Die Schlacht bei Longwy vom 22. bis 25. August 1914 war eine der sogenannten Grenzschlachten des Ersten Weltkrieges. Sie fand an der Westfront an der Festungslinie Montmédy–Longuyon–Longwy statt. Eingeleitet wurde die Schlacht durch einen Angriff der deutschen 5. Armee unter Führung des Kronprinzen Wilhelm aus dem Raum Arlon bis Diedenhofen. Das Vorrücken deutscher Truppen an der Frontlinie Étalle–Virton–Esch traf auf die französische 3. Armee unter General Pierre Ruffey, die gleichzeitig mit drei Korps zwischen Audun–Montmédy nach Nordosten vorging. Dabei konnten die deutschen Truppen die Franzosen in dreitägigen Kämpfen auf die Maas und die Nordostfront von Verdun zurückdrängen.
Die deutsche 5. Armee umfasste zu Beginn ihres Vormarsches durch Luxemburg fünf Armeekorps mit 147 Bataillonen und 240.000 Mann und 123 Batterien mit knapp 700 Geschützen. Das Höhere Kavallerie-Kommando Nr. 4 unter General der Kavallerie von Hollen stand mit 41 Eskadronen – etwa 6.500 Reiter – im Raum Diedenhofen als mobile Eingreifreserve zur Verfügung. Zur Verstärkung der Kräfte vor der Festung Verdun wurde der 5. Armee seit 20. August zusätzlich die 2. Landwehr-Division unter Generalleutnant Adolf Franke zugeführt. Im Verband der 5. Armee standen in erster Linie das V., XIII. und XVI. Armee-Korps, sowie in zweiter Linie das V. und VI. Reserve-Korps. Die 3. Kavallerie-Division operierte am rechten Flügel vor der Front des V. Armee-Korps (General Hermann von Strantz) und klärte von Étalle über Jamoigne–Izel gegen Florenville auf.
Am 20. August erreichte die 5. Armee die Linie Arlon–Étalle–Châtillon (V. und XIII. Armee-Korps), Kerschen–Redingen (VI. Reserve-Korps) – Öttingen – XVI. Armee-Korps nördlich Diedenhofen, V. Reserve-Korps als Reserve des Zentrums dahinter bei Dippach–Arsweiler. In zweiter Staffel folgte dahinter das VI. Reserve-Korps hinter dem XIII. Armee-Korps von Kayl auf Esch nach. Die 33. Reserve-Division unter Generalleutnant Viktor Bausch wurde aus der Festung Metz abgezogen, und nachdem die Gefahr eines französischen Angriffes auf Metz nicht mehr bestand – zur Beteiligung am Angriff auf Verdun nachgeführt. Zur Deckung der beiden Flügel der 5. Armee fungierte die 3. und 6. Kavallerie-Division des Höheren Kavallerie-Kommandos Nr. 4. Die 3. Kavallerie-Division sicherte die rechte Flanke der 5. Armee auf den Höhen nördlich Villers-sur-Semois.
Die französische 3. Armee unter General Pierre Ruffey war am 22. August mit acht Divisionen aus dem Raume von Verdun über den Othain und die Maas aufwärts gegen die Linie Longuyon–Montmédy im Vormarsch nach Norden. Für die Deutschen bestand dadurch die Gefahr, dass sich die inneren Flügel der französischen 3. und 4. Armee (2. und 4. Korps) genau an der Naht der deutschen 5. und der rechts vorgehenden 4. Armee heranschoben. Dadurch wäre die 4. Armee an ihrer linken Flanke bedroht, gleichzeitig wären die rechten Flügelkorps (deutsches VI. und V. A.K.), der in zwei Gruppen vorgehenden 5. Armee durch eine Abspaltung bedroht gewesen. Der linke Flügel der 5. Armee wäre dadurch beim angesetzten Vorgehen zwischen Crusnes und Serre zum Othain-Abschnitt vorzeitig gestoppt worden.
Der Generalstabschef der 5. Armee, Generalleutnant Schmidt von Knobelsdorf überzeugte den preußischen Kronprinzen davon, diese Gefahr durch einen Gegenangriff beiderseits Longwy in süd- und südwestlicher Richtung erfolgreich abwenden zu können. Die im Hauptquartier der deutschen 4. Armee in Bastogne eintreffenden Nachrichten veranlassten den dortigen Stabschef, Generalleutnant von Lüttwitz, ebenfalls zum gleichzeitigen Angriff seiner Truppen im Raum Neufchâteau. Der Pionierführer der 5. Armee, Generalmajor Kämpffer, führte im Zentrum der 5. Armee sein Detachement selbstständig gegen die Festung Longwy vor. Das im zweiten Treffen nachfolgende V. Reserve-Korps war am 20. August durch Esch marschiert und befand sich nach seinem Schwenk nach Süden, die 10. Reserve-Division war über Dippach vorrückend im Anmarsch auf Crusnes, die 9. Reserve-Division ging über Leudelingen und Bettemburg auf die französische Grenze bei Aumetz vor.
Schlacht zwischen Rossignol und Tintigny
Der an der Linie Léglise–Thibessart vorgehende linke Flügel der deutschen 4. Armee – das VI. Armee-Korps unter General von Pritzelwitz – war vorübergehend der 5. Armee unterstellt, um den Angriff des V. Armee-Korps auf Virton unterstützen zu können. Die Deutschen trafen dabei auf den rechten Flügel der französischen 4. Armee des Generals Langle de Cary, der während der gleichzeitig ablaufenden Schlacht bei Neufchâteau Befehl hatte, seine Truppen über die belgische Grenze auf die Linie Gedinne-Paliseul-Offagne-Bertrix vorzuführen. Langles rechter Flügel, gebildet durch das französische Kolonialkorps unter General Lefevre, traf bei Rossignol auf das deutsche VI. Armee-Korps. Zur Linken des Kolonialkorps deckte die französische 23. Division des XII. Armeekorps an der Semois, die 2. Kolonial-Division unter General Leblois hatte Auftrag als Reserve hinter dem Fluss bei Jamoigne zu verbleiben. Die deutsche 12. Division unter General Chales de Beaulieu wurde auf Rossignol und die 11. Division unter General von Webern auf Tintigny angesetzt.
Von Sainte-Marie her griff die 3. Kavallerie-Division auf Bellefontaine an, die 12. Division überschritt die Semois und erreichte Saint-Vincent. Die Franzosen erlitten bei Rossignol schwerste Verluste. Die deutsche 11. Division umfasste Rossignol, hier wurde bei Bellefontaine die 3. DIC (Kolonialinfanterie, ethnisch französische Berufssoldaten) fast vollständig eingekesselt – beim Ausbruch war der Divisionsführer General Raffenel gefallen. Bis zum Morgen des 23. August wurden vom VI. Armee-Korps 3800 Gefangene eingebracht, darunter die beiden verwundeten Brigadegeneräle Montignault und Rondony. Die 1. Kolonial-Brigade, die anfangs 6.800 Mann umfasste, zählte am Morgen nur noch 226 Soldaten.
Kämpfe zwischen Virton und Ethe
Das auf Virton angesetzte V. Armee-Korps unter General von Strantz
traf derweil an der Linie Ethe–Robelmont auf das nordwärts stoßende französische 4. Korps unter General Victor Boëlle. General von Below ließ die 9. Division auf die Höhen zwischen Robelmont und Virton vorgehen, östlich davon wurde die 10. Division des Generals Kosch mit der 19. Brigade auf Belmont und dem Infanterie-Regiment 50 der 20. Brigade auf Ethe angesetzt. Die französische 7. Division hatte Befehl Virton zu nehmen. Die an der Spitze vorgehende 14. Brigade erreichte Gomery und erhielt von General Edgar de Trentinian den Befehl, Belmont anzugreifen. Nördlich von Virton blieb der französische Versuch gegen die Flanke des deutschen V. Korps anzugreifen, trotz der Unterstützung durch die 7,5-cm-Geschütze stecken. Als General de Trentinian mit der 14. Brigade in Gomery ankam, musste er feststellen, dass sich die 13. Brigade bereits auf dem Rückzug befand. Am Abend mussten die Franzosen ihren Truppen bei Ethe zurücknehmen, sie räumten über Nacht auch Goméry – zahlreiche Verwundete mit ihren Sanitätern wurden dabei zurückgelassen. Die Franzosen stützten sich beim Rückzug auf das im Raum Montmédy stehende 2. Korps unter General Augustin Gérard.
Im Zentrum der deutschen 5. Armee rückte das XIII. Armee-Korps (General der Infanterie von Fabeck) von Saint-Léger über Signeulx und Musson gegen das französische 5. Korps unter General Charles Georges Brochin vor. Die 27. Division ging links über Mussy-la-Ville auf Ruette vor, rechts rückte die 26. Division auf Ville-Houdlémont vor. Die württembergische 26. Division unter General von Urach wurde das Vorgehen über Willancourt auf Baranzy zugewiesen. Die 53. Brigade (27. Division) war über Châtillon herangekommen und rückte unter Generalmajor von Moser über Saint-Léger auf Bleid vor. Die gegenüber verteidigende französische Division wurde von den Höhen nördlich Bleid–Baranzy heruntergeworfen und hinter die Linie Tellancourt–Villancy–Gorcy zurückgedrängt. Die 26. Division traf bei Baranzy frühzeitig auf starke Feindkräfte – die 52. Brigade erlitt schwere Verluste durch Flankenfeuer des französischen 4. Korps. Das XIII. Armee-Korps erreichte die Linie Grandcourt und Tellancourt und drängte weiter auf Longuyon vor.