Die Schlacht von Mărășești umfasst eine Reihe weiträumiger aber taktisch zusammenhängender Kämpfe im Raum Focșani, die sich vom 6. August (24. Juli) bis 3. September (21. August) 1917 im Kreis Vrancea zwischen den Flüssen Sereth und Putna mit Konzentration an der Linie Muncelu – Mărășești ereigneten. Sie wurde in der deutschen Weltkriegsgeschichtsschreibung traditionell als „Durchbruchsschlacht an der Putna und Sușita“ bezeichnet. Die seit Dezember 1916 intensivsten Kämpfe am rumänischen Kriegsschauplatz, die eine direkte Fortsetzung der Schlacht von Mărăști (22. Juli – 1. August) darstellten, erstreckten sich über einen Zeitraum von 29 Tagen, von denen nur an 16 Tagen größere militärische Aktionen stattfanden. Die großen Verluste bei der Offensive zwangen die Mittelmächte, ihre Angriffe an der rumänischen Front aufzugeben und dauerhaft in die Defensive überzugehen. Aus rumänischer Sicht handelt es sich um die bedeutendste Schlacht des Ersten Weltkriegs, die auch als „das rumänische Verdun“ charakterisiert wird.
Der Plan der Mittelmächte zielte im Sommer 1917 darauf ab, Rumänien vollständig zu besetzen, um die landwirtschaftlichen Ressourcen dieser Region und danach jener der westlichen Ukraine für die eigene Kriegsführung zu nutzen. Durch die Niederlage der russischen Truppen während der Tarnopol-Offensive und den Verlust der Bukowina mussten die russische 9. Armee (fünf Armeekorps) von der rumänischen Front abgezogen und nach Ostgalizien verlegt werden, wo sie die Flanke der zurückgehenden 8. Armee sichern sollte. Der zusätzliche Erfolg des linken Flügels der rumänischen 2. Armee bei Mărăşti zwang die Mittelmächte, ihre Pläne Anfang August zu überarbeiten. Die rumänische 2. Armee begann am 22. Juli eine Entlastungsoffensive gegen den rechten Flügel der k.u.k. 1. Armee (Generaloberst Rohr von Denta). Die betroffene Korpsgruppe Gerok (XXIV. Reserve-Korps) geriet in starke Bedrängnis. Die dort eingesetzte k.u.k. 1. Kavallerie-Division (FML. de Ruiz) sowie die deutsche 218. Infanterie-Division mussten sich aus dem Soveja-Becken durch das Putna- und Susita-Tal zurückziehen. Die deutsche 117. Infanterie-Division musste als Verstärkung zugeführt werden. Der im Hauptquartier der russischen 4. Armee geplante Angriff am Fluss Namoloasa musste ebenfalls aufgegeben werden, weil auch deren Truppen zuvor abgelöst werde sollten. Die in der nördlichen Moldau stehende rumänische Reservearmee sollte durch eine Neugliederung der Front einbezogen werden. Das Gros wurde im Raum Focșani vorgezogen, wo die rumänische 2. Armee am mittleren Sereth konzentriert war. Die russischen Truppen wurden nacheinander von der rumänischen 1. Armee unter General Constantin Cristescu abgelöst. Der größte Teil dieser Kräfte befanden sich noch im Raum Tecuci und mussten zuerst den Sereth überqueren, bevor sie die Russen im freigewordenen Raum ersetzen konnte. Die rumänische 5. Infanterie-Division kam zuerst am 6. August in Baltaretu an und sollte am Abend die Ablöse des russischen VII. Armeekorps beginnen, die Stellungen waren nach den Vorkämpfen von Anfang August noch nicht durchgängig gefestigt und tief genug ausgebaut.
Der Plan von Generalfeldmarschall August von Mackensen, dem Oberbefehlshaber der rumänischen Heeresgruppe sah vor, dass die Offensive im Raum nördlich Focșani konzentriert werden sollte, gleichzeitig sollte ein Angriff der k.u.k. Truppen im Oituz-Tal erfolgen. Der Hauptschlag wurde der deutschen 9. Armee (General Johannes von Eben) zugewiesen, deren Truppen sollte gegen das westliche Ufer des Sereth und auf der Linie Focșani – Mărășești – Adjud durchbrechen. Nach Erreichen der Linie Mărășești – Panciu sollte die links eingesetzte rumänische 2. Armee durch einen Vorstoß auf Racoasa nach Westen zum Gebirge abgedrängt und im Zusammenwirken mit der k.u.k. 1. Armee der Heeresgruppe Erzherzog Joseph eingekesselt werden, während die rechts gestaffelten Divisionen zunächst den Sereth-Brückenkopf bei Tecuciu auf die Linie Movileni—Negrilesci erweitern sollten.
Für die Offensive wurde die deutsche 9. Armee auf 174 Bataillone, 16 Eskadron, 150 Batterien (davon 31 schwere) gebracht, wobei die Verstärkungen von der Westfront und der italienischen Front herangebracht wurden. Die Streitkräfte im Angriffs-Abschnitt zählten 13 Divisionen mit 102 Bataillone, 10 Eskadronen, 24 Pionier-Kompanien, 2 Panzerwagen, 1.135 Maschinengewehre, 356 Mörser, 213 Feldgeschütze und 122 schwere Kanonen. General von Eben beschloss, den Hauptschlag mit dem I. Reserve-Korps (6 Divisionen) zu führen, während das XVIII. Reserve-Korps (3 Divisionen) zu seiner Linken die ihm gegenüberliegenden Entente-Truppen binden musste. Der linke Flügel der 9. Armee wurde durch 2 Divisionen der Ramnic-Gruppe defensiv gesichert. Der Angriff wurde auf einer Breite von etwa 35 km angesetzt und begann wegen Zeitdruck, obwohl die volle Konzentration aller Kräfte noch nicht erreicht war. Als Reserve fungierte eine deutsche und einer österreichisch-ungarische Division, sobald das frisch von der Westfront kommende Alpenkorps eingetroffen war, sollte der Angriff beginnen.
Die rumänisch-russischen Streitkräfte waren bedeutend: Einerseits bestand die russische 4. Armee aus 84 Bataillonen, 32 Schwadronen, 79 Batterien (9 schwere) mit 280 Feld- und 36 schwere Geschützen – und die rumänische 1. Armee – aus fünf Infanterie- und einer Kavallerie-Division, drei Brigaden mit 78 Bataillonen, 58 Schwadronen und 36 Batterien mit 114 Kanonen, 10 Mörsern und 7 Flugabwehrgeschützen. Gegenüber dem deutschen I. Reservekorps lag die russische 4. Armee mit dem VIII. Armeekorps (3 Divisionen) rechts und dem VII. Armeekorps (2 Divisionen) am linken Flügel. Die Reserve bestand aus einer Infanterie- und einer Kavallerie-Division. Die in der folgenden Konfrontation defensiv bleibende russische 6. Armee hatte rechts von der neu eingeschobenen rumänischen 1. Armee ihre Front bis Liesci zu verlängern. Hierdurch wurden Reservekräfte unter General Cristescu gewonnen, die aus der Hauptreserve durch die 10. Infanterie-Division verstärkt wurde, um bei Clipicesci das zuerst abgehende russische XXX. und später das VII. Armeekorps abzulösen.
Deutsche 9. Armee – General der Infanterie Johannes von Eben
I. Reserve-Korps, General Curt von Morgen
Bayerische 12. Infanterie-Division, Generalmajor Karl von Nagel zu Aichberg
76. Reserve-Division, Generalleutnant Hugo Elstermann von Elster
89. Infanterie-Division, Generalleutnant Richard Hermann Vogel
216. Infanterie-Division, Generalleutnant Detlev Vett
XVIII. Reserve-Korps, Generalleutnant Karl von Wenninger
115. Infanterie-Division, Generalleutnant Alfred von Kleist
k.u.k. 62. Division, FML. Adolf Brunswik
217. Infanterie-Division, Generalmajor Kurt von Gallwitz gen. Dreyling
Alpenkorps, Generalleutnant Leo Sontag
212. Infanterie-Division, Generalmajor Franz Franke
k.u.k. 13. Division, FML Franz Kalser von Maasfeld