An diesem Tag

Simon Sechter

Österreichischer Musiktheoretiker, Musikpädagoge, Organist, Dirigent und Komponist

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Simon Sechter (* 11. Oktober 1788 in Friedberg in Böhmen; † 10. September 1867 in Wien) war ein österreichischer Musiktheoretiker, Musikpädagoge, Organist, Dirigent und Komponist.

Simon Sechter, Sohn eines Bindemeisters und einer Bauerntochter, zeigte schon als Kind hohe Begabung für die Musik. Bei seinen Eltern fand er großes Verständnis für seine Musikbegeisterung, welche sein musikalisch hochbegabter Volksschullehrer Johann Maxandt in die richtigen Bahnen lenkte. Bei Maxandt lernte er ab seinem 11. Lebensjahr das Violin-, Flöten- und Klavierspiel, desgleichen erhielt er Theorieunterricht.

Sechter kam 1802 als Schulgehilfe nach Pfarrkirchen/OÖ. Im Jahre 1803 besuchte er die Normalschule in Linz, um hier die sogenannte Präparandenprüfung zu machen. Dennoch bemühte er sich nicht um eine Stelle als Volksschullehrer. 1804 erhielt er die Stelle eines Hauslehrers bei den Kindern des fürstlich Starhemberg'schen Güterdirektors Kowarz in Wien annahm. Bei den bekannten Musikpädagogen Kozeluh und Hartmann absolvierte er die höhere Musikbildung. Von 1808 bis 1810 war er als Privat-Musiklehrer tätig. Ab dem Jahre 1810 war er unbezahlter Klavier- und Gesangslehrer am Blindeninstitut in Wien-Josefstadt, wo er 1812 definitiv gegen Entlohnung angestellt wurde. Ab dem Jahre 1813 veranstaltete er mit seinen blinden Zöglingen Konzerte. Am 29. Juni 1816 heiratete er Katharina Heckmann aus Aachen. Mit seiner Frau, mit der er 45 Jahre verheiratet war, hatte er zwei Kinder, Eduard und Karoline. Sein Sohn Eduard Engelbert Sechter wurde ebenfalls ein bedeutender Musiker und Komponist. Simon Sechter unterrichtete weiterhin am Blindeninstitut und darüber hinaus privat. Er schuf zahlreiche Kompositionen und schrieb musiktheoretische Werke.

In Wien war er schon weithin als Theorielehrer bekannt und gesucht. Beethoven schätzte ihn ganz außerordentlich. Franz Schubert nahm bei ihm Theoriestunden. Als Organist wurde er von allen Bevölkerungskreisen gerne gehört. Am 3. November 1824 folgte er dem Ruf an die Hofburgkapelle als zweiter Hoforganist. Am 19. November 1825 wurde er zum ersten Hoforganisten ernannt. Zehn Jahre unterrichtete er am Konvikt der Hofsängerknaben. Erfolge und Ehren häuften sich. Seine komische Oper "Ali Hitsch Hatsch" wurde am 12. November 1844 im Theater in der Josefstadt uraufgeführt und mit großem Beifall bedacht.

Am 28. Oktober 1846 dirigierte er erstmals seine Missa solemnis in C in der Hofburgkapelle, wofür ihm Kaiser Ferdinand die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verlieh. Im April 1848 widmete er eine Messe in A der Kaiserin Maria Anna, welche ihm mit einer wertvollen Brusttuchnadel dankte. Am 1. Oktober 1851 wurde Sechter als Professor für Generalbass und Kontrapunkt mit einem Jahresgehalt von 400 Gulden am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien angestellt. Von Juli 1855 bis März 1861 war hier Anton Bruckner sein bester Schüler. Ein anderer seiner berühmten Schüler war Carl Michael Ziehrer, der bekannte Operettenkomponist und Hofballmusikdirektor.

Sechter schrieb 35 Messen, von denen die Festmessen eine einheitlich feststehende Besetzung aufweisen – 2 Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass, 2 Fagotte, 2 Trompeten, 2 Posaunen, Pauke und Orgel. Außerdem schuf er zahllose andere kirchenmusikalische Werke und darüber hinaus viele Orgelwerke, allein 6000 Fugen, einige Opern, Oratorien und unzählige Lieder. Neben diesen vielen Kompositionen schrieb er eine Anzahl musiktheoretischer Werke, u. a. "Wichtige Beiträge zur Fingersetzung", "Musikalischer Ratgeber", "Von den Gesetzen in der Musik", "Vom doppelten Contrapunkt" u. v. a. Das wichtigste musiktheoretische Werk Sechters trägt den Titel "Die Grundzüge der musikalischen Composition", in drei Bänden 1853–1854 erschienen.

Im Jahre 1852 erhielt er gemeinsam mit dem Komponisten Schumann die Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft der Musikfreunde. Als er ab 16. Februar 1863 als Hoforganist in den Ruhestand trat, verlieh ihm Kaiser Franz Josef I. das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Dem Professoren-Kollegium des Konservatoriums der Gesellschaft der Musikfreunde gehörte er bis zu seinem Tode an. Viele berühmte Männer gingen in einem Haus ein und aus. Meyerbeer besuchte ihn gelegentlich eines Wienaufenhaltes. Brahms war ein häufiger Gast. Eine große Freude bereiteten ihm stets Besuche aus seiner Heimatstadt Friedberg, die wiederzusehen ihm infolge seiner Arbeitsüberlastung kaum möglich war.

Sein erfülltes Leben erlosch am 10. September 1867. Die Gemeinde Wien widmete ihm ein Ehrengrab und benannte im zwölften Gemeindebezirk eine Gasse nach seinem Namen. Am 18. September 1870 wurde in seinem Geburtsort Friedberg in feierlicher Weise eine Gedenktafel an seinem Vaterhaus enthüllt. Diese Tafel trug folgende Inschrift: "In diesem Hause erblickte Simon Sechter am 11. Oktober 1788 das Licht der Welt." Aus Anlass seines 100. Geburtstages fanden am Sonntag, dem 14. Oktober 1888, in vielen Wiener Kirchen Gedenkaufführungen seiner Messen statt. Am Grabe des Komponisten wurden Kränze niedergelegt, unter anderem las man auf einer Kranzschleife ,,11. Oktober 1788–1888, die Gesellschaft der Musikfreunde" und auf einer anderen "Ihrem berühmten Kollegen S. Sechter der Lehrkörper des Konservatoriums".

Sechter hatte strikte Lehrmethoden. So verbot er Anton Bruckner zum Beispiel, Originalkompositionen zu schreiben, während dieser bei ihm Kontrapunkt lernte. Der Komponist und Brucknerkenner Robert Simpson glaubte, dass „Sechter unbewusst Bruckners Originalität hervorholte, indem er sie unterdrückte, bis es nicht mehr länger ging“. Sechter unterrichtete Bruckner von 1855 bis 1861 per Post und betrachtete ihn als seinen besten Schüler. Bei Bruckners Studienabschluss schrieb Sechter eine ihm gewidmete Fuge.

Mit Die Grundsätze der musikalischen Komposition, seiner dreibändigen Abhandlung über Kompositionsprinzipien aus den Jahren 1853 und 1854, schrieb Sechter ein Werk mit großem Einfluss auf viele spätere Theoretiker. Sechters Gedanken sind von Jean-Philippe Rameaus Fundamentalbasstheorie abgeleitet. Sechter propagierte die reine gegenüber der wohltemperierten Stimmung.

Sechter war auch Komponist, und er ist dafür bekannt, dass er mehr als 8000 Werke schrieb, darunter vom 9. November 1849 bis April 1867 ein musikalisches Tagebuch mit 4000 Kompositionen, zumeist Fugen – wenn es ging, jeden Tag eine. Constantin von Wurzbach schreibt über Sechters Nachlass: „Außerdem liegen aber noch an 30 Bände Clavier-, Orgel-, und Gesangsmusik vor, nebst sechs Opern, unter denen auch Grillparzer’s ‚Melusine‘. – Die Compositionen reichen zurück bis in’s Jahr 1810 und 1811; diese frühesten sind gemüthliche ‚Deutsche‘. Ein Band aus den Jahren 1818 und 1819 enthält eine Sammlung ‚deutscher Volksmelodien‘, die Sechter mit großer Vorliebe contrapunctisch bearbeitete. Das Jahr 1833 liefert ein eigenthümliches Werk, ein Beispiel von zäher Ausdauer, dabei aber auch von staunenswerthen Kenntnissen. Die Aufgabe war: 104 Variationen über ein Originalthema von 104 Tacten. Diese Selbstgeißelung mußte dem Manne denn doch am Ende selbst peinlich geworden sein, denn die letzte Variation am 27. October schließt mit dem Ausrufe: ‚Gott sei Dank!‘“

Darüber hinaus komponierte er Messen und Oratorien, allerdings erschienen im Druck nur seine Orgel- und Klavierstücke, sowie zwei Streichquartette (darunter Die vier Temperamente, opus 6) – zusammen 91 Stücke.

Neben zahlreichen Messen, Klavier- und Orgelwerken, Streichquartetten, Fugen, Opern, Oratorien und unzähligen Liedern schuf der Komponist u. a. die komische Oper "Ali Hitsch Hatsch", eine Missa solemnis in C und eine Messe in A.

"Wichtige Beiträge zur Fingersetzung"

"Von den Gesetzen in der Musik"

"Die Grundzüge der musikalischen Composition", in drei Bänden (1853–1854)

1846: Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft durch Kaiser Ferdinand

1852: Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft der Musikfreunde

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