Somalia (Somali Soomaaliya; arabisch الصومال, DMG aṣ-Ṣūmāl; italienisch Somalia; Vollform des Staatsnamens seit 2012 Bundesrepublik Somalia) bezeichnet einen föderalen Staat am Horn von Afrika im äußersten Osten Afrikas. Das beanspruchte Staatsgebiet grenzt an den Indischen Ozean im Osten, den Golf von Aden im Norden, Dschibuti und Äthiopien im Westen und Kenia im Süden. Dort leben mehr als 17 Millionen Menschen. Den somalischen Staat in diesen Grenzen gibt es allerdings aufgrund des Somalischen Bürgerkrieges seit 1988 nicht mehr. Bis 1991 spaltete sich der Nordwesten ab und existiert seither als unabhängiger De-facto-Staat Somaliland weitgehend stabil, im Gegensatz zum Rest des Landes, in dem es bis heute Kämpfe gibt und das als gescheiterter Staat zählt.
Der Landesname ist vom Volk der Somali abgeleitet, das die Bevölkerungsmehrheit bildet. Somalia entstand aus dem Zusammenschluss der Kolonialgebiete Britisch- und Italienisch-Somaliland, die 1960 („Afrikanisches Jahr“) gemeinsam unabhängig wurden. Mit dem Sturz der autoritären Regierung unter Siad Barre 1991 zerfiel Somalia vollends. Die ab dem Jahr 2000 unter dem Schutz der internationalen Staatengemeinschaft gebildeten Übergangsregierungen blieben weitgehend erfolglos; sie vermochten zeitweise kaum die Hauptstadt unter ihrer Kontrolle zu halten. Weite Teile des Landes fielen in die Hände lokaler Clans, Warlords oder radikal-islamistischer Gruppen, zudem gab es viel Piraterie vor der Küste Somalias. 2012 bildete die Mehrheit der vielen zwischenzeitlich entstandenen De-facto-Staaten unter einer neuen Verfassung 2012 eine neue Republik mit einer gemeinsamen Regierung, in der sie als Gliedstaaten weitestgehend autonom bleiben. Dieser Bundesstaat existiert bis heute. Weiterhin keine Macht hat diese Regierung allerdings über Somaliland im Nordwesten, das sich um internationale Anerkennung als von Somalia unabhängiger Staat bemüht. Zudem werden große Teile vor allem im Süden Somalias von der islamistischen al-Shabaab beherrscht (Stand: Februar 2024).
Somalia ist eines der ärmsten Länder der Erde und das Land mit dem schlimmsten Hunger. Im Februar 2023 waren laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef über 6 Millionen Menschen in Somalia von Hunger betroffen.
Somalia liegt im Osten des afrikanischen Kontinents, am Horn von Afrika auf der Somali-Halbinsel. Der nördliche Teil des Landes ist größtenteils bergig und liegt im Somali-Hochland durchschnittlich 900 bis 2100 m über dem Meeresspiegel; der höchste Berg ist der Shimbiris (2460 m). Nach Süden hin erstreckt sich ein Flachland mit einer durchschnittlichen Höhe von 180 m. Die Flüsse Jubba und Shabeelle entspringen in Äthiopien und fließen durch den Süden Somalias und damit durch die Somali-Wüste in den Indischen Ozean.
Somalia wird durch Monsunwinde, ein ganzjährig heißes Klima, unregelmäßige Regenfälle und stetig wiederkehrende Trockenperioden beeinflusst. Außer in den Berg- und Küstenregionen liegt die durchschnittliche Maximaltemperatur am Tag zwischen 30 und 40 °C.
Der südwestliche Monsun sorgt in der Gegend um Mogadischu in den Monaten von Mai bis Oktober für ein relativ mildes Klima. Zwischen Dezember und Februar bringt der nordöstliche Monsun ein ähnliches mildes Klima. In der sogenannten Tangambili-Periode zwischen den beiden Monsunen (Oktober bis November und März bis Mai) ist es heiß und feucht.
Erosion und die Ausbreitung der Wüste sind die wesentlichen Umweltprobleme Somalias. Ursachen sind Überweidung und die Abholzung der verbleibenden Wälder, da Holz die Hauptenergiequelle des Landes ist und seit Ausbruch des Bürgerkrieges in größerem Umfang Holzkohle in die Staaten der Arabischen Halbinsel exportiert wird.
Die Mangrovengebiete zwischen Kismaayo und der kenianischen Grenze im Süden des Landes und die Korallenriffe am Golf von Aden und nahe Kenia sind ebenfalls von Bodendegradation und Schädigung betroffen.
In Abwesenheit einer wirksamen Küstenwache wird vor der Küste des Landes illegale Atommüll- und Giftmüllentsorgung (Verklappung) betrieben, und ausländische Fangflotten überfischen unkontrolliert die Gewässer.
Die Einwohner Somalias heißen Somalier (der Somalier, die Somalierin). Gelegentlich wird auch unpräzise die Bezeichnung Somali verwendet, die jedoch nur die ethnischen Somali einschließt, also die Nicht-Somali-Minderheiten im Land nicht umfasst.
Die letzte Volkszählung, deren Ergebnisse veröffentlicht wurden, gab es 1975. Die UNFPA hat im Jahr 2014 eine Studie veröffentlicht, in der mit Hilfe von Umfragen und Satellitenaufnahmen eine Gesamtbevölkerung von über 12,3 Millionen ermittelt wurde. 2021 hatte Somalia laut Berechnungen der UN 17,1 Mio. Einwohner. Die Fertilitätsrate lag bei einem im weltweiten Vergleich sehr hohen Wert von mehr als 6 Kindern pro Frau, wenngleich Ende der 1990er-Jahre noch etwa 7,5 Kinder pro Frau geboren wurden. Für das Jahr 2050 wird laut der mittleren Bevölkerungsprognose der UN mit einer Bevölkerung von circa 36 Millionen gerechnet, was einen starken Druck auf die begrenzten Ressourcen des Landes ausüben wird. Im Jahre 2025 hatte Somalia auf Grundlage von Berechnungen der UN etwa 19,7 Millionen Einwohner.
Heute leben ca. 25 Prozent aller Somalier teilweise oder vollständig als Nomaden. 22 Prozent der Menschen leben als Bauern, die sich in der fruchtbarsten Region des Landes zwischen den Flüssen Shabeelle und Jubba niedergelassen haben. Der größte Teil der Bevölkerung (42 Prozent) lebt in städtischen Gebieten. Es sind immer noch über eine Million Menschen (9 Prozent der Gesamtbevölkerung) in Somalia auf der Flucht und leben überwiegend in 107 Flüchtlingscamps.
Die anteilmäßig bei Weitem bedeutendste Ethnie sind die Somali, deren Siedlungsgebiet sich auch auf Ost-Äthiopien (Somali-Region), Dschibuti und Nordost-Kenia erstreckt und die nach heutiger Kenntnis von kuschitisch-afrikanischer und teilweise arabisch-persischer Abstammung sind.
Von großer Bedeutung für Gesellschaft und Politik Somalias ist das Clansystem der Somali, das wahrscheinlich von der Stammesgesellschaft der Araber beeinflusst wurde. Jeder Somali gehört über seine väterliche Abstammungslinie einem Stamm oder Clan an. Die fünf großen Clanfamilien (qabiil) sind:
Rahanweyn (bzw. Digil-Mirifle).
Dabei gelten die traditionell nomadisch lebenden Dir, Darod, Isaaq und Hawiya als „echte Somali“ oder Samaal, während die sesshaft-bäuerlichen Rahanweyn als „unechte Somali“ oder als Sab bezeichnet werden. Sie gelten, ebenso wie diverse ethnische Minderheiten, aus Sicht eines Teils der Samaal als nicht gleichberechtigt und unterliegen traditionell einer gesellschaftlichen Benachteiligung.
Jede dieser Clanfamilien zerfällt in eine große Zahl Subclans und „Geschlechter“ (Somali: reer, was „Leute aus“, „Nachkommen von“ bedeutet). Diese umfassen jeweils einige Hundert bis Tausend Männer, die das für Verbrechen fällige Blutgeld (diya, mag) gemeinsam bezahlen bzw. erhalten. Dieses System verschafft dem einzelnen Somali traditionell Schutz für Leben und Eigentum, führt jedoch auch zu Blutfehden, die sich nicht nur auf einzelne Verbrechen beziehen, sondern auch Auseinandersetzungen um Wasser- und Weiderechte und um die politische Macht umfassen.
Nicht-Somali-Minderheiten machen etwa 15 % der Bevölkerung aus. Zu diesen gehören verschiedene schwarzafrikanische Volksgruppen in Südsomalia, die von den Somali zusammenfassend als Jarer („harthaarig“ oder „kraushaarig“) bezeichnet werden. Ein Teil von diesen stammt von Sklaven ab, die im 19. Jahrhundert durch den ostafrikanischen Sklavenhandel aus Tansania, Malawi, Mosambik und Kenia nach Somalia gebracht wurden und sich nach ihrer Flucht oder Freilassung größtenteils im Tal des Jubba niederließen. Sie sind seit den 1990er-Jahren als Somalische Bantu bekannt. Für andere Jarer-Gruppen wie etwa die Shidle gilt die Herkunft bis heute als ungeklärt; möglicherweise stammen sie von einer Bevölkerung vor den Somali ab.