An diesem Tag

Sepp Allgeier

Deutscher Kameramann und Fotograf

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Josef „Sepp“ Allgeier (* 6. Februar 1895 in Freiburg-Wiehre; † 11. März 1968 in Freiburg-Ebnet) war ein deutscher Bergsteiger, Skiläufer, Skispringer, Kameramann, Fotograf, Drehbuchautor, Filmdarsteller und Regisseur. Er gilt als Pionier und Star-Kameramann des Berg-, Sport-, Ski- und Naturfilms, zusammen mit Arnold Fanck als Erfinder des Bergfilms. Allgeier wirkte an wegweisenden filmischen Highlights ebenso wie an propagandistischen Filmproduktionen mit.

Sepp Allgeier gehörte zur Freiburger Schule, drehte den ersten deutschen Hochgebirgsfilm, den weltweit ersten abendfüllenden Skifilm und den vermutlich ersten Lehrfilm über das Bergsteigen. Er war wohl der erste Kameramann, der im Schnee auf Skiern, von einem Luftfahrzeug aus und in der Arktis drehte. Er entwickelte eine eigene Bildsprache und war maßgeblich an der hohen bildlichen Qualität ästhetischer und spektakulärer Bergfilme der 1920er Jahre beteiligt.

Sepp Allgeier, am Annaplatz in Freiburgs Stadtteil Wiehre in ein römisch-katholisches Elternhaus geboren, war der Sohn des aus Sinsheim an der Elsenz stammenden Maurermeisters Philipp Allgeier (1858–1933) und dessen Ehefrau Margarete (1862–1943), geborene Hasenfuß, aus Zeutern bei Bruchsal. Sepp hatte zwei Geschwister, Albert und Margarete. Der Vater nahm den fünfjährigen Sepp mit in den Schwarzwald, wo den Jungen die verschneiten Bergkuppen und Nadelbäume nachhaltig begeisterten. Der Schwarzwald blieb zeitlebens Allgeiers große Liebe.

Sepp Allgeier heiratete im Jahr 1931 in Freiburg im Breisgau Bertha (1910–1998), geborene Ebenho. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, darunter der 1943 geborene spätere Kameramann Hans-Jörg Allgeier.

Nach dem Abschluss der Volksschule, der Freiburger Lessingschule, begann er 1910 eine Lehre zum Textilzeichner bei der Weberei & Textilhandel August Gotthart in Freiburgs Schusterstraße. Dort lernte der 15-jährige Allgeier Stoffmuster zu entwerfen und wurde mit dem Rotationsdruck vertraut gemacht. Mit diesem Ausbildungsweg wurde er jedoch nicht recht glücklich, auch nicht als kurzzeitiger städtischer Mitarbeiter im Wohnungswesen. Es zog ihn vielmehr in die Natur; er wurde schon als Jugendlicher ein passionierter Bergsteiger und Skiläufer. Das Geld für seine ersten Schneeschuhe (so wurden Skier damals genannt), einen Schneeanzug und einen Rucksack verdiente er sich durch Botengänge für ein Geschäft in Freiburgs Kaiserstraße. Er betrachtete die Landschaft, zeichnete, malte, besaß ein gutes Auge und räumliches Vorstellungsvermögen, geeignete Voraussetzungen für einen späteren Kameramann und Fotografen.

Ab dem Jahr 1911 wurde er 16-jährig als Operateur (Kameramann) bei Bernhard Gottharts (1871–1950) Firma Express Films Co. m.b.H., die auch als Redaktion und Verlag »Der Tag im Film« – Erste deutsche tägliche kinematographische Berichterstattung, Freiburg i. Br. firmierte, tätig. Diese unterhielt für ihre tägliche Berichterstattung Agenturen in Amsterdam, Berlin, Budapest, Helsingfors, Kopenhagen, Kristiania, London, Moskau, Paris, Rostow am Don, Sofia, Stockholm und Wien. Der Unternehmer Bernhard Gotthart, der zwischen 1916 und 1919 mit Sepp Allgeiers Schwester Margarete verheiratet war, betrieb Lichtspielhäuser und wandte sich ab etwa 1908 auch der Filmproduktion zu. Mit Sepp Allgeier verband ihn eine Leidenschaft – der Skisport.

Am 1. Januar 1911 drehte Allgeier in Berlin den Aufstieg eines Luftschiffs von Schütte-Lanz und von diesem aus die Kaiserparade auf dem Tempelhofer Feld. Am 1. Januar 1912 durfte der noch nicht einmal 17-jährige Allgeier in Berlin bereits Kaiser Wilhelm II. und dessen sechs Söhne filmen, wobei er die sieben Herren des Hauses Hohenzollern erstmals vor einer laufenden Kamera zum Lachen gebracht haben soll. Grund dafür sei die unkonventionelle Bekleidung Allgeiers gewesen. Allgeier habe einen (vermutlich geliehenen) Frack und Zylinder mangels Geld mit einer knabenhaft wirkenden kurzen Hose kombiniert.

Im selben Jahr drehte er als einer der Pioniere des Genres der Bergfilme den ersten deutschen Hochgebirgsfilm Alpine Technik des Kletterns im Fels, den vermutlich weltweit ersten Lehrfilm über das Klettern im Hochgebirge. Vor ihm hatte nur ein Brite seine Kamera mit auf das Matterhorn genommen, aber Aufnahmen mitgebracht, die weder ästhetisch noch erhaben wirkten.

1913 nahm er mit Rudolf Biehler, Gerhard Graetz (1890–1977) und Bernhard Villinger an einer Hilfsexpedition des in Frankfurt am Main ansässigen Polarforschers Theodor Lerner nach Spitzbergen zur (vergeblichen) Rettung von Herbert Schröder-Stranz teil, die er trotz Kälte vier Monate lang filmisch dokumentierte. Auch dort betrat er als Kameramann filmisches Neuland. Danach schrieb die renommierte Frankfurter Zeitung über ihn: „Mehr als alle Lobsprüche verrät die vorzügliche Filmaufnahme, dass der 18-jährige Allgeier mit aller Überlegung und mit all seiner großen Kunst bei der Sache war.“

Im selben Jahr lernte er während einer Besteigung des Monte Rosa in den Walliser Alpen den enthusiastischen Geologen Arnold Fanck kennen. Als dieser als vorübergehender Teppichhändler seine erste eigene Filmkamera finanzieren konnte, brachte ihm Allgeier, längst ein Meister auf diesem Gebiet, deren Bedienung bei. Fanck engagierte Allgeier später für seinen Bergfilm Die Besteigung des Monte Rosa – 4628 Meter hoch auf Skiern, einer filmtechnischen Herausforderung unter vielen Gefahren.

Ebenfalls 1913 soll Allgeier eine filmische Reise durch Balkanländer unternommen haben, möglicherweise als Operateur bei Robert Isidor Schwobthaler (1876–1934) und Albert Herr (1890–1943), die durch den griechischen König Konstantin I. beauftragt worden waren, Film- und Fotoaufnahmen der Balkankriege zu machen. Dagegen wird seitens des Staatsarchivs Freiburg explizit ausgeführt, dass sich Allgeier zur Zeit des Zweiten Balkankrieges noch auf dem Rückweg von der Arktisexpedition befunden habe und daher nicht zeitgleich am Balkan gewesen sein könne.

Im Ersten Weltkrieg meldete sich der 19-jährige Allgeier freiwillig und wurde als Frontfotograf dem Generalkommando der 5. Armee unter Kronprinz Wilhelm von Preußen zugeteilt, das an der Westfront kämpfte. Dort fotografierte er Kameraden, damit diese die Aufnahmen an ihre Familien, Freundinnen und Ehefrauen versenden konnten, und dokumentierte in Flandern, in der Champagne und bei Verdun auch Soldatengräber, bevor diese von Granaten zerstört wurden. 1916 wurde Allgeier zum Gefreiten befördert und erhielt später das Eiserne Kreuz.

Nach Kriegsende zunächst arbeits- und mittellos, dann als Technischer Zeichner in einem Freiburger Architekturbüro angestellt, fungierte Allgeier zwischen 1920 und 1923 als Erster Kameramann der in Freiburg neu begründeten Berg- und Sport-Film G.m.b.H. mit Sitz in der Röderstraße 9. Deren Gesellschafter waren Rolf Bauer, Arnold Fanck, Odo Deodatus Tauern und ab 1921 auch Bernhard Villinger.

Die Kameraleute dieser Produktionsfirma, neben Allgeier auch Richard Angst, Albert Benitz, Kurt Neubert, Walter Riml und Hans Schneeberger, zunächst den harten Nachkriegsbedingungen entsprechend denkbar schlecht ausgestattet, experimentierten mit Kameras, Objektiven und Betrachtungswinkeln. Das bloße Abfilmen reichte ihnen nicht, sie wollten Berg, Skisport und den Menschen als Bezwinger in einen Zusammenhang, in ein Spannungsverhältnis bringen. Die Grandiosität der Bergwelt, deren Erhabenheit und Schönheit, sollte sich dem Betrachter der Filme vermitteln. Allgeier und Fanck entwickelten ständig neue Kameratechniken, „entfesselten“ die Kamera. Sie schnitten für die Objektive unterschiedlichste schwarze Masken zur Fokussierung, weil es noch keine Zoomfunktion gab. Allgeier und Fanck wurden auf diese Weise zu bedeutenden Ideengebern einer innovativen Kameraarbeit. Die so entstandenen Berg- und Skifilme waren Resultate von Expeditionen in häufig unerschlossene Gebiete, wurden unter schwierigsten Bedingungen und Lebensgefahr gedreht. Der am Feldberg im Schwarzwald gedrehte Film Das Wunder des Schneeschuhs hatte im Spätsommer 1920 als weltweit erster Skifilm in Berlins Scala vor rund dreitausend Zuschauern und Regierungsmitgliedern Premiere und wurde auch international sehr erfolgreich.

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