An diesem Tag

Sepp Herberger

Deutscher Fußballspieler und -trainer

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Josef „Sepp“ Herberger (* 28. März 1897 in Mannheim-Waldhof; † 28. April 1977 in Mannheim) war ein deutscher Fußballspieler und -trainer. Als Spieler war er in den 1920er Jahren für die Vereine SV Waldhof Mannheim und VfR Mannheim sowie Tennis Borussia Berlin aktiv und wurde für zahlreiche Auswahl- sowie drei Länderspiele berufen. Berühmt wurde er als Reichs- bzw. Bundestrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, für die er von 1936 bis 1942 und von 1950 bis 1964 verantwortlich war. Der Höhepunkt seiner Karriere war der Gewinn des Titels der Weltmeisterschaft 1954, deren Endspiel als „Wunder von Bern“ in die Fußballgeschichte einging.

Herbergers Eltern, Josef und Lina Herberger, stammten aus einer ländlichen Gegend auf halber Strecke zwischen Karlsruhe und Mannheim. Josef Herberger (1856–1909), Sprössling einer Wiesentaler Bauernfamilie, musste sich als Tagelöhner verdingen, weil es für einen eigenen Hof nicht gereicht hatte. Auf dem Land herrschte in dieser Zeit Überbevölkerung, und wie viele Kleinbauern und Tagelöhner zog es Josef Herberger mit seiner jungen Frau Lina 1887 ins vierzig Kilometer entfernte Mannheim, wo die Industrie expandierte wie in keiner anderen Stadt im Großherzogtum Baden. Zur Familie gehörten zu diesem Zeitpunkt bereits vier Kinder: Die beiden Ältesten, Maria und Johann, stammten aus der ersten Ehe Josef Herbergers. Seine erste Frau war kurz nach der Geburt des ersten Sohnes gestorben. Die Mädchen Anna und Ida gingen aus der zweiten Ehe mit Lina Kretzler hervor, und als die Herbergers bereits auf dem Waldhof bei Mannheim lebten, kamen mit Berta (1888) und Josef (März 1897, also fast zehn Jahre später) zwei weitere Kinder hinzu.

Herbergers Vater fand in der Spiegelmanufaktur des französischen Glasfabrikanten Saint Gobain eine Anstellung als Arbeiter. Auch wenn die umliegende Siedlung mit den werkseigenen Wohnhäusern, Schule und Läden in unmittelbarer Nachbarschaft zur Fabrik als fortschrittliche Wohngegend galt, herrschten beengte und ärmliche Wohnverhältnisse in der Rue de France 171 (später in Spiegelstraße umbenannt): Die achtköpfige Familie hatte lediglich zwei Zimmer zur Verfügung. Sepp Herberger wuchs in einer verhältnismäßig übersichtlichen, fast dörflichen Umgebung auf. In der Spiegelkolonie lebten rund 630 Arbeitnehmer mit ihren Familien, die überwiegend aus katholischen und ländlichen Verhältnissen stammten. Er zählte in seinen ersten Schuljahren durchweg zu den Klassenbesten und wechselte nach dem vierten Schuljahr auf die Bürgerschule, einer Vorstufe zum Gymnasium. Am 21. August 1909 starb das Familienoberhaupt Josef Herberger im Alter von 53 Jahren an einer nicht ausgeheilten Grippe. Die Familie verlor daraufhin das Wohnrecht in der Werkssiedlung und zog mehrmals auf dem Waldhof um. Der zwölfjährige Sepp musste die Bürgerschule verlassen und zurück zur Volksschule, da seine Mutter außerstande war, das Schulgeld zu bezahlen.

1911 schloss Sepp Herberger die Schule ab und sorgte anschließend als Hilfsarbeiter auf dem Bau und in Industriebetrieben für seinen Unterhalt und den seiner Mutter – die älteren Geschwister hatten inzwischen eigene Familien gegründet. Über diese schwierige Zeit, in der er mit seiner Mutter am Rand des Existenzminimums gelebt haben muss, hat sich Herberger später nie geäußert. Aus Berichten von Zeitzeugen geht aber hervor, dass Lina Herberger zu den ärmsten Personen auf dem Waldhof gehörte. Im März 1916, kurz vor seinem 19. Geburtstag, wurde Herberger in die Armee eingezogen; im Gegensatz zu vielen Altersgenossen hatte er sich nicht freiwillig gemeldet. Nach der militärischen Grundausbildung am Heuberg auf der Schwäbischen Alb wurde Sepp Herberger zum Grenadierregiment Nr. 110 nach Mannheim versetzt. Seinen ersten Fronteinsatz hatte er im April 1917, an Kampfhandlungen war er nach eigenen Aussagen aber nie direkt beteiligt, vermutlich wurde er überwiegend im Stab sowie als Funker eingesetzt. Kriegsverletzungen und Gefangenschaft blieben ihm erspart, am 4. Januar 1919 kehrte Sepp Herberger wieder nach Hause zurück.

Die ersten Kontakte Sepp Herbergers mit dem Fußball fanden fernab des Exerzierplatzes statt, auf dem die ersten, in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts entstandenen Mannheimer Fußballvereine sonntäglich ihre Spiele austrugen. Die Jungen der Spiegelsiedlung hatten ihr Spielfeld zwischen zwei langgestreckten Häuserblocks mit hohen, fensterlosen Mauern; die Tore wurden mit Kreide auf die Wände gezeichnet. Bevor er in den Fußballverein eintrat, hatte Sepp Herberger erfolgreich beim TSV 1877 geturnt, der von Mitarbeitern der Spiegelfabrik gegründet worden war. Da sich die Turnvereine aber dem immer populärer werdenden Fußball gegenüber ablehnend verhielten, kehrten viele Jugendliche ihnen den Rücken und wandten sich den Sportvereinen zu. Die ersten Gehversuche in einem Fußballverein machte Sepp Herberger beim Katholischen Jugendverein (KJV) Mannheim, dem er im Alter von 14 Jahren angehörte. Den Karlsruher Nationalspieler Gottfried Fuchs, den Herberger 1909 zum ersten Mal in Mannheim spielen sah (Phönix Mannheim – Karlsruher FV 2:2), bezeichnete er später als das Idol seiner Jugend. Fuchs spielte wie Sepp Herberger im Sturm. Später, wahrscheinlich 1911, wechselte Herberger zum Sportverein Waldhof, der seit seiner Gründung 1907 zu einer wichtigen sozialen Institution im Mannheimer Arbeiterviertel herangewachsen war.

Nach nur wenigen Spielen in der dritten und zweiten Mannschaft durfte der erst 16-jährige am Neujahrstag 1914 erstmals für die erste Mannschaft des SV Waldhof auflaufen. Zur Stammbesetzung der „Ersten“, die 1913/14 in der A-Klasse erstmals Meister, anschließend auch Westkreismeister sowie süddeutscher Meister der A-Klasse wurde, gehörte Herberger vor dem Ersten Weltkrieg noch nicht. Sein erstes Pflichtspiel für den SV Waldhof bestritt er am 20. Juni 1915. An diesem Tag gelang den Waldhöfern im Rahmen einer „Frühjahrsrunde Mannheim/Ludwigshafen“ – ein geregelter Verbands-Spielbetrieb fand allerdings während des Krieges nur zeitweise statt – erstmals ein Sieg gegen den Stadtrivalen VfR Mannheim. Als Gegenspieler stand dem Stürmer Herberger ein Verteidiger namens Otto Nerz gegenüber. Es dürfte sich dabei um die erste Begegnung dieser beiden Männer überhaupt gehandelt haben, die ab 1926 als erster bzw. zweiter Trainer die deutsche Fußballnationalmannschaft über 40 Jahre lang geprägt und geformt haben.

Der sportliche Aufstieg des SV Waldhof, der sich kurz vor Kriegsbeginn angedeutet hatte, hielt nach Wiederaufnahme des Spielbetriebs 1919 an. Die Mannschaft, der Herberger nun als Stammspieler angehörte, qualifizierte sich problemlos für die neue höchste lokale Spielklasse im Odenwaldkreis. Im Rennen um die Meisterschaft 1919/20 lagen Waldhof und der VfR gleichauf. Das Entscheidungsspiel auf neutralem Platz des MFC Phönix 02 wurde zum bestbesuchten Fußballspiel, das die Stadt bis dahin erlebt hatte: Zehn- bis zwölftausend Zuschauer verfolgten am Rand des Spielfeldes, wie die Waldhöfer den VfR mit 4:1 besiegten. Für Sepp Herberger war dieses Spiel, das an seinem 23. Geburtstag stattfand, der erste Höhepunkt seiner Karriere, er steuerte drei Tore zu diesem Erfolg bei. Der SV Waldhof qualifizierte sich als Meister des Odenwaldkreises sowohl 1920 als auch 1921 für die Endrunde um die süddeutsche Meisterschaft, scheiterte hier aber jeweils am 1. FC Nürnberg, der nicht nur in Süddeutschland fußballerische Maßstäbe setzte, sondern anschließend auch Deutscher Meister wurde. Dennoch begeisterte auch die Mannschaft des SV Waldhof in jenen Jahren nicht nur ihre Anhänger, sondern auch die Berichterstatter. Diese schufen für das präzise Flachpassspiel auf hohem technischen Niveau den Begriff „Waldhofschule“. Der stärkste Teil der Mannschaft war der sogenannte „Drei-H-Sturm“, bestehend aus Sepp Herberger, Karl Höger und Willi Hutter. Am 18. September 1921 spielten die drei Mannheimer Angreifer gemeinsam in der Nationalmannschaft. Für Herberger war es die erste Berufung in die deutsche Auswahl, er erzielte zwei Tore beim 3:3-Unentschieden in Helsinki gegen Finnland.

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