Im Siebenjährigen Krieg in Nordamerika (englisch French and Indian War; französisch Guerre de la Conquête) kämpften die Kolonialmächte Großbritannien und Frankreich, unterstützt von ihren jeweiligen indianischen Verbündeten, von 1754 bis 1763 um die Vorherrschaft in Nordamerika. Hauptschauplatz waren die britischen Ostküsten-Kolonien und Neufrankreich rund um den Sankt-Lorenz-Strom (ungefähr das heutige Québec). Die Auseinandersetzung war ein Teilkonflikt des Siebenjährigen Krieges, dessen Beginn die Geschichtsschreibung im Allgemeinen erst mit dem Einsetzen der Kampfhandlungen in Europa und den förmlichen Kriegserklärungen der beteiligten europäischen Mächte im Jahr 1756 ansetzt. Der Pariser Frieden von 1763 besiegelte das Ende der französischen Kolonialherrschaft in Nordamerika östlich des Mississippi. Der Krieg war daher von großer Bedeutung für die Geschichte Kanadas, aber auch für die Entstehung der USA.
Von den britischen Kolonisten in Nordamerika wurde der Krieg French and Indian War („Franzosen- und Indianerkrieg“) genannt, eine Bezeichnung, die bis heute in der amerikanischen Geschichtsschreibung verwendet wird, während die britische Geschichtsschreibung darin eher einen britisch-französischen Konflikt im Rahmen des Siebenjährigen Krieges sieht. Das Gleiche gilt für die anglokanadische Historiographie. Nicht zu verwechseln ist die Bezeichnung mit French and Indian Wars (Plural), womit allgemein die Franzosen- und Indianerkriege, eine Folge von Konflikten zwischen Ende des 17. und Mitte des 18. Jahrhunderts in Nordamerika, zu denen auch die amerikanische Entsprechung des Siebenjährigen Krieges gehört, benannt werden.
Teils wird in der englischsprachigen Literatur auch die Bezeichnung Great War for the Empire („Großer Krieg für das Empire“) verwendet, die der Historiker Lawrence Henry Gipson prägte. In Québec und zum Teil auch in Frankreich ist hingegen vor allem die britische Eroberung des französischen Kolonialreichs in Nordamerika in Erinnerung geblieben, sodass der Krieg in der frankokanadischen Literatur Kanadas zumeist Guerre de la Conquête („Krieg der Eroberung“) genannt wird. In Frankreich gilt der Krieg sehr viel ausgeprägter als Teil des weltumspannenden Krieges zwischen Großbritannien und Frankreich, eine Auffassung, die auch in Kanada vertreten wird.
Der Siebenjährige Krieg in Nordamerika war der vierte in einer Reihe von Kolonialkriegen, die die beiden europäischen Großmächte Frankreich und England (bzw. Großbritannien) in Übersee ausfochten, und die als Franzosen- und Indianerkriege zusammengefasst werden. Jeder dieser Kriege hatte seine Entsprechung in europäischen Kriegen: der King William’s War (1689–97) war Teil des Pfälzischen Erbfolgekrieges, der Queen Anne’s War (1702–1713) der des Spanischen Erbfolgekrieges und der King George’s War (1744–1748) der des Österreichischen Erbfolgekriegs. Waren diese vorangegangenen Kriege zwischen den Kolonisten Neuenglands und Neufrankreichs in gewissem Sinne Stellvertreterkriege, ausgelöst von dynastischen Streitigkeiten der europäischen Großmächte, so stand am Anfang des Siebenjährigen Krieges ein Territorialkonflikt in Nordamerika selbst.
Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts war das Gebiet westlich der Appalachen von europäischen Siedlern weitgehend unberührt geblieben. Dies änderte sich gegen 1750, als sich zunehmend Abenteurer aus den britischen Kolonien Pennsylvania und Virginia in das Ohiogebiet wagten, um mit den dortigen Indianern zu handeln. Die fruchtbaren Gebiete jenseits der Appalachen weckten auch die Begehrlichkeiten von Landspekulanten. So vergab bereits 1745 das House of Burgesses, das Unterhaus von Virginia, Siedlungspatente über weitreichende Ländereien im Ohiotal an die Ohio Company, eine Kapitalgesellschaft von Landspekulanten. Auch Robert Dinwiddie, ab 1751 stellvertretender Gouverneur Virginias, hielt Anteile an diesem Unternehmen, was seine Anstrengungen um die englische Herrschaft im Ohiogebiet auch durchaus eigennützig erscheinen lässt.
Die Hoheitsansprüche der britischen Kolonien kollidierten jedoch mit denen Frankreichs, das ganz Nordamerika jenseits der Wasserscheide der Appalachen als Teil Neufrankreichs für sich beanspruchte. Dem Ohio-Tal maß Frankreich eine besondere strategische Bedeutung zu, da es eine fast durchgängig schiffbare Verbindung zwischen den französischen Siedlungen am Sankt-Lorenz-Strom und den Großen Seen und denen am Mittel- und Unterlauf des Mississippi darstellte.
Um ihre Ansprüche zu bekräftigen, rüsteten die Franzosen 1749 eine Expedition unter Leitung von Pierre Joseph Céloron de Blainville (1693–1759) aus, die Vermessungen vornahm und die Indianerstämme der Gegend dazu ermahnte, jegliche britischen Händler aus dem Ohiotal zu vertreiben. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, zerstörte ein Trupp aus Chippewa- und Ottawa-Indianern, traditionelle Verbündete der Franzosen, das Dorf Pickawillany, den umsatzstärksten englischen Handelsposten in der Region.
Die Ohio Company setzte jedoch unbeirrt ihre Anstrengungen fort und errichtete 1749 zunächst Fort Cumberland, nur wenige Meilen östlich des Gebirgskamms gelegen, als befestigtes Lagerhaus und Ausgangspunkt für den Westhandel, darauf dann ein weiteres Fort am Oberlauf des Monongahela River, einem der Quellflüsse des Ohio. 1752 traf Michel-Ange Duquesne de Menneville (1700–1778) als neuer Gouverneur Neufrankreichs in Québec mit der unmissverständlichen Order ein, die Briten aus dem Ohiotal zu vertreiben. Er ordnete daher die Errichtung einer Kette von vier Forts zwischen dem Eriesee und dem Ohio an. Das südlichste Fort, nach ihm selbst Fort Duquesne benannt, sollte an der Stelle errichtet werden, an der der Monongahela und der Allegheny sich zum Ohio vereinigen. An ebendieser Stelle begann die Ohio Company im Februar 1754 mit dem Bau eines eigenen Forts, so dass eine direkte militärische Konfrontation unausweichlich wurde.
Der dritte Machtfaktor im Ohiogebiet waren die in diesem Raum ansässigen Indianerstämme: Seit einigen Jahrzehnten siedelten hier Gruppen der Shawnees und Delawaren, die ihrerseits zuvor von der Irokesenliga im Norden unterworfen worden waren. Die Irokesen übten ihre Herrschaft in der Region über so genannte „Halbkönige“ (half-kings) aus, irokesische Abgesandte, die den Siedlungen der unterworfenen Stämmen vorstanden. Mit dem sich verschärfenden Konflikt der beiden Kolonialmächte hofften diese Stämme, sich mit Frankreich verbünden und aus der irokesischen Herrschaft befreien zu können.
Ein weiterer Konfliktherd war die kanadische Provinz Akadien, die ganz oder teilweise die heutigen Provinzen Neuschottland, Neubraunschweig und Québec umfasste. Dieses Gebiet war 1710 während des Spanischen Erbfolgekriegs (1701–1714) von britischen Truppen erobert und im Frieden von Utrecht 1713 an Großbritannien übertragen worden. Die französischstämmige, katholische Bevölkerung genoss dennoch weitgehende Autonomie und Religionsfreiheit; britische Garnisonen lagen lediglich in Annapolis Royal und im 1749 gegründeten Halifax, um das herum ein britischer Siedlungskern entstand.
Frankreich hatte sich mit diesem Verlust jedoch nicht abgefunden. Französische Priester, Missionare und Offiziere versuchten offen oder verdeckt, die Akadier zur Revolte gegen die Briten anzustacheln, sie für das französische Militär zu rekrutieren oder zur Auswanderung in französisch beherrschte Gebiete zu veranlassen. Eine Schlüsselrolle hierbei spielte Abbé Jean-Louis Le Loutre (1709–1772), katholischer Generalvikar von Akadien und Missionar der Micmacs, eines dort lebenden Indianerstamms. Er verlangte von den Akadiern, den Treueeid auf den britischen König zu verweigern und auszuwandern. Die unter seinem Einfluss stehenden Indianer übten Druck auf die Akadier aus und begannen einen Kleinkrieg gegen die Briten: Auf seine Veranlassung hin kam es zu Angriffen auf britische Händler, Soldaten und Siedlungen. Französische Dokumente belegen, dass der Geistliche den Indianern 100 Livres für jeden Skalp eines Briten bezahlte. Ab 1750 kam es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen, an denen neben Indianern auch Akadier beteiligt waren. Nachdem die Franzosen 1751 das Fort Beauséjour auf von Großbritannien beanspruchtem Gebiet errichteten und die Akadier aufforderten, einen Treueeid auf den König von Frankreich abzulegen, Dienst in der französischen Miliz zu tun oder als Rebellen behandelt zu werden, war auch hier der offene Ausbruch von Feindseligkeiten nur noch eine Frage der Zeit. 1754 antwortete der britische Gouverneur von Akadien mit einer Proklamation, der zufolge alle Akadier, die den Treueeid abgelegt hatten, aber Waffen gegen die Briten ergriffen, als Kriminelle behandelt würden.