Stéphane Mallarmé [stefan malaʁ'me] (* 18. März 1842 in Paris als Étienne Mallarmé; † 9. September 1898 in Valvins, Gemeinde Vulaines-sur-Seine, Département Seine-et-Marne, nahe Fontainebleau) war ein französischer Schriftsteller, Poet, Englischlehrer, Übersetzer und Kunstkritiker.
Seine Gedichte gelten als Hauptwerke des literarischen Symbolismus. Sie zeichnen sich insbesondere durch ihre Vieldeutigkeit und Musikalität aus. Zusammen mit Charles Baudelaire, Paul Verlaine und Arthur Rimbaud zählt Mallarmé zu den größten Dichtern der französischen Sprache und wichtigsten Wegbereitern der modernen Lyrik. Nach der Einschätzung von John E. Jackson gilt Mallarmé als der geheimnisvollste der großen französischen Dichter des 19. Jahrhunderts. Das Sonett Le Tombeau d’Edgar Poe, L’Après-midi d’un faune und Un Coup de Dés jamais n’abolira le Hasard, ein von Mallarmé typografisch ausgestaltetes Gedicht, gehören zu den berühmtesten Werken des Autors.
Mehrere namhafte Komponisten haben Mallarmés Lyrik als Lieder vertont. Claude Debussys, von Mallarmés Gedicht L’Après-midi d’un faune inspiriertes, frei interpretiertes Werk Prélude à l’après-midi d’un faune gilt als ein Hauptwerk des musikalischen Impressionismus.
Étienne Mallarmé, der von Geburt an Stéphane hieß, war der Sohn von Numa Mallarmé (1805–1863) und Élisabeth Mallarmés geborene Desmolins (1819–1847). Er war im damaligen 2. Arrondissement von Paris geboren und stammte aus einer bürgerlichen Anwaltsfamilie aus Lothringen. Am 25. März 1844 wurde seine Schwester Maria geboren und sein Vater kaufte in Boulainvilliers in Passy, dem heutigen 16. Arrondissement ein großes Haus mit Garten, wo er die ersten Jahre seines Lebens, umsorgt von seiner Mutter und seinen Großeltern mütterlicherseits verbrachte.
Nachdem 1847 seine Mutter gestorben war, wuchsen er und seine Schwester bei den Großeltern auf. Ihr Vater heiratete ein Jahr später ein zweites Mal. Ab 1850 lebte er in Internaten, wurde 1855 wegen schlechten Betragens entlassen und besuchte ab 1856 eine Internatsschule in Sens, wo sein Vater seit 1848 mit seiner zweiten Frau lebte und als Grundbuchbeamter arbeitete.
1857 starb seine jüngere Schwester Maria. Von 1858 bis 1860 entstanden erste Gedichte, darunter 64, die er in einem kleinen Poesieheft unter dem Titel Entre quatre murs, deutsch Zwischen vier Wänden bündelte. In seinen Jugendgedichten mischt er Fantasie und Humor mit Nostalgie, Melancholie und der Tragik seiner Existenz. Kurz nach seiner Abiturprüfung lernte er die Dichter Emmanuel des Essarts, Jean Lahor und Eugène Lefébure kennen und freundete sich mit ihnen an. In dieser Zeit beschäftigte er sich erstmals mit Charles Baudelaires Les Fleurs du Mal und veröffentlichte erste literaturkritische Artikel in verschiedenen Zeitschriften, später auch erste eigene Gedichte.
Im Jahr 1863 lernte Mallarmé die Deutsche Marie Gerhard aus Camberg in Sens kennen. Die beiden heirateten noch im selben Jahr, bevor Mallarmé eine Anstellung als Englischlehrer in Tournon-sur-Rhône antrat, ein Beruf, den er bis zu seiner Pensionierung 1893 ausübte. 1863 wurde ihre Tochter Geneviève geboren. Zu Mallarmés Freunden und Bekannten zählten in dieser Zeit die félibres Théodore Aubanel, Joseph Roumanille und Frédéric Mistral, die in provenzalischer Sprache schrieben, sein Kollege, der Deutschlehrer und Lyriker Charles Fournel, sowie Catulle Mendès und Auguste de Villiers de L’Isle-Adam.
In einer persönlichen und künstlerischen Krise begann Mallarmé 1864 sein „Lebensprojekt“ Hérodiade, in dem er in einer Bearbeitung des biblischen Salome-Stoffs die Suche nach der Reinheit und Schönheit der Dichtung thematisiert. Sein langes, schließlich 110 Alexandriner umfassendes Gedicht L’Après-midi d’un faune schrieb er ab 1865, in der Hoffnung, es im Théâtre-Français in Paris in dramatischer Form zur Aufführung kommen zu lassen, was jedoch nicht gelang. Die Lyrik handelt von den sinnlichen Erlebnissen eines Fauns, der, gerade aus dem Mittagsschlaf erwacht, in einem Monolog seine traumähnlichen Begegnungen mit sieben Nymphen schildert.
1866 konnte Mallarmé in der ersten Ausgabe von Le Parnasse contemporain zehn Gedichte veröffentlichen: Les Fenêtres, Le Sonneur, À celle qui est tranquille, Vere novo, L’Azur Les Fleurs, Soupir, Brise marine, À un pauvre und Épilogue. Noch im selben Jahr erschienen die ersten 18 Hefte von Le Parnasse contemporain als Band Nummer 1 der dreiteiligen Anthologie des Dichterkreises der Parnassiens um Théophile Gautier, dessen Auffassung von Literatur Mallarmé zunächst teilte. Zu seinen Bekannten zählten damals Leconte de Lisle und José-Maria de Heredia. Er zog mehrmals um: 1866 nach Besançon, wo er eine Korrespondenz mit Paul Verlaine begann, und 1867 nach Avignon, von wo aus er mit der Veröffentlichung seiner Prosagedichte begann.
Paris – Künstlerfreundschaften
Im Juli 1871 wurde der Sohn Anatole von Marie und Stéphane Mallarmé in Sens geboren. Kurz darauf gelang Mallarmé der lange ersehnte Wechsel aus der Provinz in die Hauptstadt Paris. In dieser Zeit arbeitete er an Übersetzungen der Werke Edgar Allan Poes. 1872 lernte er den jungen Dichter Arthur Rimbaud kennen.
Zusammenarbeit und Freundschaft mit Édouard Manet
Ab 1873 setzte sich Mallarmé, angeregt durch seine Freundschaft und Zusammenarbeit mit dem Maler Édouard Manet, verstärkt mit dem Impressionismus auseinander. 1875 illustrierte Manet Mallarmés Übersetzung Le Corbeau von Edgar Allan Poes „Der Rabe“. Für die Veröffentlichung eines Artikels in einer englischen Zeitschrift, in welcher der Dichter Manets Malerei lobte und ihn an die Spitze der impressionistischen Bewegung setzte, bedankte sich der Maler mit einem Porträt des Lyrikers, der damals am Lycée Condorcet Englisch unterrichtete. Émile Zola lernte Mallarmé durch Manet kennen.
La Dernière Mode und L’Après-midi d’un faune – Der Nachmittag eines Fauns
Zwischen September und Dezember 1874 gab der damals 32-jährige Mallarmé insgesamt acht Nummern der Zeitschrift La dernière Mode, Gazette du Monde et de la Famille heraus, deren einziger Redakteur er war. Er publizierte seine Texte unter verschiedenen Pseudonymen wie Marguerite de Ponty oder Miss Satin. „Sich für die Mode interessierend, begriff Mallarmé, dass die Frivolität, die tausend und eine Varianten des Alltäglichen, der Schimmer des Vergänglichen, den Wert eines unerschöpflichen poetischen Materials darstellen“, beschreibt Jean-Luc Steinmetz das Ansinnen des Dichters. Eine Ausgabe von L’Après-midi d’un faune mit Illustrationen Manets erschien, vorher mehrmals von Verlegern abgelehnt, 1876 bei Alphonse Derenne in Paris.
Von 1892 bis 1894 komponierte Claude Debussy die sinfonische Dichtung Prélude à l’après-midi d’un faune frei nach Stéphane Mallarmés Gedicht. Am 22. Dezember 1894 wurde sie in Paris uraufgeführt.
Les Mardis – Die Dienstage, Treffen mit Künstlerfreunden am Dienstagabend
Am 15. März 1875 bezog Mallarmé für sich und seine Familie eine kleine Vierzimmer-Wohnung im vierten Stock der Rue de Rome 87, die im Februar 1884 zur Nummer 89 wurde. Ab 1877 veranstaltete er hier seine bald schon bekannten Mardis (=Dienstage), die Diskussionen mit den Mardisten, insbesondere mit jüngeren Kunstschaffenden, die jeweils am Dienstagabend stattfanden und an denen über viele Jahre hinweg Dichter wie Émile Verhaeren, Maurice Maeterlinck, Oscar Wilde, Joris-Karl Huysmans, Paul Valéry, André Gide, W. B. Yeats, Rainer Maria Rilke und Stefan George teilnahmen. 1878 lernte Mallarmé Victor Hugo kennen.