An diesem Tag

Schlecker

Ehemalige Drogeriemarktkette

Anúncio

Anton Schlecker e. K. i. I. war ein 1975 von Anton Schlecker gegründetes Unternehmen mit Sitz in Ehingen (Donau), das bis 2012 die Drogeriemarktketten Schlecker und Ihr Platz, einen Versandhandel per Onlineshop und Katalog, Bau- und Möbelmärkte sowie Tankstellen betrieb.

Am 23. Januar 2012 stellten Anton Schlecker, der Alleininhaber der Anton Schlecker e.K., sowie die Tochtergesellschaften Schlecker XL GmbH und Schlecker Home Shopping GmbH beim Amtsgericht Ulm Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das am 28. März 2012 eröffnet wurde. Der Gläubigerausschuss beschloss am 1. Juni 2012 die Zerschlagung der insolventen Kette. Am 27. Juni 2012 schlossen mit Ausnahme der großen XL-Märkte und der Filialen der Ihr Platz GmbH & Co. KG sämtliche Schlecker-Filialen.

Am 28. Juni 2012 verkündete der Insolvenzverwalter das Aus für die Schlecker XL GmbH. Die Tochtergesellschaft Ihr Platz wurde nach dem Verkauf der einzelnen Filialen ebenfalls aufgelöst. Der Ausverkauf in den 367 Ihr Platz-Filialen startete am 26. Juli 2012.

Von der Insolvenz nicht betroffen waren die Konzerntöchter außerhalb Deutschlands (siehe Abschnitt Schlecker International). Diese waren die hundertprozentigen Töchter Schlecker SNC in Frankreich (im Mai 2012 verkauft) und die Schlecker International GmbH, in der die anderen internationalen Aktivitäten in zwei hundertprozentigen Tochtergesellschaften gebündelt waren. Namentlich waren dies die österreichische Anton Schlecker Gesellschaft m.b.H. (verkauft am 1. August 2012) und die spanische Schlecker S.A., deren Gesellschaften für jeweils vier weitere europäische Länder unterstellt waren.

Der Online-Versandhandel der Schlecker Home Shopping GmbH wurde am 12. August 2012 eingestellt.

Die Rechte für die Marke Schlecker liegen seit 2021 bei der Unternehmensgruppe des Unternehmers Patrick Landrock. Anfang 2022 äußerte er die Absicht, die Marke wieder an den Markt zu bringen, realisierte dies bislang aber nicht.

Von 1965 bis zur Firmengründung arbeitete Anton Schlecker (* 1944) als Metzgermeister im Unternehmen seines Vaters, das damals aus 17 Metzgereien und einer Fleischfabrik bestand.

1967 eröffnete Schlecker das erste SB-Warenhaus („Schleckerland“) in Ehingen. Weitere Eröffnungen folgten in Neu-Ulm, Geislingen an der Steige, Göppingen und Schwäbisch Gmünd. Als 1974 die Preisbindung für Markenartikel als unzulässig erklärt wurde, eröffnete er im Folgejahr in Kirchheim unter Teck seinen ersten Drogeriemarkt. 1977 betrieb Schlecker bereits mehr als 100 Drogerien. Er steigerte deren Anzahl bis 1984 auf 1000 Filialen und galt seit 1994 als Marktführer.

Nach und nach expandierte Schlecker deutschlandweit. Ab 1987 folgte der Markteintritt in Europa, zuerst in Österreich, 1989 in den Niederlanden und Spanien. Durch die Übernahme des französischen Unternehmens Superdrug konnte Schlecker 1991 in Frankreich Fuß fassen. Im Jahr 1999 erfolgte die Expansion nach Italien, 2004 nach Polen und Dänemark. 2005 wurden Filialen in Tschechien und Ungarn, 2006 in Portugal eröffnet.

Neben Österreich und Spanien entwickelten sich auch Italien sowie Tschechien und Polen zu wichtigen Auslandsmärkten für Schlecker. Andere Länder kamen über ihre Start-up-Phase nicht weit hinaus.

Das Ehepaar Anton und Christa Schlecker wurde 1998 per Strafbefehl durch das Landgericht Stuttgart zu einer Freiheitsstrafe von je zehn Monaten auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro verurteilt, weil den Schlecker-Beschäftigten vorgetäuscht worden war, sie würden nach Tarif bezahlt. Tatsächlich waren die Löhne niedriger, was das Gericht als Betrug wertete.

Nicht nur durch Expansion, sondern auch durch Akquisition weitete Schlecker das Geschäft aus. So wurden die 240 Sconti-Märkte der Rewe Group 2001 übernommen. 2005 integrierte Schlecker 91 Filialen der Drogeriekette idea – die grüne Drogerie der Rewe Group in das eigene Filialnetz. Ende 2006 übernahm Schlecker die führende tschechische Drogeriekette Droxi, die zum Feinkosthaus Julius Meinl gehört hatte. Zum 31. Dezember 2007 akquirierte Schlecker den einstigen Konkurrenten Ihr Platz für 150 Millionen Euro und führte ihn als Premiumzweitmarke weiter. Auch fast 100 größere Schlecker-Filialen sollen unter Ihr Platz firmiert haben. Ende August 2009 genehmigte das Bundeskartellamt die Übernahme von maximal 71 ehemaligen Woolworth-Filialen.

Im Jahr 2000 wurde der Onlineshop Schlecker Home Shopping eröffnet, dessen Sortiment nach Angaben des Unternehmens 100.000 Artikel umfasste. Die Artikel des Sortiments wurden auch über einen regelmäßig aktualisierten Katalog vertrieben. Für das Versandgeschäft wurde 2004 ein neues Logistikzentrum nahe Ehingen-Berg in Betrieb genommen. In einer repräsentativen Kundenbefragung vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels wurde der Onlineshop 2009 in der Kategorie „Kosmetik-Drogerie“ unter die besten Einkaufs-Adressen im Internet gewählt.

Seit Mitte 2007 war Schlecker im Großhandelsgeschäft tätig und kaufte für andere Händler ein. Hierdurch sollte die firmeneigene Logistik besser ausgelastet und durch die Volumenerhöhung die Einkaufspreise der Artikel weiter gedrückt werden.

Seit Februar 2008 betrieb Schlecker im niederländischen Heerlen die Versandapotheke Vitalsana.

2008 machten europaweit mehr als 14.000 Filialen mit ca. 50.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von über sieben Milliarden Euro.

Der Aufstieg von Schlecker zur größten Drogeriemarktkette Europas wurde damals als Erfolgsgeschichte im europäischen Einzelhandel bezeichnet.

Zum 1. Januar 2010 hatte die zur Schwarz-Gruppe gehörende Handelskette Kaufland vier der fünf Schleckerland-Selbstbedienungs-Warenhäuser übernommen, umgebaut und auf das Kaufland-Konzept umgestellt. Das Schleckerland Neu-Ulm hingegen wurde als Einkaufszentrum mit Schlecker XL-Markt neu eröffnet, da Kaufland dort zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Filialen betrieb.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Schlecker | World in Stories