Silvio Zavala (* 7. Februar 1909 in Mérida, Yucatán; † 4. Dezember 2014 in Mexiko-Stadt) war ein mexikanischer Historiker, der wegen seiner Publikationen zur Geschichte des Doppelkontinents Amerika zentrale Bedeutung hat.
Silvio Zavala, mit vollem Namen Silvio Arturo Zavala Vallado (Zavala ist der Nachname väterlicherseits, Vallado mütterlicherseits) absolvierte seine Hochschulausbildung in Mexiko und Spanien.
Er studierte zunächst an der Nationalen Universität von Mexiko Rechtswissenschaften. 1931 erhielt er ein Stipendium von der Universidad Central de Madrid und beendete seine Studien 1933 mit dem Doktortitel für Rechtswissenschaften mit der Promotionsschrift Los intereses particulares en la conquista de la Nueva España (= Partikularinteressen bei der Eroberung von Neuengland).
Von 1933 bis 1936 arbeitete er am Zentrum für Geschichtswissenschaften in Madrid. Nach seiner Rückkehr nach Mexiko trat er in die Abteilung für innerstaatliche Angelegenheiten des Museums von Mexiko ein.
Von 1937 bis 1938 war er Sekretär im Nationalmuseum (heute Nationalmuseum für Geschichte) auf Schloss Chapultepec.
1939 bis 1965 leitete Zavala die von ihm mitbegründete Zeitschrift Revista de historia de América (= Zeitschrift der Geschichte Amerikas), das Centro de Estudios Históricos (= Zentrum für Geschichtsstudien) am El Colegio von Mexiko von 1940 (anderen Quellen nennen 1941 als Datum) bis 1956, dessen Präsident er von 1963 bis 1966 war sowie das Nationale Geschichtsmuseum von Chapultepec. Außerdem war dessen Direktor von 1946 bis 1954 und Präsident der Historischen Kommission des Instituts für Geographie und Geschichte von 1947 bis 1965.
Zavala unterrichtete als Gastdozent an zahlreichen Universitäten in Europa und Amerika, wie zum Beispiel in Puerto Rico, Havanna, Harvard, Paris, Gent, and Seattle.
Von 1956 bis 1963 war er ständiger Vertreter seines Landes bei der UNESCO für Erziehung, Wissenschaft und Kultur und wurde dort Vizepräsident des Exekutivkomitees von 1961 bzw. 1962 bis 1966. Von 1966 bis 1975 war er als mexikanischer Botschafter für Frankreich zuständig. Zusätzlich war er Vorsitzender des Internationalen Rates für Philosophie und Humanwissenschaften in Paris von 1968 bis 1971.
Silvio Zavala war Mitglied zahlreicher Akademien und Institutionen, darunter der spanischen Nationalakademien für Geschichte und Geographie, der mexikanischen Akademien für Geschichte und Sprache, der Royal Historical Society in London und der Portugiesischen Akademie für Geschichte.
Des Weiteren war er Mitglied ausländischer Geschichtsakademien wie in Argentinien, Bolivien, Chile, Kuba, Kolumbien, der Dominikanischen Republik, Spanien, Panama und Venezuela und im Rat der Société des Américanistes (= Gesellschaft für Amerikanisten) in Paris.
Von 1981 bis zu seinem Tod im Jahr 2014 mit 105 Jahren war er Emeritus der Universidad de México.
Zavala ist für seine Arbeiten zur Wirtschaftsgeschichte Mexikos im 16. Jahrhundert, zur politischen Philosophie der spanischen Eroberung, für seine Publikationen über koloniale Wirtschaftsinstitutionen, der Rechtsgeschichte Mexikos und dem Aufbau der mexikanischen Gesellschaft in vergangenen Zeiten bekannt.
Silvio Zavalas trug wissenschaftlich fundiert maßgeblich zu allen Phänomenen der historischen Aspekte der Entdeckung, Eroberung und Kolonialisierung durch die Spanier und die Bewertung und Umbewertung der mexikanischen und amerikanischen Geschichte bei. Er zeigte, dass historisch gesehen nicht nur die Herrscher entscheidende Rollen spielten, sondern zahlreiche Interaktionen auf vielen Ebenen nötig waren, um den Lauf der Geschichte voranzutreiben und untermauerte dies stets mit juristisch und wissenschaftlich fundierten Recherchen und Kenntnissen der Materie.
Zavala bearbeitete und kommentierte Dokumentenauszüge, in denen er dem historisch Interessierten die Bedeutung und historische Entwicklung seiner Forschungserkenntnisse nahebrachte. Er dient noch heute als nützliche Quellen für monografisches Arbeiten.
Zavala legte nach Eigenaussage besonderen Wert auf die Verknüpfung von fundierter wissenschaftlicher Recherche mit historisch korrekten Darstellungen von Ereignissen und Bewertungen.
1959: Serra-de-las-Américas-Preis von der Academy für amerikanisch-französische Geschichte in Washington
1968: Fray-Bernardino-de-Sahagún-Preis des INAH
1969: Nationaler Preis für Wissenschaft und Kunst in der Kategorie Linguistik und Literatur