An diesem Tag

Sigfried Held

Deutscher Fußballspieler und -trainer

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Sigfried Held (* 7. August 1942 in Freudenthal, Landkreis Freudenthal, Regierungsbezirk Troppau, Reichsgau Sudetenland, Deutsches Reich), auch Sigi oder Siggi Held genannt, ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler und -trainer. Von 1965 bis 1981 hat der Offensivspieler bei den Vereinen Kickers Offenbach, Borussia Dortmund, Preußen Münster und Bayer 05 Uerdingen insgesamt 422 Spiele in der Fußball-Bundesliga absolviert und dabei 72 Treffer erzielt. In diesen 18 Runden Aktivität in der 1. und 2. Liga des deutschen Spitzenfußballs kamen noch 49 Einsätze (4 Tore) in der 2. Bundesliga, 99 Regionalligaspiele (31 Tore), 47 Spiele um den DFB-Pokal (8 Tore) und elf Einsätze im Europapokal der Pokalsieger (4 Tore) hinzu. Im Vereinsdress war der Gewinn des Europapokals 1966 der größte Erfolg des laufstarken Dribblers und Flankengebers am linken Flügel.

Mit der Fußballnationalmannschaft hat Held 1966 und 1970 zwei erfolgreiche Weltmeisterschaftsturniere bestritten und von 1966 bis 1973 im Team von Bundestrainer Helmut Schön 41 Länderspiele mit fünf Toren absolviert. Als Trainer hat er mit dem FC Schalke 04 und Dynamo Dresden in der Bundesliga gearbeitet, mit FC Admira Wacker Mödling in der österreichischen Bundesliga und er war zudem noch Nationaltrainer in Island, Malta und Thailand.

Der 1942 im Sudetenland geborene Held kam am Ende des Zweiten Weltkrieges mit seinen Eltern und seinem Bruder in Würzburg an, wo die Familie aber umgehend dem Flüchtlingslager in Marktheidenfeld, der sogenannten „Düsseldorfer Siedlung“, zugewiesen wurde. Sein Vater fand bald eine Beschäftigung im Bahnhof Marktheidenfeld. Der regelmäßige Besuch auf dem örtlichen Sportplatz des Turnvereins, zu dem ihn sein fußballbegeisterter Vater schon im jüngsten Alter mitnahm, prägte seine jungen Jahre. Die Notsituation nach Kriegsende, in den Jahren des Neubeginns ging es um das reine Überleben, in der sich auch die Familie Held befand, verdankte „Siggi“ Held, dass er von klein auf mit dem Fußball beschäftigt und von ihm begeistert war. Schon alleine die beengten räumlichen Wohnverhältnisse verhinderten, dass aus den Kindern dieser Generation Stubenhocker werden konnten. Egal bei welchem Wetter, die Kinder und Jugendlichen mussten raus, und hielten sich meistens außerhalb der Wohnung auf. Sie spielten Fußball. Stundenlang galt ihre Begeisterung nur dem Ball, bis sich irgendwann die Eltern bemerkbar machten, und zum Essen nach Hause gerufen wurde. Diesem täglichen, fast pausenlosen (Spiel)Training, verbunden mit einem entsprechenden Talent, spricht Held als „Schlüssel der späteren Erfolge“ an. Und im Rückblick erkennt er einen weiteren Faktor, der sich in seiner sportlichen Laufbahn maßgeblich auswirken sollte, die Disziplin.

Der TVM wurde die erste sportliche Heimat des Knaben und Jugendlichen „Siggi“ Held. Nach erfolgreichem Schulabschluss absolvierte er eine kaufmännische Lehre bei einem Steuerberater. Sein nächster beruflicher Schritt wäre gewesen, den Beruf eines Steuerberaters zu erlernen, denn er war auserkoren, in der Zukunft die Kanzlei eines Verwandten zu übernehmen. Nach der Ausbildung ging der Spieler der 1. Mannschaft des TV Marktheidenfeld zur Bundeswehr. Seine Entdeckung für den Spitzenfußball ließ auf sich warten; Held vermutet, Kickers Offenbach wurde eher zufällig bei einem Spiel gegen eine Offenbacher Vorstadtmannschaft auf ihn aufmerksam. Seine Zeit beim TV Marktheidenfeld ging 1963 zu Ende, er wechselte nach Kontaktaufnahme aus Offenbach zur Saison 1963/64 in die zweitklassige Regionalliga Süd zu den Kickers vom Stadion am Bieberer Berg.

Der vormalige Amateur aus Marktheidenfeld debütierte am dritten Rundenspieltag, den 18. August 1963, bei einem 1:0-Auswärtserfolg bei Ulm 1846, in der Regionalliga Süd. Er war in der Mannschaft von Trainer Hans Merkle neben Spielern wie Gerhard Kaufhold, Oskar Lotz, Hermann Nuber und Siegfried Gast im Angriff auf Halblinks aufgelaufen und lernte im Spiel gegen Ulm die herausragende Klasse des WM-Torhüters von 1962 in Chile, Wolfgang Fahrian, auf Seiten des Gastgebers kennen. Der Beginn als Vertragsfußballer wurde durch seine Bundeswehrzugehörigkeit erschwert. In der Garnison Hammelburg brachte man für seine sportliche Laufbahn kein besonderes Interesse auf, im Gegenteil. Die Teilnahme am regelmäßigen Training in Offenbach war ausgeschlossen, so dass er notdürftig von Trainer Merkle zweimal die Woche in Hammelburg trainiert werden musste. Es ergab sich aber die Situation, dass ein Lehrgang für talentierte Bundeswehrsoldaten mit dem Ziel, sich an der bevorstehenden Fußball-Militärweltmeisterschaft zu beteiligen, durchgeführt wurde. Trainiert wurde die Auswahl von DFB-Trainer Dettmar Cramer, der als Assistent von Sepp Herberger im Einsatz war. Der scheidende Bundestrainer vertrat die Ansicht, „diesem jungen Mann gebührt eine Chance“, als er Held zum ersten Mal bei einem Probespiel im Frankfurter Waldstadion beobachten konnte. „Ausgezeichnet hat er mir gefallen, der richtige Sturmführer, der die bevorstehenden Aufgaben lösen wird.“ Held war mithin zweifach im Einsatz: Als Regionalligaspieler von Kickers Offenbach und in der Militärauswahl. Im Oktober 1963 wurde der Offenbacher Spieler dann nach Darmstadt versetzt und die Möglichkeit der Trainingsteilnahme in Offenbach war dadurch deutlich verbessert. In seinem ersten Regionalligajahr, 1963/64, erzielte Held für Offenbach in 33 Ligaeinsätzen neun Tore und die Kickers rangierten auf dem 3. Rang.

In seiner zweiten Saison, 1964/65, verbesserte er seine Trefferquote auf 15 Tore. Aber wiederum kam nur der dritte Rang dabei heraus und damit wurde das zweite Mal in Folge die Aufstiegsrunde verpasst. Seine rasanten Sturmläufe, Dribblings, sein Kombinationsvermögen und nie erlahmender Einsatz hatten aber auch schon den DFB auf den Stürmer aus Offenbach aufmerksam gemacht: Der Regionalligaspieler führte am 25. Juni 1965 den Angriff der deutschen Juniorennationalmannschaft U 23 beim Länderspiel gegen England an. Beim 1:0-Erfolg in Freiburg wurde er im damals noch üblichen WM-System auf rechts von Horst Gecks und Hans Schulz, sowie auf dem linken Flügel von Johannes Löhr und Horst Wild unterstützt. Der sportliche Leiter der Militärnationalmannschaft war Major Ottmar Rein, und der verfügte über hervorragende Beziehungen zur Borussia Dortmund und dank seiner Vermittlung wechselte Held nach zwei Jahren Offenbach in die Bierstadt nach Dortmund. Er war der erste Spieler der Borussia, der nicht aus dem Ruhrgebiet oder Westdeutschland kam.

Die erste Saison in Dortmund 1965/66 verlief für den jungen Stürmer Held überaus erfolgreich. Mit Reinhard Libuda und Lothar Emmerich zusammen bildete er einen Angriff, der auch internationalen Ansprüchen gerecht wurde. In der Presse (Kicker) stand nach seinem Debüt beim BVB folgende Beschreibung: „Er raucht nicht, trinkt nicht und spart. Siggi Held lebt spartanisch als möblierter Herr in einem Zimmer in Dortmund. Dieses einfache Leben garantiert das ursprüngliche Spiel Helds, seine Explosivität. Held ist ein wortkarger Mann. Viel lieber als er redet, hört er anderen zu. Den Franken kann und will er nicht verleugnen. Held, der am 7. August 24 Jahre alt wird, wuchs im unterfränkischen Marktheidenfeld auf.“ Held selbst, hält dazu rückblickend in seiner Biografie fest: „Nun ja, so entstehen Legenden.“ In dieser Zeit begründete sich auch seine große Freundschaft mit Lothar Emmerich. Viele gemeinsame, persönliche wie sportliche Erlebnisse verbanden die zwei über die Jahre. Held war ein laufstarker Dribbler und Vorbereiter, und „Emma“ wurde zum unbarmherzigen Vollstrecker seiner Vorlagen. Von der britischen Presse wurde das Sturmduo Emmerich-Held auch „the terrible twins“ getauft; in der Partnerschaft mit Held wurde Emmerich zum torgefährlichsten Stürmer weit und breit, weshalb die britische Presse „Emma“ auch als das „dritte Bein“ von Held bezeichnete. Im Europacup der Pokalsieger besiegte die Mannschaft mit Trainer Willy Multhaup die Vereine FC Floriana aus Valletta, ZSKA Sofia, Atlético Madrid und im Halbfinale Titelverteidiger West Ham United. Nach dem 3:1-Heimerfolg gegen West Ham ist bei Weinrich notiert: „Überragender Akteur auf Seiten der Gastgeber war wie schon im Hinspiel Siggi Held, derweil es Gerd Cyliax vorbehalten war, den Endstand zu fixieren.“ Am 5. Mai 1966 gewannen sie in Glasgow das Finale gegen den klaren Favoriten FC Liverpool. Held hatte in der 61. Minute den BVB in Führung gebracht. Durch seine Leistungen in dieser Saison in Bundesliga (30 Spiele mit 11 Toren und der Vizemeisterschaft) und Europapokal wurde Held am 23. Februar 1966 im Spiel gegen England in London Nationalspieler und stand mit der Nationalmannschaft am 30. Juli 1966 im WM-Finale gegen England (2:4 n. V.).

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