An diesem Tag

Schleswig-Holstein (Schiff, 1908)

Fünftes und letztes Schiff der Deutschland-Klasse der Kaiserlichen Marine

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Das Linienschiff Schleswig-Holstein war das fünfte und letzte Schiff der Deutschland-Klasse der Kaiserlichen Marine. Es lief am 17. Dezember 1906 auf der Germaniawerft in Kiel vom Stapel. Am 6. Juli 1908 wurde es in Dienst gestellt und dem II. Geschwader zugeordnet, das auch an der Skagerrakschlacht teilnahm. Das veraltete Linienschiff wurde nach dem Ersten Weltkrieg dem Deutschen Reich belassen und diente in der Reichsmarine und später in der Kriegsmarine von 1926 bis 1936 als Flottenflaggschiff und danach als Kadettenschulschiff.

Die von ihr am 1. September 1939 vom Hafenkanal in Danzig begonnene Beschießung der Westerplatte gilt als der Beginn des Zweiten Weltkrieges.

Das Schiff ähnelte noch stark der vorhergehenden Braunschweig-Klasse. Mit einer Maximalverdrängung von etwas über 14.000 t war es kleiner als zeitgenössische Schiffe anderer Seemächte.

Als Hauptbewaffnung führte die Schleswig-Holstein vier 28,0-cm-Geschütze in zwei Zwillingstürmen in der damals üblichen Aufstellung vorn und achtern. Im Gegensatz zu den Linienschiffen anderer Nationen wurde bei der Deutschland-Klasse kein halbschweres Zwischenkaliber eingeführt, man blieb bei der einheitlichen Mittelartillerie vom Kaliber 17 cm. Die 14 Geschütze waren alle in Kasematten aufgestellt. 20 8,8-cm-Geschütze zur Abwehr von Torpedobooten und sechs Unterwasser-Torpedorohre (eines im Bug, eines im Heck und je zwei in der Breitseite) vervollständigten die Bewaffnung.

Die Panzerung war gegenüber der Braunschweig-Klasse etwas verstärkt.

Als Antrieb dienten drei Verbunddampfmaschinen mit dreifacher Dampfdehnung, die von zwölf kohlegefeuerten Dampfkesseln gespeist wurden. 1915 erhielten die Kessel eine Ölzusatzfeuerung.

Der am 17. Dezember 1906 unter der Aufsicht von August Müller stattfindende Stapellauf des Vermehrungsbaues „Linienschiff Q“, Baunummer 113, war ein gesellschaftliches Großereignis auf der Kieler Germaniawerft, weil die Schleswig-Holstein von der aus dem Hause Schleswig-Holstein stammenden Kaiserin Auguste Victoria getauft wurde und ihr Bruder Ernst Günther die Taufrede hielt. Anwesend waren nicht nur der Kaiser, sondern auch Admiral Alfred Tirpitz und der Inhaber der Firma Krupp, zu deren Firmengruppe die Germaniawerft gehörte, Gustav Krupp von Bohlen und Halbach mit seiner Ehefrau Bertha.

Als das Schiff am 6. Juli 1908 in den Dienst kam, waren die nach dem Flottengesetz geforderten zwei Linienschiffsgeschwader erstmals aufgefüllt. Das letzte deutsche Einheitslinienschiff demonstrierte aber auch, dass der Bestand veraltet war, da die britische Dreadnought bereits seit 18 Monaten im Dienst war und sich mit der Nassau-Klasse auch für die Kaiserliche Marine ähnliche Schiffe im Bau befanden.

Das Schiff trat am 21. September 1908 zum II. Geschwader und nahm im Juli 1909 an der zweiten Flottenreise in den Atlantik teil und besuchte vom 18. bis 26. Juli Ferrol. Im März 1910 stellte die Schleswig-Holstein einen neuen Rekord in der Übernahme von Kohlen für die Kaiserliche Marine auf, als sie 700 Tonnen in 85 Minuten mit einer Durchschnittsleistung von 493,8 t/h übernahm. Sie nahm bis 1914 an allen Manövern und den Flottenreisen teil und besuchte so Norwegen in den Jahren 1910, 1911, 1913 und 1914. 1912 fiel die Flottenreise wegen der Marokkokrise aus, die letzte Flottenreise endete (verkürzt) unmittelbar vor der Mobilmachung. Das noch nach Kiel zurückgekehrte II. Geschwader verlegte bei der Mobilmachung durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal in die Elbemündung.

Unter den Seeleuten wurde das Schiff liebevoll als „Sophie X“ bezeichnet.

Das in der Elbemündung liegende Geschwader wurde beim ersten Seegefecht bei Helgoland zu spät alarmiert, um eingreifen zu können. Ein im November geplanter, eigenständiger Einsatz des Geschwaders in der Ostsee gegen Libau wurde auf der Höhe von Bornholm „wegen U-Boot-Gefahr“ vom Kaiser untersagt.

Das Geschwader gehörte zu den Deckungskräften bei den verschiedenen Flottenunternehmungen, so am 15./16. Dezember 1914, am 21./22. April (Gefecht auf der Doggerbank), am 11./12. September 1915, am 5. bis 7. März und am 24./25. April 1916. Bei allen Vorstößen hatte das II. Geschwader keinen Gefechtskontakt.

Im April 1916 wurden auf der Schleswig-Holstein auch zwei 8,8-cm-Flugabwehrgeschütze installiert. Der Einsatz des Geschwaders bei der Hochseeflotte erschien dem Flottenchef nicht mehr sinnvoll wegen der geringen Geschwindigkeit und des geringen Schutzes der Schiffe. Am 18. März war die Lothringen als erstes Schiff des Geschwaders außer Dienst gestellt worden, um für die „Sundbewachung“ unter Ausbau der schweren Artillerie umgebaut zu werden. Für diese Aufgabe stellte das Geschwader seitdem regelmäßig ein Schiff ab.

In der Skagerrakschlacht am 31. Mai 1916 wurde nach anfänglichen Bedenken das II. Geschwader nach Drängen seines Kommandeurs Franz Mauve doch zum Vorstoß der Hochseeflotte herangezogen. Es verließ um 1:45 Uhr die Elbmündung und nahm um 4:45 Uhr den Platz hinter den Großlinienschiffen ein. Die sechs Schiffe des Geschwaders (Deutschland, Pommern, Schlesien, Hannover, Hessen und Schleswig-Holstein) waren die einzigen Einheitslinienschiffe auf beiden Seiten. Die Schiffe hatten Mühe, die Geschwindigkeit des Verbandes der Hochseeflotte zu halten, und waren bei Gefechtsbeginn zurückgefallen. Die von Reinhard Scheer befohlene erste Gefechtskehrtwende, bei der alle Schiffe fast gleichzeitig um 180° wendeten, sollte auch sicherstellen, dass die alten Schiffe nicht zurückblieben. Tatsächlich gerieten sie dann im weiteren Verlauf der Schlacht mehr in die Mitte der deutschen Schlachtreihe. Die Schleswig-Holstein war anfangs eines der letzten Schiffe in der Kiellinie der Schlachtflotte und bekam nur gelegentlich Berührung mit britischen Einheiten. Gegen 21:25 Uhr geriet das Geschwader unter Beschuss der britischen Schlachtkreuzer, ohne seinerseits den Gegner zu sichten. Nur Hessen, Hannover und Deutschland haben mit 20, 8 und 4 Schuss das Feuer beantwortet. Die Schleswig-Holstein, die selbst nicht schoss, erhielt einen schweren Treffer einer 34,3-cm-Granate von der Princess Royal oder einer 30,5-cm-Granate von der New Zealand in die sechste 17-cm-Kasematte auf der Backbordseite. Dabei wurden drei Mann getötet und weitere acht verwundet. Ab 0:50 Uhr gerieten Schlesien und Schleswig-Holstein als letzte Schiffe noch weiter achteraus, da sie dem torpedierten Kleinen Kreuzer Rostock ausweichen mussten. In den Morgenstunden erfolgten Angriffe britischer Zerstörer, die das weiter vorn fahrende Schwesterschiff Pommern mit Torpedos versenkten, die mit ihrer gesamten Besatzung von 839 Mann verlorenging. Die Schleswig-Holstein verfeuerte nach 4 Uhr 20 Schuss der Mittelartillerie auf vier erkannte Zerstörer und traf einen mehrfach. Ihre schwere Artillerie kam vor allem mangels erkennbarer Ziele überhaupt nicht zum Einsatz.

Nach der Schlacht wurden die Schleswig-Holstein und ihre Schwestern nur noch zu nachgeordneten Aufgaben herangezogen, sie sicherten weiterhin die Elbmündung und stellten eine Einheit regelmäßig in die Ostsee zur Sundsicherung (Preußen während der Skagerrakschlacht) ab. Anfang Mai 1917 wurde die Schleswig-Holstein dann außer Dienst gestellt und desarmiert.

Sie wurde als Wohnschiff von der V. U-Boot-Flottille in Bremerhaven genutzt und 1918 nach Kiel verlegt.

Da das Schiff als Einheitslinienschiff längst veraltet war, wurde es als eines von wenigen größeren Schiffen nach dem Ersten Weltkrieg dem Deutschen Reich belassen und in die Reichsmarine und später in die Kriegsmarine übernommen. In den Jahren 1925 und 1926 wurde die Schleswig-Holstein für den Einsatz in der Reichsmarine modernisiert. Dabei wurde der vordere massive Turmmast mit seinen Gefechtsmarsen ausgebaut und durch einen schlanken Röhrenmast mit modernen Entfernungsmessgeräten und Artillerieleiteinrichtungen ersetzt.

Am 1. Februar 1926 wurde sie als Flottenflaggschiff der Reichsmarine wieder in Dienst gestellt. Am 14. Mai 1926 verließ sie mit allen großen Schiffen des Flottenkommandos Wilhelmshaven zu einer bis zum 17. Juni dauernden „Atlantik- und Spanienreise“. Neben ihr nahmen das Linienschiff Hannover und der Kreuzer Amazone der Nordseestation, sowie die Linienschiffe Elsass und Hessen und der Kreuzer Nymphe der Ostseestation an der Reise teil. Die Schleswig-Holstein besuchte vom 22. bis zum 30. Mai Palma de Mallorca mit Hessen und Amazone, vom 1. bis zum 6. Juni Barcelona mit Elsass und vom 12. bis zum 14. Juni Vigo, wo vom gesamten Geschwader Kohlen für den Rückmarsch übernommen wurden. Es war die erste große Reise eines Verbandes der Reichsmarine. 1927 folgte eine weitere Reise im Verband Elsass und Hessen, den Kreuzern Amazone, Nymphe und Berlin vom 29. März über Ferrol (2. bis 7. April) nach Porto da Praia, Kap Verden, (16. bis 24.), Santa Cruz de Tenerife (26. April bis 2. Mai), La Luz bei Las Palmas (2. bis 9.), Funchal, Madeira (10. bis 12.), Horta, Fayal (17. bis 20.), Angra do Heroísmo, Terceira (21. bis 23.) und Ponta Delgada, Sao Miguel (23. bis 30. Mai). Von dort lief der Gesamtverband mit einem Aufenthalt vom 4. bis 10. Juni in Lissabon und einer Parade vor dem portugiesischen Staatspräsidenten bis zum 16. Juni 1927 nach Wilhelmshaven zurück.

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Schleswig-Holstein (Schiff, 1908) | World in Stories