Sophie Christina Eugénie von Kessel (* 12. Oktober 1968 in Mexiko-Stadt) ist eine deutsche Schauspielerin. Einem breiten Publikum wurde sie vor allem in ihrer Rolle der couragierten Medizinstudentin Christine Berger in der ARD-Serie Schloß Hohenstein bekannt.
Sophie von Kessel wurde als Tochter des Juristen und Diplomaten Immo von Kessel und dessen Frau Anna-Renata, geb. Gräfin von Schwerin, einer Psychologin, in Mexiko-Stadt geboren. Ihre Schwester ist die Fernsehjournalistin Julie von Kessel; ihr Großvater väterlicherseits der General Mortimer von Kessel. Einer ihrer Cousins ist der Kirchenmusiker Silvius von Kessel. Ihr Vater war im Diplomatischen Dienst tätig: zunächst in Mexiko und Finnland, von 1974 bis 1977 als MBFR-Delegierter in Österreich und von 1980 bis 1984 als Generalkonsul in Boston. Von 1977 bis 1980 war er am Lateinamerikareferat des Auswärtigen Amtes in Bonn beschäftigt. So wuchs von Kessel in Helsinki, Wien, Zagreb, Bonn und Washington D.C. auf.
Sophie von Kessel besuchte unter anderem die Otto-Kühne-Schule in Bonn und studierte Schauspiel an der Juilliard School in New York und von 1988 bis 1992 am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. 1995 belegte sie einen Schauspiel-Workshop bei Uta Hagen in Berlin.
Ihr Bühnendebüt gab Sophie von Kessel 1992 am Theater Aachen als Brooke in Der nackte Wahnsinn von Michael Frayn. Von 1997 bis 2001 war sie festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele unter der Intendanz von Dieter Dorn. 1999 erhielt sie den Förderpreis des Freistaates Bayern für junge Künstler. Ab der Spielzeit 2001/02 wirkte sie am Bayerischen Staatsschauspiel in der Hauptrolle als Ines in der Inszenierung Drei Mal Leben von Yasmina Reza. Ein weiteres Gastengagement führte sie von 2007 bis 2009 für Mark Ravenhills Stück Pool (no water) unter der Regie von Florian Boesch an die Spielstätte.
2008 und 2009 spielte sie bei den Salzburger Festspielen die Buhlschaft im Jedermann von Hugo von Hofmannsthal. Mit Beginn der Spielzeit 2011/2012 wechselte Sophie von Kessel unter der neuen Intendanz von Martin Kušej als festes Ensemblemitglied an das Münchner Residenztheater. In den folgenden neun Jahren prägte sie das künstlerische Profil des Hauses maßgeblich und avancierte zu einer der profiliertesten Darstellerinnen der Bühne. Ein erster wichtiger Erfolg im neuen Engagement war 2011 die Rolle der Beth in Die Götter weinen von Dennis Kelly unter der Regie von Dušan David Pařízek. Ab 2012 folgte eine langjährige und viel beachtete Zusammenarbeit mit Kušej in dessen Inszenierung von Rainer Werner Fassbinders Die bitteren Tränen der Petra von Kant. Darin übernahm von Kessel die Rolle der stummen, gedemütigten Dienerin Marlene; eine reduzierte Darstellung, die von der Theaterkritik als darstellerische Glanzleistung hervorgehoben wurde. Für ihre herausragenden schauspielerischen Leistungen am Haus wurde sie im Jahr 2015 mit dem renommierten Kurt-Meisel-Preis ausgezeichnet. Im selben Jahr stand sie als Iokaste in Sophokles’ Tragödie König Ödipus auf der Bühne, gefolgt von der Rolle der Lady Macbeth in William Shakespeares Macbeth in der Spielzeit 2017/2018 unter der Regie von Andreas Kriegenburg. Einen großen Erfolg im zeitgenössischen Drama feierte sie 2018 in der Uraufführung von Daniel Kehlmanns Zwei-Personen-Stück Heilig Abend, in dem sie unter der Regie von Thomas Birkmeir eine unter Terrorverdacht stehende Philosophieprofessorin spielte. Zum Ende der Münchner Intendanz von Kušej wirkte sie in dessen Inszenierung der Komödie Der nackte Wahnsinn (2018/2019) als Sophie und Frau Klacker mit. Nach einer letzten großen Rolle in Anton Tschechows Die Möwe verließ von Kessel das Residenztheater im Jahr 2019.
Ab der Spielzeit 2018/2019 gastierte sie regelmäßig am Wiener Burgtheater. Unter der Intendanz von Martin Kušej avancierte sie zu einer zentralen Protagonistin des Ensembles und übernahm dort bis 2024 eine Vielzahl tragender Hauptrollen in klassischen sowie zeitgenössischen Inszenierungen. In der Spielzeit 2018/2019 spielte sie als Sophie und Frau Klacker in Michael Frayns Komödie Der nackte Wahnsinn; ein Part, den sie dort bis 2024 verkörperte. In den Folgejahren übernahm sie Rollen in mehreren britischen Gegenwartsdramen. So spielte sie von 2019 bis 2023 die Figur der Elizabeth Luke im Historiendrama Das Himmelszelt von Lucy Kirkwood unter der Regie von Tina Lanik. In der Spielzeit 2020/2021 folgte die Mélisande in Maurice Maeterlincks symbolistischem Werk Pelléas et Mélisande. Einen großen künstlerischen Erfolg feierte von Kessel ab der Spielzeit 2021/2022 in der Titelrolle der Professor Ruth Wolff in Robert Ickes Die Ärztin, inszeniert vom Autor selbst. Es folgte in der Spielzeit 2022/2023 die Rolle der Marina Litwinenko in Lucy Prebbles Polit-Drama Extrem teures Gift, erneut unter der Regie von Martin Kušej. In ihrer letzten Spielzeit am Haus (2023/2024) übernahm sie unter der Regie von Tina Lanik eine weitere Titelrolle als Phädra in Nino Haratischwilis Phädra, in Flammen. Darüber hinaus wirkte sie am Burgtheater in Inszenierungen klassischer Stoffe wie Anton Tschechows Der Kirschgarten sowie William Shakespeares Macbeth mit.
Dem Fernsehpublikum wurde sie kurz nach dem Studienabschluss durch ihre Hauptrolle der couragierten Medizinstudentin Christine Berger in der 1992 bis 1995 ausgestrahlten ARD-Serie Schloß Hohenstein bekannt. Seitdem wirkte sie in einer Vielzahl an nationalen und internationalen Film- und Fernsehproduktionen. 1994 übernahm sie in dem zweiteiligen italienischen Märchenfilm Der Ring des Drachen die Rolle der Prinzessin Selvaggia. In dem US-amerikanischen Dreiteiler Camino de Santiago spielte sie 1999 die Rolle der Emma an der Seite von Charlton Heston. In der französischen Fernsehserie Frank Riva übernahm sie von 2003 bis 2004 neben Alain Delon die weibliche Hauptrolle der Lydie Herzog. Positive Kritiken erhielt sie 2004 für ihre Rolle der jungen Herzchirurgin Dr. Anette Gotta, die mit der Zuführung von Neurotoxinen bei ihrer eigenen Mutter und Vorgesetzten Professorin (dargestellt von Hannelore Hoger) Parkinson hervorruft, um sie berufsunfähig zu machen, in der Krimiserie Der letzte Zeuge mit Ulrich Mühe. 2005 wurde sie als Ensemblemitglied von Niki Steins Die Konferenz mit dem Hessischen Fernsehpreis ausgezeichnet. 2006 stand sie in der Rolle der Anja gemeinsam mit Sebastian Koch in der Verfilmung von Uwe Timms Kinderbuch Rennschwein Rudi Rüssel 2 – Rudi rennt wieder! vor der Kamera, die im März 2007 in den deutschen Kinos startete. In der von Doris Dörrie konzipierten sechsteiligen ZDF-Fernsehserie Klimawechsel spielte sie 2010 die Rolle der jungen Direktorin Hanna Hecht. In Zoltan Spirandellis Märchenfilm Die Salzprinzessin der ARD-Reihe Sechs auf einen Streich verkörperte sie 2015 die Rolle der Waldfrau. Matti Geschonneck besetzte sie 2020 neben Charly Hübner in seinem Kammerspiel Das Verhör in der Nacht, das auf dem Theaterstück Heilig Abend von Daniel Kehlmann basiert.
Seit Anfang der 1990er Jahre übernimmt sie regelmäßig Gastrollen in verschiedenen Serienformaten wie etwa Rosamunde Pilcher, Tatort, Der Alte, Die Chefin, Ein starkes Team und dem Erzgebirgskrimi. Seit 2026 spielt sie in der ZDF-Fernsehreihe Einfach Elli die durchgehende Rolle der querschnittsgelähmten Klinikleiterin Dr. Diana Sorell.
Von Kessel war von 1997 bis 2010 mit ihrem Schauspielkollegen Stefan Hunstein liiert. Aus der Beziehung entstammt eine gemeinsame Tochter und ein gemeinsamer Sohn. Von 2011 bis 2021 war sie mit dem österreichischen Intendanten und Regisseur Martin Kušej zusammen. Seit 1999 lebt sie in München.
1999: Staatlicher Förderpreis des Freistaats Bayern für junge Künstler
2005: Hessischer Fernsehpreis als Ensemblemitglied des Filmes Die Konferenz
Gottfried Graf Finck von Finckenstein, Christoph Franke: Genealogisches Handbuch der Adelige. Häuser. 2009. Band XXXI, Band 147 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, Limburg an der Lahn 2009, ISSN 0435-2408, S. 195–198.
Kessel (thüringisches Adelsgeschlecht)
Literatur von und über Sophie von Kessel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek