Sheffield [ˈʃɛfiːld] ist eine britische Stadt in South Yorkshire, in der Region Yorkshire and the Humber im Vereinigten Königreich. Ihr Name leitet sich aus dem River Sheaf ab, der durch den Zusammenfluss des Totley Brook und des Old Hay Brook entsteht. Mit 589.214 Einwohnern (2020) zählt sie zu den größten Städten in England. Sheffield besitzt den Status einer City und ist ein Metropolitan Borough im Metropolitan County South Yorkshire. Die Metropolregion Sheffield hat rund 1,2 Millionen Einwohner. Sheffield war einer der Ursprungsorte der Industriellen Revolution und über mehr als ein Jahrhundert ein weltbekanntes Zentrum der Stahlindustrie. Vom Strukturwandel nach Niedergang der Schwerindustrie in den 1970er und 1980er Jahren wurde die Stadt hart getroffen, erlebt aber seit der Wende zum 21. Jahrhundert einen erneuten Aufschwung. Auch im Bereich der Musik ist Sheffield bedeutend.
Zur Metropolregion von Sheffield gehören die benachbarten Städte Rotherham, Doncaster und Barnsley. Über das Stadtgebiet erstreckt sich ein hügeliges Bergland, dessen höchster Punkt bei 548 m, niedrigster Punkt bei 29 m ASL liegt. Fünf Flüsse durchqueren das Stadtgebiet, die Don, Sheaf, Rivelin, Loxley und Porter. Westlich der Stadt liegen der Peak-District-Nationalpark und die südlichen Ausläufer des Pennines-Gebirges. Mit über 170 Wäldern und 88 öffentlichen Gärten und Parkanlagen ist es in Relation zur Einwohnerzahl die grünste Stadt Europas.
Die Gegend um Sheffield war schon sehr früh besiedelt. Im nahe gelegenen Creswell Crags wurden Spuren von steinzeitlichen Höhlenbewohnern gefunden; unter anderem Werkzeuge aus Stein, Quarz, Knochen und Mammut-Elfenbein. Im Juli 2004 wurde an derselben Stelle die sogenannte Church Cave entdeckt, eine Höhle mit Wandmalereien, die auch „Sixtinische Kapelle der Eiszeit“ genannt wird. Zwar sind vergleichbare, ältere Höhlen in Spanien und Frankreich noch kunstvoller bemalt, die Church Cave ist aber aufgrund ihrer Lage im Norden sehr bemerkenswert.
22 km südlich von Sheffield wurde 1955 ein 150.000 Jahre alter Faustkeil gefunden, im nördlichen Vorort Deepcar ein Steinkreis. Im Vorort Crookes wurde ein Grab mit zwei Urnen aus der frühen Bronzezeit entdeckt, weitere Gräber im Vorort Lodge Moor.
Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde bei Wincobank (im Nordosten der Stadt) eine Festung errichtet. Gebaut wurde sie durch den keltischen Stamm der Briganten, welche vergeblich versuchten, die Expansion der Römer zu verhindern. Eine kleinere Römerstraße führte durch den Nordteil der Stadt, doch Sheffield entwickelte sich nicht zu einer vollwertigen Siedlung, jedenfalls nicht bis zur Zeit der Angelsachsen.
Diese gründeten am Fluss Sheaf eine Siedlung, welche sie Scafield oder Escafield nannten. Im südwestlichen Vorort Dore unterwarf sich 829 König Eanred von Northumbria dem westsächsischen König Egbert, wodurch sich Egbert die Oberherrschaft Wessex’ auch über die Gebiete nördlich des Humbers sichern konnte. Wessex war das einzige bedeutende Königreich auf der Insel, das nicht von den Wikingern erobert wurde. Im 9. und 10. Jahrhundert gehörte Sheffield jedoch zum skandinavischen Danelaw. Im lokalen Dialekt sind aus dieser Zeit viele Ausdrücke skandinavischen Ursprungs erhalten geblieben.
Im frühen 12. Jahrhundert, unter der Herrschaft des Lehnsherrn William de Lovetot, wurde eine Kirche errichtet, aus der sich später die Kathedrale von Sheffield entwickelte. Er ließ auch ein hölzernes Schloss errichten, das um 1270 durch eine Steinkonstruktion ersetzt wurde. In diesem Schloss wurde von 1570 bis 1584 Maria Stuart, die Königin von Schottland, gefangen gehalten. Während des englischen Bürgerkriegs wurde Sheffield mehrmals von beiden Konfliktparteien erobert und fiel 1648 endgültig in die Hand der Republikaner unter Oliver Cromwell, welche das Schloss zerstörten.
In Sheffield wurden schon seit dem 13. Jahrhundert Messer hergestellt, wie man aus einer Zeile in Geoffrey Chaucers „Canterbury Tales“ weiß. Ab dem späten 18. Jahrhundert entwickelte sich Sheffield zu einer bedeutenden Industriestadt und zum Zentrum der Stahlverarbeitung. Viele mittelalterliche Gebäude wurden durch modernere Bauten ersetzt. Am 11. März 1864 wurden große Teile der Stadt nach dem Bruch des Dale-Dyke-Staudammes überschwemmt; 800 Häuser wurden dabei zerstört und 270 Menschen kamen ums Leben.
Die Stahlindustrie war geprägt von besonders schlechten Arbeitsbedingungen; es ist deshalb kein Zufall, dass hier die ersten Gewerkschaften des Landes entstanden. Um 1860 kam es zu den sog. Sheffield Outrages, Auseinandersetzungen zwischen Fabrikbesitzern und militanten Gewerkschaftern, welche in Bombenexplosionen und Mordanschlägen gipfelten.
Die Stahlfabriken von Sheffield waren führend in der Weiterentwicklung des Stahls, so wurde 1913 von Harry Brearley der rostfreie Stahl erfunden. Sheffield war vor allem für Stahlmesser bekannt. Andere wichtige Industriezweige waren Kohlebergbau und Steinbrüche. So wurde z. B. der Westminster-Palast in London aus Kalkstein errichtet, der aus dem nahe Sheffield gelegenen Dorf Anston stammte. Aufgrund der kriegswichtigen Produktionen in Sheffield wurde die Stadt immer wieder Opfer von deutschen Luftangriffen, wodurch Alt- und Innenstadt neben einigen Industrieanlagen schwer verwüstet wurden. Allein bei den beiden schwersten Luftangriffen am 12. und 15. Dezember 1940 kamen 750 Menschen ums Leben, und rund 3000 Häuser und Geschäfte wurden vollständig zerstört, während Industrieanlagen weniger in Mitleidenschaft gezogen wurden. Heute ist der Bestand an Altbauten bei weitem nicht mehr so reichhaltig wie vor dem Zweiten Weltkrieg.
In den 1970er Jahren wurden viele Stahlwerke geschlossen und es kam zu Massenarbeitslosigkeit. Heute hat sich Sheffield zu einer dienstleistungsorientierten Stadt entwickelt. Im Jahre 2003 ermittelte eine Studie der Barclays Bank, dass der Wahlkreis Sheffield-Hallam der wohlhabendste Bezirk des Landes außerhalb Südostengland ist. Das Projekt „Sheffield Grey to Green“ soll zur Wiederbelebung verwahrloster Stadtbezirke durch die Anlage von Blumenwiesen führen und hat inzwischen zahlreiche Nachahmer gefunden.
Sheffield ist ein bedeutendes Zentrum der Pop- und Rockmusik. Zu den bekanntesten Vertretern zählen ABC, The Human League, Pulp, Def Leppard, Joe Cocker, Arctic Monkeys, Malevolence, Bring Me the Horizon und While She Sleeps. Im Jahr 1989 wurde in der Stadt das Plattenlabel Warp Records gegründet, das mit seinen Veröffentlichungen großen Einfluss auf die Entwicklung der Electronica-Musik ausübte. Die frühen Veröffentlichungen des Labels wurden von Musikjournalisten auch als Sheffield Sound bezeichnet. Im Zusammenhang mit der Arbeit des Labels ist die Tätigkeit des im Gegensatz zu Warp Records heute noch in Sheffield ansässigen Designerkollektivs The Designers Republic zu sehen.
Seit 1999 steht in Sheffield das Nationale Zentrum für Popmusik. Das dort untergebrachte Museum war nicht so erfolgreich wie erhofft, deshalb wurde das Gebäude an die Sheffield Hallam University verkauft. Heute befindet sich die Students’ Union der Universität in dem Gebäude. Zusätzlich dient es als Stätte für Konzerte und Veranstaltungen der Studierenden.
Sheffield ist der Geburtsort des Schauspielers Sean Bean und des Monty-Python-Komikers Michael Palin. Der weltweit bekannte Film Ganz oder gar nicht handelt von strippenden Arbeitslosen aus Sheffield.
Sheffield besitzt zwei Theater, vier Kunstgalerien und mehrere Museen.
1984 gründete sich in Sheffield die Performance-Gruppe Forced Entertainment.
Die historische, seit der Reformation anglikanische St.-Peter-und-Paul-Kirche ist seit 1914 Kathedrale des neu gegründeten Bistums Sheffield. Die römisch-katholische St.-Marien-Kirche, erbaut 1846 für die durch Zuwanderung katholischer Iren und durch Konversionen gewachsene Gemeinde, wurde 1980 Bischofskirche des Bistums Hallam.
2004–2006 entstand die Medina-Moschee der in Pakistan beheimateten Barelvi-Bewegung; sie fasst 2300 Menschen.