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Sendlinger Mordweihnacht

Schlacht des Spanischen Erbfolgekriegs

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Die Sendlinger Mordweihnacht, auch Sendlinger Blutweihnacht oder Sendlinger Bauernschlacht genannt, war eine kriegerische Auseinandersetzung in der Nacht zum 25. Dezember 1705 in Sendling bei München, in der bayerische Aufständische von Truppen der Reichsarmee unter dem Oberbefehl des habsburgischen Kaisers Joseph I. besiegt und völlig aufgerieben wurden. Die Truppen töteten dabei einen Teil der Aufständischen, die sich bereits ergeben und die Waffen niedergelegt hatten. Die Zahl der auf bayerischer Seite Getöteten kann man dank guter Quellenlage auf etwa 1100 beziffern, auf Seiten der Reichsarmee gab es etwa 40 Tote. Der Schlacht vorausgegangen war ein Versuch der Aufständischen, die Stadt München einzunehmen.

Exilierung des Bayerischen Kurfürsten

Mit dem Beginn des Spanischen Erbfolgekriegs scherte Bayern in einer aufsehenerregenden diplomatischen Aktion aus der Großen Haager Allianz der Republik der Vereinigten Niederlande, des Königreichs England und der meisten Territorien des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation aus. Im Konflikt, der zwischen Paris und Wien um die Krone Spaniens ausgefochten werden sollte, würde Bayern zu Frankreich halten. Die Entscheidung brachte das Land zwar in das frühere Bündnis zurück, das bis in die 1670er Jahre bestanden hatte; Kurfürst Max Emanuel hatte jedoch nach seinem Machtantritt 1678 selbst den Wechsel von Frankreich zum Erzherzogtum Österreich betrieben, weil er – mit einer Österreicherin verheiratet – auf eine politische Standeserhöhung gehofft hatte, wie sie vom Kaiserhaus in Wien ausgehen konnte. Die Belohnung hätte in Anbetracht des bayerischen Engagements im Türkenkrieg in einer Königswürde liegen können. Der Bündniswechsel von 1702 kam nach dieser Vorgeschichte als politischer Eklat Bayerns gegenüber den Territorien des Reichs und als Bruch des Bündnisses, das Max Emanuel selbst eingegangen war.

Der Spanische Erbfolgekrieg (1702–1712) sollte letzten Endes zwar einen annehmbaren Defensiverfolg Frankreichs erbringen, er endete für die bayerischen Truppen jedoch vorzeitig mit der Schlacht von Höchstädt, in der französische und Bayerns Truppen den Alliierten unterlagen. Für Frankreich bedeutete die Schlacht einen Einschnitt, für den kleineren Partner Bayern das militärische Aus. Max Emanuel wurde mit Reichsacht belegt und begab sich unter französischer Protektion nach Brüssel, wo er bereits in den 1690er Jahren als Statthalter der Spanischen Niederlande residiert hatte.

Die Regentschaft der Wittelsbacher ging vorübergehend in die Hände der bayerischen Kurfürstin Therese Kunigunde, bevor das Regiment des römisch-deutschen Kaisers in München einzog und die Stadt und die Territorien unter seine österreichische Hausmacht brachte.

Die Bedingungen, die Kaiser Leopold I. der bayerischen Kurfürstin im Vertrag von Ilbesheim zu Beginn des Machtvakuums gewährte, waren großzügig. Unter anderem blieb München unter ihrer unmittelbaren Herrschaft. Leopold I. wollte mit dieser Politik zeitraubende Kämpfe mit den Garnisonen in den bayerischen Städten vermeiden. Im Frühjahr 1705 verstarb jedoch Leopold I., und sein Sohn und Nachfolger Joseph I. ließ das bayerische Oberland und die Residenzstadt München besetzen. Er ließ außerdem die Steuern drastisch erhöhen und quartierte Truppen ein. Im Herbst 1705 wurde eine Zwangsaushebung im ganzen Kurfürstentum angeordnet. Die Soldaten der kaiserlichen Administrationen gingen bei der Rekrutierung und dem Eintreiben von Versorgungsleistungen äußerst brutal vor, worunter vor allem die Landbevölkerung zu leiden hatte.

Als Konsequenz kam es zu ersten Aufständen und Gewalttätigkeiten der von der Zwangsaushebung betroffenen Männer in der Oberpfalz, in Niederbayern und in der Gegend um Tölz, die bereits die Losung für die folgenden Revolten prägten: „Lieber bairisch sterbn [sterben], als wie kaiserlich verderbn [verderben]“. Anfang Oktober wurden bei Neunburg vorm Wald achtzehn Rekruten, die zur Armee abgeführt werden sollten, auf offener Straße befreit. Trotz des Einschreitens der kaiserlichen Truppen breiteten sich die Aufstände in Niederbayern und der Oberpfalz – im sogenannten Unterland – schnell aus.

Erste Erfolge des Aufstands und Braunauer Parlament

Mit der Ausbreitung der Revolten übernahmen verstärkt Offiziere, Adlige, Beamte und Handwerker die Führung der Aufständischen und gaben den Umsturzbestrebungen das Ziel, die Rentämter Bayerns zu übernehmen. Zunächst wurde Burghausen belagert, das sich am 16. Dezember 1705 den Aufständischen ergab, genauso wie kurz darauf Braunau. Diese beiden Städte wurden damit zu den militärischen und politischen Zentren der Aufstandsbewegung. Hier entstand auch das erste demokratische Gebilde des neuzeitlichen Europa, die sogenannte Gmein der Bürger und Bauern bzw. das „Braunauer Parlament“.

Nach diesen beiden Niederlagen versuchten die kaiserlichen Besatzer in Waffenstillstandsverhandlungen mit den Aufständischen zu treten, die eine Delegation unter Freiherr Franz Bernhard von Prielmayr nach München entsandten. Währenddessen eroberten die Aufständischen die Stadt Schärding und unter Führung des Matthias Kraus die Stadt Kelheim. Die inzwischen in Anzing bei München abgehaltenen Verhandlungen ergaben einen zehntägigen Waffenstillstand.

Die Zeit des Waffenstillstands nutzten die Aufständischen, im Besonderen Matthias Ägidius Fuchs und Georg Sebastian Plinganser, zur Ausarbeitung eines Plans, wie die kaiserliche Besatzungsmacht aus München vertrieben werden könnte. Die kaiserlichen Soldaten sollten im Norden Bayerns durch Aufstände gebunden werden. Die Aufständischen wollten sie dann im Südosten umgehen und in einem Sternmarsch auf München marschieren. Zugleich sollte die ehemalige Münchener Bürgerwehr die Aufständischen innerhalb der Stadtmauer unterstützen. Man beschloss, sich nicht an den Waffenstillstand zu halten und mit der Aktion so schnell wie möglich zu beginnen.

Die Münchener Verschwörer unter der Führung von Johann Jäger begannen umgehend mit den Vorbereitungen, während Fuchs die Aufständischen im Oberland mobilisierte. Am 19. Dezember 1705 rief Fuchs im Tölzer Patent alle Oberländer dazu auf, sich zu bewaffnen und sich bis zum 22. Dezember im Kloster Schäftlarn zu versammeln.

In diesem Tölzer Patent wurde behauptet, dass die kurfürstlichen Prinzen, die noch in München lebten, nach Österreich entführt werden sollten, was Fuchs durch ein gefälschtes Schreiben zu belegen versuchte. Zudem behauptete er, der Kurfürst Max Emanuel würde den Aufstand mittragen und so bald wie möglich zu den Aufständischen stoßen. Das Tölzer Patent diente vor allem dazu, patriotische Gefühle anzusprechen und eventuelle Legitimitätsbedenken auszuräumen. Wo dieser Appell an die Heimatliebe und Untertanentreue zur Mobilisierung des Volkes nicht ausreichte, half man mit Druck und Zwang nach. So drohte Johann Christoph Kyrein, Bürgermeister von Tölz, seinen Bürgern mit dem Entzug der Bürgerrechte, sollten sie sich dem Aufstand verweigern; im gesamten Land wurden Bauern vor die schwere Wahl gestellt, entweder ihre Söhne und Knechte mit den aufständischen Truppen ziehen oder ihre Höfe in Schutt und Asche legen zu lassen.

Am 21. Dezember 1705 fanden sich insgesamt 2769 Mann Fußvolk und etwa 300 Reiter mit völlig unzureichender Ausrüstung und Bewaffnung im Kloster Schäftlarn ein. Auch in München liefen letzte Vorbereitungen; Raketensignale sollten den Aufständischen außerhalb der Stadtmauern die Bereitschaft der Münchener anzeigen. Doch nun kam es zu ernsten Problemen: Der Verbindungsmann zwischen Ober- und Unterland, der Anzinger Postmeister Franz Kaspar Hierner, erschien nicht zum vereinbarten Treffen in München, die Verbindung zum Unterland war damit abgebrochen. Zudem musste sich der Anführer der Münchener Aufständischen, Jäger, der in München bereits durch die kaiserliche Administration überwacht wurde, zu den Oberländern absetzen. Hinzu kam noch, dass einige Städte und Gemeinden, die bereits Unterstützung der Aufstände zugesichert hatten, diese aus Angst vor Repressalien widerriefen.

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