An diesem Tag

Seymour Hersh

US-amerikanischer Enthüllungsjournalist (geb. 1937)

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Seymour Myron „Sy“ Hersh (* 8. April 1937 in Chicago, Illinois) ist ein US-amerikanischer investigativer Journalist und politischer Publizist. 1969 erlangte er weltweite Anerkennung für die Aufdeckung des zunächst vertuschten Massakers von My Lai während des Vietnamkriegs. In den 1970er Jahren berichtete Hersh für die New York Times über den Watergate-Skandal, über die geheime US-Bombardierung Kambodschas und das Programm der CIA zur Inlandsspionage. Im Jahre 2004 stellte er die von US-Militärs zu verantwortenden Folterpraktiken und Misshandlungen von Gefangenen in Abu Ghraib im Irak dar. Er gewann 1970 den Pulitzer-Preis für internationale Berichterstattung und eine Vielzahl weiterer Preise, darunter fünfmal den George Polk Award; darüber hinaus erhielt er den National Magazine Award und den National Book Critics Circle Award. Er ist Autor von elf Sachbüchern, darunter mehreren Bestsellern. Seine investigativen Recherchen führten zu zahlreichen Anfeindungen, bis hin zu Morddrohungen. Seine Veröffentlichungen ab 2013 zu Giftgasangriffen in Syrien, 2015 zur Tötung von Osama bin Laden sowie 2023 zum Anschlag auf die Nord-Stream-Pipelines werden aufgrund Methodik und Quellennutzung nicht nur wie früher von staatlichen Stellen, sondern auch von den Medien stärker kritisiert als frühere Arbeiten.

Seymour wurde in eine jüdisch-osteuropäische Familie der unteren Mittelklasse geboren. Er hatte einen Zwillingsbruder, Alan, und zwei fünf Jahre ältere Zwillingsschwestern, Phyllis und Marcia. Sein Vater Isador Hershowitz stammte aus Seduva in Litauen und wanderte am 12. Februar 1921 in die USA ein, wo er seinen Lebensunterhalt zunächst als Straßengeiger verdiente. Zwei Jahre später folgten Isadors Mutter und Schwester. Seinen Nachnamen kürzte Isador in Hersh, als er 1930 in Chicago die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Seymour Hershs Mutter Dorothy Margolis stammte aus Polen. Beide Eltern hatten keinen formalen Schulabschluss. Sie führten im Stadtteil South Side, dem Schwarzenghetto der Stadt, eine Chemische Reinigung, in der die Kinder mitarbeiteten. Die Arbeit in der Wäscherei umfasste zwölf Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche. Die Wohnung der Hershs lag zuerst in einem von Chicagos jüdischen Vierteln im Stadtteil Hyde Park, später in South Side. Seymours Vater starb 1954, mit 49 Jahren, nach langem Leiden an Lungenkrebs, wobei sich Seymour, beim Tod des Vaters 18 Jahre alt, um ihn kümmerte.

Im Haushalt und mit der Kundschaft wurde Jiddisch gesprochen, jedoch spielte das Judentum in der „agnostischen“ Familie, so Hersh, keine große Rolle, auch wenn die Kinder die Thoraschule besuchten. Der familiär tief verwurzelte Glaube an die amerikanischen Werte formte, so Jeff Wallenfeld (Britannica), Hershs idealistische Haltung, Missstände enthüllen zu wollen. Nach eigener Angabe in seiner Autobiografie, Reporter, haben beide Eltern jedoch Amerika nie verstanden. Hersh beschreibt sich als „aggressiven Lerner“ und Generalisten, der sich früh für Bücher interessierte, hauptsächlich zu Politik, Geschichte und Literatur. Als eine der Lektionen seines Lebens erwähnt er in seiner Autobiographie die Abschieds-Belehrung in „Wirtschaftsethik“ des Rabbis in ihrer örtlichen Synagoge, Chaim Zvi Halevi Rubenstein: „Lassen Sie mich Ihnen als Geschäftsmann einen Rat geben: Verarschen Sie sie, bevor sie Sie verarschen.“

1954, kurz vor dem Tod des Vaters, schloss Hersh die Highschool mit nur sehr geringem Erfolg ab. Sie hatte ihn während der Krankheit seines Vaters zunehmend weniger interessiert. Er schrieb sich aufgrund der schlechten Ergebnisse in Navy Pier ein, einem zweijährigen Junior College ohne Zulassungsvoraussetzungen. Gleichzeitig führte er das Geschäft des Vaters weiter, um seine Mutter und sich zu unterhalten. Sein Berufswunsch lag zuerst außerhalb des Journalismus, er wollte bei Xerox arbeiten, wo man ihn jedoch ablehnte. Er kam, so seine Aussage, eher zufällig zum Journalismus, durch eine Reihe von Ereignissen, zu denen ein nächtliches Pokerspiel und eine „riesige Portion Zufall“ gehörten.

Auf Vermittlung eines seiner Lehrer, den er mit einem Literaturessay beeindruckt hatte, studierte Hersh an der University of Chicago und machte 1958 seinen Abschluss in Englischer Literatur. An der Universität lernte er Elizabeth Sarah Klein kennen, eine Psychoanalytikerin, sie heirateten 1964. Zwischenzeitlich arbeitete Hersh in der Drogeriekette Walgreens. Nach dem Abschluss in Literatur fing er ein Rechtsstudium an, das er wegen schlechter Leistungen nach einem Jahr abbrechen musste, woraufhin Walgreens ihn wieder einstellte.

1959 begann Hershs journalistische Karriere als Polizeireporter beim City News Bureau (CBS). 1960 trat Hersh den Militärdienst in Fort Leavenworth (Kansas) an und absolvierte eine dreimonatige Grundausbildung. Aufgrund seines Abschlusses und der Arbeit bei CBS arbeitete Hersh anschließend als Information Specialist in Fort Riley, Kansas. Hier lernte er die Öffentlichkeitsarbeit des US-Militärs aus erster Hand kennen, was ihm bei seiner späteren Arbeit als Pentagon-Korrespondent für die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) nützlich war.

1961 kehrte Hersh nach Chicago zurück und gründete zusammen mit Bob Billing, dem ehemaligen Redakteur aus seiner Zeit bei CBS, die Stadtteilzeitung Evergreen Dispatch. Nach einem Jahr gab er das Unternehmen auf. Er war sich mit Billing, der das Editorial machte, über die Ausrichtung der Zeitung uneins. Außerdem gab es finanzielle Schwierigkeiten, so dass die Zeitung eingestellt wurde. Im folgenden Jahr stellte ihn Amerikas zweitwichtigste Nachrichtenagentur United Press International (UPI) in South Dakota ein. Besonders stolz war Hersh bei UPI auf eine Serie von Artikeln über den Stamm der Sioux-Indianer, deren ärmliche Lebensbedingungen im Pine Ridge Reservat er beschrieb. Diese Artikel wurden von der Chicago Tribune aufgegriffen.

Pentagon-Korrespondent für die Associated Press

Weil South Dakota Hersh zu provinziell war, kehrte er nach Chicago zurück und fand 1963 bei der Associated Press (AP) eine Anstellung. Zusammen mit späteren Pulitzerpreisträgern, wie James Polk und Gaylord Shaw, begann Hersh die Arbeit als Neueinsteiger mit der Überarbeitung von Texten etablierter Journalisten. Über die folgenden Jahre stieg, nach Darstellung Miraldis, sein Ansehen durch gute Artikel, die regelmäßig in der AP-internen Wochenschau Erwähnung fanden. 1965 versetzte AP ihn nach Washington, D.C. Erneut bereitete er die Arbeiten anderer Journalisten auf, doch fand Hersh auch erste eigene Investigativ-Artikel und Reportagen. So führte er ein Exklusivinterview mit Martin Luther King jr. Seine Initiative und sein Spürsinn brachten seine Artikel in die Schlagzeilen. Neben der Bürgerrechtsbewegung befasste er sich mit Verteidigungspolitik und Kriegseinsätzen. Er nahm Einfluss auf die Debatte zur Auswahl von Wehrpflichtigen während des Vietnamkriegs. 1966 wurde er Pentagon-Korrespondent für die Associated Press und gewann weitere Einblicke in die Hintergründe von Militäreinsätzen. Im Pentagon erwarb er sich, laut Miraldi, den Ruf, sich lieber mit seinen Quellen im Offizierskasino zu treffen, als auf Pressekonferenzen zu erscheinen.

Seine Berichte darüber, dass in Vietnam zu Beginn des Jahres 1967 erstmals mehr Soldaten im Einsatz seien als im Koreakrieg und dass die zivile Infrastruktur bombardiert werde, beunruhigten seine Vorgesetzten. Seine Berichterstattung wurde mehr und mehr durch AP-interne Textkürzungen erschwert. Als Hersh aufdeckte, dass die US-Streitkräfte im Ausland Giftgas lagerten, verlangte die Redaktion der AP, die Darstellung abzuschwächen und auf ein Zehntel des Ursprungstextes zu kürzen. Hersh lehnte dies ab, kündigte und verkaufte den Artikel an die New Republic.

Wahlkampfberater Eugene McCarthys

1968 engagierte Hersh sich als Pressesprecher für die Nominierung des Senators Eugene McCarthy zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Er arbeitete damit gewissermaßen als Public-Relations-Agent für die aus Sicht des Journalismus „dunkle Seite“ der Macht. Er erhoffte sich von McCarthy ein Ende des Vietnamkriegs, da dieser einer der prominentesten Kriegsgegner war. Drei Monate später kam es jedoch zu einem Streit mit McCarthy und Hersh verließ das Wahlkampfteam.

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Seymour Hersh | World in Stories