Sebastian Vettel (* 3. Juli 1987 in Heppenheim) ist ein ehemaliger deutscher Automobilrennfahrer und vierfacher Formel-1-Weltmeister.
Er startete von 2007 bis 2022 bei 299 Großen Preisen in der Formel 1 und gewann in der Saison 2010 als zweiter Deutscher nach Michael Schumacher und bislang jüngster Fahrer die Weltmeisterschaft. Mit der erfolgreichen Verteidigung des Titels 2011, 2012 und 2013 ist er einer von fünf Fahrern, die viermal in Folge Weltmeister wurden, dazu errang er 53 Siege, 122 Podestplätze und 57 Pole-Positions. Nach seinem Debüt Mitte 2007 bei BMW Sauber und den Anfängen bei Toro Rosso 2007 bis 2008 stand Vettel von 2009 bis 2014 beim österreichischen Team Red Bull Racing unter Vertrag. Von 2015 bis 2020 fuhr er für den italienischen Rennstall Ferrari. Von 2021 bis 2022 war er Stammfahrer bei Aston Martin. Am 28. Juli 2022 kündigte Sebastian Vettel seinen Rücktritt aus der Formel 1 zum Ende der Saison an.
Vettel kam durch seinen Vater Norbert zum Motorsport. Norbert Vettel war 13 Jahre hobbymäßig im Bergrennsport aktiv und verkaufte unter anderem sein Rennfahrzeug, um seinem Sohn den Einstieg in den Motorsport zu ermöglichen. Sein Vater hatte ihn bereits mit dreieinhalb Jahren seine ersten Runden im eigenen Kart drehen lassen und ihm zu Weihnachten ein 60-cm³-Bambini-Kart geschenkt, mit dem er auch seine ersten Kartrennen bestritt. Vettels Aussagen zufolge unterstützten ihn beide Elternteile, auch Mutter Heike, stets während seiner sportlichen Entwicklung. Vettel war bis 2002 im Kartsport aktiv und gewann unter anderem 2001 die europäische und deutsche Juniorenkartmeisterschaft.
Vettel wurde am Anfang seiner Karriere von seiner Familie unterstützt. Sie begleitete ihn im Wohnmobil oder Auto zu Kartrennen im europäischen Ausland. Obwohl seine Familie finanzielle Einschränkungen auf sich nahm, war Vettel früh auf die Unterstützung von außerhalb angewiesen. Seine ersten Sponsoren waren ein Alufelgen-Hersteller sowie ein Wodka-Importeur. 1998 nahm ihn der österreichische Getränkehersteller Red Bull in sein Förderprogramm auf.
Eine wichtige Rolle am Anfang seiner Karriere spielte auch der Kartsporthändler Gerhard Noack, der zuvor bereits Michael und Ralf Schumacher am Anfang ihrer Karriere gefördert hatte.
Erste Erfahrungen im Monoposto (2003–2007)
2003 wechselte Vettel in den Formelsport. In seiner Debütsaison startete er für Eifelland Racing in der deutschen Formel BMW. Er gewann fünf Rennen und wurde Vizemeister hinter Maximilian Götz. 2004 entschied er mit Mücke Motorsport den Meistertitel der deutschen Formel BMW für sich und stellte dabei mit 18 Siegen in 20 Saisonläufen einen Rekord auf.
2005 blieb Vettel bei Mücke Motorsport und wechselte in die Formel-3-Euroserie. Vettels Teamkollege wurde der Brasilianer Átila Abreu, der im Vorjahr hinter Vettel Vizemeister der deutschen Formel BMW geworden war. Vettel war seinem Teamkollegen überlegen und erzielte sechs Podestplätze. Ein Sieg blieb ihm allerdings verwehrt. Am Saisonende belegte er den fünften Gesamtrang. Beim Macau Grand Prix wurde Vettel in diesem Jahr hinter Lucas di Grassi und Robert Kubica Dritter. Außerdem nahm er an einer Veranstaltung der spanischen Formel-3-Meisterschaft teil und erzielte dabei eine Podest-Platzierung. 2006 bestritt Vettel seine zweite Saison in der Formel-3-Euroserie für den französischen Rennstall ASM Formule 3, der in der Vorsaison mit Lewis Hamilton die Meisterschaft gewonnen hatte. Vettel kämpfte mit seinem Teamkollegen Paul di Resta um den Meistertitel und musste sich ihm schließlich geschlagen geben. Somit wurde Vettel mit vier Siegen Zweiter. Außerdem nahm er an zwei Rennwochenenden der Formel Renault 3.5 teil, an denen er ein Rennen für sich entschied, und erhielt zudem in der Formel 1 einen Testfahrervertrag bei BMW Sauber, die ihn seit August 2006 als Freitagstestfahrer einsetzte. Bei seinem Debüt vor dem Großen Preis der Türkei erreichte er als jüngster Fahrer in der Geschichte der Formel 1 den ersten Platz des Freitagstrainings. Vettel selbst bezeichnete seinen ersten Einsatz bei einem Grand-Prix-Wochenende sechs Jahre später als „entscheidendsten Moment“ seiner Karriere. Beim Rennen der Formel Renault 3.5 im belgischen Spa-Francorchamps hatte Vettel in Raidillon einen schweren Unfall, bei welchem er sich den Zeigefinger der rechten Hand brach. Diese Verletzung gilt als Ursprung des sog. „Vettel-Fingers“. 2007 startete Vettel zunächst für Carlin in der Formel Renault 3.5. Von den ersten sieben Rennen entschied er eins für sich und stand insgesamt viermal auf dem Podest. Nach dem siebten Rennen verließ er die Serie, da er ein Formel-1-Stammcockpit erhalten hatte, als Gesamtführender. Am Saisonende belegte Vettel den fünften Platz mit 74 Punkten und lag damit noch vor seinem Teamkollegen Michail Aljoschin, der die gesamte Saison bestritt und 44 Punkte erzielt hatte.
Einstieg mit BMW Sauber und erste Erfolge mit Toro Rosso (2007–2008)
In der Formel-1-Weltmeisterschaft 2007 war Vettel zunächst als Test- und Ersatzfahrer für BMW Sauber tätig. Da der Einsatz eines dritten Fahrzeugs nicht mehr erlaubt war, musste jeweils einer der beiden Stammpiloten Nick Heidfeld und Robert Kubica das Cockpit während des ersten freien Trainings an Vettel abgeben. Nach Kritik der Betroffenen verzichtete BMW Sauber ab dem dritten WM-Lauf auf Vettels Einsatz als Freitagsfahrer.
Da Kubica beim Großen Preis von Kanada einen schweren Unfall hatte, meldete BMW Sauber Vettel als Einsatzfahrer für den Großen Preis der USA in Indianapolis. Somit gab er am 17. Juni 2007 sein Formel-1-Renndebüt. In seinem ersten Qualifying erreichte Vettel den siebten Startplatz. Im Rennen verlor er durch einen Bremsfehler mehrere Positionen, belegte aber dennoch den achten Platz und erzielte einen Weltmeisterschaftspunkt. Damit war er bis zum neunten Platz von Daniil Kwjat beim Großen Preis von Australien 2014 mit 19 Jahren und 350 Tagen der jüngste Fahrer, der in einem Rennen der Formel-1-Weltmeisterschaft in die Punkteränge fuhr.
Nachdem Vettel in den nächsten drei Rennen der Formel-1-Saison 2007 nicht zum Einsatz gekommen war, wurde er zum Großen Preis von Ungarn von der Scuderia Toro Rosso verpflichtet. Er ersetzte dort Scott Speed für den Rest der Saison. Voraussetzung dafür war die Freigabe Vettels durch BMW Sauber. Da es dabei zu Verzögerungen kam, musste Vettel das Grand-Prix-Wochenende in Ungarn bestreiten, ohne den Toro Rosso vorher jemals gefahren zu haben. Er wurde Teamkollege von Vitantonio Liuzzi.
Beim Großen Preis von Japan in Fuji, einem chaotischen Regenrennen, sorgte Vettel für Aufsehen, als er mit dem unterlegenen Wagen bis auf Platz drei vorstieß und das Rennen zwischenzeitlich sogar anführte. Während einer Safety-Car-Phase schied er nach einer Kollision mit Mark Webber aus. Lewis Hamilton hatte mit einem plötzlichen Bremsmanöver den Unfall provoziert, wurde allerdings nicht bestraft. Fünf Jahre später bezeichnete Vettel diese Kollision als größten Fehler seiner Karriere. Beim darauffolgenden Großen Preis von China in Shanghai ging Vettel von Startplatz 17 ins Rennen und beendete auf erneut nasser Strecke mit einer passenden Boxenstrategie das Rennen auf dem vierten Platz. Dies war die bis dahin beste Platzierung, sowohl für Vettel selbst als auch für Toro Rosso, das durch den achten Platz von Liuzzi beim Großen Preis der USA 2006 erst einen Punkt in seiner knapp zweijährigen Formel-1-Zugehörigkeit errungen hatte.
Für die Saison 2008 war Sébastien Bourdais, der zwischen 2004 und 2007 viermal in Folge die Champ Car World Series gewonnen hatte, Vettels neuer Teamkollege bei Toro Rosso. Vettel beendete die ersten vier Rennen nicht, Bourdais gelang es allerdings bereits beim Saisonauftakt die größere Konkurrenzfähigkeit anzudeuten. Er lag bis zu einem technischen Problem auf dem vierten Platz und wurde als Siebter gewertet. Mit dem fünften Platz in Monaco und weiteren Punkteplatzierungen überzeugte Vettel dann mit konstanter Leistung und ließ dabei nicht nur seinen Teamkollegen, sondern auch das eigentlich stärkere Schwesterteam Red Bull Racing regelmäßig hinter sich.