Sonja Henie (* 8. April 1912 in Kristiania; † 12. Oktober 1969 während eines Fluges von Paris nach Oslo) war eine norwegische Eiskunstläuferin, die im Einzellauf startete. Mit drei Olympiasiegen, zehn Weltmeisterschaftstiteln und sechs Europameisterschaftstiteln im Zeitraum von 1927 bis 1936 ist sie die mit Abstand erfolgreichste Einzelläuferin in der Eiskunstlaufgeschichte. 1936 begann Henie eine erfolgreiche Karriere in Hollywood.
Sonja Henie war die einzige Tochter des Pelzhändlers Wilhelm Henie und seiner Frau Selma Lochmann-Nielsen (1888–1961). Ihr Vater wurde 1894 Radfahrweltmeister in Antwerpen. Außerdem nahm er im Eisschnelllauf an Europameisterschaften teil. So wurden die Kinder früh dazu ermuntert, verschiedene Sportarten auszuprobieren. Henie zeigte Talent für den Skisport, folgte dann aber ihrem älteren Bruder Leif zum Eiskunstlaufen. Als Kind war Henie auch eine national gelistete Tennisspielerin und begabte Schwimmerin und Reiterin. Als sie ernsthaft mit dem Eiskunstlauftraining begann, endete ihre staatliche Schulausbildung. Sie wurde daraufhin von Privatlehrern betreut, und ihr Vater heuerte Experten an, um seine Tochter zur Sportgröße auszubilden. Darunter war auch die russische Ballerina Tamara Karsawina.
Schon als Elfjährige nahm Sonja Henie an den Olympischen Winterspielen 1924 in Chamonix teil und wurde Achte und Letzte. Bei diesen Spielen fiel sie auf den Po und rief „Hoppla“, was ihr den Beinamen „Fräulein Hoppla“ einbrachte. Während ihrer Kür musste sie mehrmals zu ihrem Trainer laufen, um zu fragen, was sie als Nächstes zu tun hätte. Bei den nächsten Olympischen Spielen, 1928 in St. Moritz bedurfte sie dieser Hilfe nicht mehr. Sie gewann olympisches Gold, deutlich vor Fritzi Burger. Bei den Olympischen Spielen 1932 in Lake Placid verteidigte sie ihren Olympiatitel erneut deutlich vor Burger. Vier Jahre später triumphierte sie in Garmisch-Partenkirchen zum dritten Mal in Folge bei Olympischen Spielen. Sie ist bis heute die einzige Eiskunstläuferin, die in der Damenkonkurrenz drei Olympiasiege feiern konnte. Ihr letzter Titel war umstrittener als die beiden zuvor. Nach den Pflichtfiguren lagen Henie und die Britin Cecilia Colledge nur wenige Punkte auseinander.
Sandra Stevenson berichtet in ihrem Artikel in The Independent vom 21. April 2008 folgendermaßen davon: „Die Knappheit erzürnte Henie, die, als das Resultat für diesen Abschnitt an der Wand des Teilnehmerbereichs angeschlagen wurde, das Papierstück nahm und in kleine Stücke zerriss. Die Auslosung für die Kür kam dann unter Verdacht, da Henie als letzte Starterin die beste Position hatte, während Colledge schon als Zweite von 26 Starterinnen antreten musste. Dieser frühe Start wurde als Nachteil gesehen, da das Publikum noch nicht im Rhythmus eines Beifallssturmes war und die Punktrichter bekanntermaßen großzügiger mit der Vergabe von höheren Bewertungen wurden, je länger der Wettbewerb andauerte. Jahre später wurde eine gerechtere, gestaffelte Auslosung eingeführt, um dieser Tatsache entgegenzuwirken.“
Bei ihren ersten Weltmeisterschaften wurde Henie 1924 im heimischen Oslo beim Sieg von Herma Szabó, der dominierenden Eiskunstläuferin der Zwanziger Jahre, Fünfte. Ihre nächsten Weltmeisterschaften bestritt sie zwei Jahre später in Stockholm. Dort gewann sie die Silbermedaille hinter Szabó. Im Jahr 1927 fanden die Weltmeisterschaften für die Damenkonkurrenz wieder in Henies Heimatstadt Oslo statt. Henie gewann ihre erste Goldmedaille bei Weltmeisterschaften in einer kontroversen Art und Weise. Noch nach den Pflichtfiguren hatte Herma Szabó deutlich vor Henie geführt, unterlag der Norwegerin aber am Ende durch die Mehrheit der norwegischen Punktrichter. Drei der insgesamt fünf Punktrichter kamen aus Norwegen, einer aus Deutschland und einer aus Österreich. Die drei Norweger setzten Henie auf den ersten Platz, die beiden anderen Punktrichter Szabó. Nach dieser Niederlage beendete Szabó ihre Karriere. Henie bot ihr später eine Neuauflage des Duells an, doch sie lehnte ab.
Dadurch war der Weg frei für Henie und sie verlor nie wieder bei Weltmeisterschaften. Bis 1936 folgten noch neun Weltmeisterschaftstitel in Folge. Niemand konnte sie ernsthaft gefährden, sie gewann zumeist mit einstimmigem Punktrichterurteil. Ihre Herausforderinnen waren Fritzi Burger, die 1929 in Budapest und 1932 in Montréal hinter ihr Vizeweltmeisterin wurde, Maribel Vinson, die Vizeweltmeisterin von 1928, Cecil Smith, Vizeweltmeisterin von 1930, Hilde Holovsky, Vizeweltmeisterin von 1931, Vivi-Anne Hultén, Vizeweltmeisterin von 1933, Megan Taylor, Vizeweltmeisterin von 1934 und 1936 und Cecilia Colledge, Vizeweltmeisterin von 1935. Mit insgesamt zehn Weltmeistertiteln ist Henie auch die mit Abstand erfolgreichste Eiskunstläuferin im Dameneinzel bei Weltmeisterschaften.
Im Jahr 1930 gab es erstmals eine eigene Damenkonkurrenz bei den Europameisterschaften. Henie nahm erstmals 1931 in Wien und letztmals 1936 in Berlin teil. Sie gewann alle Europameisterschaften, bei denen sie antrat, und siegte insgesamt sechsmal in Folge: 1931 und 1932 vor Fritzi Burger, 1934 und 1935 vor Liselotte Landbeck und 1933 und 1936 vor Cecilia Colledge. In den Jahren 1925 bis 1929 wurde Henie norwegische Meisterin im Einzellauf und von 1926 bis 1928 zusammen mit Arne Lie auch im Paarlauf. Ihren einzigen internationalen Auftritt im Paarlauf hatte Henie an der Seite von Lie bei den Weltmeisterschaften 1926. Das Paar belegte den fünften Platz.
Während ihrer Karriere reiste Henie weit herum und arbeitete mit zahlreichen Trainern zusammen. Zuhause in Oslo trainierte sie im Frogner Stadion, wo sie unter anderem von Hjordis Olsen und Oscar Holthe trainiert wurde. Im späteren Verlauf ihrer Karriere trainierte sie vor allem beim Amerikaner Howard Nicholson in London. Außerdem war Henie extrem gefragt bei Schaulaufveranstaltungen in Europa wie auch Nordamerika. Sie wurde so berühmt, dass, wo immer sie auftrat, ein Polizeiaufgebot die Massen kontrollieren musste. Es war ein offenes Geheimnis, dass Henies Vater Wilhelm trotz ihres Amateurstatus’ große Summen von Geld für die Auftritte seiner Tochter forderte. Sowohl Henies Vater wie auch ihre Mutter gaben ihre Geschäfte in Norwegen auf und überließen sie Sonjas Bruder Leif, um mit ihr um die Welt zu reisen und sie zu managen.
Henie gilt als erste Eiskunstläuferin, die kurze Röcke als Kostüm einführte, weiße Schlittschuhe trug und Choreographien einsetzte.
Nach ihrem Rückzug aus dem Amateursport 1936 ging Henie mit großzügig ausgestatteten Eisrevuen auf Tournee. Als Kind hatte sie sich bereits in den Kopf gesetzt, nach ihrer Sportkarriere nach Hollywood zu gehen und ein Filmstar zu werden, ohne daran zu denken, dass ihr starker Akzent ihre Ambitionen behindern könnte. So knüpfte sie bei einem Auftritt in Los Angeles, an dem ihr Vater maßgeblich beteiligt war, Kontakte zur Filmindustrie und wählte am Ende das Angebot der 20th Century Fox aus, das ihr Darryl F. Zanuck, der Chef des Studios, gemacht hatte. Henie bestand darauf, bereits in ihrem ersten Film als Star über dem Titel genannt zu werden und bekam eine Gage von 125.000 Dollar. Der Langzeitvertrag machte sie zu einer der höchstbezahlten Schauspielerinnen der Welt. Das Studio entwickelte in der Folgezeit eine Spezialkamera, die in der Lage war, die raschen Bewegungen auf dem Eis einzufangen. Die Eisbahnen, auf denen Henie im Studio ihre Runden zog, waren ebenfalls spezielle, an die Anforderungen der Aufnahmetechnik angepasste Sonderanfertigungen. So durfte das Eis weder durchsichtig sein, noch zu stark reflektieren, um eine möglichst gute Wiedergabe auf der Leinwand zu gewährleisten.
Nach dem Erfolg ihres ersten Films One in a Million wurde Henies Status bestätigt und sie wurde immer anspruchsvoller in ihren Geschäftsbeziehungen mit Zanuck. Sie bestand darauf, totale Kontrolle über die Eislaufnummern zu haben, die sie im Film zeigte.
Henie, die in ihren Filmen überwiegend Nordeuropäerinnen spielte, die Englisch mit starkem Akzent sprachen, trat meist in aufwendig produzierten Musicals und neben den männlichen Stars des Studios auf, wie Tyrone Power, Don Ameche und später John Payne. Bereits 1938 wurde sie unter die zehn kassenträchtigsten Kinostars gewählt, und eine Zeit lang war sie populärer als Alice Faye. Ihr Erfolg war so groß, dass andere Studios versuchten, ähnliche Eisrevuen zu produzieren. Doch weder akzeptierte das Publikum die Filme mit der Eisläuferin Vera Hruba Ralston, noch konnte Joan Crawford in The Ice Follies of 1939 einen durchschlagenden Erfolg verzeichnen. Henies bekanntester Film wurde Sun Valley Serenade, in dem sie 1941 neben Glenn Miller und seinem Orchester auftrat.