Die Schlacht von Alam Halfa (englisch Battle of Alam el Halfa) fand vom 30. August bis zum 6. September 1942 bei El Alamein in Ägypten zwischen Einheiten der Panzerarmee Afrika und der britischen 8. Armee statt. Ziel dieser letzten strategischen Offensive der Achsenmächte im Afrikafeldzug (engl. Western Desert Campaign) des Zweiten Weltkriegs war es, die britischen Einheiten zu zerschlagen, bevor sie durch erwartete erhebliche Verstärkungen unüberwindlich würden. Anschließend sollte der deutsche Befehlshaber Generalfeldmarschall Erwin Rommel weiter nach Osten über Alexandria zum Suez-Kanal vorstoßen. Der britische Oberbefehlshaber Lieutenant General Bernard Montgomery verfolgte das Mindestziel, den Angriff der Achsenmächte aufzufangen, sowie das Maximalziel, die angreifenden deutschen und italienischen Einheiten zu schwächen. Die Schlacht endete mit einem Defensiverfolg der britischen 8. Armee, durch den das Maximalziel erreicht wurde.
Namensgebendes Toponym der Schlacht ist der Höhenzug Alam Halfa / علم حلفا / ʿAlam Ḥalfā im Osten des Schlachtfeldes, der sich etwa 15 km von der Küste entfernt grob in Ost-West-Richtung erstreckt und dessen höchste Stelle 132 Meter über dem Meeresspiegel liegt. An den hier befindlichen ausgebauten Stellungen der 8. Armee scheiterte der deutsche Panzervorstoß am zweiten Tag der Offensive. In deutschen Quellen wie etwa den Kriegstagebüchern findet sich demgegenüber auch die Bezeichnung als „zweite Schlacht von El Alamein“, benannt nach der el-Alamein-Stellung, um die in insgesamt drei Schlachten jeweils im Juli, August/September und Oktober/November 1942 gekämpft wurde. Die üblicherweise als „zweite Schlacht von El Alamein“ bezeichnete letzte dieser Schlachten wird in diesen Quellen entsprechend als „dritte Schlacht von El Alamein“ bezeichnet.
Im September 1940 starteten die italienischen Kräfte in Libyen einen Vorstoß auf ägyptisches Territorium und konnten Sidi Barrani erobern, gingen dann aber zur Sicherung ihres Gebietsgewinns über, anstatt den Angriff trotz numerischer Überlegenheit fortzusetzen. Die Alliierten begannen daraufhin eine Gegenoffensive (Deckname Operation Compass); sie drangen 800 km auf libysches Gebiet vor und brachten den italienischen Kräften hohe Verluste bei. Kurz vor der Vertreibung der Italiener aus Nordafrika gab der britische Premierminister Churchill jedoch einen Haltebefehl und ordnete an, die Truppen teilweise nach Griechenland abzuziehen, um dort die Griechen im Kampf gegen die Italiener zu unterstützen.
Am 11. Februar 1941 landeten unter dem Decknamen Unternehmen Sonnenblume die ersten deutschen Truppen in Italienisch-Libyen. Sie sollten als Sperrverband gegen die vorrückenden Alliierten dienen, um den Verlust der gesamten Kolonie zu verhindern und die damit verbundene italienische Niederlage abzuwenden. Jedoch gingen die Truppen des Deutschen Afrikakorps (DAK) unter dem Oberbefehlshaber General der Panzertruppe Erwin Rommel zum Angriff über, wodurch die britische Armee wieder zurückgeworfen werden konnte. Im April 1941 wurde der deutsche Vormarsch vor der britischen Festung und ägyptischen Grenzstadt Sollum östlich von Tobruk gestoppt, das bis November erfolglos belagert wurde.
Im November 1941 hatte die britische Operation Crusader Erfolg und das Afrikakorps zog sich auf seine Ausgangsstellungen auf der westlichen Kyrenaika zurück. Im Frühjahr 1942 begannen die deutschen und italienischen Truppen eine erneute Offensive in Richtung ägyptischer Grenze (Unternehmen Theseus), am 21. Juni gelang ihnen die Einnahme von Tobruk.
Der Vorstoß endete in der ersten Schlacht von El Alamein. Nach wechselvollen Kämpfen blieb die Frontlinie weitgehend unverändert. Angesichts der sich durch verstärkte alliierte U-Boot-Angriffe weiter verschlechternden Versorgungslage sowie sich abzeichnender nachhaltiger Verstärkung der alliierten Truppen suchte das Oberkommando der Achsenmächte nun einen Weg, die Entscheidung auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz noch im August 1942 zu erzwingen.
Nachdem die Achsenmächte am 21. Juni 1942 Tobruk im Zuge des Unternehmens Theseus erobert hatten, unternahmen die durch die deutsch-italienische Kriegserklärung seit Dezember 1941 kriegführenden Vereinigten Staaten starke Anstrengungen zur Stärkung der britischen Position in Ägypten, die auch dem Oberbefehlshaber der Panzerarmee Afrika Erwin Rommel bekannt waren. Seinen Berechnungen zufolge würden neue alliierte Lieferungen von Kriegsmaterial und Truppentransporte um das Kap der Guten Hoffnung zwei bis drei Monate bis zum Eintreffen in Ägypten benötigen. In seinen Memoiren schreibt er zu dieser Situation:
Rommel unternahm für die Offensive Pläne, die der Konzeption von Gazala ähnlich waren. Problematisch wirkte sich von Beginn an die Unterlegenheit an Panzern und das Kräfteverhältnis der Luftstreitkräfte aus. Durch die Beengung des operativen Kampfraumes infolge geografischer Bedingungen, wie die Qattara-Senke, war keine echte, weit ausholende, Südumfassung der britischen Kräfte möglich. Zudem wusste Montgomery auf britischer Seite die „Ultra“-Informationen zu nutzen und verstand es, eine starke Abwehrfront an den gefährdetsten Abschnitten zu bilden. Bei Ultra handelte es sich um nachrichtendienstliche, streng geheime Informationen, die durch die Entschlüsselung des deutschen Chiffriercodes verfügbar wurden.
Dem Oberbefehlshaber der Panzerarmee waren trotz seiner optimistischen Lagebeurteilung die Risiken und vor allem das Treibstoffproblem der Operation bewusst. Der Historiker Reinhard Stumpf bezeichnet den deutsch-italienischen Angriff am Südflügel als „seinen letzten Trumpf“ und hielt auch Rommels Grauen vor der baldigen massiven alliierten Materialüberlegenheit fest.
Ugo Cavallero, der Chef des italienischen Militäroberkommandos (ital. Comando Supremo), hatte ähnlich optimistische Ansichten wie Erwin Rommel, forderte neben den Angriffszielen Alexandria, dem Gebiet rund um Kairo und dem Suezkanal jedoch auch, die Alamein-Linie „für alle Fälle besetzt“ zu halten. Danach stellte Cavallero fest, dass die Mittel für einen erfolgreichen Angriff der Panzerarmee bald vorhanden sein würden, und versprach auch, alle möglichen Anstrengungen für die Wiederauffüllung der Armee zu unternehmen. Er stellte auch in Aussicht, das von Rommel genannte Datum dem Duce vorzuschlagen, und machte davon etwaige Verzögerungen des Angrifftermins abhängig.
Es begann auch erneut die Diskussion um eine schnelle Auffüllung der deutsch-italienischen Panzerarmee. Zusagen von allen wichtigen deutschen und italienischen Befehlsstellen sowie der Führerbefehl vom 14. Juli lagen vor, die die Situation wesentlich verbessern sollten. Tatsächlich sank die hauptsächlich in Tobruk gelöschte Ladung im August statt einer erwarteten Steigerung gegenüber dem Vormonat um 43,5 Prozent, da es der britischen Royal Navy gelungen war, hauptsächlich durch U-Boote über 50.000 BRT Schiffsraum zu versenken, was eine Steigerung von 44.323 BRT gegenüber Juli bedeutete. Wegen dieser erheblichen Schwierigkeiten entsandte Rommel den Stabschef der Armee, Alfred Gause, nach Rom. Dort sollte er die Wünsche der Armee beim deutschen bevollmächtigten General beim Hauptquartier der italienischen Wehrmacht Enno von Rintelen und dem Stabschef des italienischen Comando Supremo Ugo Cavallero durchsetzen. Rommel verdächtigte auch die italienischen Verbündeten, entgegen der Vereinbarung und zu ihrem Vorteil gehandelt zu haben und statt deutscher Truppen und Material die italienische kriegsunerfahrene Division Pistoia überführt zu haben.
Rommel forderte auch trotz der ablehnenden Haltung Hitlers ein weiteres Generalkommando (motorisiert) und die Motorisierung der gesamten 164. leichten Afrika-Division und der Armeeartillerie sowie besseren Personalersatz und eine umfangreichere Führerreserve sowie den Austausch von Truppen, die länger als ein Jahr im Dienst der Armee standen.
Am 15. August vermeldete die Panzerarmee Afrika, dass die Lage sich durch die Auffüllung geschwächter und das Eintreffen von neuen Verbänden gebessert habe, es sei auch möglich gewesen, einen Teil der schnellen Verbände zur beweglichen Abwehr aus der Front zu lösen. Außerdem seien die neuen, umfangreichen Feldbefestigungen fertiggestellt worden und die Anzahl deutscher Panzer an der Front belaufe sich auf 200, wobei diese Zahl bis Monatsende auf 250 anwachsen solle. Die Verpflegungsvorräte seien aufgefüllt, Munition in ausreichendem Maße vorhanden, und der Kraftstoff reiche nach Eintreffen der im Antransport befindlichen Kontingente für eine rund zehntägige Operation.