Slobodan Milošević [slɔˈbɔdan miˈlɔːʃɛvitɕ] (serbisch-kyrillisch Слободан Милошевић, ; * 20. August 1941 in Požarevac, Militärverwaltungsgebiet Serbien, heute Serbien; † 11. März 2006 in Den Haag-Scheveningen, Niederlande) war ein jugoslawischer und serbischer Politiker des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens und danach der Sozialistischen Partei Serbiens. Innerhalb verschiedener politischer Funktionen galt er von 1987 bis 2000 als die bestimmende politische Führungsfigur Serbiens und später der Bundesrepublik Jugoslawien. Während der 13 Jahre, die er an der Macht war, baute er das Staatssystem zunehmend zu einer Autokratie um.
Wegen seiner Beteiligung am Kosovokrieg (und an den Jugoslawienkriegen) wurde Milošević als erstes Staatsoberhaupt, noch während seiner Amtsausübung, von einem Kriegsverbrechertribunal wegen Völkermordes angeklagt. Weitere Anklagepunkte des Internationalen Strafgerichtshofes für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag beinhalteten Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Milošević war Parteivorsitzender des Bundes der Kommunisten Serbiens (1986–1989) und außerdem Gründer und langjähriger Vorsitzender der Sozialistischen Partei Serbiens (1990–2006).
Milošević fungierte als Präsident der Sozialistischen Republik Serbien (1989–1991), Präsident der Republik Serbien (1991–1997) und Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien (1997–2000).
Milošević musste am 5. Oktober 2000 als jugoslawischer Staatspräsident zurücktreten, nachdem Zehntausende Demonstranten seinen Rücktritt gefordert hatten. Die friedlichen Demonstraten machten seine Regierung u. a. für die Jugoslawienkriege gegen Kroatien und Bosnien-Herzegowina verantwortlich, sowie für die Bombardements des Landes durch Nato-Flugzeuge und Wahlbetrugs.
Nach seinem Sturz floh Milošević zunächst und wurde, im April 2001, auf Betreiben des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Đinđić, verhaftet und an das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag ausgeliefert. Der Prozess begann im Jahr 2002, zog sich jedoch so lange hin, dass bis zu Miloševićs Tod, im März 2006, kein Urteil gesprochen worden war.
Milošević war der zweite Sohn von Svetozar Milošević und Stanislava Milošević. Seine Eltern waren Montenegriner. Sein Vater, ein orthodoxer Geistlicher, verließ die Familie, als Milošević noch die Grundschule besuchte. Er beging 1962 Suizid und seine Mutter elf Jahre später ebenfalls.
Milošević verstand sich als Serbe. Sein Bruder Borislav sah sich als Montenegriner; er machte im diplomatischen Dienst der SFR Jugoslawien und der späteren Bundesrepublik Jugoslawien Karriere.
Milošević war seit 1965 mit Mirjana Marković verheiratet und hatte mit ihr zwei Kinder.
Politischer Aufstieg (1959–1986)
Milošević trat 1959 dem Bund der Kommunisten Jugoslawiens (BDKJ) bei. 1964 schloss er sein Studium der Rechtswissenschaften mit dem juristischen Staatsexamen an der Belgrader Universität ab. Zunächst arbeitete er in der Wirtschaft und war ab 1969 war er Vizedirektor und ab 1974 Generaldirektor des staatlichen Energieversorgers (Technogas). Von 1978 bis 1983 war er Direktor der Beogradska Banka.
Als Protegé von Ivan Stambolić wurde er 1984 zum Leiter der Kommunistischen Partei in Belgrad gewählt und wurde 1986 Parteivorsitzender des Bundes der Kommunisten Serbiens.
Miloševićs Regime in Serbien (1987–2000)
Politik vor Beginn der Jugoslawienkriege
Im September 1987 veranlasste Milošević den Sturz des serbischen Präsidenten Ivan Stambolić. Obgleich er das Präsidentenamt zunächst nicht selbst übernahm, sondern Petar Gračanin überließ, wurde Milošević zum starken Mann Serbiens. So war er in den Jahren 1988 bis 1990 die treibende Kraft hinter der sogenannten Antibürokratischen Revolution, im Rahmen derer er die innerparteiliche Opposition ausschaltete. Die politischen Führungen der beiden autonomen Provinzen Kosovo und Vojvodina wie auch der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro wurden durch ihm getreue Politiker ersetzt. Darüber hinaus wurde der seit 1974 herrschende erweiterte Autonomiestatus der beiden serbischen Provinzen auf den Grad von vor 1974 zurückgestuft, was die Auflösung der Regionalparlamente zur Folge hatte. Am 8. Mai 1989 übernahm Milošević das Präsidentenamt der jugoslawischen Teilrepublik Serbien.
Milošević entwickelte sich immer mehr vom überzeugten Kommunisten zu einem Nationalisten. Höhepunkt seines nationalistischen Kurses stellte die sogenannte Amselfeld-Rede vom 28. Juni 1989 anlässlich des 600. Jahrestags der Schlacht auf dem Amselfeld dar, allerdings ist der Grad des Nationalismus der Rede umstritten.
Im Januar 1990 führten die zunehmenden Unabhängigkeitsbestrebungen Kroatiens und Sloweniens zur faktischen Auflösung des BDKJ. Im Juli 1990 fusionierte der Bund der Kommunisten Serbiens, der serbischen Republiksorganisation des BDKJ, mit der Massenorganisation Serbische Allianz zur Sozialistischen Partei Serbiens (SPS), zu deren erstem Vorsitzenden Milošević gewählt wurde. Bei den anschließenden ersten freien Wahlen seit dem Zweiten Weltkrieg im Dezember 1990 wurde er mit 65 Prozent der Wählerstimmen im Amt bestätigt.
Während der Jugoslawienkriege lieferte Serbien bzw. die verbliebene Bundesrepublik Jugoslawien unter Milošević zwar Versorgungsgüter, Treibstoff und auch Waffen in die Kriegsgebiete, war jedoch nach dem kurzen Unabhängigkeitskrieg Sloweniens 1991 (10-Tage-Krieg) und der ersten Periode des Kroatienkrieges nicht mehr mit regulären Truppen an diesen Auseinandersetzungen beteiligt.