An diesem Tag

Sean Scully

US-amerikanischer Maler und Grafiker irischer Herkunft

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Sean Scully (* 30. Juni 1945 in Dublin, Irland) ist ein irischer Maler, der ab dem Alter von vier Jahren in Großbritannien aufwuchs und 1983 die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm. Er lebt und arbeitet heute in Königsdorf in Oberbayern, Berlin, Barcelona und New York.

1949 zog die Familie Scully aus wirtschaftlichen Gründen von Dublin nach London um. Dort wuchs der junge Sean Scully in einem Arbeiterviertel in Süd-London auf und besuchte die örtliche Klosterschule. Die Gemälde in den katholischen Kirchen des Viertels beeindruckten ihn tief, sodass er im Alter von 9 Jahren das erste Mal beschloss, Maler zu werden. Der Weg dahin gestaltete sich jedoch nicht immer einfach. Im Teenageralter schwenkte sein Hauptinteresse zunächst zur amerikanischen Rhythm-and-Blues-Musik über, und er betrieb kurzzeitig einen eigenen Musik-Club.

Von 1960 bis 1962 absolvierte er eine Ausbildung als Drucker und arbeitete in einem Graphikdesign-Studio. Er nahm drei Jahre lang Abendunterricht an der Central School of Art in London, wobei er sich hauptsächlich der figurativen Malerei widmete. 1964 sah er in der Londoner Tate Gallery das Gemälde eines Stuhls von Vincent van Gogh, dessen Ausdruck tiefer Aufrichtigkeit ihn berührte und seinen Entschluss, Maler zu werden, erneut festigte.

Bald darauf begann er im Jahr 1965 sein Studium am Croydon College of Art in London. Dort interessierte er sich zunächst für Van Gogh, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff und Henri Matisse, bis er den abstrakten Expressionismus und Mark Rothko entdeckte. Dies stellte einen Wendepunkt in seinem frühen Schaffen dar. Von da an verließ er das Feld der figurativen Malerei und machte abstrakte Arbeiten. Diese bestehen zumeist aus sich überkreuzenden Linien und Farbbändern, die ein kompliziertes Gittersystem ergeben. Der Einfluss der Op Art ist in dieser Phase nicht zu übersehen.

1968 ging Sean Scully nach Newcastle upon Tyne im Norden Englands, wo er bis 1972 an der Newcastle University Kunst studierte. Dort war er einer der wenigen Studenten, die sich überhaupt noch mit Malerei beschäftigten, denn die Konzeptkunst und neue Medien hatten zu dieser Zeit Hochkonjunktur. Er blieb aber der Malerei treu. Als er 1972 mit Hilfe des John-Knox-Stipendiums für ein Jahr in die USA gehen konnte, begann er mit neuen Maltechniken zu experimentieren und Klebeband zu benutzen, sodass an den Rändern der Farbbahnen präzise und harte Kanten entstehen, die jedoch den Bildern jegliche Expressivität nehmen. Diese Art zu malen ist auch unter dem Begriff Hard-Edge-Painting bekannt.

Nach seiner Rückkehr nach England 1973 hatte er seine erste Einzelausstellung in der Londoner Rowan Gallery, die ausverkauft wurde. Er blieb zwei Jahre in England. 1975 bekam er das Harkness-Stipendium und zog nach New York um. Dort lebte er mit der Malerin Catherine Lee zusammen, die er 1978 heiratete.

New York: Die Straßenschluchten, die aus sich kreuzenden horizontalen und vertikalen „Linien“ bestehen, die industriellen Bauten und das dortige Licht – all das hatte großen Einfluss auf den Maler; ebenso die zu dieser Zeit in den Vereinigten Staaten vorherrschende Kunstform des Minimalismus sowie seine Freundschaft mit Robert Ryman.

Seine erste Einzelausstellung in New York hatte Sean Scully 1977 in der Duffy-Gibbs Gallery. In den Jahren darauf entstanden meist graue oder schwarze, beinahe monochrome Arbeiten, deren Komposition streng und reduziert ist. Diese Phase der „Black Paintings“ dauerte etwa fünf Jahre, bis nach und nach Farbe und Räumlichkeit in die Bilder zurückkehrten. Sean Scully hatte das Gefühl, den Minimalismus mit Expressivität anfüllen zu müssen. Er behielt seinen strengen Bildaufbau bei, hörte jedoch auf, Klebeband zu benutzen, sodass die Kanten der Farbbahnen weicher und lebendiger erscheinen. Der Pinselduktus wird auf der Bildoberfläche sichtbar. Indem mehrere Farbschichten übereinander gelegt werden, entsteht eine reiche, durchscheinende, in ihren Nuancen changierende Farbigkeit. Zu voller Reife brachte er seine neue Art zu malen in dem Bild Heart of Darkness, das jetzt im Chicago Art Institute hängt.

1983 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an, jedoch ohne seine irische abzulegen. Etwa zur gleichen Zeit kam sein 18-jähriger Sohn Paul aus Scullys erster Ehe bei einem Autounfall ums Leben.

1984 bis 1989 kann man als die Jahre des internationalen Durchbruchs bezeichnen. 1985 hatte er seine erste Einzelausstellung in den USA im Carnegie Museum of Art in Pittsburgh. Anschließend erwarben große Museen Bilder Sean Scullys. 1989 folgte die erste Einzelausstellung in einem europäischen Museum, in der Whitechapel Art Gallery, London, die anschließend in Madrid im Palacio Velazquez und in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München gezeigt wurde.

1990 wurden das erste Mal auch Photographien von Sean Scully veröffentlicht. 1994 richtete er sich ein Atelier in Barcelona ein. 1995 entstand die Serie der Floating Paintings. Dabei handelt es sich um dreidimensionale Gemälde auf Aluminiumblöcken, die von drei Seiten mit vertikalen Farbbahnen bemalt sind und mit nur einer schmalen Seite an der Wand befestigt werden. Die Objekte stehen also im rechten Winkel von der Wand ab und ragen in den Raum hinein. 1997 wurden Photographien von Sean Scully im Sala de Exposiciones Rekalde in Bilbao ausgestellt. 1999 richtete er sich ein neues Atelier im New Yorker Stadtviertel Chelsea ein.

Im Jahr 2000 wurde Sean Scully Ehrenmitglied des London Institute of Arts and Letters. 2001 zeigte das Haus der Kunst in München eine Retrospektive, im selben Jahr wurde er Mitglied von Aosdána, einer irischen Künstlervereinigung, die sich mit Literatur, Musik und bildender Kunst befasst. Von 2002 bis 2007 hatte er einen Lehrstuhl an der Akademie der Bildenden Künste München und richtete sich ein Atelier in Mooseurach bei Königsdorf ein. 2003 wurde ihm die Ehrendoktorwürde im Bereich bildende Künste vom Massachusetts College of Art in den USA verliehen.

Im selben Jahr ließ er sich von seiner zweiten Frau Catherine Lee scheiden und heiratete die Malerin Liliane Tomasko.

2005 bekam Sean Scully einen eigenen Raum im Irish Museum of Modern Art in Dublin. 2004/05 fertigte er ein Werk für die University of Limerick, Irland, eine 3,00 m hohe, 2,50 m breite und 30,5 m lange Mauer. Sie besteht aus weißen und schwarzen Steinquadern, die im Schachbrettmuster angeordnet sind. Der weiße Stein ist portugiesischer Kalkstein, der schwarze chinesischer Basalt. Die Skulptur steht am Haupteingang zum Universitätsgelände. 2006 zeigte das Metropolitan Museum of Art in New York eine Retrospektive des Werkes von Sean Scully. 2010 wurde der Dokumentarfilm Art comes from need von Hans A. Guttner über Scully in Santa Rosa uraufgeführt. Zuvor war Scully schon Gegenstand von Fernseh- und Kurzdokumentationen gewesen.

Im März 2016 wurde Scully mit dem Harper’s Bazaar Art International Artist of the Year Award ausgezeichnet. Seit 2016 unterhält er ein Studio im Berliner Stadtbezirk Reinickendorf. Im Rahmen des Berliner Gallery Weekend waren in den letzten Jahren mehrfach Arbeiten von Scully zu sehen.

Wenn man vor einem Gemälde von Sean Scully steht, sieht man zunächst einen klaren Bildaufbau, der aus verschiedenen Kombinationen von vertikalen und horizontalen Farbbahnen oder quadratischen Farbfeldern besteht. In manchen Arbeiten findet sich auch ein „Inset“, d. h. eine Leinwand, die einzeln gemalt und nachträglich in die größere Leinwand eingesetzt wurde, um mit deren Grundstruktur zu brechen, bzw. in Kommunikation zu treten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Reihe „Passenger“, die Ende der 90er Jahre entstand. Die früheren Werke waren außerdem oft aus mehreren singulär bearbeiteten Leinwänden verschiedener Größe und Tiefe zusammengesetzt. So entstand ein sehr massiver und beinahe objekthafter Bildcharakter. Eine ähnliche Wirkung haben auch die „Floating Paintings“, die 1995 und 1996 entstanden. Dabei handelt es sich um massive Bildträger aus Aluminium, die zwischen 0,5 cm und 24,5 cm tief sind und mit nur einer schmalen Seite an der Wand befestigt werden, die anderen drei sichtbaren Seiten sind bemalt. Die Farbe spielt eine sehr wichtige Rolle in Scullys Arbeit, da sie den größten Teil der Emotionalität und hohen Intensität liefert, mit der der Maler seine Bilder auflädt. Oft herrschen dunkle Farben und Erdtöne vor, die den Bildern einen Hauch von Melancholie und Tragik verleihen. So sagt Sean Scully in einem Interview mit Hans-Michael Herzog:

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