St. Louis (ausgeschrieben Saint Louis) [ˌseɪntˈluːɪs] ist eine Großstadt im US-Bundesstaat Missouri am westlichen Ufer des Mississippi an der Grenze zum Nachbarstaat Illinois. Sie hat 301.587 Einwohner (Volkszählung 2020).
Die Stadt ist auch als The Gateway City bekannt, angelehnt an ihre Bedeutung als Tor in den Westen während der Urbarmachung und Entwicklung des amerikanischen Westens. Gegründet von französischen Händlern im Jahre 1764, welche die neue Siedlung nach König Ludwig IX. benannten, wuchs St. Louis schnell zu einem der wichtigsten Handelsplätze am Mississippi heran und war hinter New Orleans die zweitgrößte Stadt im Louisiana-Territorium. Als dieses 1804 von den Vereinigten Staaten erworben wurde, wurden diese größtenteils noch völlig unbekannten Gebiete von St. Louis aus erkundet (Lewis-und-Clark-Expedition).
Fast die gesamte weitere Erschließung des Westens wurde von hier aus organisiert, wodurch sich St. Louis im Laufe des 19. Jahrhunderts zur Boomtown entwickelte. Besonders die Eisenbahn spielte dabei eine große Rolle. Durch das große Wachstum der von der Industrie geprägten Stadt war St. Louis von den 1860er bis in die 1920er Jahre hinein die viertgrößte Stadt der USA. 1904 wurde sie die erste Stadt außerhalb Europas, die die Olympischen Sommerspiele austrug.
Seit dem Zweiten Weltkrieg geht die Einwohnerzahl stetig zurück und der einstige Ruhm der Stadt verblasste mit der Zeit. 2006 führte St. Louis die Liste der gefährlichsten Städte der Vereinigten Staaten an, weil man nur die Zahlen für die Innenstadt und nicht auch die Zahlen für die gesamte Metro Area berücksichtigt hatte. Von 2014 bis 2016 führte St. Louis erneut die Liste der Städte mit den meisten Tötungsdelikten in den USA an. Im weltweiten Vergleich liegt St. Louis damit auf Platz 15 (2015). In der Statistik waren noch Baltimore, Detroit und New Orleans als gefährlichste Städte der Vereinigten Staaten angegeben.
St. Louis ist heute neben Kansas City das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Missouris und Sitz einiger der wichtigsten Hochschulen des Bundesstaats, wie der Washington University, der Saint Louis University und der University of Missouri-St. Louis.
In der Metropolregion Greater St. Louis leben heute insgesamt 2,8 Millionen Einwohner. Die Region ist damit die größte Missouris und der achtzehntgrößte Ballungsraum der Vereinigten Staaten (Stand 2010). Das Stadtgebiet gehört jedoch nicht zum St. Louis County, in dem 998.954 Menschen wohnen und der die meisten Vorstädte umfasst. St. Louis selbst ist seit ihrer Gründung eine Independent City, also eine kreisfreie Stadt.
Etwa zehn Kilometer östlich der heutigen Innenstadt lag, am damaligen Lauf des Mississippi, die größte Stadt des vorkolumbischen Nordamerikas: Die wohl im 7. Jahrhundert gegründete Stadt Cahokia, ein Zentrum der Mississippi-Kultur, erreichte im 12. Jahrhundert eine Einwohnerzahl, für die die Schätzungen von etwa 8000 bis hin zu 40.000 reichen. Damit war Cahokia die größte Stadt nördlich des heutigen Mexiko, erst um 1800 erreichte Philadelphia eine solche Einwohnerzahl. Die Stadt war berühmt für ihre Erdpyramiden (Mounds), ähnlich denen der mittelamerikanischen Hochkulturen; die größte erhaltene, Monks Mound, hat größere Seitenlängen als die Pyramiden von Gizeh. Die Stadt wurde um 1400 aus unbekannten Gründen von ihren Bewohnern aufgegeben. Als die ersten Europäer das Gebiet im 17. Jahrhundert erreichten, fanden sie den Siedlungsplatz verlassen vor. Das Gelände von Cahokia gehört seit 1982 zum UNESCO-Welterbe.
18. Jahrhundert: Kolonialisierung, Stadtgründung
Der französische Händler Pierre Laclède Liguest und sein aus New Orleans stammender Stiefsohn Auguste Chouteau gründeten Saint Louis 1763 als Handelsposten. Die eigentliche Stadtgründung fand am 15. Februar 1764 statt. Nach dem French and Indian War (1754–1763) war St. Louis unter spanischer Kontrolle, wurde jedoch – zusammen mit dem Rest von Louisiana – im Napoleonischen Krieg an Frankreich zurückgegeben.
19. Jahrhundert: Teil der Vereinigten Staaten ab 1803
Die Vereinigten Staaten erwarben die Stadt im Jahre 1803 unter Präsident Thomas Jefferson im Rahmen des Louisiana Purchase. Später wurde Saint Louis der Ausgangspunkt vieler Expeditionen in den Westen wie der Lewis-und-Clark-Expedition sowie für Felljäger. Auch viele Siedler starteten von St. Louis gen Westen.
Im Sezessionskrieg wurde der Ort 1861 zum Schauplatz des Camp-Jackson-Massakers. Zu dieser Zeit hatte sich St. Louis mit einer Einwohnerzahl von 310.000 nach New York City, Brooklyn (damals noch selbstständig) und Philadelphia an die vierte Stelle der US-Städte gesetzt. Chicago konnte allerdings nachweisen, dass St. Louis 90.000 Einwohner hinzugerechnet hatte, die nicht im engeren Stadtgebiet wohnten. Noch um die Wende zum 20. Jahrhundert wurde der Gateway City aufgrund ihrer günstigen Lage als Tor zum Westen eine glänzende Zukunft vorausgesagt.
Im 19. Jahrhundert hatte ein starker Zuzug deutscher Einwanderer nach Saint Louis eingesetzt. Der deutsche Anteil an der Bevölkerung von St. Louis betrug 1860 ca. 60.000 von etwa 170.000 Einwohnern. Die Großbrauerei Anheuser-Busch wurde 1870 von Eberhard Anheuser aus Bad Kreuznach und seinem Schwiegersohn Adolphus Busch aus Mainz-Kastel gegründet. Für die deutsche katholische Gemeinde wurde zwischen 1895 und 1908 die Kirche St. Frances de Sales nach Entwürfen des Berliner Architekten Engelbert Seibertz errichtet.
Der St. Louis Place Park wurde am 13. November 1898 nach vorhergehenden dreitägigen Festivitäten mit einer Kopie der von Ernst Rau 1876 geschaffenen Schillerstatue aus Marbach am Neckar geschmückt. Diese Stiftung erfolgte durch den Braumeister Col. Charles Stifel. Die Schillerstatue wurde später an die Memorial Plaza nahe dem Rathaus gebracht, wo sie noch heute steht.
20. Jahrhundert: Blütezeit bis 1950, dann Niedergang
1904 war St. Louis sowohl Gastgeber der Olympischen Spiele als auch der Louisiana Purchase Exposition, der vom 30. April bis 1. Dezember dauernden Weltausstellung.
Die größte Bevölkerungszahl erreichte St. Louis in der Volkszählung von 1950 mit 856.796. Seitdem nimmt die Bevölkerung kontinuierlich ab. Der Fortzug aus der Innenstadt in das Umland macht sich besonders in dem Gebiet um St. Louis Place Park und um die ehemals mondäne St. Louis Avenue, auf der 1875 schon Pferdebahnen liefen, bemerkbar. Vollständige historische Häuserblocks wurden dort seit den 1950er Jahren abgebrochen oder zeugen, größtenteils als verwahrloste Ruinen, von der einstigen schmucken Pracht dieses seit den 1880er Jahren aufstrebenden Viertels, das besonders bei den deutschen Zuwanderern beliebt war. Hier gab es deutsche Gemeinden aller Konfessionen und Schulen, in denen auf Deutsch unterrichtet wurde.
Auch 2010 hatte St. Louis mit 319.294 Einwohnern noch nicht seinen Bevölkerungstiefpunkt erreicht; die Bevölkerung schrumpft weiterhin. Jeder fünfte Einwohner lebt in Armut. Die St. Louis Metropolitan Police Department hat die höchste Rate an Tötungen durch die Polizei pro Kopf der 100 größten Polizeidienststellen im Bundesgebiet. Das Stadtgebiet ist, verglichen mit sich gut entwickelnden Vorstadtgemeinden, wenig einladend für Wohnzwecke.