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Seattle

Stadt im US-Bundesstaat Washington

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Seattle ([sɪˈætəl] ) ist die größte Stadt im Nordwesten der Vereinigten Staaten. Das U.S. Census Bureau hat bei der Volkszählung 2020 eine Einwohnerzahl von 737.015 ermittelt.

Sie ist der Verwaltungssitz des King County im Bundesstaat Washington und liegt zwischen dem Puget Sound und dem Lake Washington, etwa 155 Kilometer südlich der Grenze zu Kanada. Neben Vancouver und Portland ist Seattle der Verkehrs­knotenpunkt und das wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zentrum in der Region des Pazifischen Nordwestens. Die Stadt stellt eine principal city der Metropolregion Seattle dar.

Die Stadt trägt die Beinamen The Emerald City („Die Smaragdstadt“), was eine Anspielung auf das viele Grün im Stadtgebiet und die großen Wälder ist (sie wird von den Einheimischen allerdings fast nie so bezeichnet), und Rain City – obwohl der Niederschlag geringer ist als in vielen anderen amerikanischen Städten. Der Spitzname kommt von den vielen wolkenreichen und regnerischen Tagen im Jahr. Von den Einheimischen wird sie auch als Jet City bezeichnet, was eine Anspielung auf die nahe gelegenen Boeingwerke ist.

Der Hafen von Seattle ist ein bedeutender Handelsknotenpunkt für den Handel mit Asien, Alaska und Hawaii. Die wichtigsten ansässigen Industrien sind die Luft- und Raumfahrt (Boeing), Eisen- und Stahlindustrie sowie die Holzverarbeitung. Als bauliches Wahrzeichen von Seattle gilt der für die Weltausstellung 1962 errichtete Turm Space Needle. Die Stadt ist Sitz der University of Washington.

Die Stadt wurde benannt nach Noah Sealth, Häuptling der Duwamish und Suquamish, besser bekannt unter dem Namen Häuptling Seattle.

Seattle liegt auf der Landenge zwischen dem Puget Sound und dem Lake Washington auf 47°37'35" n. B. und 122°19'59" w. L., im Schatten der westlich gelegenen Olympic Mountains; östlich schließen sich die Issaquah Alps und die Kaskadenkette an. Die Flüsse, Seen und Wälder waren einst sehr fruchtbar, so dass die ursprünglichen Bewohner eine der wenigen sesshaften Jäger-und-Sammler-Kulturen ausbildeten.

Die Stadt selbst ist sehr hügelig, wobei sich die größten Steigungen in der Altstadt befinden. Die Geografie des Downtown-Bezirks wurde über die Jahrzehnte stark verändert. War es zu Beginn der Besiedlung noch eine kurze, flache und überspülte Küste mit anschließendem Steilhang, flachte man den Steilhang ab und schüttete, um die regelmäßigen Überschwemmungen zu beenden, das Land an der Küste auf, so dass man heute im Downtown-Bezirk einen kontinuierlichen steilen Anstieg von der Küste vorfindet. Bei diesen Arbeiten entstand ein Netz unterirdischer Gänge und Keller, Seattle Underground.

Seattle wird neben Bergen und Hügeln vom Wasser dominiert. An der westlichen Seite erlaubt der Puget Sound einen Zugang zum Pazifik. Innerhalb der Stadt befinden sich mehrere Seen, wie etwa der Lake Washington und der Lake Union, die mit Kanälen verbunden sind. Die Stadt hat eine Fläche von 369,2 km2. 217,2 km2 davon sind Land, 152,0 km2 Wasser. Damit beträgt der Anteil des Wassers an der Fläche 41,16 %.

Die Stadt und ihre Umgebung erlauben aufgrund ihrer Lage von Wassersport über Wandern und Bergsteigen bis zu Wintersport eine Vielzahl von Freizeitaktivitäten.

Seattle befindet sich im Pazifischen Nordwesten auf einer geologisch aktiven Zone. Mehrere starke Erdbeben haben die Stadt in ihrer bisherigen Geschichte erschüttert:

Nur 83 Kilometer südöstlich liegt der Mount Rainier, ein 4.392 Meter hoher Schichtvulkan, der zuletzt 1854 ausbrach.

Das Klima ist maritim. Laut der Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger herrscht in Seattle ein Warm-Sommer-Mittelmeerklima (Csb). Es gibt (September bis Anfang Juni) sowohl feuchtes (humides) als auch trockenes (arides) Klima (Ende Juni bis Ende August). Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 11,2 °C. Die häufigen Niederschläge ergeben einen Jahresgesamtwert von 857 mm. Im Sommer regnet es fast gar nicht, dagegen fallen im Winter monatlich bis zu 140 mm Niederschlag. Die Temperaturen sind mild, was ein typisches Zeichen von Seeklima ist. Die niedrigsten Durchschnittswerte liegen bei etwa 7 °C, im Sommer erreichen sie zwischen Juni und September knapp die 20-°C-Marke. Durch die umliegenden Berge ist die Stadt vor starken Windböen geschützt. Im Winter kommt es nur zu schwachem Schneefall.

Als Geburtsstunde von Seattle wird die Ankunft der Familie Denny, der so genannten Denny Party, angesehen, die am 13. November 1851 am Alki Point landete. Sie siedelten im April 1852 an die windgeschütztere Elliott-Bucht, den heutigen Pioneer Square, um. Die ersten Pläne zur Gründung einer Ansiedlung (Town), die sog. Plats, wurden am 23. Mai 1853 eingereicht. Die entsprechenden ersten Katastergrenzen sind heute noch im Stadtbild abzulesen. Der erste Boom der Stadt basierte auf der Holzindustrie und dem Geld, das den Holzfällern unter anderem von geschäftstüchtigen Damen wie Mother Damnable aus der Tasche gezogen wurde. Die Stadtgemeinde Seattle hat mehrere Boom-Crash-Zyklen durchgemacht und Krisenzeiten erfolgreich für den Ausbau der Infrastruktur genutzt.

Die Gründung der Stadt (City) als solche datiert auf das Jahr 1869, die Benennung nach dem Indianerhäuptling Seattle war im Wesentlichen das Ergebnis des Betreibens von David Swinson „Doc“ Maynards, des ersten Arztes der Stadt.

Zwischen 1890 und 1910 versechsfachte sich die Bevölkerungszahl von Seattle. Am 6. Juni 1889 vernichtete ein Großbrand weite Teile der Stadt. Ein trockener Frühling und starke Winde behinderten den Kampf gegen die Flammen. Am Abend waren knapp 26 Hektar der Stadt zerstört. 1909 fand die Alaska-Yukon-Pacific-Ausstellung auf dem heutigen Campus der University of Washington statt. 1914 wurde eines der ersten Wahrzeichen von Seattle, der Smith Tower, eröffnet. Er war mit 159 Metern damals das höchste Gebäude westlich des Mississippi. 1919 fand in Seattle der erste Generalstreik des Landes statt.

Der Staat Washington verbot 1916 in der Prohibition Produktion und Verkauf von Alkohol, der darauf illegal aus Kanada eingeführt wurde. In Seattle wusste dies der Polizeioffizier Roy Olmstead für sich zu nutzen. Anfang 1920 begann er seinen Nebenerwerb als Schmuggler. Sogleich überführt, wurde er zum größten Alkoholschieber der Nordwestküste. Die Polizei und den Bürgermeister „Doc“ Brown stellte er mit Gegenleistungen ruhig. Diese hielten ihm dafür die Konkurrenz vom Hals. Da seine Leute unbewaffnet agierten und er kein Panscher war, sondern nur beste Qualität verschob, galt Olmstead gleichwohl als Ehrenmann. Seine Frau, eine Funkamateurin, las indes Kindergeschichten vor. So entstand die Legende, diese Geschichten hätten geheime Botschaften an das bis nach Mexiko reichende Schmuggleretz enthalten. Ab Januar 1926 in Seattle vor Gericht, blieb Olmstead auch durch die erstmals als Beweismittel anerkannte Telefonüberwachung in Erinnerung, die der Oberste Gerichtshof im Februar 1928 für zulässig erklärte.

Als Beginn des modernen Seattles wird die Weltausstellung Century 21 Exposition von 1962 gesehen, in deren Rahmen viele der Wahrzeichen der Stadt wie Space Needle, KeyArena (Coliseum), Pacific Science Center und Seattle Center Monorail entstanden. 1994 wurde ähnlich wie in Portland im Rahmen der Stadtplanung eine neue Urban Villages Strategy beschlossen. In ihr wurden die Bezirke festgelegt, die für eine weitere Konzentration und Intensivierung von Handel und Wirtschaft oder als Wohnbereich vorgesehen waren, die Ausgestaltung infrastruktureller Investitionen sowie der Erhalt des Stadtbildes und Landschafts- und Naturschutz bestimmt.

Im Dezember 1999 kam es am Rande der WTO-Konferenz in Seattle in der Stadt zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Globalisierungsgegnern und der Polizei.

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