An diesem Tag

Simone Veil

Französische Politikerin und Präsidentin des Europäischen Parlaments

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Simone Veil [si.mɔn vɛj] (geboren am 13. Juli 1927 in Nizza als Simone Annie Liline Jacob; gest. am 30. Juni 2017 in Paris) war eine französische Holocaust-Überlebende, Juristin und Politikerin. Besonders bekannt wurde sie wegen der von ihr erreichten Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in Frankreich sowie als profilierte Europapolitkerin. Sie lebte zeitweise auch in Deutschland.

Von 1974 bis 1979 war sie französische Gesundheitsministerin. 1975 brachte sie das Gesetz zur Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs zur Abstimmung, das deshalb als Loi Veil bekannt ist. Von 1979 bis 1993 war sie Mitglied des Europäischen Parlaments und von 1979 bis 1982 dessen Präsidentin. Von 1993 bis 1995 war sie Frankreichs Sozialministerin. Von 1998 bis 2007 war Veil Mitglied des Verfassungsrats. Ab dem 20. November 2008 war sie Mitglied der Académie française.

Nach ihrem Tod in Paris wurden sie und ihr Mann in der nationalen Gedenkstätte Panthéon nach einem Staatsakt bestattet.

Simone Veil war die Tochter des Architekten André Jacob (1891–1944), der im Ersten Weltkrieg mehrere Jahre in Kriegsgefangenschaft im Deutschen Reich verbracht hatte. Die Mutter Yvonne Steinmetz (1901–1945) gab ihr Chemiestudium auf Bitten Andrés auf, um sich der Familie zu widmen. Beide Eltern waren jüdischer Herkunft und stolz auf die Kultur des Judentums. Die Familie war republikanisch-patriotisch eingestellt.

1944 wurde die Familie Jacob von der Gestapo verhaftet. Teilweise wurde sie in deren Hauptquartier in Nizza verhört, dem Hotel Excelsior. Simones Vater André und ihr Bruder Jean (1925–1944) wurden nach Litauen deportiert, wo sie bei Kaunas sofort ermordet wurden. Simones Schwester Denise (1924–2013) war in der Résistance aktiv und wurde 1944 ins KZ Ravensbrück verschleppt, das sie überlebte. Simone, ihre Mutter Yvonne und Schwester Madeleine (1923–1952), genannt Milou, wurden ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Die Selektion bei der Ankunft in Auschwitz überlebte Simone, weil sie vorgab, bereits 18 Jahre alt zu sein; sie wurde KZ-Häftling mit der Nummer 78651. Im Januar 1945 waren die drei Frauen Teil des Todesmarsches von Auschwitz nach Gleiwitz. Von dort wurden sie per Zug transportiert. Die männlichen Gefangenen wurden ins NS-Konzentrationslager Mittelbau-Dora verbracht, der einzige Waggon mit Frauen hingegen in das KZ Bergen-Belsen. Die Mutter starb dort am 15. März 1945 an Typhus. Am 15. April 1945 wurden Simone und Madeleine in Bergen-Belsen von britischen Streitkräften befreit.

Simone Veil studierte Jura und absolvierte das Institut d’études politiques de Paris (Sciences Po). 1956 wurde sie zur „Magistratin“ ernannt, einer Juristin in der staatlichen Verwaltung. In der Folgezeit diente sie als höhere Beamtin in der Abteilung für Justizvollzug im französischen Justizministerium. Ab 1969 gehörte sie dem Kabinett des Justizministers René Pleven an. Als erste Frau wurde sie 1970 Generalsekretärin des Conseil supérieur de la magistrature, der aus Angehörigen der Judikative bestehenden Aufsichtsbehörde der französischen Justiz. Von 1972 bis 1974 war sie Mitglied des Verwaltungsrats der Rundfunkanstalt Office de Radiodiffusion Télévision Française (ORTF).

Gesundheitsministerin und Abtreibungsgesetz

Während der Präsidentschaft Valéry Giscard d’Estaings gehörte sie von 1974 bis 1979 den Kabinetten Jacques Chiracs und Raymond Barres als Gesundheitsministerin an. Sie war nach Germaine Poinso-Chapuis die zweite Frau auf einem Ministerposten in Frankreich. In ihrer Funktion als Gesundheitsministerin sorgte sie für einen erleichterten Zugang zu Verhütungsmitteln – der Verkauf von Verhütungsmitteln wie der Pille war in Frankreich erst 1967 legalisiert worden. Mit ihrem Namen am meisten verbunden ist jedoch ihr harter Kampf für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in Frankreich. Ein Gesetz zur Fristenregelung wurde am 17. Januar 1975 durch das französische Parlament angenommen und ist als Loi Veil („Veil-Gesetz“) bekannt.

Nach ihrem ersten Ausscheiden aus der Regierung kandidierte sie für die UDF als Spitzenkandidatin bei der ersten Europawahl 1979. Die UDF wurde bei dieser Wahl mit 27,6 % stärkste Kraft in Frankreich. Veil schloss sich – wie die meisten UDF-Europaparlamentarier – der drittstärksten Liberalen und Demokratischen Fraktion (LD) an. Das Europäische Parlament wählte Veil am 17. Juli 1979 zur Präsidentin. Sie war die erste Frau, die dieses Amt innehatte. Laut Geschäftsordnung des europäischen Parlaments dauerte ihre Amtszeit nur bis zur Mitte der fünfjährigen Legislaturperiode am 18. Januar 1982. (Die Präsidentschaft im Europäischen Parlament dauert bis heute jeweils 2 ½ Jahre.) Nachfolger wurde der niederländische Sozialdemokrat Piet Dankert. Anschließend war sie stellvertretende Vorsitzende der liberalen Fraktion.

Bei der Europawahl 1984 war sie erneut Spitzenkandidatin, diesmal einer gemeinsamen Liste der UDF und der gaullistischen RPR, die auf 43 % der Stimmen kam. In der Legislaturperiode bis 1989 war Veil Vorsitzende der LD-Fraktion. Bei der Europawahl 1989 kandidierte Veil an der Spitze der Liste Le Centre pour l’Europe, die vorwiegend vom christdemokratischen CDS unterstützt wurde und gegen die offizielle Liste von UDF und RPR antrat. Aus Veils Sicht trat die RPR nicht entschieden genug für die europäische Integration ein. Ihre Liste kam auf 8,4 %, während die UDF-RPR-Liste deutliche Verluste erlitt. Anders als die übrigen Gewählten ihrer Liste schloss sich Veil nicht der christdemokratischen EVP-Fraktion an, sondern blieb in der liberalen Fraktion, deren stellvertretende Vorsitzende sie bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Europaparlament im März 1993 war.

Staatsministerin und Mitglied des Verfassungsrats

Unter Premierminister Édouard Balladur war sie zwischen 1993 und 1995 französische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Stadtwesen im Range eines Ministre d’État.

Von 1998 bis 2007 war Veil Mitglied des Conseil constitutionnel, d. h. des französischen Verfassungsgerichts. Anlässlich der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus 2004 sprach Simone Veil vor dem Deutschen Bundestag.

2008 wurde Veil zum Mitglied der Académie française gewählt, die sich der Pflege der französischen Sprache widmet. Ihr Sitz dort war Fauteuil 13, auf dem auch schon der Dichter Racine saß; sie übernahm diesen Sitz am 18. März 2010. Im Oktober 2012 nahm sie am Gründungskongress der Union des démocrates et indépendants (UDI) teil.

Simone Veil war seit 1946 mit dem Manager und Beamten Antoine Veil (1926–2013) verheiratet, mit dem sie drei Söhne bekam. In den 1950er Jahren lebte sie mit ihrem Mann, der zunächst im Konsulat in Wiesbaden und dann in Stuttgart tätig war, eine Zeit lang in Deutschland. Zwei ihrer drei Söhne, Jean (* 1947) und Pierre-François (* 1954), sind Anwälte.

Sie starb im Alter von 89 Jahren.

Im Jahr 1981 wurde Simone Veil mit dem Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen „für ein demokratisches Europa“ ausgezeichnet. 1988 erhielt sie den Thomas-Dehler-Preis, 2005 den Prinz-von-Asturien-Preis, 2008 den Europapreis Karl V. der Europäischen Akademie von Yuste in Spanien und ist Trägerin der Auszeichnung Mérite Européen.

1987 wurde Simone Veil die erste Ehrenpreisträgerin der Johanna-Loewenherz-Stiftung des Kreises Neuwied.

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