An diesem Tag

Sonny Liston

US-amerikanischer Boxer

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Charles L. „Sonny“ Liston (* um 1930 im St. Francis County; † 30. Dezember 1970 in Las Vegas, Nevada) war ein US-amerikanischer Boxer und zwischen 1962 und 1964 unumstrittener Schwergewichts-Boxweltmeister. Er war im Ring für seine extreme Schlagkraft und Aggressivität gefürchtet. Sein Management und auch er selbst waren nachweislich eng mit dem organisierten Verbrechen verbunden.

Liston war das zwölfte von dreizehn Kindern des kleinen Baumwollfarmers Tobin Liston und seiner Frau Helen. Die Farm befand sich im Johnson Township im St. Francis County in Arkansas. Weder sein genaues Geburtsdatum noch der Geburtsort sind bekannt. Seine Mutter gab 1929, 1930 und 1932 als mögliche Geburtsjahre an, Liston 1928, 1932 und 1933. Auch sein Geburtstag ist nicht ganz klar: Während seine Mutter den 8. bzw. den 18. Januar angab („Ich weiß, dass er im Januar geboren wurde, denn es war kalt im Januar.“), sprach Liston selbst meist vom 8. Mai. Offizielle Aufzeichnungen über Geburten wurden in den Vereinigten Staaten damals noch nicht gemacht. Gegen eine Geburt in den 1920er Jahren spricht allerdings, dass es in den Volkszählungsunterlagen von 1930 keinen Beleg für einen Charles L. Liston gibt. Näheren Aufschluss über sein Geburtsjahr könnte die Veröffentlichung der Volkszählungsunterlagen von 1940 geben. Liston selbst nannte den 8. Mai 1932 als seinen Geburtstag.

Er galt als ein einzelgängerisches, verschlossenes Kind, sein Verhältnis zu seinem Vater war sehr angespannt und von dessen Grausamkeit und Gewalttätigkeit gegenüber den Kindern und der Mutter geprägt. Da er ab seinem achten Lebensjahr arbeiten musste, ging er nur selten zur Schule, so dass er weder Lesen noch Schreiben lernte (auch als Erwachsener sollte sich das nicht mehr ändern). 1945 oder 1946 schickte ihn sein Vater dann zu seinem älteren Halbbruder Ezra Baskin Ward, einem Bluesmusiker (und Mann der Mutter B. B. Kings), bei dem er rund ein Jahr lang blieb.

1946 starb sein Vater und kurz darauf zog die Mutter nach St. Louis, wohin Liston folgte. Dort lernte er Willie Jordan kennen. Mit ihm und einigen Komplizen beging er Ende 1949, Anfang 1950 mehrere Raubüberfälle und Diebstähle, für die er zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. In der Haft bekam er seinen Spitznamen „Sonny“ (der genaue Ursprung ist unklar) und begann mit dem Boxen; bereits dort fiel er durch seine spektakuläre Schlagkraft auf. Da er sich gut führte und mit Muncey Harrison und Frank Mitchell ein Trainer und ein Manager für ihn bereitstanden, die ihm den Weg in eine Boxkarriere ebnen wollten, wurde Liston am 30. Oktober 1952 bedingt aus der Haft entlassen.

Bereits im März 1953 siegte er im Golden-Gloves-Turnier, einem renommierten nationalen Boxturnier für Amateure. Noch im August des Jahres wurde er Profi und machte mit mehreren kurzrundigen K.-o.-Siegen auf sich aufmerksam.

Auch der Mafioso Frankie Carbo, der das Boxen in den frühen 1950ern beherrschte, bekam dies mit und nahm ihn unter Vertrag. Liston verlor zwar gegen Marty Marshall nach Punkten, schlug ihn später aber zwei Mal überzeugend und konnte eine ganze Reihe von hochklassigen Gegnern schlagen, darunter Zora Folley, Eddie Machen (diesen allerdings nur knapp nach Punkten, da der Ringrichter Liston drei Punkte wegen wiederholten Tiefschlagens abzog), Cleveland Williams (diesen knockte er zweimal aus) und Niño Valdés.

Seine Karriere wurde durch einen abermaligen Gefängnisaufenthalt unterbrochen, nachdem er 1956 einen Polizisten zusammengeschlagen hatte, der einem Taxifahrer, in dessen Wagen Liston mitfuhr, einen Strafzettel verpassen wollte. Nach seiner Entlassung kehrte er bald in den Ring zurück und qualifizierte sich schließlich für einen Kampf um die Weltmeisterschaft.

Das Management von Floyd Patterson weigerte sich lange, ihn um die Krone boxen zu lassen, unter anderem wegen seiner angeblichen Mafiakontakte.

Am 25. September 1962 besiegte Liston schließlich Floyd Patterson in der ersten Runde durch Knockout, zum damaligen Zeitpunkt die schnellste K.-o.-Niederlage, die ein amtierender Weltmeister im Schwergewicht hinnehmen musste.

Ein Rückkampf mit Floyd Patterson am 22. Juli 1963 brachte dasselbe Ergebnis wie der erste Kampf zwischen den beiden Boxern.

Am 25. Februar 1964 nahm ihm der junge Cassius Clay den Weltmeistertitel wieder ab. In diesem Kampf, dem zahllose Provokationen und Publicity-Nummern Clays vorausgegangen waren, blieb der nur schlecht vorbereitete Liston nach der sechsten Runde in seiner Ecke und gab den Kampf auf, nachdem ihn Clays Schnelligkeit und die Tatsache, dass er ihn trotz dessen aufreizend herabhängender Fäuste kaum treffen konnte, mehr und mehr frustriert hatten.

Auch im Rückkampf ein Jahr später besiegte ihn Clay, der inzwischen zum Islam konvertiert war und sich zu Muhammad Ali umbenannt hatte. Hier wurde Liston in der ersten Runde nach nur 105 Sekunden Kampf vom so genannten „Phantomschlag“ (Phantom Punch) niedergestreckt, einem Treffer mit der Rechten an seine Schläfe, der sehr kurz und schnell geschlagen und weder von Liston noch von großen Teilen des Publikums gesehen worden war. Ali schrie daraufhin den am Boden liegenden Liston mit den Worten „Get up, you bum!“ wutentbrannt an (deutsch: „Steh auf, du Penner!“) und Ringrichter Jersey Joe Walcott zählte ihn zunächst weder an noch aus, da er den wütend vor Liston stehenden und schreienden Ali von Liston wegzudrängen suchte. Der Kampf wurde dann zunächst wieder freigegeben, unmittelbar darauf wieder beendet, als Nat Fleischer, der Gründer des Ring Magazines, Walcott darauf hinwies, dass Liston schon mehr als 10 Sekunden am Boden gewesen sei.

Der nur von wenigen gesehene „Phantom Punch“ gab im Verbund mit Listons scheinbarer Unbesiegbarkeit und seinen dubiosen Kontakten zur Mafia vielfach Anlass für Spekulationen über einen möglichen Betrug. Diese wurden andererseits wegen der offensichtlichen Feindschaft zwischen diesen beiden Boxern bezweifelt; so hatte Liston vor dem ersten Kampf, auf die Provokationen Clays angesprochen, erklärt, dass er die Absicht habe, ihn umzubringen. Auch in seiner Autobiographie wandte sich Ali gegen jede solche Interpretation und erklärte explizit: „Tatsache ist, dass noch niemals ein Kampf weniger abgesprochen war als dieser.“ Film- und Fotoaufnahmen bewiesen zudem im Nachhinein deutlich, dass Liston von Ali tatsächlich schwer getroffen worden war. Deutlich kann man darauf die entspannte Muskulatur von Listons Körper während des Sturzes erkennen, die seine Bewusstlosigkeit zu diesem Zeitpunkt bereits erkennen lässt.

Nach dieser Niederlage bestritt Liston mehrere erfolgreiche Kämpfe, zunächst in Schweden, dann auch wieder in den USA; aufgrund des zweiten Ali-Kampfes bzw. der Manipulationsgerüchte diskreditiert, erhielt er jedoch keine WM-Chance mehr, obwohl er durchaus noch gute Gegner schlug. Seine Karriere war praktisch vorbei, als er 1969 von Leotis Martin in Runde neun k. o. geschlagen wurde. Martin selbst erlitt in diesem Kampf eine schwere Augenverletzung, die seine Karriere beendete.

Am 29. Juni 1970 absolvierte Liston seinen letzten Kampf gegen Chuck Wepner und errang einen Abbruchsieg, da sein Gegner nach neun Runden aufgrund mehrerer Cuts nicht weiter boxen konnte.

Liston hatte eine sehr enge Freundschaft zu seinem Idol und Boxlegende Joe Louis, der ebenfalls in Las Vegas wohnte. Louis und er waren beide drogensüchtig gewesen und mehrmals dabei aufgefallen. Ein halbes Jahr nach seinem letzten Kampf starb er unter mysteriösen und nie geklärten Umständen in seinem Apartment in Las Vegas, vermutlich aber wohl an einer Überdosis Heroin.

Der 1,85 m große Liston wurde in 54 Kämpfen nur viermal geschlagen, darunter zweimal von Clay/Ali.

1991 fand Liston Aufnahme in die International Boxing Hall of Fame.

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