Verhandlungen um die angeschlagene Sachsen LB an der Seite von Ministerpräsident Milbradt. Die Sachsen LB wurde im Dezember 2007 unter Umgehung des Landesparlamentes an die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verkauft, ein Vorgang, der vom Sächsischen Verfassungsgericht im August 2009 für verfassungswidrig erklärt wurde. Statt einer Beteiligung des Landtages in Form eines Entschließungsantrags wäre, so das Gericht, ein Nachtragshaushalt notwendig gewesen.

Am 14. April 2008 schlug ihn Georg Milbradt in seiner Rücktrittserklärung infolge der Affäre um die Landesbank als Nachfolger für das Amt des Ministerpräsidenten und den Landesparteivorsitz vor.

Am 24. Mai 2008 wurde er vom Landesparteitag zum Vorsitzenden der sächsischen CDU gewählt, am 28. Mai folgte die Wahl zum Ministerpräsidenten des Freistaats Sachsen und die Vereidigung seines Kabinetts.

Als Ministerpräsident war Tillich auch Mitglied im Bundesrat und dort zeitweise Vorsitzender der deutsch-russischen Freundschaftsgruppe.

Am 30. Juni 2008 lud er nach einer Privataudienz Papst Benedikt XVI. für das Jahr 2009 offiziell zu einem Besuch in den Osten Deutschlands ein.

Bei der Landtagswahl am 30. August 2009 erlangte die CDU unter Tillichs Führung 40,2 Prozent der Stimmen. Da die FDP auf 10 Prozent der Stimmen kam, konnte Tillich eine CDU-FDP-Koalition bilden und wurde am 29. September 2009 als Ministerpräsident wiedergewählt.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Stanislaw Tillich | World in Stories