Der Schwarze Mai (thailändisch พฤษภาทมิฬ, RTGS Phruetsapha Thamin; thamin kann auch als „grausam“ übersetzt werden) war ein politischer Konflikt in Thailand im Mai 1992. Dabei protestierte eine Oppositionsbewegung, hauptsächlich getragen von der städtischen Mittelschicht, gegen die vom Militär gestützte Regierung von General Suchinda Kraprayoon. Diese versuchte wiederum, die Proteste gewaltsam niederzuschlagen, wobei nach offiziellen Angaben 52 Menschen starben und hunderte verletzt wurden. Rund 3500 Demonstranten wurden inhaftiert, wobei einige behaupteten, gefoltert worden zu sein; mehrere „verschwanden“ und tauchten nie wieder auf, weshalb alternative Schätzungen von bis zu 200 Toten ausgehen.
Ab 1988 hatte Thailand nach zwölf Jahren der Militärherrschaft und „Halbdemokratie“ wieder eine gewählte Regierung unter Chatichai Choonhavan. Diese investierte stark in die Infrastruktur. Einige ländliche Gegenden wurden in dieser Zeit erstmals an das Elektrizitäts- und Telefonnetz angeschlossen. Das Wirtschaftswachstum betrug bis zu 13 % pro Jahr. Allerdings wurde die Regierung durch erhebliche Korruptionsvorwürfe belastet. Mehreren Regierungsmitgliedern wurde vorgeworfen, sich oder ihnen nahestehenden Geschäftsleuten lukrative öffentliche Aufträge zugeschanzt zu haben und sich so bereichert zu haben. Kritiker sprachen vom „Buffet-Kabinett“, weil sich die Regierungsmitglieder an öffentlichen Geldern selbstbedienten wie an einem Buffet. Zugleich beschnitt die Regierung die Militärausgaben. Die Opposition warf ihr vor, ihre Rechte zu missachten und eine „parlamentarische Diktatur“ zu errichten.
In dieser Situation putschte im Februar 1991 die Militärführung um den Oberkommandierenden der Streitkräfte Sunthorn Kongsompong, den Oberkommandierenden des Heeres Suchinda Kraprayoon sowie eine Clique von dessen Klassenkameraden aus dem 5. Jahrgang der Chulachomklao-Militärakademie, einschließlich Issarapong Noonpakdi (Suchindas Schwager) und Kaset Rojananil. Sie nannten sich „Rat zum Schutz von Ruhe und Ordnung der Nation“ (englisch meist National Peace Keeping Council, NPKC, genannt), versprachen Reformen wie eine Bekämpfung des Stimmenkaufs und beschlagnahmten Vermögenswerte von angeblich „ungewöhnlich reich“ gewordenen Regierungsmitgliedern. Die Putschisten ernannten eine 292-köpfige Nationalversammlung aus Militärs und ihren Unterstützern, die eine neue Verfassung beschließen sollte. Als Übergangs-Premier setzten sie zunächst den parteilosen Zivilisten Anand Panyarachun ein.
Am 19. April schlossen sich 19 Nichtregierungsorganisationen – Gewerkschaften, Akademiker-, Frauenverbände, Initiativen zur Armutsbekämpfung sowie der Studentenbund Thailands – zur „Kampagne für Volksdemokratie“ (Campaign for Popular Democracy, CPD) zusammen. Diese wandte sich gegen die Militärherrschaft und für eine demokratische Verfassung. Der Verfassungsentwurf der Nationalversammlung sah hingegen einen machtvollen, von der Junta ernannten Senat neben dem gewählten Repräsentantenhaus vor sowie die Möglichkeit, Personen in Regierungsämter zu berufen, die nicht ins Parlament gewählt worden waren. Dagegen regte sich bereits im November 1991 Protest, als über 70.000 Menschen auf dem Sanam Luang in der Bangkoker Altstadt demonstrierten. Dies war die größte politische Versammlung seit dem Massaker an der Thammasat-Universität im Oktober 1976. General Suchinda versprach daraufhin ebenso wie Kaset, selbst keine Regierungsämter anzustreben, auch wenn dies unter der neuen Verfassung möglich wäre. König Bhumibol Adulyadej drängte darauf, den Entwurf anzunehmen, und die Verfassung trat am 9. Dezember 1991 in Kraft.
Anschließend wurde am 22. März 1992 gewählt. Die Wahl war jedoch keineswegs sauberer und fairer als die vorangegangene. Auch bei dieser Wahl wurde nach Schätzungen des offiziellen Wahlbeobachtungs-Ausschusses landesweit die Hälfte der Stimmen gekauft, in der ärmeren Nordostregion sogar 70–90 Prozent. Die gezahlten Summen seien sogar gegenüber früheren Wahlen noch gestiegen. Es gewann die der Militärjunta nahestehende, erst kurz vor der Wahl gegründete Samakkhi-Tham-Partei („Eintracht und Recht“ oder „Eintracht in Tugend“), der sich lokal einflussreiche Beamte und Unternehmer angeschlossen hatten. Sie bildete eine Koalition mit weiteren opportunistischen Parteien, darunter ironischerweise auch die Chart-Thai-Partei und die Soziale Aktionspartei, gegen die sich der Putsch gerichtet hatte und deren Anführer die Junta wegen ihres „ungewöhnlichen Reichtums“ angeprangert hatte. Gegen den Vorsitzenden der Samakkhi-Tham-Partei und designierten Regierungschef Narong Wongwan wurden nach der Wahl Gerüchte laut, er sei in Drogengeschäfte verwickelt. Obwohl er dies zurückwies, verzichtete er auf das Amt. Stattdessen wurde General Suchinda Kraprayoon als Ministerpräsident nominiert, entgegen seinem früheren Versprechen, kein Regierungsamt anzustreben. Er beendete seine Militärkarriere und wurde am 7. April vom König vereidigt.
Bereits am Tag nach Suchindas Amtsantritt, dem 8. April, trat der ehemalige Parlamentsabgeordnete Chalard Vorachart in einen Hungerstreik, den er erst beenden wollte, wenn Thailand wieder einen demokratisch gewählten Regierungschef hätte. Regierungskritische Bürger begannen Chalard an seinem Sitzplatz in der Nähe des Parlamentsgebäudes zu besuchen und es kam täglich zu kleineren Demonstrationen. Die von der Regierung kontrollierten Medien, darunter alle Fernsehsender, berichteten zunächst nicht von den Protestaktionen, während unabhängige Zeitungen diesen großen Raum gaben. Als Antwort wurde am Auto von Suthichai Yoon, dem Herausgeber der oppositionsnahen The Nation, die Windschutzscheibe eingeschlagen, während der Oppositionspolitiker Chuan Leekpai von der Demokratischen Partei über Todesdrohungen klagte. Bei der konstitutiven Sitzung des Repräsentantenhauses am 16. April trugen einige Abgeordnete der Opposition schwarze Armbinden, um ihrer „Trauer um die thailändische Demokratie“ Ausdruck zu verleihen.
Am 20. April nahmen bereits etwa 50.000 Bürger an den Protesten teil. Am 25. April riefen die CPD, der Studentenbund und die vier Oppositionsparteien (Demokraten, Partei der Neuen Hoffnung, Palang-Dharma-Partei und Solidaritätspartei) zu einer neuen Massenversammlung auf, an der geschätzt 100.000 Menschen teilnahmen. Unterdessen hatten oppositionsnahe Zeitungen begonnen, die Parteien der Regierungskoalition als „Parteien des Teufels“, die Oppositionsparteien hingegen als „Engels-Parteien“ zu bezeichnen. Dies bürgerte sich in Folgezeit als Bezeichnungen für die beiden Konfliktseiten ein. Da ein großer Teil der Regierungskritiker aus jüngeren, städtischen Mittelschichtsangehörigen bestand, die sich zur Organisation der Versammlungen damals moderner Kommunikationsmittel wie Mobiltelefonen, Pagern und Faxgeräten bedienten, kursierten für die Protestierer auch spöttische Bezeichnungen wie „Mob der Mobiltelefone“, „Yuppie-Mob“, „Limousinen-Mob“ oder „joghurttrinkender Mob“.
Am 1. Mai fanden in Bangkok zwei separate Feiern zum Tag der Arbeit statt, eine von der Regierung organisierte und eine von unabhängigen Gewerkschaften. Nach 24 Tagen des Hungerstreiks brach Chalard Vorachart zusammen und wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Seine Tochter Jittravadee nahm aber seine Position ein und setzte den Streik fort. Chalards Kollaps trug zu einer Ausweitung der Proteste bei, am 4. Mai versammelten sich wiederum um die 100.000 Demonstranten.
Am 5. Mai schloss sich auch Chamlong Srimuang – Mitglied der streng religiösen Santi-Asoke-Sekte, Vorsitzender der Palang-Dharma-Partei (die in Bangkok 32 der 35 Wahlkreise gewonnen hatte) und von 1985 bis Januar 1992 Gouverneur von Bangkok – an und schwor, sich zu Tode zu fasten, sollte Suchinda nicht zurücktreten. Chamlong, der selbst bis 1985 Offizier gewesen war, aber einer mit Suchindas 5. Jahrgang rivalisierender Clique (den Jungtürken) angehört hatte, trat als Vorsitzender der Palang-Dharma-Partei zurück, um sich dem außerparlamentarischen Protest zu widmen. Auf ihn konzentrierte sich die mediale Aufmerksamkeit und er wurde zum wichtigsten Gesicht der Oppositionsbewegung. Weitere prominente Demokratieaktivisten schlossen sich dem Hungerstreik ebenfalls an, darunter Prateep Ungsongtham, eine Aktivistin für die Rechte von Slumbewohnern; der Jurastudent und Generalsekretär des Studentenbundes Prinya Thaewanarumitkul; der Medizinprofessor Sant Hathirat; sowie Gewerkschaftsvertreter.