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Sowjetarmee

Bezeichnung für die Armee der Sowjetunion

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Sowjetarmee (russisch Советская армия, СА / Sowjetskaja armija) war die offizielle Bezeichnung für den Großteil der Streitkräfte der Sowjetunion von 1946 bis 1991. Bis 1946 hieß sie offiziell Rote Arbeiter- und Bauernarmee, kurz Rote Armee.

Nach eigenem Verständnis galt die Sowjetarmee als das wichtigste bewaffnete Machtorgan der Sowjetunion. Sie war im Kalten Krieg Bestandteil sowie Hauptkraft der Warschauer Vertragsorganisation und damit des sogenannten Ostblocks. Sie umfasste die fünf Teilstreitkräfte Landstreitkräfte, Strategische Raketentruppen, Luftstreitkräfte, Luftverteidigung und Zivilverteidigung. Die Seekriegsflotte, die Rückwärtigen Dienste, die Grenztruppen und die Inneren Truppen waren hingegen nicht Teil der Sowjetarmee.

Die Sowjetarmee übernahm beim Ungarnaufstand 1956 und dem Prager Frühling 1968 die Funktion, die Herrschaft der Kommunistischen Partei in verbündeten Ostblockstaaten zu sichern. Beim Afghanistankrieg 1979 bis 1989 unterstützte sie den dortigen Satellitenstaat gegen die vom Westen unterstützten islamistischen Gruppen von Mudschahedin.

Vorläuferorganisation der Sowjetarmee war die gemäß Dekret des Rates der Volkskommissare vom 15. Januar 1918 nach dem Freiwilligenprinzip, ab Mai 1918 abgelöst durch die allgemeine Wehrpflicht, aufgestellte Rote Arbeiter- und Bauernarmee (kurz: Rote Armee (RA)). Als Gründungstag feierte sie den 23. Februar 1918, an dem die junge Armee der Legende nach bei Narva und Pskow die Truppen des deutschen Ostheeres bei ihrem Vormarsch gegen St. Petersburg zum Stehen gebracht haben soll.

1950 war die Sowjetarmee die zahlenmäßig stärkste Armee der Welt. Sie zählte 170 Infanterie-, 35 Panzer- und 58 Artillerie-Divisionen mit einer Friedensstärke von knapp viereinhalb Millionen Soldaten. Das Reservepotential der Sowjetarmee soll, die ideologisch-paramilitärischen Formationen der Werktätigen eingeschlossen, fast 30 Millionen Mann groß gewesen sein. Bis 1955 waren die aktiven sowjetischen Streitkräfte auf etwa 5,7 Millionen Mann vergrößert worden. Die offizielle Auflösung der sowjetischen Kavallerie erfolgte mit Ablauf des Jahres 1953.

Zwischen 1948 und 1953 erhielten die Streitkräfte durch ein umfangreiches Beschaffungsprogramm Stalins 8.302 Panzer, davon 7.152 moderne T-54, 5.000 Schützenpanzer, 135.000 Artilleriesysteme, 191.000 MG, mehr als 2 Millionen Gewehre und Karabiner, 1 Million Maschinenpistolen, 18.800 Jagdflugzeuge, darunter 11.100 Mig–15 und 4080 Mig-17, 4.200 Bomber. 1.295 strategische Bomber, 2.400 Transportflugzeuge, 126 Hubschrauber, 14 Kreuzer, 83 Zerstörer, 89 U-Boote, 170 Korvetten und 504 Schnellboote.

Hans Speidel notierte im November 1948 zur Sicherheitslage Deutschlands:

In seiner, auf Veranlassung von Konrad Adenauer, verfassten Denkschrift „Gedanken zur Sicherung Westeuropas“ vom 15. Dezember 1948 forderte er angesichts des sowjetischen Militärpotenzials mindestens 20 weitere amerikanische Panzerdivisionen.

1955 kam die erste sowjetische Atomkriegsvorschrift heraus. Ähnlich wie in den USA ging man zu dieser Zeit davon aus, dass die Einführung dieser neuartigen Massenvernichtungswaffen bedeutende Einsparungen im Umfang der herkömmlichen Militärmacht ermöglichen würde. Im sowjetischen Fall wirkte sich dazu ab Mitte der 1950er Jahre, bedingt durch den momentanen eigenen Vorsprung, eine gewisse Raketeneuphorie aus. Unter Chruschtschow wurde das sowjetische Militär aufgrund dieser Rahmenbedingungen bis 1960 auf weniger als vier Millionen Mann reduziert. Die damit verbundene Entlassung zehntausender Offiziere hatte allerdings bereits fühlbaren Unmut zur Folge. Kennzeichnend für jene Jahre war die Umschichtung von Ressourcen zur Aufstellung der neuen Teilstreitkraft Strategische Raketentruppen. Die Sowjetunion setzte ab Anfang der 1960er Jahre erneut auf eine vehemente Aufrüstung, die im Grunde bis zu ihrem Ende weiterbetrieben werden sollte. Größte Anstrengungen verwandte die Sowjetunion zunächst darauf, im Rüstungswettlauf gegen die USA eine nuklearstrategische Parität herzustellen. Neben stationären Interkontinentalraketen-Verbänden waren auch die mit nuklearen Mittelstreckenraketen ausgerüsteten Einheiten Teil der mehrere hunderttausend Mann starken „Strategischen Raketentruppen“ der Sowjetarmee. Dazu gehörte auch das im Westen als SS-20 bezeichnete mobile System, dessen Stationierung den NATO-Doppelbeschluss von 1979 motivierte.

Schwierigkeiten ab den 1960er Jahren

Der in den 1960er Jahren beginnende schleichende wirtschaftliche und soziale Verfall machte auch vor den zu großen Teilen aus Wehrpflichtigen bestehenden Streitkräften nicht Halt. Neben der hohen Anzahl Wehrpflichtiger war für das sowjetische Militär andererseits eine mit westlichen Armeen kaum vergleichbare kopflastige Führungsstruktur charakteristisch. So war 1978 ein Viertel des gesamten Personalbestands im Offiziersrang, auf 700 Mann aller Ränge kam ein General bzw. Admiral. Seit den 1970er Jahren war, wie an der Spitze von Staat und Partei auch, eine zunehmende Überalterung der obersten Führungskader von Sowjetarmee und Warschauer Pakt unübersehbar. Weltkriegsveteranen blieben bis weit jenseits des 60. Lebensjahres im Dienst. So war der Stabschef des Warschauer Pakts Anatoli Gribkow 1989 im 71. Lebensjahr. Verteidigungsminister Dmitri Ustinow amtierte bis zu seinem Tod im Alter von 76 Jahren 1984.

Ab den 1970er-Jahren verfestigte sich eine Selbstrekrutierung des Offizierskorps. 1970 waren 54 % der Generäle bäuerlicher Herkunft. Zur selben Zeit rekrutierten sich Hauptleute und Leutnante aus Offiziersfamilien, die häufig eine Militärschule besucht hatten. Ende 1980 stellten Offiziersfamilien die größte Gruppe der Offizierskandidaten. Das Offizierskorps wurde in der sowjetischen Gesellschaft einerseits als professionell und mit Prestige verbunden angesehen. Andererseits entwickelte es sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer in sich abgeschlossenen Kaste. Ab der Mitte der 1980er Jahre verfiel sowohl durch mangelnde Bezahlung und mangels zur Verfügung stehenden Wohnraum der Lebensstandard des Offizierskorps. In dieser Zeit mussten sich 165.000 Offiziere auf eigene Kosten mangels Offizierswohnungen bei Zivilisten einquartieren. Ebenso verfiel das die Offiziersfamilien versorgende Sozial- und Gesundheitssystem. In den innerhalb der Sowjetunion stationierten Einheiten entwickelten sich Defizite bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Konsumgütern. Der Verfall des Lebensstandards befeuerte Korruption und Dienstverletzungen.

Ein kompetentes Unterführerkorps nach NATO-Begriffen war praktisch nicht vorhanden. Mit Aufgaben, die im Westen qualifizierte Unteroffiziere ausfüllten (z. B. Panzerkommandant), waren in der UdSSR in der Regel bereits Subalternoffiziere betraut. Es gab eine sehr schmale Schicht längerdienender, meist technischer Spezialisten, die sogenannten Praporschtschiki (vergleichbar mit Fähnrichen), daneben nur wenige Starschina (Feldwebel). Die umfangreiche Dienstgradgruppe der Sergeanten hatte eine im Vergleich zu NATO-Unteroffizieren unzureichende Ausbildung. Sergeanten stellten eine Art Obergefreite dar, die aus den alljährlich zweimal einrückenden Wehrpflichtigen per Vorauswahl (zum Beispiel DOSAAF-Aktivisten) entnommen waren. Während die Rekruten zuvor einmal im Jahr im Herbst einberufen wurden, ging man mit dem Wehrpflichtgesetz von 1967 zu einer halbjährlichen Rekruteneinberufung im Frühjahr und Herbst über. Die Dienstzeit wurde von drei Jahren auf zwei Jahre verkürzt.

Auf die sachgemäße Pflege und Instandhaltung der Technik wurde im Allgemeinen mehr Wert gelegt als auf Ausbildung, Führung und Betreuung des Personals. Vergleichsweise gut versorgt waren Eliteverbände bei den Gruppierungen im Ausland oder Luftlandetruppen. Auf sie richtete sich das besondere Augenmerk der Führung, sie standen auf hoher Bereitschaftsstufe, bekamen besseren Mannschaftsersatz zugeteilt und konnten sich der Gefechtsausbildung widmen. Die breite Masse der sonstigen Einheiten war demgegenüber unterprivilegiert. Dort mussten Soldaten oft selbst Lebensmittel wie Rüben und Kartoffeln anbauen, um die Versorgung der Truppen zu verbessern; ganze Truppenteile wurden in die Wirtschaft abkommandiert. So sollte Engpässen in der Kohleförderung oder beim Einbringen der Ernte abgeholfen werden. Derartige Personalaushilfen waren bei sämtlichen Streitkräften des Warschauer Pakts üblich und angesichts der zunehmenden ökonomischen Probleme ab Mitte der 1970er Jahre immer häufiger zu beobachten.

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