An diesem Tag

Spencer Tracy

US-amerikanischer Schauspieler (1900–1967)

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Spencer Bonaventure Tracy (* 5. April 1900 in Milwaukee, Wisconsin; † 10. Juni 1967 in Beverly Hills, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Filmschauspieler. Tracy, der seine Laufbahn auf der Bühne begann und später 20 Jahre lang zu den Spitzenstars von Metro-Goldwyn-Mayer gehörte, gilt als einer der größten Charakterdarsteller des 20. Jahrhunderts. Er gewann 1938 und 1939 den Oscar als bester Hauptdarsteller. Er war in ernsten wie in komischen Rollen zu sehen sowie als Liebhaber wie auch in klassischen Charakterrollen. Da er, insbesondere in seinen späteren Filmen, immer wieder anständige, empfindsame und weise Charaktere darstellte, deren Hauptanliegen das Verteidigen von Gerechtigkeit und Menschlichkeit war, verkörperte er für viele Kinobesucher das „humanitäre Gewissen der Leinwand“. Gemeinsam mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Katharine Hepburn bildete er eines der populärsten US-amerikanischen Leinwandpaare. Beide traten gemeinsam in neun Filmen auf.

Spencer Tracy, von seinen Freunden „Spence“ gerufen, wurde in der Großstadt Milwaukee als Sohn des frommen irischen und katholischen Geschäftsmannes John Tracy geboren. Entgegen einem Mythos, den die MGM später zu schaffen versuchte, war die Familie nicht arm, sondern gehörte dem Mittelstand an; der Vater war General Sales Manager bei der alteingesessenen Sterling Motor Truck Company und verdiente meist gut. Die Mutter, Carrie Brown, eine Protestantin, stammte aus einer vornehmen neuenglischen Familie und war entfernt mit dem Gründer der Brown University verwandt.

Die Kindheit war problematisch. Tracy schwänzte oft den Unterricht oder prügelte sich mit anderen Schülern, was dazu führte, dass er allein bis zum Ende der 8. Klasse mindestens 14 Mal die Schule wechseln musste. Bereits als Junge liebte Tracy den Stummfilm und inszenierte mit der Unterstützung anderer Jungen im Keller seines Elternhauses Bühnenshows, in denen Filmhandlungen nachgespielt wurden. Darüber hinaus war er Mitglied bei den Pfadfindern und widmete sich mit Erfolg dem Boxsport und Baseball.

1916 zog die Familie nach Kansas City, kehrte aber, nachdem ein Geschäftsprojekt des Vaters gescheitert war, schon ein halbes Jahr später wieder nach Milwaukee zurück. An der Highschool, die er seit dieser Zeit endlich besuchte, war Spencer Tracy zunächst ähnlich erfolglos wie in der Grundschule, wechselte 1917 aber an die renommierte, von Jesuiten geführte Marquette University High School. Dort belegte er Kurse über katholische Theologie und dachte daran, sein Interesse zum Beruf zu machen – zur Freude seines Vaters, der gern einen der Söhne als Priester gesehen hätte.

1917, nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg, traten Tracy und sein Bruder, die beide überzeugte Patrioten waren, den Streitkräften als Freiwillige bei. Tracy erhielt seine Grundausbildung im Navy-Hauptquartier Great Lakes bei Chicago und verbrachte – nach einem kurzen Aufenthalt in der Navy-Basis in Lake Bluff, Illinois – die folgenden sieben Monate im Norfolk Naval Shipyard in Portsmouth, Virginia. Dort erlebte er im November 1918 den Waffenstillstand, ohne noch zum Kriegseinsatz gekommen zu sein. Nach der Entlassung aus dem Militär kehrte Spencer Tracy zunächst an die Marquette University High School zurück, wechselte im Herbst 1919 jedoch an die Northwestern Military and Naval Academy, eine Kadettenanstalt in Lake Geneva, Wisconsin, wo er im Juni 1920 schließlich seinen Highschool-Abschluss erwarb.

Im Januar 1921, im für die Zeit ungewöhnlichen Alter von fast 21 Jahren, schrieb sich Spencer Tracy am Ripon College im Fond du Lac County in Wisconsin ein, einer exklusiven kleinen Hochschule, in der er trotz seiner schlechten Noten Aufnahme fand, weil er im Krieg gedient hatte. Sein Engagement im Debattierclub der Schule führte zu ersten Auftritten vor einem größeren Publikum und verstärkte in Tracy das Interesse an der Schauspielerei so sehr, dass er auch der Theatergruppe des Colleges beitrat. In einer Reihe von Studenteninszenierungen wirkte er als Hauptdarsteller mit.

Im April 1922 begann Spencer Tracy ein Schauspielstudium an der New Yorker American Academy of Dramatic Arts, wo Charles Jehlinger zu seinem einflussreichsten Lehrer wurde. Bereits als ganz junger Schauspieler empfahl Tracy sich durch die Qualität seiner Sprechstimme und durch seine Körperbeherrschung. Zudem war er in der Lage, mit verblüffender Schnelligkeit und Sicherheit Texte auswendig zu lernen. Im Verlauf seiner Ausbildung wirkte er bei drei Studentenproduktionen der Akademie, sogenannten Graduation plays, mit. Finanzieren konnte Tracy das Studium durch Veteranenbezüge, die er nach seinem Militärdienst während des Ersten Weltkriegs erhielt, und durch Gelegenheitsjobs als Bühnendarsteller. Außerdem teilte er die Unterkunft mit seinem Jugendfreund und Kommilitonen Pat O’Brien. Die Studiengebühren trug sein Vater.

Spencer Tracy schloss das Studium an der Academy of Dramatic Arts im März 1923 ab. Angebote für Bühnenengagements blieben zunächst aus, sodass Tracy Gelegenheitsjobs unter anderem als Handelsvertreter annehmen musste. Doch bereits im Juni 1923 erhielt er ein Engagement in White Plains, New York, wo er bei einem Anfängergehalt von 20 Dollar pro Woche eine große Bandbreite an Rollen spielte und Louise Treadwell, die Leading Lady der Truppe, kennenlernte. Als sich das Ensemble bereits nach drei Monaten wieder auflöste, begleitete er sie an das Repertory Theater von Cincinnati, Ohio, wo er von da an als Treadwells Leading Man auftrat. Obwohl Treadwell Protestantin war, machte Tracy ihr bald einen Heiratsantrag. Die Ehe wurde am 12. September 1923 geschlossen.

Kurz darauf wurde Tracy für ein Ensemble engagiert, das am Broadway das Lustspiel A Royal Fandango herausbringen sollte. Die weibliche Hauptrolle spielte Ethel Barrymore, Tracy wirkte in einer kleinen Nebenrolle mit. Als das Stück, nach dem Verriss durch die Kritik, bereits nach 24 Vorstellungen wieder abgesetzt wurde, verbrachte Tracy die nachfolgenden Monate mit wechselnden Gastspiel-Ensembles auf Tournee in der Provinz. Die Institution des Repertoiretheaters, das häufig ein fahrendes Gewerbe war, erlebte in den Jahren vor dem Tonfilm seine Hochblüte; und wie Spencer Tracy erhielten fast alle Schauspieler seiner Generation ihre grundlegende Ausbildung unterwegs. Nach der Geburt seines Sohnes im Juni 1924 arbeitete Spencer Tracy am Powers Theater in Grand Rapids, Michigan, wo er als männlicher Hauptdarsteller neben Selena Royle auftrat. Obwohl er nicht singen, dafür aber umso passabler tanzen konnte, sammelte Tracy in dieser Zeit Erfahrungen in vielfältigen Genres Musicals, leichten Komödien und Dramen. Die Winter-Spielsaison 1924/25 verbrachte er beim Montauk Theater in Brooklyn, kehrte anschließend aber an das Powers Theater zurück. Nachdem man ihm dort gekündigt hatte, ging er zur Trent Theatre Stock Company nach Trenton, New Jersey, wo er als Leading Man neben Ethel Remey spielte.

1926 wurde Spencer Tracy durch seine ehemalige Bühnenpartnerin Selena Royle dem Autor und bedeutenden Produzenten George M. Cohan empfohlen, der am Broadway eine Produktion von Margaret Vernons Melodrama Yellow vorbereitete. Obwohl das Stück künstlerisch unbedeutend und die Rolle, die Tracy darin spielte, klein war, markierte dieses Engagement einen Wendepunkt in seiner Karriere. Cohan gelangte im Laufe der Zusammenarbeit zu der Überzeugung, dass Tracy außerordentlich großes schauspielerisches Talent besaß, und setzte sich seitdem mit seinem ganzen Einfluss für ihn ein. Nach einem kurzen Engagement am Faurot Opera House in Lima, Ohio, in dem er zum letzten Mal gemeinsam mit seiner Frau auf der Bühne stand, spielte Tracy vom September 1927 am Broadway die Hauptrolle in Baby Cyclone, einem Stück, das Cohan ihm auf den Leib geschrieben hatte. Im Frühjahr 1928 löste er William Harrigan als Hauptdarsteller in Cohans Stück Whispering Friends ab.

1929 wirkte Tracy in einer Reihe anspruchsloser Unterhaltungsstücke mit, die weder beim Publikum noch bei der Kritik gut ankamen. Beachtet wurde seine Schauspielleistung lediglich in dem Stück Conflict, in dem er einen berühmten Militärpiloten spielte, der nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im bürgerlichen Leben nicht mehr Fuß fassen konnte. Durch diese Darstellung empfahl er sich einem jungen Produzententeam, das im darauf folgenden Jahr das Wagnis eingehen wollte, am Broadway ein ernstes, realistisches Drama zu produzieren. In John Waxleys Stück The Last Mile, das im Februar 1930 Premiere hatte, erschien Tracy, dessen wöchentliche Gage mittlerweile 1000 Dollar betrug, in der Rolle eines zum Tode Verurteilten, der in die Turbulenzen eines Gefängnisaufruhrs gerät, während Freunde seine Unschuld zu beweisen versuchen. Obwohl die Premiere mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise zusammenfiel – in eine Zeit, in der leichte Komödien eher gefragt waren als schwere Dramen – wurde das Stück mit seinem Hauptdarsteller zu einem sensationellen Erfolg.

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