Die Serben (serbisch Срби Srbi, altserbisch: Сьрби, Einzahl Срб Srb Сьрб) sind eine südslawische Ethnie sowie die Titularnation und das Staatsvolk Serbiens. Die Serben in Bosnien und Herzegowina sind eines der drei „konstitutiven Völker“ von Bosnien und Herzegowina. Sie leben auch in Kroatien, Montenegro, Nordmazedonien, Slowenien und im Kosovo als autochthone Minderheiten. Aufgrund der über Jahrhunderte stattfindenden Auswanderung leben zahlreiche Menschen serbischer Abstammung in Westeuropa, Nordamerika, Südamerika und Ozeanien. Davon bezeichnen sich viele unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit als Serben der Diaspora. Eine Anzahl von Serben lebt heute zudem auch im deutschsprachigen Raum und Schweden, aber auch in Nordamerika und Australien. Die Serben sind mehrheitlich serbisch-orthodoxer Konfession. Sie sprechen die serbische Sprache, eine auf der westlichen Variante des neuštokavischen Dialekts basierende Dachsprache, in Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Montenegro deren ijekavische Varietät.
Die Bezeichnung Serben leitete sich wahrscheinlich von einem indoeuropäischen Wortstamm „srp“ her. Dieser bedeutete möglicherweise „Verwandter, Verbündeter“ oder „zum gleichen Stamm (Sippe) gehörender“.
Dazu würden z. B. das polnische Pasierb bzw. Pasierbica und das slowenische Paserbok für Halbbruder, Stiefsohn, Halbschwester, Stieftochter gehören, ebenfalls das ukrainische priserbiti sich anschließen.
Verwandt wäre auch das russische serbat (сёрбать) für säugen und das lateinische sorbere für fließen, trinken.
Die älteren Bezeichnungen der Sorben in der Lausitz dürften nach Heinz Schuster-Šewc Sorab oder Surb gelautet haben. Je nach Mundart wurde Serb um Bautzen bis Cottbus, Sarb nördlich von Cottbus bis nach Köpenick und Sorb um Dresden und westlich der Elbe ausgesprochen. Der Name sei zudem der Herkunft nach identisch mit dem der in Südosteuropa lebenden Serben.
Zahlreiche deutsche Ortsnamen wie Zscherben, Serbitz, Zerben, Serba, Sirbis, Serbitz, Altscherbitz oder Zerbst enthalten Hinweise auf Sorben/Serben und zeugen damit von der weit über 1000 Jahre währenden Präsenz dieses Ethnonyms. Weiterhin ist der Name in verschiedenen Varianten als deutscher oder sorbischer Familienname greifbar, so z. B. als Serbe, Serba, Serbin, Sorbe, Sarb, Sirb, Zerbe usw. Demnach versuchten sich verschiedene Ethnologen daran eine abschließende Etymologie zum Ethnonym zu entwickeln.
Die Geographie des Claudius Ptolemäus bezeichnet mit Σέρβοι (transkr. Serboi), nach Quelle Serber, einen Stamm im asiatischen Sarmatien, der am Unterlauf der Wolga zwischen dem Keraunischen und Hippischen Gebirge neben den Orinaiern und Valern siedelte. Hinweise, dass diese Serboi mit den Slawen etwas gemeinsam hatten, gibt es zurzeit keine.
Weiterhin erwähnt Ptol. eine Stadt Σερβίτιον (Serbition) bzw. Σέρβινου (transkr. Serbinou, Serbinos ), das in lateinischen Übersetzungen zu Servitium umgewandelt wurde. Letztere Deutungen der Koordinaten verschieben die Stadt aus dem heutigen Ungarn nach Gradiška im Nordwesten Bosniens.
Verschiedene Bezeichnungen für die Serben
Die Serben wurden im Mittelalter unterschiedlich benannt. Eine Eigenbezeichnung der Serben bzw. ihrer Herrschaft war Srblje, u. a. im De administrando Imperio als Serbloi (Σέρβλοι) wiedergegeben. Teilweise wurden sie auch Raszier (serb. Rašani/Rašćani, dt. Raschani/Raschtschani oder latinisiert Rassani) genannt, benannt nach dem in ihrer Herrschaft zentral gelegenen Gebiet Raška, das in lateinischen Schriftstücken auch als Rassa erscheint mit der Burg Ras in dessen Zentrum.
Eine bemerkenswerte Bezeichnung oströmischer Chronisten für die Serben war jedoch Triballer (Τριβαλλῶν). Sich auf die aus dem 5. Jahrhundert vor Christi Geburt durch den Vater der Geschichte Herodot erstmals festgehaltene Erwähnung dieser Triballer beziehend, der in seinen Historien eine Triballische Ebene (πεδίον τὸ Τριβαλλικὸν) erwähnt, die teilweise als Amselfeld (Kosovo polje) oder als Morawatal identifiziert wird, war diese Bezeichnung für die Serben bis ins späte Mittelalter in Byzanz ganz und gar üblich. Nach byzantinischen Quellen z. B. ließ sich Stefan Uroš IV. Dušan zum Kaiser der Romäer und Triballer ausrufen (βασιλέα έαυτὸν ἁνηγόρευε ῾Ρωμαίων καὶ Τριβαλλῶν). Im 15. Jahrhundert schrieb Laonikos Chalkokondyles über diese Triballer, womit die Serben gemeint waren, sie seien der älteste und größte Stamm des ganzen Erdenkreises. Derart „superativische“ Bezeichnungen wurden den Serben von verschiedenen mittelalterlichen Schriftstellern nachgesagt. Das zeigt die Tendenz dieser Chronisten, die Serben mit den Slawen als Ganzes gleichzusetzen, als slawischen Urstamm bzw. Überbegriff für alle Slawen.
Während der Türkenkriege kam es zu zahllosen Flüchtlingsströmen aus den serbischen Fürstentümern in die Habsburgermonarchie. Im deutschen und ungarischen Sprachraum entwickelte sich der Name Raitzen ab dem 18. Jahrhundert als Synonym für den Namen der christlich-orthodoxen Serben, und umgekehrt, da dieser von den Serben auch selbst getragen wurde. Zuerst diente der Name dazu, die Neuankömmlinge aus dem griechisch-orientalischen Gebiet von den damals (griechisch-/römisch-) katholischen bzw. alteingesessenen Schokatzen und Bunjewatzen zu unterscheiden. Bunjewatzen sind heute nur in Serbien eine anerkannte Minderheit. Die Zuordnung der Bunjewatzen zu einer anderen Volksgruppe ist umstritten. Der Name Raitzen geht wohl auf die Raschani (lat. Rassani) zurück. Die christlich-orthodoxen Serben wurden somit nördlich der Donau mitunter als Raitzen bzw. Raszier, Griechen, Altgläubige bzw. Starowizi, die Katholischen als Unierte, Schokatzen und Bunjewatzen bezeichnet. Das den Ortsnamen in Ungarn häufig vorgesetzte Rácz bezeugt den serbischen Ursprung.
Zweifelsfrei ist die Übereinstimmung des Namens der Serben mit dem Namen der Sorben, woraus auch die Theorie abgeleitet wird, dass die Serben und Sorben vom selben Stamm abkommen. Hierzu sind die Wurzeln der erwähnten Namen bei Cosmas von Prag (Bezeichnung Zribia für die Mark Meißen, Zribin) und in den Chroniken des Fredegar aufschlussreiche Beispiele:
Die Annales regni Francorum unterscheiden die Serben der Region Dalmatia und die Sorben in Mitteleuropa namentlich nicht voneinander. Sie werden als Sorabi bezeichnet. Nach Konstantin Jireček ist das /a/ in Sorabi das Resultat der Umschreibung eines vokalischen /r/, das im Kirchensl. mit /rъ/ umschrieben wird. Dass es sich beim Namen Sorabi um keine Sammelbezeichnung verschiedener Slawenvölker handelt, stützt die für den November 822 festgehaltene Bemerkung, die die Gesandten der Slawen aufzählt, die sich am Hof des Ludwigs des Frommen einfinden, darunter die Abodriten, Serben bzw. Sorben, Wilzen, Böhmer, Morawier, Praedecenti, wie die Awaren des Pannonien. Auch Konstantin Jireček, wie weitere slawische Slawisten sprechen von den Lausitzer Serben.
Hier scheint die erste Erwähnung des Ethnonyms im Kontext Südosteuropas für das Jahr 822 auf. Darin ist die Rede von Soraben, die einen großen Teil der Provinz Dalmatia besiedelten ((…) Sorabos, quae natio magnam Dalmatiae partem obtinere dicitur, (…)). An anderer Stelle für das Jahr 823 wird Ljudewit (Ljudević) erwähnt, der böswillig die Serben verlässt. (…) interitu Liudewiti, quod relictis Sorabis, (…)
Die übrigen Eintragungen werden den Lausitzer Serben (Sorben, Autonym: Serby, Serbja; Xenonym: Wenden) zugeordnet, die in den Annalen, wie die Serben, ebenso als Sorabi bezeichnet werden:
Jahr 806: Et inde post non multos dies Aquasgrani veniens Karlum filium suum in terram Sclavorum, qui dicuntur Sorabi, qui sedent super Albim fluvium, (…)
Jahr 816: Hieme transacta Saxones et orientales Franci expeditionem in Sorabos Sclavos, qui dicto audientes non erant, facere iussi imperata strenue compleverunt et contumacium audaciam non magno labore compresserunt.