Die South African Defence Force (SADF; deutsch wörtlich „Südafrikanische Verteidigungskräfte“; afrikaans Suid-Afrikaanse Weermag (SAW); deutsch wörtlich Südafrikanische Wehrmacht) waren die südafrikanischen Streitkräfte vom 1. November 1958 bis zum 10. Mai 1994. Zuvor hießen sie Union Defence Force; die neue Bezeichnung wurde 1957 im Defence Act No. 44 festgelegt. Die SADF wurde 1994 durch die South African National Defence Force abgelöst.
Die SADF war während ihres Bestehens in zwei Kriege verwickelt, die miteinander verknüpft waren. Von 1966 bis 1989 kämpfte die SADF im Bereich der Grenze von Südwestafrika und Angola sowie in Sambia im „Südafrikanischen Grenzkrieg“ vor allem gegen die Befreiungsorganisation SWAPO. Der Krieg endete mit der Unabhängigkeit des vormaligen Südwestafrikas als Namibia.
Ab 1975 kämpfte die SADF direkt im Angolanischen Bürgerkrieg auf der Seite der UNITA mit Unterstützung der USA gegen die MPLA, die von Kuba unterstützt wurde. Zu den südafrikanischen Truppen gehörte das 32-Bataljon, in dem zahlreiche Ausländer kämpften. Die ersten Militäreinheiten Südafrikas überschritten zwischen dem 9. und 11. August 1975 die angolanische Grenze. In Folge dieser Truppenintervention besetzten Einheiten der SADF die Staudammanlagen von Calueque, um die langfristigen Investitionen Südafrikas in einen energie- und agrarpolitisch bedeutsamen Infrastrukturkomplex jenseits des von ihm kontrollierten Gebietes zu sichern.
Im Jahr 1979 zerstörte ein Luftangriff der South African Air Force das ANC-Ausbildungslager Novo Catengue unweit der Grenze zu Südwestafrika. Verantwortlich für die zielgenaue Bombardierung war der damalige Lagerkommandant Timothy Tebogo (Chief) Seremane, ein hoher MK-Funktionär, der nach Auffassung des MK-Sicherheitsdienstes eine wichtige Rolle in einem Agentenring der von Südafrika aufgebauten Gegenspionage gespielt und bereits seit 1976 im Dienst dessen Sicherheitspolizei gestanden haben sollte. Er wurde 1981 im Ergebnis eines Militärtribunals im angolanischen Quatro prison camp exekutiert. Über eventuell vorausgegangene Folterungen durch ANC-Angehörige gibt es divergente Auffassungen.
Die militärischen Konflikte 1987 bis 1988 auf dem Gebiet Angolas gipfelten in der Entscheidungsschlacht bei Cuito Cuanavale Anfang 1988 im Süden des Landes und führten zum Rückzug der SADF, SWATF und UNITA. Südafrika kooperierte mit der Rüstungsfirma des kanadischen Ingenieurs Gerald Bull und setzte die G5-Haubitze aus dessen Entwicklung und südafrikanischer Produktion in Angola gegen die SWAPO ein. Die Waffe wurde bei Lyttelton Engineering Works/Lyttleton Ingenieurswerke in Verwoerdburg hergestellt.
Zur Sicherung der politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen Südafrikas im von ihm annektieren Mandatsgebiet Südwestafrika/Namibia setzte die Regierung Pretorias in Abstimmung mit den südwestafrikanischen Behörden die SADF ein. Deren Aufgaben lagen in der Aufstandsbekämpfung, regionalen Militärverwaltung, Grenzsicherung in Richtung Angola und Sambia sowie in der Gewährleistung rückwärtiger Dienste für eigene militärische Operationen in benachbarten Staaten. Dabei bestand seit Gründung der South West African Territory Force im Jahre 1980 eine enge Kooperation, teilweise unter gemeinsamen Kommandostrukturen. Die seit 1981 eingeführte Wehrpflicht für Südwestafrikaner im Alter von 18 bis 24 Jahren und aller ethnischen Abstammungen fand hier differenzierte Akzeptanz. Als 1974 in Südafrika mit den Vorbereitungen zur Aufstellung kleiner SADF-Einheiten aus Freiwilligen der Coloured- und indischstämmigen Bevölkerung begonnen wurde, berichtete der Verteidigungsminister in einer Parlamentsrede im Februar 1974, dass auch die Hinzuziehung von Bewerbern zum Militärdienst aus der schwarzen Bevölkerung mit Führern der Homeland-Regierungen erörtert worden war. Indigene Personen dienten bereits als Fährtenleser bei Armeepatrouillen im Caprivistreifen (Südwestafrika). Sie waren im Dienst bewaffnet, trugen Militäruniformen, jedoch seien sie keine regulären Armeeangehörigen gewesen.
Im Juni 1974 startete die SADF in mehreren Zeitungen eine Inseratenkampagne zur Anwerbung von Schwarzen in einen Freiwilligendienst der Streitkräfte. Den ausgewählten Bewerbern wurde eine Ausbildung im Exerzierdienst, in Militärrecht, zur Anwendung von Waffen sowie Erste Hilfe und Hygiene zugesagt. Der Generalkommissar für die indigene Bevölkerung Südwestafrikas, Jannie de Wet, informierte im Juni öffentlich darüber, dass zehn ausgewählte Männer aus der Ovambobevölkerung nach Pretoria gesandt werden sollen, um dort an einem Ausbildungskurs für militärische Instrukteure teilzunehmen. Nach deren Rückkehr war ihr Einsatz als Ausbilder für weitere Freiwillige unter SADF-Kontrolle vorgesehen. Die Idee zu diesem Modellprojekt kam aus dem Kreise des Owambo Legislative Council. Das Vorhaben zum Aufbau einer ethnisch separat konstruierten Armee für Owambo erwies sich jedoch als erschwerender Faktor in der Bekämpfung der PLAN-Aktivitäten, da darin auch das Potenzial zur Vervielfältigung des politischen Konflikts innerhalb der Sicherheitsstrukturen lag.
Mitarbeiter des militärischen Geheimdienstes bildeten zwischen 1986 und 1987 in einem Trainingslager (genannt: Hippo) auf den Sandbänken des Cuando im Caprivizipfel (heute Namibia) in sieben Monaten etwa 200 Mitglieder der Inkatha-Partei in Guerillamethoden aus, darunter Sabotage- und Tötungsdelikten. Nur einige von ihnen erhielten Instruktionen zum Personenschutz, was lange von Inkatha-Chef Buthelezi für alle dieser Teilnehmer behauptet wurde. Nach ihrer Rückkehr übernahmen sie Dienstposten innerhalb der Polizei des Homelands KwaZulu. Hier trainierten sie kleine Einsatzkommandos in verschiedenen Regionen der Provinz Natal. Zwischen 1992 und 1993 kam es zur Ermordung von ANC-Anhängern. Zudem infiltrierten sie Arbeiterwohnheime der Industrie am östlichen Witwatersrand (East Rand). Die von ihnen verwendeten Waffen erhielten sie von der Vlakplaas.
Ferner war die SADF mit mehreren Einheiten in Rhodesien, unter Verletzung des 1979 geschlossenen Lancaster-House-Abkommens, bis zum Wahlsieg von Robert Mugabe vertreten. Parallel zur regelmäßigen Versorgung der rhodesischen Streitkräfte mit Rüstungsgütern und Treibstoffen operierten SADF-Truppen vom Staatsterritorium Rhodesiens aus gegen die Nachbarstaaten Angola, Mosambik und Sambia. Diese Militäraktionen waren Teil der südafrikanischen Destabilisierungsstrategie zur Stärkung des Einflusses von Pretoria in der Tiefe des Kontinents. Das militärische Engagement Südafrikas wurde durch politisch-diplomatische Bemühungen flankiert, die Patriotische Front zu spalten. Daran beteiligten sich die südafrikanische Regierung, ihre rhodesischen Verbündeten sowie der politisch engagierte Chef des Lonrho-Bergbauunternehmens Tiny Rowland. Während dieser Zeit erhielten nach Recherchen des britischen Observer politische Gefolgsleute von Ndabaningi Sithole eine militärische Pilotenausbildung in den Luftwaffentrainingszentren der SADF. Mugabe verfügte nach seiner Machtübernahme den sofortigen Abzug aller südafrikanischen Truppen, die das Land daraufhin im März 1980 verließen. Es handelte sich um vier Kompanien und zwei Luftlandeeinheiten mit gepanzerten Fahrzeugen und Puma-Hubschraubern. Hunderte ehemalige Angehörige der rhodesischen Streitkräfte wurden von der SADF aufgenommen und ein Teil von ihnen wegen ihrer besonderen Erfahrungen in der Bekämpfung von Guerillagruppen im späteren Namibia eingesetzt. Ein anderer Teil blieb unweit der Grenze zu Rhodesien (später Simbabwe) in Transvaal stationiert, weil Südafrika sich eine militärische Intervention im Nachbarland vorbehielt. Weiterhin nahm die SADF eine beträchtliche Zahl von Söldnern aus den militärischen Einheiten des Abel Muzorewa auf, von denen etwa 10.000 bis 15.000 Mitglieder nach Südafrika flüchteten.
Truppen der SADF überfielen in den 1980er Jahren mehrfach Nachbarstaaten in Kommandoaktionen und töteten dabei zahlreiche Menschen. Südafrikanische Luftwaffeneinheiten griffen im Mai 1983, eine Woche nach einem Bombenanschlag in Pretoria mit 19 Toten, die mosambikanische Siedlung Liberdade in Matola an. Nach einer SADF-Erklärung wurden dabei fünf Basen des African National Congress (ANC) bombardiert, von denen Vorbereitungen zum „städtischen und ländlichen Terror“ in Transvaal ausgegangen sein sollen. Es kamen dabei nach südafrikanischen Angaben 64 ANC-Mitglieder ums Leben. Nach Darstellung der mosambikanischen Regierung waren sechs Opfer zu beklagen. Die Operation fand internationale Aufmerksamkeit. Großbritannien, Italien, Frankreich, die USA, Sambia und Kenia verurteilten offiziell die Verletzung der Souveränität Mosambiks. Militärische Einsätze mit dem Charakter von Vergeltungsaktionen waren von der Regierung als Warnung an Organisationen im benachbarten Ausland gedacht, dass man seitens Südafrika in der Lage und Willens sei, solche Ziele auch in zivilen Arealen aufzuklären und zu bekämpfen. Nach Auffassung des damaligen südafrikanischen Außenministers Pik Botha gingen 95 % der subversiven Angriffe auf sein Land vom Territorium Mosambiks aus. Diese Position vertrat er auf seiner Europareise 1983 gegenüber dem britischen Außenminister Geoffrey Howe und machte damit die von Pretoria eingenommene Haltung zum Nachbarland deutlich.