An diesem Tag

Siegfried Unseld

Deutscher Verleger und Leiter des Suhrkamp Verlags

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Karl Siegfried Unseld (* 28. September 1924 in Ulm; † 26. Oktober 2002 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Verleger. Von 1959 bis zu seinem Tod 2002 leitete er den Suhrkamp Verlag. Er war geschäftsführender Gesellschafter der Suhrkamp Verlag KG und der Insel Verlag KG.

Siegfried Unseld, geboren in Ulm an der Donau, war ein Sohn des Verwaltungsangestellten Ludwig Unseld (1896–1951) und dessen Ehefrau Maria Magdalena Kögel, genannt Lina. Walter Unseld war sein vier Jahre jüngerer Bruder.

Ludwig Unseld war Weltkriegsveteran und von 1919 bis 1923 Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei. Offenbar aus Karrieregründen trat der Stadtbeamte 1933 der SA und der NSDAP bei. Als SA-Mann erreichte er den Grad des Obersturmführers und nahm 1938 an den Novemberpogromen teil. Dafür wurde er 1947 zu zehn Monaten Gefängnis und einer Geldbuße verurteilt. Er verlor seine Beamtenstelle und schlug sich als Hilfsarbeiter durch, die Familie war wirtschaftlich ruiniert. Seine Frau Maria war während der NS-Zeit in der NS-Frauenschaft aktiv.

Seine erste Schulzeit verbrachte Siegfried Unseld in Ulm. Im Juni 1933 kam er zum Jungvolk der Hitler-Jugend. Dort lernte er auch Hans Scholl kennen, der kurz nach ihm eingetreten war.

Ab 1935 besuchte Unseld das Realgymnasium am Blauring (heute Schubart-Gymnasium) in Ulm. Dort absolvierte er 1942 ein Notabitur und ging am 20. Oktober von der Schule ab. Wie erst im April 2025 bekannt wurde, hatte er 1946 im Entnazifizierungsverfahren wahrheitsgemäß angegeben, kurz vor dem Abitur die Mitgliedschaft in der NSDAP beantragt zu haben, die zum 1. September 1942 bewilligt wurde (Mitgliedsnummer 9.194.036). Weihnachten 1942 wurde er zur Kriegsmarine eingezogen und in Aurich zum Funker ausgebildet. Im Sommer 1943 wurde Unseld auf die Krim versetzt. Als seine Stellung in der Nähe von Sewastopol von der sowjetischen Marine zurückerobert wurde, rettete sich Unseld nach seinen Angaben, indem er aufs offene Meer hinausschwamm und dort Stunden später von einem deutschen Schnellboot aufgenommen wurde. Mitte Mai 1944 wurde er nach Warna in Bulgarien und anschließend nach Griechenland versetzt. Weihnachten 1944 konnte er in Ulm verbringen.

Das Kriegsende erlebte Unseld in Flensburg; im Januar 1946 erreichte er wieder seine Heimatstadt. Noch im Oktober desselben Jahres begann er eine Lehre zum Buchhandelsgehilfen im Ulmer Aegis-Verlag. Im Sommer 1946 holte er sein Abitur nach (Zitat Unseld: „ein richtiges Abitur“); sein Abituraufsatz war dem Thema Faust und Wagner – zwei Menschen, zwei Welten gewidmet. Im September 1947 legte Unseld bei der Industrie- und Handelskammer Stuttgart seine Gehilfenprüfung ab. Einer der Prüfer war der Verleger Paul Siebeck, Inhaber des J.C.B. Mohr Verlags in Tübingen.

Berufseinstieg und gleichzeitiges Studium

Von Unseld überzeugt, engagierte ihn Siebeck noch am Prüfungstag. Unseld nahm das Angebot an und begann ab Oktober 1947, parallel zu seiner Arbeit im Verlag an der Universität Tübingen Germanistik, Philosophie, Völkerrecht, Sinologie und Bibliothekswissenschaft zu studieren. Er war u. a. Schüler des Philosophen Wilhelm Weischedel (1905–1975), der sich von Anfang an sehr für Unseld einsetzte.

Am 14. April 1951 heiratete Unseld im Ulmer Münster die Hauswirtschaftslehrerin Hildegard „Hilde“ Schmid. Das Paar bekam Zwillinge, die sehr früh starben, und einen Sohn, den späteren Verleger Joachim Unseld.

Sein Studium in Tübingen schloss Unseld mit einer Dissertation über Hermann Hesse ab und brach damit einige Regeln: Bis 1951 war es üblich, nur über verstorbene Schriftsteller zu forschen; zudem war Hesse umstritten. Ein weiteres Problem ergab sich, als Unselds Doktorvater, Friedrich Beißner, erfuhr, dass Unseld in einem Brief von Hesse bereits „Doktor“ genannt wurde, obwohl er die Prüfung noch nicht abgelegt hatte. Beißner prüfte Unseld, wahrscheinlich zur Strafe, nur im Fach Althochdeutsch, das einzige, das Unseld nie gelernt hatte.

Am 24. Juli 1951 war das Promotionsverfahren abgeschlossen und Unseld bekam den akademischen Grad Dr. phil. Mit ihm saßen Walter Jens, Gerhard Storz, Johannes Poethen, Peter Meuer und Martin Walser in Beißners Doktorandenkolleg.

Buchhändler und Arbeitsverhältnis bei Suhrkamp

Noch im selben Jahr begann Unseld als Buchhändler in Heidenheim an der Brenz zu arbeiten. Am 23. Oktober fand das erste Treffen zwischen Peter Suhrkamp und Siegfried Unseld statt. Am 7. Januar 1952 begann Unselds Arbeitsverhältnis bei Suhrkamp. Mit Wirkung vom 1. Januar 1955 erteilte Suhrkamp Unseld Prokura; im selben Jahr reiste Unseld von Juli bis August zum ersten Mal in die USA: An der Harvard Summer School of Arts and Sciences der Harvard University in Cambridge hatte Henry Kissinger ein International Seminar eingerichtet; an diesem konnte er mit Empfehlungsschreiben von Hermann Hesse und Peter Suhrkamp teilnehmen.

Um 1955 begann Unseld eine längere Affäre mit Corinne Pulver, einer Schwester der Schauspielerin Liselotte Pulver. Mit Corinne hatte er eine Tochter, Ninon Pulver, geboren 1959, heute Anwältin in Genf (Ninon war der Vorname der dritten Frau von Hermann Hesse).

Zum 1. Januar 1958 stieg Unseld zum Gesellschafter des Verlages auf. Ausschlaggebend war dabei, dass er von der Ullstein AG abgeworben werden sollte. Während dieser Jahre hatte Unseld enge Kontakte zu fast allen Mitgliedern der Gruppe 47.

Nach dem Tod Peter Suhrkamps 1959 übernahm Unseld als alleiniger Verleger bzw. Inhaber den Suhrkamp Verlag.

In dieser Zeit ließ sich das westdeutsche Verlagshaus des Insel Verlags, das 1945 zunächst in Wiesbaden ansässig war – der ostdeutsche Verlagsteil war in Leipzig verblieben –, in Frankfurt am Main nieder. Die finanzielle Situation des Verlags war etwas schwierig und die Inhaberin Jutta von Hesler, die Tochter des Gründers Anton Kippenberg, wollte lieber heute als morgen verkaufen. Über Hermann Hesse konnte Unseld die Unternehmer Peter Reinhart und Balthasar Reinhart aus Winterthur für eine stille Teilhaberschaft gewinnen. Am 19. Februar 1963 kaufte der Suhrkamp Verlag den Insel Verlag rückwirkend zum 1. Januar.

Am 1. Juli desselben Jahres kaufte Unseld den juristischen Fachverlag Lutzeyer in Baden-Baden. Der wichtigste Vermögenswert waren für den Suhrkamp Verlag die Lutzeyer’schen Druckereien. Dieser Verlag firmiert noch heute unter dem Namen Nomos Verlag (griech. weltliches Recht). Da der Umsatz des Suhrkamp Verlags in den nächsten Jahren sprunghaft anstieg, wurde er für die schweizerischen Teilhaber Reinhart immer mehr zum Wirtschaftsfaktor.

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