Sejong (kor.: 세종; * 15. Mai 1397, Hanseong, Joseon; † 8. April 1450, ebenda) war während seiner Regierungszeit von 1418 bis 1450 der 4. König der Joseon-Dynastie (조선 왕조) (1392–1910) in Korea. Er gilt als der Erfinder des koreanischen Alphabets.
König Sejong wird als weisester und talentiertester König in der Geschichte Koreas angesehen und gehört neben König Gwanggaeto (광개토) von Goguryeo (고구려) zu den beiden einzigen Königen Koreas, die posthum mit dem Zusatz der Große geehrt wurden.
Sejong wurde am 15. Mai 1397 (10. April nach dem Mondkalender) im Bezirk Chunsu von Hanseong, der damaligen Hauptstadt des Joseon-Reiches, als dritter Sohn des Königs Taejong (태종) mit dem Namen Do (도) geboren. Seine Mutter war Königin Wongyeong (원경). Im Alter von zwölf Jahren ernannte ihn sein Vater zum Prinzen und er erhielt damit den Namen Chungnyeong (MCR Ch'ungnyŏng Hangeul 충녕 Hanja 忠寧). Vier Jahre später stieg er mit 16 Jahren in der Hierarchie am Hofe zum Großprinzen auf. Da sich sein Vater über das Verhalten seines Bruders, dem Erstgeborenen und zum Thronfolger ernannten Prinz Yangnyeong (양녕) erzürnt hatte, ernannte er ihn im Juni 1418 zum Kronprinzen. Zwei Monate später im August 1418 dankte König Taejong ab und Chungnyeong wurde im September 1418 inthronisiert. Der Name Sejong, der übersetzt so viel bedeutet wie: „epochaler Vorfahre“, wurde ihm aufgrund seiner Leistung für das Volk und die Wissenschaft allerdings erst nach seinem Tod verliehen. In der Geschichte fand er deshalb als König Sejong Eingang.
König Sejong war mit Königin Soheon (소헌) verheiratet und hatte mit ihr zusammen zehn Kinder, zwei Töchter und acht Söhne, von denen der Erstgeborene später als König Munjong (문종) sein Nachfolger und sein zweitgeborener Sohn später als König Sejo (세조) der 7. König Joseons wurde.
Während seines Lebens litt König Sejong an Diabetes und später an einer Lähmung. Auch der frühe Tod seiner Frau und einiger seiner Söhne setzten ihm zu. Doch trotz dieser Beeinträchtigungen regierte er das Land, leitete die sechs Ministerien des Landes, kümmerte sich um die Stärkung des Staates und seines Militärs, sorgte sich um die Verbesserung in der Landwirtschaft, war an Wissenschaft und Technologie interessiert und schuf nicht zuletzt das koreanische Alphabet.
König Sejong starb am 8. April 1450 und wurde zusammen mit seiner Frau Königin Soheon in der königlichen Grabanlage Yeongneung (영릉) in der Stadt Yeoju (여주) der Provinz Gyeonggi-do (경기도) bestattet. 1973 wurden Grabbeilagen dem Grab entnommen und in der Sejong Daewang Ginyeomgwan (세종대왕기념관 ‚Großen Erinnerungshalle‘) im Stadtteil Cheongnyangni-dong (청량리동) in Seoul ausgestellt.
König Sejong wird in der Literatur schon als Jugendlicher als intelligent, wissbegierig und fleißig beschrieben und in seiner späteren Rolle als König offen für neue Ideen und stets am weiteren Lernen interessiert. Obwohl zu seinen Lebzeiten ein Kult um ihn als König zelebriert wurde, der zum Beispiel darin bestand, dass wenn Sejong außerhalb seinen Palastes offiziell unterwegs war, die einfachen Leute ihre Fenster abdecken und, damit Anblicke des einfachen Volkes ihn nicht beeinträchtigen konnten, sie sich mit ihrem Rücken zu ihm drehen mussten, wurde ihm nachgesagt, dass er sein Volk liebte und sein Verständnis als König darin bestand, seinem Volk zu dienen und dafür zu sorgen, dass es ihm besser gehen würde. Er glaubte daran, dass die Menschen des Volkes die Wurzeln des Staates bildeten, und eine ausreichende Ernährung unentbehrlich dafür war, dass Menschen sich bilden und weise werden konnten. So hatte er ein starkes Interesse daran, die Landwirtschaft durch Wissenschaft und Technologie zu fördern und so die Ernährungssituation des Volkes zu verbessern.
Sejong war grundsätzlich am Wohlergehen seines Volkes interessiert und besaß als Herrscher die Fähigkeit zur Anteilnahme. So erließ er als Beispiel im November 1412 die Anordnung, Personen unter 15 Jahre und Ältere über 70 Jahre bei Vergehen nicht zu inhaftieren, da er eine Gefängnisstrafe als Martyrium ansah. Auch galt Sejong als sparsam in Bezug auf seine eigene Person. Wenn möglich, verwendete er bereits gebrauchtes Material, trug abgetragene Kleidung, wenn er sich inoffiziell im Palast aufhielt, und ließ den östlichen Teil des Gyonghoe-Pavillons mit einfachen Baumaterialien errichten.
König Sejongs herausragendste und wohl bekannteste Leistung war die Entwicklung eines koreanischen Alphabets (Hangeul) und der dazugehörigen Schrift. Im Winter 1443/44 machte er erstmals das von ihm entwickelte Alphabet bekannt und proklamierte es formal im Oktober 1446 als Hunminjeongeum (훈민정음), was als „Die richtigen Laute zur Unterweisung des Volkes“ übersetzt werden kann. Seine Beweggründe und Absicht zur Entwicklung des Alphabets wird durch das folgende ins Deutsche übersetzte Geleitwort zum Hunminjeongeum deutlich, in dem er schrieb:
Die Entwicklung des Alphabets benötigte über 10 Jahre, und König Sejong betrieb die wissenschaftliche Erforschung der koreanischen Sprache, seiner Laute und des Systems seiner Darstellung mit viel Engagement und bezog seine Kinder sowie wenige Eingeweihte am Hofe in seine Arbeit ein. Er sendete dreizehn Mal einen seiner Gelehrten nach China zum Phonologen Huang Tsan, um sich Rat zu holen, und war so beschäftigt mit seinem Projekt, dass seine Gelehrten am Hofe manchmal verzweifelten. Auch erntete er erheblichen Widerspruch und Widerstände unter seinen Gelehrten, die an der traditionellen Verwendung der chinesischen Schrift festhalten wollten.
König Sejongs Proklamation des Hunminjeongeum rief den einflussreichsten Gelehrten Choe Manri (최만리) auf den Plan, der die phonetische Schrift als etwas „Barbarisches“ brandmarkte und die Meinung vertrat, dass die chinesische Schrift als Privileg der herrschende Klasse erhalten bleiben sollte und nicht, wie König Sejong beabsichtigte, die Schrift dem Volk zum Erlernen zur Verfügung stellen wollte. Nach Sejongs Tod sollte sich das Hangeul zunächst nicht verbreiten, hielten die Gelehrten doch am Chinesischen fest. Unter König Yeonsangun (연산군) wurde die Schrift 1504 sogar verboten, erfuhr aber ab dem 17. Jahrhundert über die Literatur seine Wiederauferstehung.
König Sejongs Proklamation des Hangeul war lange Zeit verschollen und wurde 1940 durch Zufall in der Stadt Andong (안동) in seinem Original wiedergefunden. In Gedenken der Proklamation des Hangeul durch König Sejong wurde der 9. Oktober in Südkorea zum nationalen Feiertag erhoben.
Königliches Forschungsinstitut
Jiphyeonjeon (집현전) (Halle der versammelten Weisen), wie das königliche Forschungsinstitut genannt wurde und das König Sejong im März 1420 gegründet hatte, war auf dem Palastgelände angelegt und gab zunächst Raum für zehn Wissenschaftler, später über zwanzig, deren Aufgabe es war, in den unterschiedlichsten Fachbereichen zu forschen, Lösungen für die Fragen jener Zeit zu präsentieren und beratende Funktion für den König und der Regierung zu übernehmen. In den 36 Jahren seiner Existenz, beherbergte die Institution zu Spitzenzeiten 32 Wissenschaftler und gab rund 80 neue wissenschaftliche Werke in den Bereichen Politik, Geschichte, Literatur, Linguistik, Philosophie, Musik, Medizin, Landwirtschaft, Astronomie und weiteren Fachgebieten heraus. Die Institution erlangte trotz ihres relativ kurzen Bestehens Anerkennung und Ruhm und verweist auf zahlreiche Errungenschaften seiner Zeit, die heute einen wichtigen Bestandteil des kulturellen Erbes Koreas darstellen.
Da die Erträge aus der Landwirtschaft in den verschiedenen Regionen Joseons ungleich verteilt waren, ließ König Sejong im 10. Jahr seiner Regentschaft seine Experten jene Bauern nach ihren Anbautechniken befragen, die besonders gute Erträge erwirtschafteten. Zusammen mit dem Wissen, welche der fünf wichtigsten Ackerpflanzen für welche Böden am besten geeignet waren, ließ er die Landwirtschaft im Lande optimieren und die Anbaurotation einführen. Im Nongsa Jikseol (농사직설) (Landwirtschaft direkte Rede), das im Mai 1429 herausgegeben wurde, wurde all das zusammengetragene Wissen veröffentlicht. Neben den verschiedenen Anbaumethoden wurde auch die Verwendung von Düngemitteln in dem Werk ausführlich beschrieben. So konnte unter anderem die landwirtschaftliche Fläche, die zur Bearbeitung im Land zur Verfügung stand, von 923.000 Gyeol (Hanja 結) im Jahr 1404 auf 1.655.234 Gyeol in der Regierungszeit von König Sejong erhöht werden.