Sergio Leone (* 3. Januar 1929 in Rom; † 30. April 1989 ebenda) war ein italienischer Filmregisseur. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine Arbeiten im Bereich der Italowestern. Mit den epischen Westernfilmen Zwei glorreiche Halunken und Spiel mir das Lied vom Tod konnte er in den späten 1960er Jahren seine größten Erfolge verbuchen.
Sergio Leone war der Sohn des Filmpioniers Vincenzo Leone („Roberto Roberti“) und der Schauspielerin Edvige Valcarenghi („Bice Valerian“). Sein Vater war ab 1911 im Filmgeschäft tätig und wurde in Italien vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem Stummfilmstar Francesca Bertini bekannt. Er sympathisierte mit den Kommunisten und zog sich unter dem Eindruck des Faschismus weitgehend von der Außenwelt zurück.
Leone selbst wurde in seiner Jugend nicht nur durch die Herrschaft des „Duce“, sondern auch durch die Besetzung Roms sowie die letzten Kriegsjahre 1943/45 geprägt. In diese Zeit fällt auch sein erster Kontakt mit der US-amerikanischen Populärkultur, für die er sich begeisterte. Besonders das Kino Hollywoods faszinierte den jungen Leone:
Vincenzo Leone drehte ab 1939 wieder Filme. Da er den kleinen Sergio regelmäßig zu seiner Arbeit mitnahm, war dieser bereits von Kindesbeinen an mit den Abläufen der Filmherstellung vertraut.
Erste Schritte im Filmgeschäft
Ab Mitte der 1940er Jahre arbeitete Leone in den unterschiedlichsten Positionen im italienischen Studiosystem. Als Statist, Regieassistent, Regisseur des zweiten Kamerateams oder Autor von Drehbüchern wirkte Leone bei einer Vielzahl von italienischen Filmen mit. Meist handelte es sich um künstlerisch eher anspruchslose Filme im Stile des damals sehr populären Sandalenfilms (Peplum).
Allerdings war Leone als Kleindarsteller und Regieassistent auch an dem Filmklassiker Fahrraddiebe (1948) beteiligt. Bei dem amerikanischen Monumentalfilm Quo Vadis (1951), der in Rom gedreht wurde, fungierte er als einer der Regisseure des zweiten Aufnahmeteams. Dieselbe Funktion hatte er 1959 auch bei Ben Hur inne, dem aufwendigsten Filmprojekt der 1950er Jahre, unter dem Pseudonym Bob Robertson. Auch dieses Hollywood-Epos wurde in Italien gedreht. Als Regisseur war Leone später stark vom amerikanischen Kino beeinflusst und vor allem an epischen, publikumswirksamen Filmen interessiert.
1959 war Sergio Leone als Co-Regisseur bei Die letzten Tage von Pompeji tätig, einem von Mario Bonnard inszenierten, zeittypischen Sandalenfilm. Streifen dieser Art wurden damals in Italien in großer Zahl produziert. Leone hatte bei Die letzten Tage von Pompeji bemerkenswerterweise mehrere Mitarbeiter, die später zu den führenden Regisseuren des Italo-Western wurden: Duccio Tessari war Regieassistent, Sergio Corbucci und Enzo Barboni agierten als Regisseur bzw. Kameramann des zweiten Kamerateams. Auch wenn Die letzten Tage von Pompeji eine Billigproduktion war, lernte Leone bei der Herstellung des Films viel über die Filmfinanzierung.
1961 absolvierte der 32-jährige Sergio Leone mit Der Koloß von Rhodos, einem weiteren Sandalenfilm italienischer Prägung, sein eigentliches Regiedebüt. Verglichen mit den späteren Werken des Regisseurs ist dieser Film nach allgemeinem Tenor von geringer Bedeutung. Leone selbst räumte ein, er habe den Film nur gedreht, um seine Hochzeitsreise zu finanzieren. Dies führte dazu, dass dieser Film in Gesamtdarstellungen von Sergio Leones Werk nur rudimentär behandelt oder sogar ausgelassen wird. Dennoch lassen sich bereits einige Charakteristika seines späteren Schaffens erkennen.
Während in den frühen 1960er Jahren die Nachfrage nach Sandalenfilmen langsam verebbte, war Leone schon mit der Vorbereitung seines nächsten Filmes befasst. Er orientierte sich diesmal in eine völlig andere Richtung und bereitete die Produktion eines Westerns vor. Leone war von diesem Genre begeistert und glaubte daran, dass auch europäische Westernfilme erfolgreich sein können, obwohl bis dato alle bedeutenden Western aus den USA gekommen waren. Seit 1962 liefen im deutschsprachigen Raum allerdings bereits mit großem Erfolg die Filme der Karl-May-Reihe.
In Italien waren bereits vor Leone Western produziert worden (ungefähr 25), doch blieben diese, außer zwei Filmen, in kommerzieller wie künstlerischer Hinsicht bedeutungslos. Es war Leone, der mit Für eine Handvoll Dollar (1964) das Genre des Italo-Western in der heute bekannten Form begründete. Bei der Ausarbeitung des Drehbuchs orientierten sich er und seine Co-Autoren an Akira Kurosawas Film Yojimbo – Der Leibwächter (1961). Die Hauptfigur von Kurosawas Film, einen Samurai-Krieger, transformierte Leone in einen Westernhelden. Kurosawa und sein Co-Autor strengten einen Copyright-Prozess an und erhielten unter anderem 15 % der weltweiten Einnahmen des Leone-Films.
Da Sergio Leone nur ein geringes Budget zur Verfügung stand (200.000 Dollar), konnte er keinen etablierten amerikanischen Star wie Henry Fonda oder James Coburn für die Hauptrolle von Für eine Handvoll Dollar engagieren. Auf der Suche nach einem bezahlbaren US-Schauspieler stieß Leone auf den damals relativ unbekannten TV-Darsteller Clint Eastwood, der schließlich für 15.000 Dollar verpflichtet wurde. Der 34-jährige Eastwood trat in der Rolle eines mysteriösen Revolvermannes auf, der in einem abgelegenen Dorf in New Mexico zwei verfeindete Clans gegeneinander ausspielt und sich dabei durch seine phänomenalen Schießkünste auszeichnet.
Für eine Handvoll Dollar galt zunächst als obskur und wurde von den Kritikern entweder verrissen oder überhaupt nicht beachtet. Der Film entwickelte sich jedoch zu einem sensationellen Kassenerfolg. In der Rolle des zynischen „Fremden ohne Namen“ (tatsächlich trug er den Rollennamen „Joe“), der seinen Gegnern in einem Poncho mit aufreizender Lässigkeit gegenübertritt, wurde Eastwood zu einem internationalen Star. Unzählige Westerndarsteller orientierten sich in den Folgejahren an diesem Charaktertypus. Leone selbst hielt nicht allzu viel von den schauspielerischen Fähigkeiten seines Hauptdarstellers: „Er hat zwei Gesichtsausdrücke: einen mit und einen ohne Hut.“
Um den Eindruck zu erzeugen, Für eine Handvoll Dollar sei ein amerikanischer Film, hatten sich Leone und seine Mitarbeiter englische Pseudonyme zugelegt (Leone agierte beispielsweise als „Bob Robertson“ – eine Hommage an seinen Vater, der als Roberto Roberti bekannt gewesen war). Bei Für ein paar Dollar mehr (1965) wurden im Vorspann dagegen die richtigen Namen der Filmemacher genannt. Für diesen zweiten Film seiner – später so genannten – „Dollar-Trilogie“ stand ihm ein sehr viel höheres Budget (600.000 Dollar) zur Verfügung. Lee Marvin, Charles Bronson oder Henry Fonda sollten die zweite Hauptrolle neben Clint Eastwood spielen, konnten aber nicht verpflichtet werden, weshalb Leone den 40-jährigen Lee van Cleef engagierte, der bis dahin in zahlreichen Hollywood-Western (u. a. Zwölf Uhr mittags) in kleineren Nebenrollen aufgetreten war.
Eastwood trat erneut als unrasierter Revolvermann in Erscheinung und spielte einen Kopfgeldjäger, der mit seinem „Kollegen“ (van Cleef) eine Gaunerbande zur Strecke bringt. Wie schon der Vorgängerfilm wurde auch Für ein paar Dollar mehr hauptsächlich in der Gegend von Almería in Spanien gedreht und avancierte ebenfalls zu einem großen Kassenerfolg.
Leone war als Regisseur nun so etabliert, dass ihm für den letzten Teil der „Dollar-Trilogie“ ein Budget von 1,2 Millionen Dollar bewilligt wurde, was die Produktion eines epischen Westernfilms mit aufwendigen Szenenaufbauten und einer großen Zahl an Statisten ermöglichte. In Zwei glorreiche Halunken (1966) war Eastwood erneut als Kopfgeldjäger im Poncho zu sehen und jagte neben van Cleef (als sadistischem Bösewicht) und Eli Wallach (als mexikanischem Banditen) hinter einem Goldschatz her, der in den Wirren des Bürgerkriegs verlorengegangen war. Leones dritter Western wurde zu einem riesigen Kassenerfolg und avancierte im Lauf der Jahrzehnte zu einem beliebten Kultfilm. In der Internet Movie Database rangiert er auf der Liste der besten Filme auf Platz 10 und gilt dort als bester Western aller Zeiten (Stand: März 2023).