Scot Schmidt (* 21. Juli 1961 in Helena, Montana) ist ein US-amerikanischer Extremskifahrer. Zunächst als Skirennläufer aktiv, erlangte er ab Mitte der 1980er Jahre Bekanntheit als Star zahlreicher Skifilme, darunter vor allem Produktionen von Warren Miller und Greg Stump. Seinen bekanntesten Auftritt hatte er in Greg Stumps The Blizzard of Aahhh’s.
Scot Schmidt kam 1961 in Helena, Hauptstadt des Bundesstaates Montana, zur Welt und wuchs mit zwei Brüdern und einer Schwester im Vorort Montana City auf. Im Alter von vier Jahren begann er mit dem Skifahren, als seine Eltern nach einer gemeinsamen Familienbeschäftigung suchten. Ihre Winterwochenenden verbrachte die Familie fortan in Wintersportgebieten wie Belmont, Big Sky und Bridger Bowl. Als Highschool-Freshman trat Schmidt dem Bridger Bowl Ski Team bei und begann mit dem Rennfahren. Während der Schulzeit arbeitete er in einem Sportgeschäft in Helena und entdeckte neben dem Skifahren das Skateboarden und Surfen für sich.
1979 feierte der Bewunderer von Ingemar Stenmark und Franz Klammer mehrere Erfolge in der Northern Division des US-Skiverbandes. Er gewann unter anderem die Hancock-Cup-Abfahrt in Red Lodge sowie – nur wenige Stunden nach einem schweren Sturz – eine Abfahrt und einen Riesenslalom in Bridger Bowl. Nach dem Schulabschluss zog er auf Anraten seines Trainers nach Squaw Valley, Kalifornien, um von dort aus eine professionelle Laufbahn zu starten. Aufgrund fehlender finanzieller Mittel musste er jedoch fünf Tage in der Woche arbeiten, konnte nicht reisen, um an FIS-Rennen teilzunehmen, und lediglich am Wochenende trainieren. Neben seiner Arbeit in einem Skigeschäft betätigte er sich als Kurssetzer und Vorläufer für das NASTAR-Rennprogramm sowie als Reinigungskraft für das eigene Squaw Valley Ski Team. Außerdem versuchte er sich an der Seite des damaligen Weltrekordhalters Steve McKinney im Speedskiing. In Folge nachlassender Resultate und einiger heftiger Stürze gab er seine Ambitionen als Rennläufer nach drei Jahren in Kalifornien auf.
Noch während er im Rennsport aktiv war, erwarb sich Schmidt in Squaw Valley einen Ruf als Draufgänger, indem er an den Palisades, einer Reihe von Steilwänden im höchstgelegenen Bereich des Skigebiets, besonders schwierige Linien wählte und Sprünge mit hohem Luftstand ausführte. Sein Chef vermittelte ihn an einen Fotografen, der einige seiner Bilder an Skizeitschriften wie Powder verkaufte. 1983 stattete ihm ein Kamerateam von Warren Miller Films einen Besuch ab und filmte mehrere seiner Abfahrten im steilen Gelände. Warren Miller selbst war von dem Footage so beeindruckt, dass er den 22-Jährigen zu seinem nächsten Dreh einlud.
Sein Filmdebüt gab Schmidt mit Ski Time, worin er beim Springen über die Palisades und beim Befahren des Big Couloir am Lone Mountain in seinem Lieblingsskigebiet Big Sky zu sehen ist. Miller stellt ihn mit folgenden Worten vor: „This is Scot Schmidt. His parents raised him wrong.“ („Das ist Scot Schmidt. Seine Eltern haben ihn falsch erzogen.“) In den kommenden Jahren führten ihn die Dreharbeiten zu vier weiteren Warren-Miller-Produktionen unter anderem nach Europa, Argentinien und Neuseeland. Dabei fiel er vor allem durch seine bis zu 40 Meter weiten und 24 Meter hohen Klippensprünge auf. Zu jener Zeit unterschrieb er erste Sponsorenverträge mit Sportartikelherstellern wie K2, Salomon und The North Face.
1988 ließ sich Schmidt von Greg Stump für dessen fünften Film The Blizzard of Aahhh’s verpflichten. Zunächst skeptisch gegenüber dem exzentrischen Frühwerk Stumps, konnte ihn die Aussicht auf einen Dreh in Chamonix von dem Projekt überzeugen. Der Film, in dem Schmidt an der Seite von Mike Hattrup und Glen Plake auftritt, wurde ein großer Publikumserfolg und bescherte ihm neben Plake eine Einladung in die Today Show bei Bryant Gumbel. In den folgenden Jahren arbeitete er wiederholt mit Stump zusammen, drehte aber weiterhin auch mit Warren Miller und jungen Filmemachern wie Eric Perlman und Scott Gaffney. 1992 erschien der von Miller produzierte Dokumentarfilm The Scot Schmidt Story, der seinen Lebensweg von der Kindheit in Montana bis zum international bekannten Star des Extremskifahrens nachzeichnet. Ein Jahr später hatte Schmidt ein Engagement als Lichtdouble im Spielfilm Zwei Asse im Schnee. Nach fast 30 Produktionen legte er ab 1997 eine über zehnjährige Filmpause ein. Danach wirkte er an Dokumentationen wie Legend of Aahhh’s und McConkey mit und drehte 2013 mit Ticket to Ride ein letztes Mal vor dessen Tod mit Warren Miller.
Neben seiner Skifilmkarriere arbeitete Schmidt eng mit seinem Ausrüster The North Face zusammen. Als Designer und technischer Berater spielte er eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Bekleidungslinie „Steep Tech“, die sich später als Streetwear in der Hip-Hop-Szene etablierte. Ab 2003 war er außerdem an der Entwicklung des Modells „Stormrider“ des Schweizer Skiherstellers Stöckli beteiligt. 2007 kehrte er vollzeitig in seinen Heimatbundestaat Montana zurück und wurde Botschafter für den hochexklusiven Yellowstone Club im Skigebiet Big Sky. In dieser Funktion führt er wohlhabende Gäste wie Justin Timberlake durch die umliegenden Berge.
Scot Schmidt ist Vater von drei Kindern. Er lebt zeitweise in Santa Cruz, Kalifornien, wo er seinen Hobbys Motocross und Windsurfen nachgeht.
Scot Schmidt gilt als einer der ersten und bekanntesten Extremskifahrer der Vereinigten Staaten. Anders als sein exzentrischer Gegenpart Glen Plake wird er als „scheinbar ruhige, fast scheue“ Persönlichkeit beschrieben. Zu seinem optischen Markenzeichen wurde ein gelb-schwarzer Overall von The North Face, mit dem er in The Blizzard of Aahhh’s laut Peter Shelton herausstach wie eine „Hummel unter Stubenfliegen“. Schmidt selbst führt seine Popularität auf seinen unkonventionellen Fahrstil zurück, der sich durch sogenannte Smear turns auszeichnet. Auf Steilhängen verlagert er sein Körpergewicht auf den Berg- bzw. Innenski, hält die Hände tief und die Innenhüfte dicht an den Hang geschmiegt, während der Tal- bzw. Außenski bei ausgestrecktem Bein kaum den Schnee berührt. Mit hohen Geschwindigkeiten und Sprüngen, die vor allem zu Beginn seiner Filmkarriere ein Charakteristikum seines Skifahrens bildeten, weiß er aufgrund seiner Erfahrungen als Abfahrer gut umzugehen. Wie auch Plake lehnte Schmidt die Selbstbezeichnung als Extremskifahrer ab und verwies diesbezüglich auf die Unternehmungen Patrick Vallençants oder Jean-Marc Boivins.
2006 listete ihn die Zeitschrift Powder, die ihn als „(the) original freeskier“ bezeichnete, unter die 48 einflussreichsten Skisportler der letzten 35 Jahre. 2013 wurde er gemeinsam mit den Freestyle-Skiern Toby Dawson und Kris Feddersen in die U.S. Ski and Snowboard Hall of Fame aufgenommen.
2009: Aufnahme in die Helena Sports Hall of Fame
2013: Aufnahme in die U.S. Ski and Snowboard Hall of Fame