Simone Arianne Biles Owens (* 14. März 1997 in Columbus, Ohio, als Simone Arianne Biles) ist eine US-amerikanische Turnerin. Mit 30 Weltmeisterschaftsmedaillen und elf Medaillen bei Olympischen Spielen ist sie gemessen an der Anzahl Medaillen die bisher erfolgreichste Turnerin.
Herkunft, Ausbildung und Familie
Biles wurde im März 1997 in Columbus, Ohio geboren. Ihre leibliche Mutter war drogen- und alkoholsüchtig und konnte deshalb nicht für Simone und ihre drei Geschwister Adria, Ashley und Tevin sorgen. Simone und ihre zwei Jahre jüngere Schwester Adria wurden von den Großeltern Nellie und Ron Biles adoptiert und wuchsen in Spring, Texas auf.
Simone Biles absolvierte ihre gesamte schulische Ausbildung, die sie im Sommer 2015 abschloss, im Hausunterricht. Im August 2014 teilte sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit, sich für ein Studium an der University of California, Los Angeles entschieden zu haben. Sie plante, ihr Studium 2016 nach den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro aufzunehmen. 2015 entschied sie sich dann aber dafür, Profiturnerin zu werden, wodurch sie von der Collegemeisterschaft ausgeschlossen war. 2018 schrieb sie sich an der Fernuniversität University of the People für ein Studium in Betriebswirtschaft ein. Sie wurde zugleich Markenbotschafterin der Hochschule.
Da ihre Adoptivmutter aus Belize stammt, hat Biles auch die Staatsbürgerschaft von Belize. Biles ist katholisch.
Seit April 2023 ist sie mit dem US-amerikanischen American-Football-Spieler Jonathan Owens verheiratet. Seither trägt sie den Doppelnamen Biles Owens, ihr vollständiger Name ist Simone Arianne Biles Owens.
Im Alter von sechs Jahren probierte Biles das Turnen aus, wobei ihr Talent erkannt wurde und sie von den Übungsleitern zum Training eingeladen wurde. Von 2003 bis Ende 2017 trainierte sie mit ihrer persönlichen Trainerin Aimee Boorman. Heute ist Laurent Landi ihr Trainer.
Biles gewann von 2013 bis 2024 insgesamt neun US-Meisterschaften im Mehrkampf. Mit ihrem achten Sieg im Jahr 2023 brach sie den Rekord des in Berlin geborenen Alfred Jochim, der seine siebte und letzte Meisterschaft im Jahr 1933 gewann.
Bei den US-amerikanischen Meisterschaften 2024 in Fort Worth gewann Biles den Mehrkampf sowie die Titel an allen vier Geräten und damit sämtliche fünf möglichen Goldmedaillen. Ihre Gesamtbilanz erhöhte sich dadurch auf 32 nationale Meistertitel.
Biles gewann bei den Weltmeisterschaften 2013 in Antwerpen, 2014 in Nanning, 2015 in Glasgow, 2018 in Doha, 2019 in Stuttgart und 2023 in Antwerpen insgesamt 23 Gold-, 4 Silber- und 3 Bronzemedaillen, wobei sie bei allen sechs Meisterschaften in der prestigeträchtigsten Disziplin, dem Mehrkampf, siegte. Sie ist damit die erfolgreichste Teilnehmerin bei Turnweltmeisterschaften. Als erste Turnerin überhaupt konnte sie den Weltmeistertitel im Mehrkampf dreimal in Folge gewinnen. Bei den Weltmeisterschaften 2018 konnte sie in allen Disziplinen eine Medaille erringen, was zuvor nur Jelena Schuschunowa 1987 gelungen war. Während der Weltmeisterschaften 2019 egalisierte und übertraf sie den Rekord von 23 gewonnenen Medaillen, den Wital Schtscherba aufgestellt hatte. Als erste Athletin seit Larissa Latynina 1958 gewann sie fünf Goldmedaillen bei denselben Meisterschaften. Während der Weltmeisterschaften 2023 übertraf sie sowohl Latyninas Rekord von insgesamt 32 bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewonnenen Medaillen als auch Schtscherbas Rekord von insgesamt 33 Medaillen und wurde damit zur erfolgreichsten Turnerin der Geschichte.
Simone Biles gewann bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro insgesamt vier Goldmedaillen: am Boden, am Sprung, im Mannschaftsmehrkampf und im Einzelmehrkampf. Am Schwebebalken gewann sie nach einem Fehler Bronze. Sie verpasste damit ihr anvisiertes Ziel, fünf olympische Goldmedaillen bei denselben Olympischen Spielen zu gewinnen, was bisher noch keiner Turnerin gelungen war.
2020: Startverzichte und eine Bronzemedaille
Nach den Weltmeisterschaften 2019 legte Biles bis Ende Mai 2021 eine gut 1½-jährige Wettkampfpause ein. Bei den 2021 ausgetragenen Olympischen Spielen in Tokio qualifizierte sie sich für alle sechs Finals. Im Finale des Mannschaftsmehrkampfs am 27. Juli 2021 misslang ihr jedoch gleich der erste Einsatz am Sprung. Sie brach darauf den Wettkampf ab und erklärte später, dass dies aufgrund psychischer Probleme und aus Rücksicht auf ihre mentale Gesundheit, nicht wegen einer körperlichen Verletzung geschehen war. Das US-Team gewann ohne seinen größten Star die Silbermedaille. Für die jeweils anstehenden weiteren Wettkämpfe erklärte sie zunächst ebenfalls ihren Startverzicht, nahm aber an der Konkurrenz am Schwebebalken noch teil und gewann dort die Bronzemedaille.
An den darauffolgenden Weltmeisterschaften nahm sie nicht teil. Auch im Jahr 2022 bestritt sie keinen Wettkampf.
2024: Neunte olympische Medaille
Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris gewann Simone Biles vier Medaillen: jeweils Gold im Sprung, im Mannschaftsmehrkampf und im Einzelmehrkampf und Silber am Boden. Im Finale am Schwebebalken erreichte sie nach einem Sturz vom Schwebebalken nur noch den fünften Platz. Mit dem Gewinn der Goldmedaille im Mannschaftswettbewerb errang Biles ihre achte olympische Medaille. Damit übertraf sie Shannon Miller, die sieben olympische Medaillen gewonnen hatte, und wurde zur erfolgreichsten US-amerikanischen Turnerin in der Geschichte der Olympischen Spiele.
Am 1. August 2024 gewann Biles mit 59,131 Punkten zum zweiten Mal nach 2016 den olympischen Mehrkampf. Sie wurde damit nach Larissa Latynina und Věra Čáslavská zur dritten Turnerin mit zwei olympischen Mehrkampftiteln. Zugleich war sie die erste Turnerin, der dies bei nicht aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen gelang.
Gold Over America Touren 2021 und 2024